2013

Susan Philipsz - The Missing String

09.11.2013 – 06.04.2014
K21 STÄNDEHAUS

Sich selbst bezeichnet Susan Philipsz als Bildhauerin – einen internationalen Namen hat sich die schottische Künstlerin in den vergangenen Jahren mit ihren ausdrucksvollen Klanginstallationen gemacht. Mit ihrem Werk The Missing String ist Susan Philipsz, die vor drei Jahren den angesehenen britischen Turner-Preis erhalten hat, vom 9.11.2013 bis zum 6.4.2014 in der Bel Etage im K21 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zu Gast. Es ist das erste Mal, dass die Kunstsammlung der 1965 in Glasgow geborenen und heute in Berlin lebenden Künstlerin eine Ausstellung widmet.

Im Grenzbereich von bildender Kunst und Musik schließt Philipsz’ raumgreifende Klanginstallation auf vielen Ebenen an die vorangegangenen Ausstellungen an, die in den  repräsentativen Räumen des Ständehauses zu sehen waren. Die Künstlerin fragt mit ihrer Arbeit nach den historischen Kontexten des Ortes und Praktiken des Aufbewahren und Sammelns.

Als ausgebildete Bildhauerin ist Philipsz vor allem an der Wechselwirkung von Klang und Raum interessiert. „Es geht mir darum, wie die emotionalen und psychologischen Effekte des Klangs die Achtsamkeit gegenüber dem Raum erhöhen können, in dem man sich aufhält“, sagte die Künstlerin 2010 in einem Zeitungsinterview.

Mit der Dekonstruktion und Neuanordnung von Klang und dessen Lokalisierung im Raum bewirkt Philipsz eine ständige Neudefinition beider Medien. Ihr Umgang mit historischem Material offenbart ein fast archäologisches Interesse am Verborgenen, dessen vielfältiges Potenzial sich eindrucksvoll durch ihre Werke überträgt, Empfindungen wie Erinnerungen wachruft. So nutzt sie Rockmusik der 1970er Jahre ebenso wie schottische Seemannslieder oder die „Internationale“ für ihre Audioarbeiten. Grundlage ihrer Arbeit für die documenta 2012 war ein Orchesterwerk, das 1943 im KZ Theresienstadt komponiert und dort auch aufgeführt worden ist.

Die speziell für die Kunstsammlung geschaffene Arbeit The Missing String beruht auf umfassenden Recherchen der Künstlerin zum Thema kriegsbeschädigter Musikinstrumente, die sich heute in zahlreichen Sammlungen in ganz Deutschland befinden. Sie sind eindrucksvolles Sinnbild der Zerstörungswut des Krieges und spiegeln das oft tragische Schicksal von Künstlern während der NS-Diktatur. Die Suche nach diesen heute vielfach in Archiven und Depots verschwunden Zeugnissen der Kriegszeit lässt Susan Philipsz Arbeit zu einem Akt der Sichtbarmachung werden.

Für die Produktion von The Missing String konnte die Künstlerin eine ganze Reihe kriegsbeschädigter Instrumente nutzen und damit für die Tonaufnahmen wieder zu ihrem ursprünglichen Zweck, dem Musizieren, gebrauchen. Verbeult, durchschossen oder verbogen erzählen sie jeweils bewegte Geschichten: Es sind historisches Objekt und Instrumente zugleich, deren Klang unweigerlich von dem Eindruck des Krieges geprägt ist.

Kuratoren: Dr. Florence Thurmes, Ansgar Lorenz


Zilvinas Kempinas: DARKROOM

05.09.2013 – 26.01.2014
K20 GRABBEPLATZ (Labor)

Für die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen hat Kempinas eine neue Installation geschaffen, bei der – in rotes Licht getaucht – Objekte und Strukturen wie Bilder in der Dunkelkammer eines alten Fotografen erscheinen. Die Assoziation verweist auf einen Zustand zwischen Auflösung im Licht und Materialisierung an einem geheimnisvollen Ort. Die Klarheit der Formen aus Aluminium und Videobändern verbindet sich mit irritierenden Erfahrungen.

