2014

Annette Messager
Exhibition / Exposition

27.09.2014 – 22.03.2015
K21 STÄNDEHAUS

Annette Messager zählt zu den wichtigsten Figuren der aktuellen internationalen Kunstszene und bereitete mit ihrem Oeuvre das Terrain für die französische zeitgenössische Kunst vor. Dennoch liegt ihre letzte Einzelausstellung in einem deutschen Museum fast 25 Jahre zurück. Die Ausstellung im K21 bietet nun die Möglichkeit, ihr Werk neu zu entdecken. Gezeigt werden Arbeiten, die sie seit den späten 1980er-Jahren bis heute geschaffen hat. Eigens für die Ausstellung ist die Serie Les interdictions en 2014 entstanden.

Die raumgreifende Installation Sous vent (2004–10) hat die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen 2011 angekauft und damit ihre Sammlung um eine wichtige Position zeitgenössischer Kunst bereichert. Diverse Objekte wie eine übergroße Hand, ein Fuß, Organe oder Stofftiere werden von einem schwarzen  Seidentuch bedeckt, das die Luftströmung aus drei Ventilatoren in Bewegung setzt. Mit diesem Werk  bezieht sich die Künstlerin auf die Naturgewalten, aber auch auf das Unbewusste und auf Ängste, die in tieferen Schichten verborgen liegen. Während der Ausstellung im K21 ist Sous vent in einer Installationslänge von über 20 Metern zu sehen.

In über 40 Jahren künstlerischer Aktivität entwickelte Annette Messager (geb. 1943) eine konzentrierte Bildsprache. Arbeitet sie Anfang der 1970er-Jahre noch hauptsächlich mit ausgestopften Vögeln, Strickereien und Bildkollektionen, so weitet sich ihr Material- und Themenspektrum schnell aus. Hinzu kommen Fotografien, Installationen mit Plüschtieren und Kleidern, ab 2001 auch große mechanische Systeme. Insbesondere der menschliche Körper und seine Attribute spielen bei  Messager eine zentrale Rolle. Sie werden von der Künstlerin zerstückelt, um dann mit Fäden und Netzen zu etwas Neuem zusammengeflochten zu werden. Durch das Ansammeln und Aneinanderreihen auch feingliedrigster Elemente entsteht bei Messager ein bildgewaltiger Kosmos.

Zu den jüngsten Arbeiten Annette Messagers zählt die beeindruckende Installation Continents noirs (2010–12). Wie kleine Inseln schweben schwarze zerknitterte Elemente in der Luft. Sie muten wie eine Kulisse eines Science-Fiction-Films an, lassen aber ebenfalls eine düstere Zukunft denken. Inspiriert von Gullivers Reisen geht die Arbeit auch auf eine Aussage von Sigmund Freud zurück, für den die weibliche Sexualität einen schwarzen, in der Psychoanalyse unergründlichen Kontinent darstellte. Die neue Arbeit Les interdictions en 2014 besteht aus 68 Zeichnungen (eine Anspielung auf den  revolutionären Pariser Mai 1968) die unterschiedliche Verbote aus der ganzen Welt darstellen. Die Palette reicht von alltäglichen Einschränkungen wie dem Fotografier- oder Rauchverbot bis zu kulturell-politisch begründeten kritischen  Gesetzen, wie etwa Autofahrverbot für Frauen in Saudi-Arabien. Auch hier spricht Annette Messager auf poetische und  humorvolle Weise ernste Themen an, die den Menschen in seinem Alltag beschäftigen und bestimmen.

Kuratorin: Florence Thurmes

Partner und Sponsoren:
Unternehmenssponsor: das Fashion- und Lifestyle-Unternehmen Breuninger,
Medienpartner: Handelsblatt


Wael Shawky: Cabaret Crusades

06.09.2014 – 04.01.2015
K20 GRABBEPLATZ

In seiner ersten großen Museumsausstellung in Deutschland zeigt der ägyptische Künstler Wael Shawky (*1971) die als Filmtrilogie angelegten Cabaret Crusades, in denen Marionetten die Geschichte der mittelalterlichen Kreuzzüge als Kabarett aufführen.

