14.07.2007-06.01.2008 Seit nunmehr dreißig Jahren schafft Hiroshi Sugimoto (Jg. 1948) überaus faszinierende, rätselhafte fotografische Bilder. Sie lösen die Fotografie aus der Realitätsverpflichtung und fügen sie in eine künstlerische Reflexion über Zeit, Vergänglichkeit und Erinnerung. „Mein Anliegen ist es“, so der Künstler 2002, „mit den Mitteln der Fotografie eine uralte Stufe der menschlichen Erinnerung sichtbar zu machen. Ob individuelle oder kulturelle Erinnerung oder die kollektive Erinnerung der Menschheit insgesamt: Es geht darum, in die Vergangenheit zurückzugehen und sich zu erinnern, woher wir kommen und wie wir entstanden sind.“ Sugimoto gibt formal äußerst reduzierte Denk-Bilder, in denen er dem Wesen der Fotografie sowie grundlegenden Phänomenen der menschlichen Erfahrung nachforscht.
| |
Das Werk des japanischen Künstlers, der seit 1970 in den USA lebt, ist seriell aufgebaut. In jeder einzelnen Fotografie ist aber der gedankliche Raum der jeweiligen Serie enthalten. Marcel Duchamps Ansatz, die amerikanische Minimal und Concept Art sind ebenso prägend für seine Kunst wie die Kultur des alten Japan und die fernöstliche Ästhetik. Sugimoto arbeitet mit einer alten Großbildkamera des ausgehenden 19. Jahrhunderts; er überschreitet in seinen jüngeren Werken jedoch zunehmend die medialen Grenzen der Fotografie, um mit Skulpturen und Architektur den Raum zu erschließen.
| |
Die Ausstellung in K20, Auftakt einer Tournee mit drei weiteren Stationen, ist die bisher größte Retrospektive des Künstlers im deutschsprachigen Raum. Sie empfängt den Besucher in der großen Halle im Erdgeschoss, wo auf einer monumentalen, leicht gekurvten Wandscheibe dreizehn großformatige Bilder der Serie Seascapes präsentiert werden. Auf den beiden folgenden Etagen entwickelt sich der Parcours in neun Räumen mit den Serien Theaters und Drive-in Theaters, Portraits, Pine Trees, Colors of Shadow, Conceptual Forms (Mathematical Forms), Dioramas, Architectures, Lightning Fields und Photogenic Drawing. Im räumlichen Zentrum der Ausstellung wird Onduloid gezeigt, eine virtuell endlos verlängerbare Aluminiumstele aus konvexen und konkaven Formen.
| |
Sugimotos Bilder zeichnen sich durch vollkommene Ruhe und Schönheit, durch größte Präzision und auratische Wirkung aus. Sie fordern einen konzentrierten Betrachter, der in einem langsamen Rhythmus zwischen der Nahsicht der Bilder mit ihren vielen Detailinformationen und dem Gesamtarrangement der Werke im Raum wechselt. Sugimoto bewertet Fotografie als Medium der Reflexion und der Kontemplation. Ein vertiefender Blick auf sein Werk ist gerade in Düsseldorf – einer Stadt, die international als Zentrum der fotografischen Kunst wahrgenommen wird, aufschlussreich und erhellend.
| |
Bild 1: Henry VIII, 1999 Silbergelatineabzug/ Gelatin silver print 149,2 x 119,4 cm Privatsammlung/ Private collection © Hiroshi Sugimoto, 2007
Bild 2:
Metropolitan L.A., Los Angeles, 1993 Silbergelatineabzug 119,4 x 149,2 cm Privatsammlung © Hiroshi Sugimoto, 2007
Bild 3:
Lightning Fields 012, 2006 Silbergelatineabzug/ Gelatin silver print 149,2 cm x 119,4 © Hiroshi Sugimoto, 2007
Bild 4:
Mathematical Form: Surface 0006, 2004 Kuen’s Surface: a surface with constant negative curvature 149,2 x 119,4 cm Privatsammlung/ Private collection © Hiroshi Sugimoto, 2007
KPMG Kunstabende
Mittwoch, 1. August 2007, 19.00 Uhr Esther Ruelfs (Kunsthistorikerin, Braunschweig/Berlin) Entliehene Lebendigkeit.
Wenn Abbilder Abbilder abbilden. Hiroshi Sugimotos Wachs.gurenporträts und Dioramen.
Mittwoch, 5. September 2007, 19.00 Uhr
Reinhard Spieler (Kunsthistoriker, Bern) Kunst-Vorstellung.
Hiroshi Sugimotos Theaters.
Mittwoch, 7. November 2007, 19.00 Uhr Leiko Ikemura (Künstlerin, Köln/Berlin) Nirgends.
Gedankenfolge entfacht von der Begegnung mit Sugimotos Kunst.
Der Katalog zur Ausstellung im Hatje Cantz Verlag ist als Künstlerbuch in der Art eines Catalogue raisonné konzipiert. Autoren: Hiroshi Sugimoto, Kerry Brougher, Pia Müller-Tamm. Preis: 49,80 €.
|
|
|