Zu entdecken ist eine sorgfältig gefügte architektonische und skulpturale Konstruktion, die den örtlichen Raum und seine Bedeutung paraphrasiert und gestaltet und in Größen, Formen, Materialien und Bildern auf andere konkrete Orte und Ideen verweist. Ausstellungsraum und Objekte sind mit größter konzeptioneller und formaler Präzision verwirklicht und aufeinander bezogen. In der Mitte kann eine Kammer betreten werden, deren Grundriß und Maßstab den Gegebenheiten von Muchas Düsseldorfer Atelier entspricht und deren Innenwände mit 27 Vitrinenkonstruktionen besetzt sind. In diese Wandskulpturen ist der gesamte jeweils in Teilstücke aufgeschnittene Fußboden aus dem Atelier des Künstlers eingearbeitet und bildhaft in die Senkrechte gestellt. Jedes Stück zeigt Lebens- und Arbeitsspuren und versperrt den Blick in die Tiefe der Vitrine. Neben den Spuren einer Individualgeschichte dokumentiert dieser Boden der Tatsachen ebenso Industriegeschichte wie das Gebäude, aus dem er stammt, denn es war ursprünglich Sitz der „Düsseldorfer Eisenbahnbedarf AG“. Analog hierzu entspricht die Außenhülle dieser Kammer dem Travertinboden des Deutschen Pavillons. Die an mehreren Stellen dem Werk 2002 hinzugefügten Videomonitore zeigen Photodokumente, die solche Verweise ebenso wie die formale Verschränkung des Werkes mit der Architektur des deutschen Länderpavillons verdeutlichen. Gleiches gilt für die dokumentarischen Querverweise zu den von Bernd und Hilla Becher in Venedig gezeigten Werken innerhalb der insgesamt 13 verschiedenen Animationen.
An den Wänden rund um die Zelle sind 38 weitere Vitrinen angebracht. Sie zeigen und bewahren jeweils eine gefundene Fußbank - jede einzelne eine ironische Bemerkung zum Portikus und zur Architektur des Pavillons insgesamt - und ihren Bronzeabguss in einer prekären Balance. Die roh belassenen Güsse erinnern bei näherer Betrachtung an schwerindustrielle Prozesse, an Kohle und Stahl, eine für Deutschland und insbesondere
NRW signifikante Anspielung. Die vom Künstler geschaffene Vitrine als Instrument pathetischer Überhöhung, die dem hehren Anlaß einer solchen Präsentation zu entsprechen scheint, ist eine Rahmenform, die zur Betrachtung des Unscheinbaren einlädt und dabei selbst zum Objekt der Betrachtung wird. Ihr Glas spiegelt den Museumsraum und den Betrachter, mit ihrer Tiefe suggeriert und reflektiert sie Situation und Funktion des Museums als Ort visueller Wahrnehmung und historischen Gedächtnisspeicher. In dieser Konstellation sind so Real- und Objekträume, Funktions-, Erinnerungs- und Gedankenräume ineinandergesetzt. Der Titel des Werkes „Das Deutschlandgerät“ ist entlehnt und abgeleitet von einem gleichnamigen Produkt der zum Dortmunder Hoesch-Konzern gehörenden „Maschinenfabrik Deutschland AG“. Die so benannte Spezialvorrichtung ist bis heute weltweit in Gebrauch als hydraulisches Werkzeug mit dem Zweck, besonders schwere Lasten wie ganze Brückenkonstruktionen anzuheben oder entgleiste Schienenfahrzeuge wieder auf die Gleise zu stellen. In der Umbruchzeit nach 1989 war der Titel zudem als Anspielung auf die politische Situation in Deutschland und als ironischer Kommentar auf die symbolische Rolle des deutschen Pavillons auf der Biennale zu verstehen. ___