Tomás Saraceno

© Tomás Saraceno, Courtesy of the artist and Andersen’s Contemporary
 

Mit seinen "realisierbaren Utopien" eines Städtebaus der Zukunft trotzt der argentinische Künstler Tomás Saraceno traditionellen Vorstellungen von Raum, Zeit und Schwerkraft. Seine Arbeiten bewegen sich an den Schnittstellen von Kunst und Architektur, Ingenieurwesen, Natur- und Sozialwissenschaft. Inspiriert von visionären Vordenkern wie Yona Friedman und Buckminster Fullers entwirft er Cloud Cities – schwebende Zellstädte, die sich wie Wolken zu immer neuen Strukturen formieren und ein alternatives, nachhaltiges Lebensumfeld jenseits territorialer Beschränkungen bieten sollen.

Als Vorbild für seine fliegenden Zellstädte dienen Saraceno meist natürliche Phänomene wie die Struktur von Seifenblasen. Sie sind leicht, existieren als Einzelne, können sich jedoch auch mit beliebig vielen anderen verbinden. Eine Seifenblase schließt bei minimaler Oberfläche ein Maximum an Luftvolumen ein. Treffen zwei gleichgroße Seifenblasen aufeinander, nehmen sie wiederum die Form mit der geringsten Oberfläche an. Geometrisch lässt sich dieses Gebilde am besten durch die Verbindung zweier Polyeder darstellen – der so genannten "Weaire-Phelan-Struktur".

Fasziniert von der enormen Belastbarkeit von Spinnennetzen erforschte der Künstler am Architekturmodell des Ständehauses, zu welch innovativen Lösungen verschiedene Spinnenarten gelangen. Besonders inspirierend für Saraceno sind die architektonischen Meisterleistungen, die Opuntien-, Haubennetz- und Baldachinspinnen mit ihren dreidimensionalen Netzen vollbringen.

Tomás Saraceno, der ursprünglich Architektur studierte, arbeitet vorzugsweise im Team. Im Austausch mit Experten etwa aus der Spinnenforschung, der Astrophysik, der Sozialwissenschaft und des Ingenieurwesens findet er neue Lösungsansätze für die Verwirklichung seiner Arbeiten. Sein Labor-Projekt knüpft an dieses Prinzip von Interaktion und Teamarbeit an: Hier sind die Besucher eingeladen, eigene Wolkenmodule zu bauen und diese an die bereits vorhandenen Strukturen anzusetzen. So wird im Laufe der Ausstellung eine Wolkenstadt entstehen, deren Form die Beteiligten maßgeblich mitbestimmen.