2010

Auswertung der Flugdaten:
Kunst der 80er. Eine Düsseldorfer Perspektive

11.09.2010 – 30.01.2011
K21 STÄNDEHAUS

Die Ausstellung Auswertung der Flugdaten wirft ein Schlaglicht auf die Kunst der 80er Jahre, wie sie aus Düsseldorfer Perspektive erscheint. In ihr werden Arbeiten von zehn heute international bekannten Künstlern präsentiert, die aus dem Umfeld der Akademie stammen. Ergänzt wird die Auswahl durch punktuelle Konfrontationen mit Arbeiten von sechs Künstlern aus anderen Ländern mit ähnlichen Haltungen, Zielen und Arbeitsweisen.

Die 80er Jahre werden häufig als konservativ und in der Kunst als ereignislos verkannt. In Wirklichkeit kündigen sich in diesem Jahrzehnt radikale Umbrüche an. Der Ost-West-Konflikt löst sich langsam auf und das Zeitalter der Globalisierung wird in seinen Umrissen deutlich. Eine breitere Öffentlichkeit nimmt die zeitgenössische Kunst in bisher nie gekannter Weise wahr, sie wird nun zu einem wichtigen Teil der Kulturindustrie.

In Düsseldorf übt die Kunst der international ausgerichteten Szene der 60er und 70er Jahre etwa von Bruce Nauman, Daniel Buren, Marcel Broodthaers und anderen im Umkreis von Akademie und Galerien weiterhin ihren Einfluss aus. Jüngere Künstler wie Schütte, Mucha, Gerdes oder Fritsch vertrauen hier weniger dem scheinbaren Aufbruch einer neo-expressiven Malerei, wie sie damals weite Teile der deutschen Kunst bestimmt hat. Stattdessen versuchen sie, das kritische Potential der Avantgarde aufzunehmen, wollen es dabei aber nachhaltig erweitern und verändern. So erhalten beispielsweise das Bildhafte, die Metapher, die Erzählung, die Erinnerung und die Inszenierung ein neues Gewicht. In ihrer Kunst reflektiert diese späte Moderne sich selbst, öffnet sich aber gleichzeitig den Themen und Formen der zeitgenössischen Lebenswelt. Im Zentrum steht dabei die Skulptur in ihren verschiedenen Ausprägungen, aber auch die Fotografie, die von Düsseldorf aus ihre endgültige Positionierung als Bildende Kunst weltweit durchsetzt.

„Auswertung der Flugdaten“ wirft einen konzentrierten Blick auf ein Jahrzehnt, in dem die Düsseldorfer wie die deutsche Kunst von großer internationaler Bedeutung waren. Alle gezeigten Werke stammen aus den 80er Jahren; sie gehören zu den Schlüsselarbeiten, mit denen die Künstler damals das erste Mal an eine größere Öffentlichkeit traten. Die Ausstellung demonstriert, wie die Künstler in der „neuen Unübersichtlichkeit“ nach dem Ende der Avantgarden zentrale Aspekte der modernen Kunst neu interpretiert und somit bis heute wirkende Impulse für die nach-moderne Situation geben.

Die Ausstellung wird gefördert von der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West.


Joseph Beuys. Parallelprozesse

11.09.2010 – 16.01.2011
K20 GRABBEPLATZ und SCHMELA HAUS

Mit der untrennbaren Einheit von künstlerischem Denken und Handeln ist Joseph Beuys (1921-1986) zu einer der charismatischsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts geworden. Sein facettenreiches Werk, das bis heute Einfluss auf die aktuelle Kunstproduktion hat, wird immer wieder unter den verschiedensten Aspekten präsentiert und diskutiert. Die Ausstellung verdeutlicht unter anderem mit zehn bedeutenden Rauminstallationen beziehungsweise großen skulpturalen Arbeiten den „Erweiterten Kunstbegriff" von Beuys. Politische und künstlerische Utopien verschmelzen hier zur Sicht auf die Gesellschaft als „Sozialer Plastik". Im Schmela Haus werden namhafte Künstlerinnen und Künstler während der Ausstellung zu Beuys sprechen.