Kempinas ist spätestens seit der Biennale von Venedig 2009 der internationalen Öffentlichkeit bekannt. Das Museum Tinguely in Basel widmet ihm zur Zeit eine große Überblicksausstellung. Souverän vereint der Künstler in seinen unterschiedlichen Werken Prinzipien von Konstruktivismus, Minimal Art, Op Art und Kinetik. Dies machte ihn 2007 zu einem würdigen Träger des Calder-Preises.

Seine jüngste Arbeit DARKROOM hat der in New York lebende Künstler (geb. 1969 in Plungė/Litauen) für das Labor, den Projektraum der Abteilung Bildung, vor Ort und in der Auseinandersetzung mit den Proportionen und anderen konkreten Gegebenheiten des Raumes realisiert.

Mit seiner neuen Installation lädt Kempinas die Besucher ein, sich selbst zwischen seinen Konstruktionen zu bewegen, ihren Wahrnehmungsprozess zu überprüfen und das Verhältnis Objekt und Betrachter zu reflektieren.

Die Ausstellung wird gefördert von: Kulturministerium der Republik Litauen


Alexander Calder – Avantgarde in Bewegung

07.09.2013 – 26.01.2014
K20 GRABBEPLATZ

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf zeigt ab September 2013 eine umfassende Ausstellung zum Werk Alexander Calders, einem der wichtigsten amerikanischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Erstmals nach zwei Jahrzehnten präsentiert die Kunstsammlung damit in Deutschland eine große Museumsschau dieses bedeutenden  Bildhauers, der mit seinen sinnlichen und poetischen Skulpturen Kunstgeschichte geschrieben hat. Der Schwerpunkt der Werkauswahl wird in den 1930/40er Jahren liegen und sich mit Calders Entwicklung zur (luft-)bewegten, abstrakten Skulptur, den Mobiles, befassen. Der Künstler experimentierte in diesen Jahren mit unterschiedlichen künstlerischen Richtungen: Er siedelte sein Werk im Spannungsfeld zwischen den geometrischen Bildern Piet Mondrians und den  verspielten Abstraktionen von Joan Miró und Hans Arp an.

Um Calders Verbindung zur europäischen Kunst-Avantgarde seiner Zeit zu erfassen und um einen neuen, vielfach  überraschenden Blick auf die Werke des Amerikaners zu ermöglichen, werden historische und experimentelle Filme, Musik der Avantgarde und die wichtigsten bildkünstlerischen Wegbegleiter in die Ausstellung einbezogen. Auf mehr als 1600 Quadratmetern erwartet den Besucher eine großartige Auswahl von Werken Alexander Calders aus dem Besitz internationaler Museen und Sammlungen.

Alexander Calder – Avantgarde in Bewegung ist im K20 am Grabbeplatz, in zwei großen Ausstellungshallen zu sehen. In der Kleehalle erlebt der Betrachter die frühen Skulpturen Calders – umgeben von Werken richtungsweisender Weggefährten wie Mondrian, Miró und Arp, von künstlerischen und dokumentarischen Filmen. In der hohen Grabbehalle hingegen kommen die großen Mobiles und Stabiles im freien Spiel der Formen monumental zur Geltung. Der Besucher kann hier erleben, wie der Künstler Raum und Proportionen spielerisch einsetzt. An vielen Stellen der Ausstellung führen die Mobiles Calders Dialoge mit der experimentellen Musik seit den 1920er Jahren, mit Kompositionen von Edgar Varèse bis John Cage. Dies zeigt, wie Calder stets nach Anregungen aus anderen künstlerischen Bereichen suchte und seine eigenen Grenzen erweiterte.