Shawkys mehrfach preisgekrönte Filme fragen nach der Wirkungsweise von Projektion, Manipulation und der Auseinandersetzung mit dem Fremden. Was steckt hinter den komplexen Mechanismen der Konstruktion von Geschichte und deren Erzählung? Während Teil 1 und Teil 2 der Cabaret Crusades als raumgreifende Projektion ab dem 6. September in der Grabbehalle zu sehen sind, wird der in Kooperation mit der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen produzierte dritte Teil, The Secrets of Karbalaa, parallel zur Ausstellung im selben Raum produziert und am 4. Dezember uraufgeführt.

Bis dahin verwandeln Wael Shawky und die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen den Ausstellungsraum auf nie dagewesene Weise zum Ort der Kunstproduktion. In den Cabaret Crusades, die zu den viel besprochenen Entdeckungen der Documenta 13 gehören, spielen detailreich ausgestattete Marionetten in fantastischen Kulissen kindlich und grausam zugleich die kriegerischen Ereignisse des 11./12. Jahrhunderts nach. Das Szenario der Trilogie basiert auf dem Buch des französisch-libanesischen Autors Amin Maalouf (*1949), "Der heilige Krieg der Barbaren. Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht" (1983). Shawky mischt den notorisch von Phantasie- und Wunschvorstellungen geprägten europäischen Blick auf den Nahen Osten mit arabischen Formen der Repräsentation.

Mit den historischen Kreuzzügen greift Shawky ein Thema auf, das durch die andauernden Konflikte im Nahen Osten auch noch nach beinahe 1000 Jahren höchst aktuell ist. Die im Film thematisierten Orte wie Aleppo, Damaskus oder Bagdad sind auch heute als Kriegsschauplätze gegenwärtig. Die an Schnüren geführten, wie ferngesteuert wirkenden Puppen werfen unweigerlich die Frage auf: Wer eigentlich zieht die Fäden der Geschichte?

Kuratorin: Doris Krystof
Kuratorische Assistenz: Ansgar Lorenz

Die Ausstellung wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.
Unternehmenssponsor: das Fashion- und Lifestyle- Unternehmen Breuninger,
Medienpartner: Handelsblatt
Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen


Nach Ägypten!
Die Reisen von Max Slevogt und Paul Klee

06.09.2014 – 04.01.2015
K20 GRABBEPLATZ

Es ist weit mehr als der Abstand von 15 Jahren, der die Ägyptenreisen der Impressionisten Max Slevogt und des Malers Paul Klee von einander trennt: Während Slevogt im Frühjahr 1914 seine Eindrücke des Orients unmittelbar in einem einzigartigen Bilderzyklus festhielt, sind die Motive Klees aus dem Jahr 1928/29 vollständig der modernen Bildauffassung verpflichtet. Die Ausstellung Nach Ägypten! Die Reisen von Max Slevogt und Paul Klee stellt erstmals das Schaffen dieser zwei Künstler gegenüber. Zu entdecken sind etwa 130 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen, die im Zusammenhang ihrer Reisen entstanden sind, und die die Umbrüche am Übergang vom Impressionismus zur Klassischen Moderne in der Ausstellung verdeutlichen. Museen aus dem In- und Ausland sowie renommierte private Sammlungen unterstützen großzügig die Ausstellung mit hochrangigen Leihgaben. Historische Fotografien und Dokumente ergänzen die Präsentation der Kunstwerke.

Max Slevogt (1868-1932) schuf auf seiner Reise einen Zyklus farbgewaltiger Bilder. Die heute in Dresden aufbewahrten Werke sind von äußerster Fragilität und verlassen deswegen nur in besonderen Ausnahmefällen das dortige Museum. Den höchst individuellen Ergebnissen Slevogts antwortet die ebenso eigenwillige und poetisch anmutende Bildwelt von Paul Klee (1879-1940): Die in der Ausstellung gezeigte Auswahl seiner Arbeiten reicht von frühen Zeichnungen um 1900 bis zum markanten Spätwerk der 1930er Jahre.