Joseph Beuys erweiterte in seinen Arbeiten den künstlerischen Werkbegriff: Er glaubte an die Kraft der Kunst, den Menschen zu verändern und entwarf soziale und künstlerische Utopien. Erst nach und nach zeigt sich sein weltweiter Einfluss, der bis in die jüngste Kunstproduktion hinein spürbar ist. Zu den insgesamt rund 300 Arbeiten, die in der Kunstsammlung am Grabbeplatz und im Schmela Haus gezeigt werden, gehören Hauptwerke wie "zeige deine Wunde" (1974/75), "The pack (das Rudel)" (1969) oder "Fond IV/4" (1970/71).

Einige dieser von wichtigen Museen oder Privatsammlern entliehenen Installationen verlassen erstmals seit dem Tod des Künstlers für die Düsseldorfer Ausstellung ihren festen Platz. Zum ersten Mal wird in Europa die Rauminstallation "Stripes from the house of the shaman 1964-72“ (1980) gezeigt. Auch eine umfangreiche Auswahl von Zeichnungen, Objekten, plastischen Bildern und Relikten seiner Aktionen, die auf besondere Weise Kunst und Leben in Beziehung setzen sollten, ist zu sehen. Skulpturale und bildnerische Aspekte, theoretische Reflexion und aktionistisches Handeln sowie die eigenwillige Umwandlung von Werkstoffen und Gegenständen verbinden sich damit in „Parallelprozessen" zum unverwechselbaren und außergewöhnlichen Lebenswerk von Joseph Beuys. Nicht nur die bildhauerischen Qualitäten, sondern auch die performativen Potentiale seiner Kunst werden auf diese Weise gegenwärtig. Diese komplexen Vernetzungsstrukturen innerhalb des Beuys-Werkes sind in der Ausstellung auf fast 3000 Quadratmetern nachvollziehbar und sinnlich erfahrbar.

Die Ausstellung ist Teil des Programms der Quadriennale 2010, die von der Landeshauptstadt Düsseldorf getragen wird. Die wissenschaftliche Kooperation von Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und Friedrich-Schiller Universität Jena hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit erheblichen Forschungsmitteln unterstützt. In den vom Land Nordrhein-Westfalen erworbenen Räumen der ehemaligen Galerie Schmela – einem Ort, an dem Joseph Beuys in den 1970er und 1980er Jahren mit seinen Ausstellungen und Aktionen Kunstgeschichte geschrieben hat – bereitet ein junges Forschungsteam seit 2009 ein Beuys-Symposion für den kommenden Januar vor. Grundlage sind ihre Katalogtexte zu Einzelwerken und Themenfeldern bei Joseph Beuys. Die erfolgreiche Veranstaltungsreihe der Kunstsammlung, BEUYS AUSSTELLEN? (12.11.2009 – 24.06.2010), die in Kooperation mit Prof. Wilfried Kuehn und der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe entwickelt worden ist, hat die Möglichkeit von Beuys-Präsentationen im Vorfeld ausgelotet.

Als Exklusivsponsor unterstützt HSBC Trinkaus die Beuys-Ausstellung „Parallelprozesse“. Damit setzt die vor 225 Jahren gegründete Bank in ihrem Jubiläumsjahr die lange Tradition des Mäzenatentums im Sozialen, in Kunst und Kultur fort.


