Symposium

Besucher der Ausstellung, im Gespräch mit Akram Zaatari, Foto: Wilfried Meyer

Programm

(Achtung: Programmänderung aktualisiert 16.02.2018)


11.00 – 12.00 Uhr
Rundgang durch die Ausstellung

Mit Doris Krystof und Annika Plank


12.00 – 12.30 Uhr
Alexandra Karentzos, Darmstadt

(Un-)Ordnungen im Fotoarchiv. Die Arab Image Foundation und Akram Zaatari


12.45 – 13.15 Uhr
Ilka Becker, Köln

Das Archiv zeigen. Fotografisches Handeln im Ausstellungskontext am Beispiel von Zoe Leonard.


13.15 – 14.15 Uhr
Mittagspause
                               

14.15 – 14.45 Uhr
Susanne Holschbach
Virale Sammlungen. Fundfotos auf Flickr und Pinterest


15.00 – 15.30 Uhr
Thomas Ruff, Düsseldorf
Das Potenzial gebrauchter Bilder. Gespräch mit Doris Krystof über die Entwicklung der seit 2016 entstehenden Werkserie "Press++"


15.30 – 16.00 Uhr
Diskussion

Moderation: Doris Krystof und Annika Plank


Anmeldung

Eintritt frei, Teilnahme kostenlos.
Um Anmeldung wird gebeten.


Besucherservice

Tel. 0211. 83 81-204

service(at)kunstsammlung.de

 

Against Photography.
Reaktivierung und Re-inszenierung fotografischer Archivalien

Sonntag, 18. Februar 2018
11.00 – 16.00 Uhr
K21 Ständehaus

Das künstlerische Interesse an der Ästhetik und den Bedingungen des Archivs spielt seit der Moderne eine zentrale Rolle. Sammeln und Archivieren beinhalten eine Vorstellung von der Überwindung der Zeit und bezeichnen somit ein zentrales Motiv künstlerischer Arbeit. Mit der Arab Image Foundation hat der libanesische Künstler Akram Zaatari 1997 in Beirut eine Institution mitbegründet, die halb dokumentarisch, halb künstlerisch operiert und ein unermessliches Reservoir an Amateur- und Studiofotografien aus dem Nahen Osten, Nordafrika und der arabischen Diaspora zur Verfügung stellt.

"In einer Region, in der die meisten institutionellen Archive für Privatpersonen kaum zugänglich sind oder während kriegerischer Auseinandersetzungen zerstört wurden, in Ländern, in denen Geschichtsschreibung oftmals durch rigorose Zensur und durch Einschränkung der Pressefreiheit ohne eine kritische Gegenposition bleiben muss, stellt sich die AIF die Aufgabe, eine pluralistische politische Selbstbestimmung zu befördern, an der es gesamtgesellschaftlich im Libanon und vielen anderen Staaten des Nahen Ostens nach wie vor fehlt. [1] Mit ihrem Schwerpunkt auf der privaten und kommerziellen Alltags- und Gebrauchsfotografie von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1990er Jahre nimmt die AIF gleichsam Mikrogeschichten in den Blick. „So bewahrt die Stiftung – gewissermaßen Pierre Bourdieus Interesse an den sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie folgend – ein enormes Konvolut persönlicher Erinnerungen, die aufgrund ihrer Subjektivität und der ihr zugeschriebenen Marginalität eigentlich nicht in ein offizielles Archiv gelangt wären." [2]

Als Mitbegründer der Stiftung liegt der Schwerpunkt von Zaataris künstlerischer Praxis in der  Erforschung der AIF-Bestände, die er selbst zusammen mit vielen anderen zu großen Teilen für die Stiftung zusammen getragen hat. Wenn er Fotografien recherchiert, sichtet, auswertet und in seinen Ausstellungen und Buchprojekten reaktiviert und rekontextualisiert, so versteht er dies als archäologische Ausgrabungstätigkeit. Dabei legt er Schicht für Schicht das komplexe Handlungsgefüge der Fotografie frei – ihre ästhetischen, materiellen, technischen, sozialen und politischen Implikationen.