Förderer der Ausstellung:
Medienpartner: Handelsblatt
Der Katalog wird gefördert durch die Ernst von Siemens Kunststiftung.

Kuratorin: Susanne Meyer-Büser


Art Make Up – Von Bruce Nauman bis Gillian Wearing

Fotografie, Video, Performance aus der Sammlung

19.10.2013 – 19.01.2014
K21 STÄNDEHAUS

Bruce Naumans vierteilige Videoedition Art Make Up (1967/68) führt vor, wie sich der Künstler im Prozess des "Kunstmachens" unentwegt selbst neu erschafft. Dazu werden in der Kunst bis heute Fotografie und Video, aber auch von Musik, Film, Tanz und Theater beeinflusste performative Darstellungsweisen genutzt.

Die thematische Sammlungspräsentation im Untergeschoss im K21, die bis zu den jüngst erworbenen Arbeiten von Gillian Wearing und Wael Shawky reicht, unterstreicht die Wichtigkeit von Bewegung, Dynamik und Choreographie in der zeitgenössischen Kunst.

Shawkys mehrfach ausgezeichnetes Marionetten-Epos Cabaret Crusades: The Path to Cairo, 2012, das auf der letzten Documenta für Begeisterung sorgte, ist als neueste Erwerbung der Kunstsammlung   Nordrhein-Westfalen erstmals in einer raumgreifenden Installation zu sehen.

Kuratorin: Doris Krystof


Alfred Flechtheim -
Kunsthändler der Avantgarde

08.10.2013 – 12.01.2014
K20 GRABBEPLATZ

Der Galerist Alfred Flechtheim (1878–1937) gehört zu den bedeutenden Protagonisten der Kunstszene im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Sein Einsatz für den rheinischen Expressionismus, die französische Avantgarde und die deutsche Moderne, die Förderung von Künstlerpersönlichkeiten wie Max Beckmann, George Grosz und Paul Klee, haben ihn bereits zu Lebzeiten international bekannt gemacht. Doch die Herrschaft des Nationalsozialismus verändert sein Leben drastisch: Im Oktober 1933 muss Flechtheim Deutschland verlassen, als Kunsthändler jüdischer Herkunft wird er öffentlich diffamiert, seine Galerien in Düsseldorf und Berlin werden bis 1935 aufgelöst oder von früheren Partnern fortgeführt. Noch vorhandenen Kunstbesitz bringt er ins Ausland, vor allem nach London. Dort stirbt er 1937 im Alter von nur 59 Jahren. Seine in der Berliner Wohnung verbliebenen Kunstwerke werden beschlagnahmt und gelten als verschollen.

Seit den 1960er Jahren gelangten auch 18 Bilder der klassischen Avantgarde, die einst durch die Hände Flechtheims gegangen sind, in die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Neben 16 Arbeiten Paul Klees sind dies ein Stillleben von Juan Gris und das bedeutende Gemälde "Die Nacht" (1918/19) von Max Beckmann. Sie werden nun als Teil des Gemeinschaftsprojektes von 15 Museen In Deutschland und der Schweiz zur Würdigung Flechtheims in der Sammlung von K20 besonders hervorgehoben gezeigt.

Bis heute haben die Aktivitäten Flechtheims, der vor 100 Jahren in Düsseldorf seine erste Galerie eröffnet hat, in zahlreichen Museen Spuren in Form wichtiger Werke hinterlassen, die das jeweilige Museumsprofil entscheidend prägen. Nahezu alle großen Häuser haben Werke von Ernst Barlach, Max Beckmann, Heinrich Campendonk, Lovis Corinth, Paul Klee, George Grosz, Oskar Kokoschka, Paula Modersohn-Becker, Wilhelm Morgner, Heinrich Nauen, Max Pechstein, René Sintenis, Edgar Degas, André Derain, Juan Gris, Fernand Léger, Aristide Maillol, Henri Matisse, Edvard Munch, Pablo Picasso oder Paul Signac mit der Provenienz Flechtheim in ihren Beständen.