Wiedereröffnung K20 Grabbeplatz

10.07.2012

Sammlungspräsentation
K20 GRABBEPLATZ

In der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen soll die Kunst in ihren qualitätsvollsten Ausprägungen im Mittelpunkt stehen. Die Werke der Sammlung von Max Beckmann über Joseph Beuys, Georges Braque, Max Ernst, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, René Magritte, Henri Matisse, August Macke, Pablo Picasso, Jackson Pollock, Gerhard Richter bis hin zu Andy Warhol begegnen sich und dem Besucher in einer ganz neuen Präsentationsform. Die Sammlung wird als Einheit betrachtet und ganz pur, auf sich selbst bezogen, aber in neuem Rhythmus gezeigt. Neue, kleinteiligere räumliche Einheiten innerhalb einer mäandrierenden Struktur ermöglichen es, den Betrachter so zu lenken, dass er in einem intimen Parcours auf die großen Einzelwerke unmittelbar zugeht. Die Hängung soll den musealen Aspekt betonen, mit Beruhigung, Dauer und Gültigkeit und mit der Gewissheit, das Vertraute wiederzufinden. Insofern wird auch der berühmte „Amerikanersaal“ wieder als solcher zelebriert, allerdings in neuer Konstellation.
In der Sammlungspräsentation im 1. und 2. Obergeschoss sind rund 200 Werke zu sehen.

Künstlerprojekte zur Wiedereröffnung

Sarah Morris: Hornet (2010)
ab 10.07.2010
Paul-Klee-Platz

Für die nördliche Abschlusswand des Paul-Klee-Platzes hat die heute in New York lebende Künstlerin Sarah Morris (* 1968) als Gewinnerin im Rahmen eines Wettbewerbs für die Platzgestaltung ein großflächiges Bild auf Fliesen entworfen. Mit seinen komplexen geometrischen Strukturen und seiner leuchtenden Farbigkeit verweist
„Hornet“ auf die vibrierenden Strukturen der Großstadt. Das Bild entwickelt eine ambivalente Wirkung: Einerseits betont die Allover-Struktur die Flächigkeit der Wand, andererseits erscheint es wie ein aus zahlreichen Faltungen entwickeltes Relief. „Hornet“ (6,78 x 26,89 Meter) wurde im Juni 2010 realisiert und besteht aus handbemalten
hochglänzenden Keramikfliesen im Format 30 x 30 Zentimeter.


Lokal Lieshout
ab 10.07.2010
K20 GRABBEPLATZ, 2. Obergeschoss

Für den Licht durchfluteten Raum des ehemaligen Café Zwey im 2. Obergeschoss von K20 entwickelte der niederländische Künstler Joep van Lieshout (*1963) mit seinem Rotterdamer Atelier eine komplette Inneneinrichtung: Küchenmöbel, eine weit in den Raum ragende Bar, Tische, Stühle, Lampen, ein Bücherregal und sogar ein Geschirr. Alle Flächen erhalten einen farbigen Überzug, wobei sich die Wahl der Farben einem „gelenkten“ Zufall verdankt. Van Lieshout reagiert in seinem Entwurf auf die Kunst der Moderne, die in den angrenzenden Sammlungsräumen zu Hause ist, und setzt ihr mit klobigen, wie aus Stein gehauenen Formen eine „primitiv/moderne“ – so sein Arbeitstitel – Welt entgegen. Wie Jorge Pardo, der die Bar am Kaiserteich in K21 entwarf, bewegt sich auch Atelier van Lieshout mit raumgreifenden Werken, multifunktionalen Einheiten und komplexen Installationen im Spannungsfeld von zeitgenössischer Kunst, Design und Architektur.

Olafur Eliasson, “Your natural yellow daylight”, 2010
ab 10.07.2010
K20 GRABBEPLATZ, Außenraum

Der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson (* 1967) wurde eingeladen, sich mit der spezifischen Eingangssituation von K20, einer Passage mit schummerigem Lichtschacht und Wasserbecken, auseinanderzusetzen. Unter Verwendung von Monofrequenzlicht und Nebel hat Eliasson eine Arbeit für K20 entwickelt, die diesen lange vernachlässigten Raum aufhellt und ihn als Übergang zwischen Straße und Museum kennzeichnet. Leichter Nebel, dessen Farbton zwischen technischer Straßenbeleuchtung und warmem
Sonnenlicht changiert, zeigt sich beim Betreten des Museums im Erdgeschoß und verdichtet sich vor dem großen frei gelegten Fenster in der Galerie im 2.OG. Die Arbeit soll zwischen 10 Uhr und 22 Uhr in Betrieb sein. Bei Dunkelheit, wenn das Museum meist schon geschlossen ist, ist sie von der Straße aus besonders gut erlebbar.