Die Ausstellung stellt zwei Künstler einander gegenüber, die zwar derselben zeitlichen Epoche, aber ganz unterschiedlichen Bildtraditionen und Gedankenwelten angehören. Slevogt und Klee haben Ägypten nicht nur auf verschiedene Art erlebt, sie haben ihre Eindrücke auch ganz unterschiedlich künstlerisch verarbeitet. Slevogt reiste im Frühjahr 1914 nach Ägypten, als das Land noch unter britischer Kolonialherrschaft war. Seine Fahrt zur Zeit des deutschen Kaiserreichs stand in der Tradition der Grand Tour der Orientmaler. 15 Jahre später, zur Jahreswende 1928/29, wählte Paul Klee die gleiche Route von Alexandria über Kairo und Luxor bis nach Assuan. Seine Reise führte ihn unter veränderten politischen und gesellschaftlichen Bedingungen in ein Land, das 1922 seine Unabhängigkeit erlangt hatte. Auch Deutschland hatte sich mit der Gründung der Weimarer Republik nach dem Ende des Ersten Weltkrieges grundlegend politisch neu orientiert.

Beide Künstler kannten die Kultur des alten Ägypten durch Ausstellungen, die in Deutschland nach bedeutenden Ausgrabungen wie in Tell el-Amarna gezeigt wurden, wo 1912 die Büste der Nofretete entdeckt worden war. Slevogts Vorstellungen von Ägypten speisten sich darüber hinaus aus phantastischen Erzählungen wie Tausendundeine Nacht, die ihn bereits als Kind fasziniert und immer wieder zu Gemälden und Illustrationen inspiriert hatten. Künstlerisch entfachten die Eindrücke Ägyptens bei ihm eine bis dahin nicht gekannte Virtuosität im Umgang mit Farbe und Komposition. Klee, der im Unterschied zu Slevogt allein und mit wenig Gepäck nach Ägypten reiste, verwendete bereits seit der Zeit um 1900 in seinen Werken Formen, die an Pyramiden oder Hieroglyphen erinnern. Die Reise nach Tunesien 1914 befeuerte sein Interesse an Nordafrika und dem Orient zusätzlich. Vor Ort entstanden jedoch fast keine Werke; Klee reflektierte und transformierte das Gesehene erst nach seiner Rückkehr ins Atelier in einer Reihe neuer Werke.

Eine Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf.

Kuratorin der Düsseldorfer Station: Anette Kruszynski
Kuratorische Assistenz (Düsseldorf): Florence Thurmes

Partner und Sponsoren

Die Ausstellung wird gefördert durch:
Farrow & Ball,
Unternehmenssponsor: das Fashion- und Lifestyle- Unternehmen Breuninger,
Medienpartner: Handelsblatt
Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen
Der Katalog wird gefördert durch die Ernst von Siemens Kunststiftung.


Katharina Sieverding
mal d’archive

10.05. - 21.09.2014
K21 STÄNDEHAUS
(Bel Etage)

Katharina Sieverdings Stauffenberg-Block (I–XVI / 1969) aus dem Besitz der Kunstsammlung wird in der Bel Etage des K21 im Mittelpunkt einer Ausstellung stehen. Auf Grund seiner Dimensionen kann dieser Werkblock aus 16 großformatigen Farbfotoarbeiten der Künstlerin nur selten gezeigt werden.

Der Titel bezieht sich auf den 1944 hingerichteten Widerstandskämpfer und Hitler-Attentäter Claus  von Stauffenberg. Diese frühe Arbeit ist mit zwei weiteren Serien (Maton Solarisation 1969 und Transformer  Cyan Solarisation 1973/74) kombiniert. Bei den drei Werkblöcken handelt es sich um kontinuierliche   Transformationen des konzeptuell verwendeten Selbstportraits der Künstlerin, das in seiner seriellen Wiederholung das Erfassen von Identität im Einzelportrait in Frage stellt.

Dem gegenüber sind zwei fotografische Arbeiten aus der Serie Visual Studies 2002 sowie der als Raumobjekt präsentierte Archivspeicher (ORWO 2014) gestellt. Diese Arbeiten verweisen auf das vielgestaltete Bildarchiv,  welches Katharina Sieverding ihrer Arbeit zu Grunde legt und deren inhaltliche und bildliche  Bedeutungen sie immer wieder neu konstituiert.