Es ist das Ziel dieses Gesamtprojektes, die Wege der Kunstwerke in die Museen, ihre Provenienz und Handelsgeschichte vom Künstler zum Händler und zum Sammler, zu verfolgen. Für eine Gesamtübersicht sind alle Werke, die einen Bezug zur Galerie Flechtheim aufweisen und sich heute in den 15 beteiligten Museen befinden, in der datenbankbasierten Website www.alfredflechtheim.com erfasst.

Seit vielen Jahren hat auch die Kunstsammlung NRW intensiv die Provenienz aller ihrer Sammlungsobjekte erforscht und so neue Aufschlüsse über das Schicksal dieser Werke und ihrer früheren Besitzer erhalten. Die allermeisten der Werke, die mit Flechtheim in Zusammengang stehen, waren einst bei diesem Kunsthändler in Kommission und gelangten auf unterschiedlichen Wegen in die Landessammlung.

Die Präsentation informiert über Leben und Leistung von Flechtheim sowie über die Themen Provenienzforschung und die Rückgabe von Kunstwerken, die frühere  Eigentümer als NS-Verfolgte verloren haben. Außerdem können die Besucher vor Ort im K20 in die umfangreiche Website des Projektes Einblick nehmen.


Julius Bissier

07.05. – 20.10.2013
K21 STÄNDEHAUS
Bel Etage

Nach langer Abwesenheit in den Ausstellungsräumen widmet sich die Kunstsammlung ab Sommer wieder einem Teil der umfangreichen Bestände des Künstlers Julius Bissier (1893 – 1965). Der Schwerpunkt der Präsentation in der Bel Etage des K21 liegt dabei auf Bissiers geometrisch-abstraktem Werk. Die künstlerische Tätigkeit von Julius Bissiers ist geprägt durch die kontinuierliche Suche. Nach einem anfänglich figürlichen Schaffen konzentrierte sich der Künstler ab den frühen 1930er Jahren auf die Tuschemalerei. In dieser Technik, derer er sich lange Zeit ausschließlich bediente, versuchte Bissier eine reine Form zu kreieren. Seine künstlerischen Arbeiten changieren zwischen präziser Gestaltung und spontaner Geste.

Bissier wandte sich der Tuschemalerei vor dem Hintergrund seiner langjährigen Beschäftigung mit der Kunst und Philosophie Ostasiens zu. Auf diese Weise brachte er auch sein Interesse an Zeichen und Schrift zum Ausdruck. Die in ihrer Formelhaftigkeit stark reduzierten Tuschen der späten 1930er Jahre sind das Ergebnis der stetigen Vertiefung dieser Inhalte. Ein weiteres in den Tuschen angelegtes Thema ist die Auseinandersetzung mit der Natur und dem Organischen. Seine Arbeiten vereinigen strenge geometrische und freie Formen.

In seinen Holzschnitten und großformatigen Leinwandarbeiten der frühen 1950er Jahre wagte Julius Bissier die intensivste und entschiedenste Beschäftigung mit der geometrischen Form. Dabei wurde ihm bald klar, dass er künstlerisch-stilistisch nicht der Radikalität eines Josef Albers oder dem Formenvokabular des ihm freundschaftlich verbundenen Max Bill folgen wollte. Stattdessen begegnete er der strengen Geometrie mit Momenten natürlicher Unwillkürlichkeit.

Ab 1955 schuf Julius Bissier eine neue Werkgruppe, die sogenannten Miniaturen. Obwohl er sich von der konkreten Geometrie der Kompositionen der frühen 1950er Jahren abwandte, blieb er der Eitempera-Technik treu. Zeitgleich arbeitete Bissier weiter an den Tuschen, in denen er mit Hilfe seiner Intuition die Suche nach spiritueller und sakraler Kunst weiterverfolgte. Im Unterschied zum lyrisch abstrakten Charakter der Miniaturen, erscheinen die Tuschen wie Schriftzeichen. Auch bestechen die Miniaturen durch ihre präzise Ausführung und haben Ähnlichkeiten mit musikalischen Kompositionen. Die Suche nach einer Synthese aus Intuition und Präzision der Form bestimmte Bissiers Schaffen bis zu seinem Tod 1965.