Karin Sander – Museumsbesucher
3D Bodyscans der lebenden Personen, 3D Inkjetprint
10.07.2010 - 23.01.2011
K20 GRABBEPLATZ, Labor

Mit der Wiedereröffnung startet im Labor, dem neuen Präsentationsraum der Abteilung Bildung, eine Ausstellungsreihe mit zeitgenössischen Künstlern, die sich mit dem Kontext des Museums und der Rolle der Besucher auseinandersetzen. Im Rahmen der Ausstellungen kann es zu einem Wechselspiel bis hin zum Rollentausch zwischen Betrachter, Werk und Künstler kommen. Zum Auftakt verwandelt Karin Sander das Labor in eine Produktionsstätte, in der das Publikum selbst ins Blickfeld rückt. Mit Hilfe eines 3D-Kamera-Aufnahmeverfahrens entstehen maßstabsgetreue Gipsabbildungen der Besucher. Durch Gestus, Pose und besondere Accessoires können sie die Gestalt ihrer Figuren selbst bestimmen. Mit diesen Bodyscans, die im Labor ausgestellt werden, macht die Künstlerin nicht nur den Entstehungsprozess sichtbar, sondern führt den Betrachtern auch das eigene Abbild als Exponat vor Augen.


Michael Sailstorfer - Clouds, 2010
10.07. - 08.08. 2010
K20 GRABBEPLATZ, untere Klee Halle

Der junge deutsche Künstler Michael Sailstorfer (* 1979) bespielt die Architektur der Klee Halle mit einer bemerkenswerten Großinstallation. Annähernd dreihundert Wolken schweben im Raum und simulieren eine monumentale Wolkendecke. Als Ausgangspunkt des Werkes dienten unzählige LKW-Schläuche, die vom Künstler nach einem ausgeklügelten Konzept zu den Himmelsgebilden geformt wurden. Das Werk, das zwischen surrealistischer Traumlandschaft und Monumentalskulptur der Minimal Art zu verorten ist, beherrscht nicht nur die Architektur der neuen Klee-Halle, sondern auch den Ausstellungsbesucher. Es hinterfragt unser Verhältnis zur Natur und verweist zugleich auf ihre Größe.


Kris Martin - T.Y.F.F.S.H.
10.07. bis 08.08.2010
K20 GRABBEPLTZ, obere Klee Halle

Die Arbeit T.Y.F.F.S.H. des belgischen Künstlers Kris Martin (* 1972) entführt den Betrachter in die Welt der Erfinder und Entdecker. Bei dem Werk handelt es sich um einen riesigen Heißluftballon, der vom Künstler in der neuen Halle platziert wurde und permanent mit kalter Luft aufgeblasen wird. Der Ballon, der als Metapher für Fortschritt und den Traum vom Fliegen verstanden werden kann, nimmt den Raum fast zur Gänze ein und behauptet sich mit seiner starken visuellen Wirkung als Monumentalskulptur. Dabei zieht das Objekt den Ausstellungsbesucher magisch an. Das Innere des Ballons kann betreten werden und erlaubt damit vielschichtige, faszinierende Sinneserfahrungen, die vom Flug durch die Lüfte träumen lassen.


Monika Sosnowska: The Staircase / Die Treppe, 2010

24. April 2010 bis Februar 2013
K21 STÄNDEHAUS

Mit Monika Sosnowskas Arbeit "The Staircase / Die Treppe, 2010" wird der imposante Innenhof des K21 Ständehaus erstmals einer künstlerischen Intervention zur Verfügung gestellt. In Zukunft sollen auf Einladung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen internationale Künstlerinnen und Künstler den „Luftraum“ über der Piazza als Ort für eine zeitgenössische Intervention nutzen.