Das Werk Sieverdings entfaltet sich seit über vier  Jahrzehnten in einer Fülle von Statements zwischen solchen Polen wie Individuum und Gesellschaft,  Empfindung und Kritik, Präsenz und Entzug.

Kuratorin: Marion Ackermann

Die Ausstellung wird ermöglicht durch: NATIONAL-BANK
Unternehmenspartner: Breuninger
Medienpartner: Handelsblatt


Unter der Erde. Von Kafka bis Kippenberger

Quadriennale Düsseldorf
05.04. – 10.08.2014
K21 STÄNDEHAUS

Mit der Ausstellung widmet die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen dem Thema des Unterirdischen eine umfassende Ausstellung. Das Motiv der Verlagerung des Lebensraumes unter die Erdoberfläche ist mit Utopien sowie Anti-Utopien des 20. Jahrhunderts fest verbunden.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt sich das unterirdische Lebensreich zu einem beliebten literarischen Thema. Sowohl Höllenvisionen als auch Schutz gewährende Höhlen sind mit dem Bild der Verlagerung des Lebensraumes unter die Erde assoziiert. Freuds Recherche über die menschliche Psychologie und insbesondere die Verknüpfung des Unbewussten mit dem Ort des Kellers in der Traumdeutung von C. G. Jung Anfang des 20. Jahrhunderts beeinflussen die Auslegung des Unterirdischen in der populären und künstlerischen Auffassung. Ebenso ausschlaggebend sind die traumatisierenden Erfahrungen der Weltkriege und die Nutzung der unterirdischen Räume als Bunker.

Die in der Literatur entwickelten Motive, insbesondere die Wechselwirkung zwischen Schutzzone und Gefahrsituation, dienen als Anknüpfungspunkt und Inspirationsquelle für moderne und zeitgenössische Künstler. So handeln die Abschnitte der Ausstellung von den Eingängen und Übergängen, dem Rückzug
und Aufbruch ins Unterirdische, dem Bezug des Untergrunds zum Unbewussten und Unheimlichen, der Rolle des Bunkers und der unterirdischen Verteidigungssysteme sowie der Gegenüberstellung des fiktiven und konkreten Raums. Die Werke der Ausstellung – Zeichnungen, Fotografien, Videos, Skulpturen, Objekte und begehbare Installationen – machen das Thema erfahrbar.

Aus den vielen literarischen Verarbeitungen dieser Themen wird die unvollendete Erzählung "Der Bau" (1923-24) von Franz Kafka in der Ausstellung in besonderer Weise hervorgehoben. Aus der Perspektive eines Tieres beschreibt Kafka, wie es mit quälerischem Perfektionismus ein unterirdisches Gängesystem, gleich einem Hochsicherheitstrakt, herstellt. Der Bau ist Rückzugsort und Bedrohung zugleich. Erstmals als eigenständiger Band in Kooperation mit dem S. FISCHER Verlag publiziert und mit Zeichnungen von Roni Horn versehen, wird die Erzählung den Besucher durch die Ausstellung begleiten.

Beteiligte Künstler:
Christoph Büchel, Thomas Demand, Max Ernst, Peter Fischli David Weiss, Roni Horn, Mike Kelley, Martin Kippenberger, Kris Martin, Henry Moore, Matt Mullican, Bruce Nauman, Gregor Schneider, Thomas Schütte und Jeff Wall

Kuratorinnen: Marion Ackermann, Kathrin Beßen, Florence Thurmes

Die Ausstellung wird gefördert durch:
die Kulturstiftung des Bundes,
die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West,
Unternehmenssponsor: das Fashion- und Lifestyle- Unternehmen Breuninger,
Medienpartner: Handelsblatt


Olafur Eliasson -
Dein Ausstellungsguide

Quadriennale Düsseldorf
05.04. – 10.08.2014
K20 GRABBEPLATZ

In direkter Anlehnung an die Ausstellung „Kandinsky, Malewitsch, Mondrian – Der weiße Abgrund Unendlichkeit“ (bis 6. Juli 2014) entwickelt der Künstler Olafur Eliasson in Zusammenarbeit mit der Kunstsammlung ein ungewöhnliches Projekt, das auf überraschende Weise den Besucher auf die Ausstellung vorbereitet. In der Verschmelzung von raumgreifender Installation und digitaler App eröffnet Eliasson einen Erfahrungsraum – ein Exploratorium, das der fortschreitenden Mumifizierung unserer Sinne durch die alltägliche Flut von Bildern und Informationen entgegentreten soll.