Das Kind, die Stadt und die Kunst – Aldo van Eyck, Nils Norman, Yto Barrada

19.04. – 15.09.2013
SCHMELA HAUS

Der Spielplatz als urbaner, ästhetischer und politischer Raum steht im Fokus der Ausstellung Das Kind, die Stadt und die Kunst, die ab dem 19. April im Schmela Haus der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen gezeigt wird. Ausgangspunkt sind die Arbeiten des niederländischen Architekturvisionärs Aldo van Eyck (1918–1999), der von 1947 bis 1978 in Amsterdam mehr als 700 Spielplätze realisierte. Als einer der ersten Architekten überhaupt setzte sich van Eyck für eine soziale Neugliederung und -gestaltung des städtischen Raumes ein, wobei er die Perspektive von Kindern ausdrücklich einbezog. Der historischen Präsentation von Planungen und Entwürfen des Architekten stehen künstlerische Arbeiten von Nils Norman und Yto Barrada gegenüber, die aus heutiger Sicht den Spielplatz als Ort der Gemeinschaft und Veränderung thematisieren. Gareth Moore wird zudem an drei Wochenenden sein Projekt Kino für Kinder präsentieren, das Erwachsene nur in Begleitung eines Kindes besuchen dürfen.

Im Untergeschoss des 1967 von van Eyck entworfenen Schmela Hauses, das seit 2009 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum zur Verfügung steht, geben historische Fotografien, Architekturzeichnungen, Pläne und Modelle einen Überblick über das einzigartige Schaffen Aldo van Eycks in Amsterdam. Von den über 700 Spielplätzen existiert heute bedauerlicherweise kaum mehr einer in Originalform.

Nils Norman (*1966 in Kent, lebt in London) arbeitet an der Schnittstelle von Architektur, Kunst und Stadtplanung. Für das Erdgeschoss im Schmela Haus entwickelt Norman eine ortspezifische Arbeit, die auf die besonderen Gegebenheiten des Gebäudes reagiert und zugleich eine Hommage an die Pioniertätigkeit Aldo van Eycks darstellt. Die Installation The Adventure Playground & Playscape Archive Study Unit, 2013, verbindet den Innenraum mit dem Garten/Hof des Schmela Hauses. Mit einem Spiel-, Studien- und Leseraum sowie Sandkästen und Spielblöcken entsteht ein urbaner Spielplatz auf kleinstem Raum.

Die Fotografin und Filmemacherin Yto Barrada (*1971 in Paris, lebt in Tanger) beobachtet die Veränderungen in ihrer marokkanischen Heimatstadt Tanger im Kontext von Postkolonialismus und Globalisierung. Dem Spielplatz widmet Barrada eine Serie von Arbeiten und zeigt an diesem Mikrokosmos paradigmatisch die Transformation des städtischen Raumes und den gesellschaftlichen Zustand des Landes.

Der Titel der Ausstellung Das Kind, die Stadt und die Kunst verweist auf eine Schriftensammlung Aldo van Eycks, die er 1962 unter dem Titel The Child, The City and The Artist zusammenfasste. Sie wurde posthum 2006 veröffentlicht. Hierin finden sich unter anderem van Eycks bahnbrechende Ideen zur Entwicklung des urbanen Raumes, zur Bedeutung eines Mitspracherechts von Kindern sowie Ausführungen zu seiner avantgardistischen Formensprache.