Die erste Wahl dieser Reihe fiel auf die 1972 in Ryki (Polen) geborene Künstlerin Monika Sosnowska, deren künstlerische Sprache sich aus einem spannenden Dialog zwischen Kunst und Architektur speist. Die Spannung generieren die Arbeiten meist aus der Frage „Schon Architektur oder noch Skulptur?“ - oder umgekehrt.

Ein kleiner Moment der Irritation empfängt den Besucher seit April 2010 im Ständehaus. Ob Treppe oder Spiralenform, die sich in die Höhe schraubt: Der Eindruck des Aufsteigens teilt sich deutlich mit, wenn der Besucher die Skulptur von der Piazza aus oder beim Weg nach oben durch die Öffnungen der Umgänge aus verschiedenen Perspektiven betrachten kann. Unter der Kuppel angelangt, scheint sich ihre Bewegungsrichtung nach unten umzukehren. Der über das Geländer abgelegte Teil erinnert an einen surrealistisch verfremdeten Körper – willkommene Anspielung für alle, die beim Anblick der Arkaden und der Rundtürme des Hauses an die Bilder Giorgio de Chiricos denken, den die Surrealisten verehrten. Sosnowska tritt mit dem erzählerischen Potenzial des Ständehauses ins Zwiegespräch und kommentiert dessen architektonische und gesellschaftspolitische Geschichte, ohne die Autonomie ihrer Skulptur in Frage zu stellen.

Die Installation wird von den Provinzial Rheinland Versicherungen im Rahmen der Förderreihe „Provinzial – Engagement im Rheinland für zeitgenössische Kunst“ ermöglicht. Sie ist gleichzeitig Abschluss der auf fünf Jahre angelegten Kooperation mit zahlreichen Museen des Rheinlandes.

Kuratorin: Stefanie Jansen


Ana Torfs ALBUM/TRACKS A

27. Februar bis 18. Juli 2010
K21 STÄNDEHAUS

Mit fünf großformatigen Diaprojektionen, mehreren Fotoserien und einem Gesangsprojekt für das Internet präsentiert K21 einen ersten musealen Überblick über das Werk der belgischen Künstlerin Ana Torfs (geb. 1963, lebt und arbeitet in Brüssel). Darstellen und Vorstellen, Realität und Fiktion bilden die Eckpfeiler von Ana Torfs’ Installationen. Sie bestehen aus projizierten Bildern, zumeist Schwarz-Weiß-Dias, und Texten.

In präzise choreografierten Ton-Bildkonstellationen werden literarische, historische und politische Stoffe aufs Neue erzählt und eindringlich vergegenwärtigt. Dabei arbeitet Ana Torfs mit Darstellerinnen und Darstellern, die ihre Rollen betont nüchtern und sachlich verkörpern. Als Arbeitsmaterial dienen der Künstlerin Dokumente aus der Geschichte der Jeanne d’Arc, ein berühmter Einakter des symbolistischen Dichters Maurice Maeterlinck oder Akten aus dem Mordprozess von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.  Diese Materialien verarbeitet Ana Torfs zu Raum füllenden Dia-Installationen wie „Du mentir-faux“ (Vom Falsch-Lügen) im Jahr 2000, „The Intruder“ (Der Eindringling) 2004 oder „Anatomy“ 2006.

Das subtile Sezieren und Übereinanderlagern von Orten, Personen, Stimmen und Atmosphären praktiziert Ana Torfs seit mehr als fünfzehn Jahren und entwickelt es ständig weiter. Dabei schöpft sie aus dem Repertoire theatraler, fotografischer und filmischer Techniken. Neben einer Auswahl früherer Arbeiten ist in K21 erstmalig die große, jüngst fertig gestellte Dia-Installation „Displacement“ aus dem Jahr 2009 zu sehen. Zur Ausstellung erscheint ein umfassender Katalog, gestaltet von Jurgen Persijn.