In elf kurzen Filmen und einer Einführung wendet sich Eliasson mit seinem Ausstellungsguide direkt an die Besucher: Wie reagieren wir auf Kunstwerke und Ihre Umgebung? Welche Schlüsse ziehen wir aus unserem Erleben? Wie fühlt sich die Erfahrung von Kunst an? Was passiert vor und nach der Begegnung mit dem Werk und wie können wir das gesamte Spektrum sinnlicher Erfahrungen für uns aktivieren?

Your exhibition guide kann ab dem 05.04.2014 kostenlos im App Store oder von Google Play für die Betriebssysteme iOS und Android auf das Smartphone oder Tablet heruntergeladen werden. Zusätzlich können die Besucher aber auch im K20 iPads fürvden Ausstellungsbesuch entleihen. Vorab werden Auszüge aus der App auf #32, dem neuen Online-Magazin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, veröffentlicht.

Eliassons Projekt Dein Ausstellungsguide gehört zum Programm LABOR der Abteilung Bildung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und wird gefördert von der Stadtsparkasse Düsseldorf und der Sparkassen Kulturstiftung Rheinland.


Kandinsky, Malewitsch, Mondrian
Der weiße Abgrund Unendlichkeit

Quadriennale Düsseldorf
05.04. - 06.07.2014
K20 GRABBEPLATZ

Mit Kandinsky, Malewitsch Mondrian – Der weiße Abgrund Unendlichkeit greift die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen das vielschichtige Thema der weißen Flächen in den Werken von Wassily Kandinsky, Kasimir Malewitsch und Piet Mondrian auf. Für die Avantgarde-Pioniere war Weiß nicht nur ein Element ihrer Farbpalette – es war Symbol für eine zukünftige Welt.

"Der weiße, freie Abgrund, die Unendlichkeit liegt vor uns" hatte Kasimir Malewitsch 1919 formuliert und damit eine Metapher gebildet, die wegweisend wurde für seine Kunst. Das weiße Feld als Leere und Nichts ist der monochrome Grund, vor dem seine geometrischen Formen schwerelos zu schweben scheinen. Zugleich ist Weiß für Malewitsch ein mystischer Farbton, den er als reine Erregung schildert. Dieses Weiß findet in zahlreichen Schriften zur Suprematie Erwähnung.

Auf der Suche nach einer neuen Seinsgrundlage des Menschen sah er in der weißen Suprematie die höchste Vollendung der Gegenstandslosigkeit und verknüpfte sie mit idealistischem Gedankengut zum radikalen Entwurf einer zukünftigen Gesellschaft. Auch für Wassily Kandinsky markierten weiße Flächen einen  Möglichkeitsraum. Das Weiß "ist ein Schweigen, welches nicht tot ist, sondern voller Möglichkeiten" heißt es in seiner Farbsymbolik Über das Geistige in der Kunst (1911).

Piet Mondrian folgte Theo van Doesburgs Gegenüberstellung von Schwarz, Grau und Weiß als negative Farben und den positiven Primärfarben Rot, Gelb und Blau. In der Negation, verbunden mit dem Aspekt der Absenz, erhält die Nichtfarbe Weiß in seinen Gemälden ein besonderes Gewicht. Zunächst wird die weiße Fläche als Kontinuum verwendet, später dann von schwarzen Linien begrenzt. Im Wechselspiel von Beruhigung und Aktivierung des Bildgrundes wirkt sie unmittelbar auf den Betrachter.