Kuratorin: Lisa Marei Schmidt


Wolfgang Tillmans

02.03. – 08.09.2013 (verlängert)
K21 STÄNDEHAUS

Seit dem Ende der 1980er Jahre hat Wolfgang Tillmanns (geb. 1968) als einer der wichtigsten Künstler seiner Generation das Medium Fotografie um entscheidende Aspekte weiterentwickelt und als Kunstform neu definiert. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt eine längst überfällige Überblicksausstellung, die bisher nie zu sehende frühe zeichnerische und andere Arbeiten aus den späten 1980er Jahren einschließt. Seine frühesten Arbeiten, Fotokopien von Zeitungsbildern und eigenen Fotografien, gehen zurück auf Experimente mit einem der ersten digitalen Schwarzweiß-Fotokopiergeräte. Bilder und Fotosequenzen seiner Freunde und von jungen Leuten aus der Pop- und Clubkultur machten ihn einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Als erster nicht aus Großbritannien stammende Künstler und Fotograf erhielt der in Berlin und London lebende Tillmans im Jahr 2000 den renommierten britischen Turner Preis.

Zur Bandbreite seiner künstlerischen Arbeit gehören neben Porträts, Interieurs, Landschaften, Himmelsaufnahmen und Stillleben auch seine in der Dunkelkammer ohne Kameralinse entstandenen abstrakten Bilder, Videoarbeiten, Tischinstallationen, die eigene Arbeiten, Zeitungsartikel und ausgewählte Materialien zu gesellschaftspolitischen Themen versammeln. Zuletzt entstanden auf seinen Reisen um die Welt seine erstmals digital aufgenommenen Neue Welt-Bilder. Dabei verbindet Wolfgang Tillmans mit seinen Arbeiten neben einem (material)ästhetischen immer auch ein grundsätzliches Interesse an gesellschaftspolitischen Themen.

Mit seinen Arbeiten hat er nicht nur eine neue Bildsprache der Fotografie entwickelt, sondern auch eine eigene Präsentationsform geschaffen, die seine Ausstellungen zu ortspezifischen Installationen werden lassen. Die von ihm entwickelte Ausstellungspraxis, die gerahmte neben ungerahmte Fotografien, Fotoabzüge neben Fotokopien, Tintenstrahl- und Laserdrucke unterschiedlichsten Formats – zum Teil direkt an die Wand fixiert – zu komplexen wie auch streng linearen Wandinstallationen anordnet, wurde für nachfolgende Künstlergenerationen ebenso stilprägend wie sein unkonventioneller Umgang mit dem Medium Fotografie, das er fortlaufend auf neue Bildmöglichkeiten hin befragt und in Ausstellungen, Künstlerbüchern sowie Zeitschriften gleichermaßen präsentiert.

Wolfgang Tillmans bietet mit der Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen einen Überblick über sein zwanzigjähriges Schaffen und reagiert mit einer präzise entwickelten Gesamtkomposition auf den spezifischen Ausstellungsort des ehemaligen Ständehauses.

Die Ausstellung wurde vom Moderna Museet in Stockholm in Kooperation mit der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen produziert. In Düsseldorf wird sie von der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West unterstützt.

Kuratorin: Isabelle Malz


Die Bildhauer. Kunstakademie Düsseldorf, 1945 bis heute

20.02. – 28.07. 2013
K20 GRABBEPLATZ

Von den an der traditionsreichen Düsseldorfer Kunstakademie lehrenden und studierenden Bildhauerinnen und Bildhauern gehen seit 1945 maßgebliche Impulse aus. Professoren wie Ewald Mataré, Erwin Heerich, Joseph  Beuys, Klaus Rinke, Irmin Kamp, Fritz Schwegler, Rosemarie Trockel, Hubert Kiecol, Katharina Fritsch oder Rita McBride prägten und prägen die fruchtbaren Auseinandersetzungen innerhalb der Akademie auch über ihre Klassen hinaus. Und sie tragen mit ihrem Werk – wie auch viele ihrer Kollegen und ehemalige Studenten – wesentlich zur Entwicklung  der Bildhauerei der vergangenen 70 Jahre bei.