"Silent Revolution“ – Eine neue Sammlungspräsentation

27. Februar bis 13. Juni 2010
K21 STÄNDEHAUS

Kunstwerke allerhöchster Qualität bilden das Fundament der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Mit der Wiedereröffnung von K20 Grabbeplatz im Juli 2010 werden ihnen insgesamt mehr als 10.000 qm Ausstellungsfläche zur Verfügung stehen. Bis dahin führen wir ab 27. Februar 2010 in einer einmaligen Sammlungspräsentation die Hauptwerke der Klassischen Moderne mit zentralen Positionen der Gegenwartskunst in K21 Ständehaus zusammen. Unterschiedlichste Werke teilen sich die Räume: Einmal wird es zum Zwiegespräch kommen, ein anderes Mal zum „Zankduett“, zur tiefsinnigen Konversation, zu Small Talk, und vielleicht zu einer Begegnung mit Folgen.

Bisher wurden in K20 Grabbeplatz hauptsächlich Gemälde gezeigt und in K21 Ständehaus vorrangig Installationen, Skulpturen, Fotografie und Videoarbeiten ausgestellt. Bei der gemeinsamen Präsentation im Ständehaus spannen sich die Dialoge nun auch von der zweiten in die dritte Dimension und wieder zurück. Es entspinnt sich ein Wettstreit der Gattungen: Was kann Malerei in einer verdichteten Flächenkomposition leisten? Was zeichnet einen Film aus, der sich im zeitlichen Nacheinander entfaltet? Der Einzug der Tafelbilder vom Grabbeplatz fordert einen veränderten Umgang mit der Architektur des Ständehauses. Zudem werden bei dieser Sammlungspräsentation die K21 Arkadengänge mit „immateriellen“ Formen von Kunst bespielt: Klanginstallationen thematisieren auf unterschiedliche Weise das Phänomen Zeit.

Der Titel der Präsentation "Silent Revolution" ist einem Werk von Georg Herold entlehnt, das seinerseits in Dialog mit Gemälden von Jasper Johns und Georges Braque tritt. Das programmatische Fundament der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen wird in der ersten Etage von Silent Revolution in markanten dialogischen Gegenüberstellungen vor Augen geführt. Die Belgier Marcel Broodthaers und René Magritte treffen mit ihrer Befragung von Museum und Wahrheit aufeinander. Jeff Wall und Wassily Kandinsky setzen den Widerstreit von Chaos und Ordnung ins Bild. Max Beckmann und William Kentridge ziehen ein Resümee des Lebens. Paul Klee und Nam June Paik befassen sich mit den Universalsprachen Kunst und Musik.

Im zweiten Geschoss des Ständehauses finden sich die Hauptwerke des Kubismus, der Neuen Sachlichkeit und des Surrealismus. Sie werden "kommentiert“ durch Skulpturen der Gegenwart von Thomas Schütte, Katharina Fritsch, Paloma Varga Weisz und anderen. Einer der Dialoge entsteht zwischen Beckmanns Gemälde „Die Nacht“ und dem Modell eines Zweifamilienhauses von Thomas Hirschhorn. Beckmanns Darstellung eines Mordes ist in brutaler Sachlichkeit ausgeführt. Hirschhorns zeitgenössische Arbeit steht exemplarisch für die unfreiwillige Nachbarschaft gegensätzlicher Positionen, die in Gewalttätigkeit mündet.

Im dritten Geschoss trifft man auf Piet Mondrian, Marcel Duchamp, Otto Dix und Kurt Schwitters, Gerhard Richter und Francis Bacon. Hier findet der Rundgang in einem Raum der schwarzen Bilder einen vorläufigen Endpunkt. Unter der Licht durchfluteten K21 Kuppel setzt sich das dialogische Prinzip dann noch einmal fort. Über 30 plastische Arbeiten sind in einem dicht bestückten Skulpturengarten vereint, der mit Unterstützung des Düsseldorfer Künstlers Markus Karstieß eingerichtet wurde und zum Flanieren und Verweilen einlädt. Dort trifft Pablo Picassos Bronzekopf der Fernande auf John Chamberlains bemalte Stahlskulptur. Die Gipse von Max Ernst nehmen Kontakt auf zu jungen künstlerischen Positionen, die als Leihgaben den eigenen Sammlungsbestand eindrucksvoll ergänzen.