2018

Ausstellungsplakat

Anni Albers (1899 – 1994) war eine vielseitige Künstlerin, die das Handwerk des Webens als Kunstform etablierte und diese uralte Kulturtechnik mit einer modernen künstlerischen Praxis verband. Die retrospektive Ausstellung erlaubt einen tiefen Einblick in das Werk der Künstlerin, Handwerkerin, Designerin, Autorin und Lehrerin Anni Albers, von den Anfängen am innovativen Bauhaus in Weimar und Dessau über die Zeit am legendären Black Mountain College bis in die 1980er-Jahre.

Während ihre von textilen Strukturen, subtiler Farbigkeit und abstrakter Formensprache geprägten Bildgewebe für die Betrachtung geschaffen sind, dienen die Raumteiler, Teppiche und Vorhangstoffe dem Gebrauch. Sie belegen, ebenso wie zahlreiche Textilmuster und Entwürfe, Albers‘ intensive Beschäftigung mit komplexen Webstrukturen und neuartigen Fasern. Diverse Auftragsarbeiten für Architekten bezeugen ihr anhaltendes Interesse am Dialog zwischen Baukunst und Textilem. Ergänzend illustrieren vielfältige  Materialien sowie die Texte der Autorin Albers die Geschichte und die Möglichkeiten der Weberei und veranschaulichen – neben präkolumbischen Textilien aus der Sammlung von Josef und Anni Albers – ihre Idee des gewebten Fadens als Form einer universellen Sprache.

Angesichts der beeindruckenden Vielfalt ihres Werkes wird Anni Albers‘ besonderer Beitrag zur Moderne ebenso wie ihr anhaltender Einfluss auf Kunst und Design neue Wertschätzung erfahren.

Die Ausstellung wird organisiert von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, und der Tate Modern, London.

Ausstellungsplakat

In der Grabbe Halle des K20 präsentiert der international renommierte schottische Künstler Douglas Gordon (*1966) seine eindrucksvolle, raumgreifende Videoinstallation "k.364" (2010).

In dieser 50-minütigen Arbeit, die auf zwei doppelseitige Projektionsflächen projiziert wird, folgt der Künstler zwei israelischen Musikern polnisch-jüdischer Herkunft auf ihrer Bahnreise von Berlin nach Warschau, wo sie in der Nationalphilharmonie Mozarts "Sinfonia Concertante für Violine, Viola und Orchester Es-Dur, KV 364" aufführen werden.

Ihre Reflektionen über den Holocaust, die geschichtsbeladene Landschaft und die Begegnung mit der seit der NS-Zeit als Schwimmhalle missbrauchten Synagoge von Posen/Poznań mischen sich mit dem Geräusch des rollenden Zuges und den berührenden Klängen der Mozart-Symphonie.

Die Arbeit ist ein bewegendes Dokument des tiefen Vertrauens der Protagonisten in die Kraft der Musik vor dem subtil gezeichneten Hintergrund einer dunklen und ungelösten Geschichte.

Ausstellungsplakat

Die Auseinandersetzung mit Zeit, Sprache und Geschichte steht im Zentrum der künstlerischen Arbeit des 1992 in Neu-Delhi gegründeten Raqs Media Collective. Unter Einsatz verschiedener Medien vereinen die drei Mitglieder Jeebesh Bagchi (*1966), Monica Narula (*1969) und Shuddhabrata Sengupta (*1968) zeitgenössische Kunstpraxis mit historischer und philosophischer Spekulation, Geschichtsforschung und Theorie, wobei sie soziale und politische Bedingungen im globalen Kontext in den Blick nehmen.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist Raqs' Faszination für das Phänomen Zeit, ein Thema, das die Künstler bereits seit den Anfängen ihrer Zusammenarbeit intensiv beschäftigt. In Arbeiten wie "Escapement" (2009) oder "Re-Run" (2013) spekulieren sie: Was ist Zeit? Was bedeutet es, Zeit zu messen? Und in welcher Beziehung steht Zeit zu Raum und Geschichte? Dem Besucher werden verschiedene Dimensionen von Zeit vor Augen geführt – von einem Herzschlag oder einer Atempause, über historische Episoden bis hin zur Unendlichkeit. Sie regen dazu an, gängige Vorstellungen von Zeit, ihre disziplinierende Funktion im Alltag und ihre grundlegende Rolle bei der kapitalistischen Organisation von Arbeit neu zu hinterfragen.

Als wesentliches künstlerisches Material und Medium dient Raqs die Sprache. Seien es Wortspiele und Neologismen, die sie in Werktitel integrieren und in Texten verweben oder illuminierte Installationen, in denen sie Buchstaben in regelmäßigen Rhythmen hell aufleuchten lassen. Das Spiel mit Sprache erlaubt es ihnen, verschiedene Lesarten zuzulassen, besetzte Begriffe und Konzepte aufzubrechen und lineare Erzählungen zu untergraben. So ist auch der Name des Kollektivs ein Spiel mit Sprache: 'Raqs' geht zurück auf ein Wort aus der islamischen Mystik, welches den ekstatischen Zustand bezeichnet, in den sich Sufi-Derwische versetzen, wenn sie tanzen. Es beschreibt einen hoch konzentrierten und zugleich permanent bewegten Modus, der auch das Schaffen der international agierenden Künstlergruppe treffend zusammenfasst. Gleichzeitig kann Raqs als Akronym für "Rarely Asked Questions" (Selten gestellte Fragen) verstanden werden.

Mit ihrer Ausstellung eröffnen Raqs einen neuen Möglichkeitsraum, der den Betrachter einlädt, das Bewusstsein für die grundsätzliche Ambivalenz dieser Welt zu schärfen und etablierte Methoden, Narrative und Denkmuster auf den Prüfstand zu stellen.