Der Bildhauer Tony Cragg, seit vielen Jahren Professor und derzeitig auch Rektor der Akademie, gab den Anstoß für diese außergewöhnliche Überblicksausstellung aus der Innensicht der Kunsthochschule. Die ausgewählten Werke von 53 Künstlerinnen und Künstlern, von denen viele im Kontext der Akademie entstanden, machen ein ebenso  überraschendes wie beeindruckendes Panorama international anerkannter, moderner und zeitgenössischer Skulptur sichtbar, in dem vertraute Werke mit unbekannten oder wiederentdeckten korrespondieren.

Der chronologisch angelegte Rundgang in den drei Sälen von K20 spannt den Bogen von den historischen   Positionen der Nachkriegsjahre bis in die Gegenwart. Er zeigt, dass gerade die Vielfalt künstlerischer Haltungen und Überlegungen die Lehre entscheidend prägt: Die figürliche Skulptur hat ihre Erscheinungsweise geändert, nicht aber ihre Aktualität verloren; die traditionellen Materialien der Bildhauer – Bronze, Holz, Stein und Ton – sind nicht verschwunden, aber ebenso selbstverständlich arbeiten die Künstler mit industriell produzierten Werkstoffen und Alltagsgegenständen, mit vergänglichen Materialien, mit Licht, Luft, Geruch, Musik, Film etc.

Das Bestimmen bereits existierender Gegenstände steht gleichberechtigt neben konstruierenden und formenden Techniken, wobei neue Technologien es Abformens Werkprozesse erleichtern und bereichern. Das fruchtbare Nebeneinander von figurativer und abstrakter Bildhauerei, von traditionellen Materialien und neuen Werkstoffen, von Rückbezug auf die Tradition und Öffnung für außerkünstlerische Impulse und immer neue inhaltliche Fragen im Spannungsfeld zwischen persönlicher Erfahrung und gesellschaftlichen Aufgaben bestimmt bis heute die Produktion der Bildhauerinnen und Bildhauer an der Düsseldorfer Akademie.

Die Ausstellung wurde in enger Kooperation zwischen der Kunstakademie und der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen entwickelt.

Kuratoren: Tony Cragg, Siegfried Gohr, Robert Fleck sowie Marion Ackermann und Maria Müller-Schareck

Förderer der Ausstellung

Die Ausstellung wird großzügig von der Kunststiftung NRW unterstützt.
Sponsoren der Ausstellung: National-Bank AG, Essen, und Hogan Lovells International LLP

Liste der ausgestellten Künstler

Joseph Beuys, Karl Bobek, Ralf Brög, Hede Bühl, Tony Cragg, Richard Deacon, Jürgen Drescher, Bogomir Ecker,  Katharina Fritsch, Isa Genzken, Martin Gostner, Thomas Grünfeld, Erwin Heerich, Georg Herold, Martin Honert, Jörg  Immendorff, Magdalena Jetelová, Irmin Kamp, Hubert Kiecol, Luise Kimme, Harald Klingelhöller, Imi Knoebel, Jannis Kounellis, Gereon Krebber, Norbert Kricke, Bernd Lohaus, Markus Lüpertz, Heinz Mack, Ewald Mataré, Rita McBride, Christian Megert, Reinhard Mucha, Wilhelm Mundt, Nam June Paik, A.R. Penck, Otto Piene, David Rabinowitch, Erich Reusch, Klaus Rinke, Dieter Roth, Ulrich Rückriem, Reiner Ruthenbeck, Leunora Salihu, Andreas Schmitten, Thomas Schütte, Fritz Schwegler, Pia Stadtbäumer, Rosemarie Trockel, Günther Uecker, Didier Vermeiren, Paloma Varga Weisz, Thomas Virnich, Franz Erhard Walther