Der Beginn des 20. Jahrhunderts ist von bahnbrechenden Entdeckungen in der Physik bestimmt wie etwa der Relativitätstheorie oder der Quantenphysik. Auf jeweils unterschiedliche Weise setzen sich die drei Künstler mit Erkenntnissen der Naturwissenschaften auseinander und entwickeln ihre spezifische Weltsicht. Indem sie theosophisches Gedankengut und moderne Physik verknüpfen, stellen sie die traditionelle Vorstellung von Raum und Zeit in Frage und suchen innerhalb des Bildraums einen Weg zu einer weiteren Dimension.

Im Laboratorium, seinem Ursprung nach der naturwissenschaftlichen Erkenntnisfindung verschrieben,  fanden die Künstler den Ort einer neuen Form künstlerischen Schaffens. Um die verschiedenen Facetten des Weiß im Werk der drei Künstler sichtbar werden zu lassen, wird die Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen den Ansatz künstlerisch naturwissenschaftlicher Analyseverfahren in der Ausstellungssituation konkret aufgreifen und in insgesamt vier Laboratorien zentrale historische Diskurse zu Theosophie und Naturwissenschaft sowie zu Farbe, Film und Architektur auffächern.

In einer von unbedingtem Fortschrittsoptimismus geprägten Zeit ist den drei Avantgardepositionen Wassily Kandinsky, Kasimir Malewitsch und Piet Mondrian ein zentrales Moment gemein: Der von einem klaren, gesellschaftsutopischen Anliegen motivierte Blick in die Zukunft. Diese Anliegen darzulegen, gleichzeitig nicht im Historischen zu verharren, sondern dies für alle drei Künstler relevante Thema des Utopischen aus dem Heute heraus mit Blick auf das Morgen zu erfassen, soll der Anspruch der Ausstellung sein.

In Anlehnung an die künstlerischen Konzepte der drei erarbeitet der Künstler Olafur Eliasson gemeinsam mit der Kunstsammlung darüber hinaus einen Raum für eine Resensibilisierung der Menschen, welcher die Besucher in überraschender Weise auf die Ausstellung vorbereitet und sie dauerhaft für die komplexen Wahrnehmungs- und Materialqualitäten des Weiß sensibilisiert.

Kuratorinnen: Marion Ackermann, Isabelle Malz
Kuratorische Assistenz: Ansgar Lorenz

Die Ausstellung wurde gefördert durch: Kunststiftung NRW, HSBC Trinkaus, Schwarzkopf
Unternehmenssponsor: das Fashion- und Lifestyle-Unternehmen Breuninger
Medienpartner: Handelsblatt


Gerhard Richter.
Die Kunst im Plural

15.02. 09.03.2014
K20 GRABBEPLATZ

»Ich sah – und sehe immer noch – Editionen als einen willkommenen Ausgleich für die Produktionen von Gemälden, die Unikate sind. Es ist eine großartige Möglichkeit, meine Arbeiten einer größeren Öffentlichkeit zu vermitteln.«
(Gerhard Richter, Brief an das Museum of Modern Art, New York, 1998)

Gerhard Richter ist einer der international erfolgreichsten deutschen Künstler der Gegenwart. In zahlreichen Museen und Sammlungen der Welt sind seine Gemälde, Skulpturen und Installationen gegenwärtig. Parallel dazu entstanden Editionen, also Druckgrafiken, Foto-Editionen, Multiples, Gemälde-Editionen, Künstlerbücher und Plakate. Als Editionen bezeichnet man jene künstlerischen Originale, die nicht als Unikate, sondern in Auflage entstanden sind. Editionen bieten dem Künstler die Möglichkeit, seine Werke einer größeren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Sie erlauben dem Künstler darüber hinaus, in besonders vielfältiger und experimenteller Weise die Grenzen des bildnerisch Möglichen auszuloten.

Die präsentierte Auswahl an Editionen entstand überwiegend in den vergangenen zehn Jahren und sind Leihgaben der Olbricht Collection, die die weltweit umfangreichste Sammlung von Gerhard Richters Auflagenwerken besitzt. Anlass der Ausstellung ist das bevorstehende Erscheinen des neuen Werkverzeichnisses der Editionen.

Die Ausstellung wird gefördert durch
Fashion- und Lifestyle-Unternehmen Breuninger
Medienpartner: Handelsblatt