Im Rahmenprogramm zu Akram Zaataris Ausstellung Against Photography. Eine kommentierte Geschichte der Arab Image Foundation im K21 möchte das eintägige Symposium Fragen aufwerfen und diskutieren: Wie lässt sich Fotografiegeschichte erzählen? Und welche? Mit welchen Strategien können Macht- und Kräfteverhältnisse in fotografischen Anordnungen unterbrochen, ausgesetzt oder umgeleitet werden?" [3] Wie ist die künstlerische Faszination für das Archiv zu erklären? [4] Kann man Erkenntnisse sammeln? [5] Wie verhält sich die künstlerische Reinszenierung historischer Fotografien zur Frage der Autorenschaft? Welche Rolle kommt der Materialität der Fotografie im Zeitalter digitaler Archive zu?


 

[1] Daniel Berndt in einem Vortrag am 23.11.2017 im Rahmenprogramm der Ausstellung "Akram Zaatari – Against Photography" in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

[2] Heide Barrenechea: Alternatives Wissen im Archiv. die Fotografien der Arab Image Foundation als divergente Positionen.
Unter: wissenderkuenste.de/texte/ausgabe-1/alternatives-wissen-im-archiv (abgerufen 13.12.2017)

[3] Vgl. Ilka Becker u.a. (Hg.): Vorwort. In: Fotografisches Handeln. Das fotografische Dispositiv Band 1, Kromsdorf/Weimar 2016, S. 7-8

[4] Vgl. Knut Ebeling u.a. (Hg.): Einleitung. In: Archivologie. Theorien des Archivs in Philosophie, Medien und Künsten, Berlin 2009, S. 7-26

[5] Vgl. Justin Stagl: Homo Collector. Zur Anthropologie und Soziologie des Sammelns. In: Aleida Assmann u.a. (Hg.): Sammler – Bibliophile – Exzentriker, Tübingen 1998, S. 37-54

 

Weitere Informationen

Ilka Becker

studierte Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie an der Universität zu Köln und promovierte über "Fotografische Atmosphären". Seit 2013 ist sie Gastprofessorin am Institut für Kunstwissenschaft mit den Schwerpunkten Kunst der Moderne und der Gegenwart sowie Wissenschaftlerin am Graduiertenkolleg "Das fotografische Dispositiv" der HBK Braunschweig.

Susanne Holschbach

studierte Kunst und Germanstik an der Universität GHS Essen. Sie unterrichtet als Gastprofessorin an verschiedenen Kunsthochschulen und Universitäten, zuletzt an der Universität der Künste Berlin. Im Frühjahr erscheint ihr Buch „Bilder verteilen. Fotografische Praktiken in der digitalen Kultur“ (zusammen mit Winfried Gerling und Petra Löffler).

Alexandra Karentzos

studierte Kunstgeschichte, Archäologie, Psychologie und Pädagogik an der Ruhr-Universität Bochum. Seit 2011 ist sie Professorin für Mode und Ästhetik an der Technischen Universität Darmstadt. Zuvor war sie von 2004 bis 2011 Juniorprofessorin für Kunstgeschichte an der Universität Trier. Sie war Fellow in der Forschungsgruppe „No Laughing Matter. Visual Humor in Ideas of Race, Nationality, and Ethnicity“ am Dartmouth College, Hanover/USA und Fellow am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald sowie Gastwissenschaftlerin am Institut für Kunstgeschichte an der Universidade Federal de São Paulo/Brasilien.

Doris Krystof

studierte Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft in Freiburg und Köln. Seit 2001 ist sie als Kuratorin für Gegenwartskunst an der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen tätig und hat die vom Museu d’Arte Contemporani in Barcelona (MACBA) kuratierte Ausstellung von Akram Zaatari in K21 eingerichtet.  

Annika Plank

studierte Kunstgeschichte, Kunsterziehung und Germanistik in München und Stuttgart. Sie ist seit 2011 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Bildung an der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen beschäftigt und hat das Bildungsprogramm zur Ausstellung "Akram Zaatari – Against Photography" entwickelt.

Thomas Ruff

studierte bei Prof. Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er von 2000 bis 2006 selbst als Professor für Fotografie lehrte. Mit zahlreichen internationalen Ausstellungen seit den 1980er Jahren gehört Ruff zu den einflussreichsten Künstlern der Gegenwart. Seine früh entwickelte konzeptionelle Herangehensweise an die Fotografie und deren mediale und ästhetische Konditionen ist von einem starken Interesse an der Geschichte der Fotografie getragen.