KRAFTWERK 3-D Konzertreihe „Der Katalog – 1 2 3 4 5 6 7 8"

11. - 20.01.2013
K20 GRABBEPLATZ

Die weltweit gefeierten Elektro-Pioniere Kraftwerk werden ihr Gesamtwerk im Januar 2013 in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf aufführen. Vom 11. bis zum 20. Januar 2013 stellen Kraftwerk mit der Konzertreihe "Der Katalog – 1 2 3 4 5 6 7 8 " an acht Abenden jeweils eines ihrer legendären Musikalben ins Zentrum. Ergänzt wird jede Performance durch eine Auswahl an weiteren Kompositionen aus dem Gesamtwerk. Nach weltweiten Konzerterfolgen ist das Programm in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen der erste Auftritt von Kraftwerk in Düsseldorf seit 1991. Der von Kraftwerk seit den frühen siebziger Jahren entwickelte Electro-Sound, hat in den folgenden Jahrzehnten gleichsam als Klang des digitalen Zeitalters die verschiedensten Musikstile wie Electro, Synthpop, Hip-Hop und insbesondere Techno in der ganzen Welt beeinflusst.

Mit speziell für die Auftritte entwickelten 3D-Video-Projektionen sind die Konzerte von Kraftwerk ein  Gesamtkunstwerk aus Bild und Ton und damit ein Teil der Kunst- und Museumswelt geworden. Aufgrund ihrer großen Seltenheit gelten Kraftwerk-Konzerte als ganz besondere Ereignisse. Mit der chronologisch angelegten Konzertreihe an acht Abenden bringt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen das 1970 von Ralf Hütter und Florian Schneider in Düsseldorf gegründete elektronische Projekt Kraftwerk, an den Ort der eigenen Geschichte zurück: „Wichtige Wurzeln von Kraftwerk – eines der einflussreichsten Phänomene der Kunst- und Musikwelt – liegen in der aufbrechenden Düsseldorfer Kunstszene der 1960er Jahre, wo die Grenzen der Kunstgattungen gesprengt worden sind“, betont die Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Marion Ackermann. „Bezüge zu Künstlern der europäischen Avantgarde wie Kandinsky, Malewitsch oder Mondrian, zum Konstruktivismus und Minimalismus, sind bei Kraftwerk unübersehbar. Auch das verbindet die Gruppe mit unserem Haus.“

Der eigenen Historie folgend, werden die Alben bei den Konzerten in der Kunstsammlung in chronologischer Reihenfolge aufgeführt:
1 Autobahn (1974), 2 Radio-Aktivität (1975), 3 Trans Europa Express (1977), 4 Die Mensch-Maschine (1978), 5 Computerwelt (1981), 6 Techno Pop (1986), 7 The Mix (1991), 8 Tour de France (2003).
 
Im April 2012 präsentierte das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) die international beachtete Kraftwerk-Retrospektive 1 2 3 4 5 6 7 8. Die Konzerte waren bereits wenige Minuten nach ihrer Ankündigung ausverkauft. Im Herbst 2011 fand die Ausstellung " Kraftwerk 3 -D Video Installationen" im Kunstbau des Lenbachhauses in
München statt.

Gefördert wird die Konzertreihe in der Grabbe Halle von K20 von den Stadtwerken Düsseldorf. „Die Stadtwerke Düsseldorf engagieren sich für die Kunst und Kultur in unserer Stadt. Die Kraftwerk-Konzertreihe wird ein  musikalisches Highlight, das auf großes Interesse stoßen wird“, so Rainer Pennekamp, Vorstandsmitglied der Stadtwerke Düsseldorf.

Aus Anlass der Shows in Düsseldorf eröffnet am Nachmittag des 11. Januar 2013 im NRW Forum die Fotoausstellung KRAFTWERK / ROBOTER / FOTOGRAFIE PETER BOETTCHER.