Künstlerräume

Neuer Künstlerraum im K21: Matthias Bitzer, Der Zerfall der Eigenschaften (Detail), 2014, Acryl und Tusche auf Baumwolle, Sprühlack auf Holz, 103 x 156 cm, Courtesy Kadel Willborn, Düsseldorf, Foto: Simon Vogel / Köln.

Neue Künstlerräume im K21 

Auf drei Etagen des K21 befinden sich die Künstlerräume. Jeder Raum beherbergt eine Position. Gezeigt werden Malerei, Zeichnung, Skulptur oder Film. Die Art und Weise, wie diese Werke unsere Gegenwart reflektieren, ist so unterschiedlich wie die Wirklichkeit selbst. Jeder Raum hält eine intensive Begegnung parat, zeigt eine eigenständige, artifizielle Welt, die den Besucher zum Nachdenken anregt, mit allen Sinnen umfängt oder auch angesichts der Rätselhaftigkeit eines Werkes mit Fragen zurücklässt. Manche Arbeiten sind dem Betrachter vielleicht durch frühere Besuche bekannt, andere sind neu und eigens für das K21 geschaffen.

Die Auswahl der Künstler folgt dem Wunsch, der Reichhaltigkeit und Dichte zeitgenössischer Ausdruckskraft ein Forum zu geben. Es gehört zum Konzept, dass die Räume von den Künstlern selbst eingerichtet werden.

 

Matthias Bitzer,
Der Zerfall der Eigenschaften

Der Zerfall der Eigenschaften ist der Titel des Raumes, den Matthias Bitzer (geb. 1975) im Juli 2014 in der 2. Etage des Ständehauses gestaltet hat. Mit Gemälden, Wandzeichnungen und Objekten eröffnet Bitzer einen vielschichtigen Diskurs zwischen Figuration und Abstraktion, formalen und inhaltlichen Fragestellungen.

Die Geschichte, die der Künstler hier erzählt, hat ihren Ausgangspunkt in der Frühzeit der Abstraktion zu Beginn des 20. Jahrhunderts und verliert sich in den geometrischen Konstruktionen einer ganzen Epoche. Die Lesbarkeit seiner Inszenierung steuert und irritiert Bitzer durch das Hinzufügen von Porträts historischer Persönlichkeiten, in deren Biografien sich die Schräglage einer Gesellschaft oder eine historische Umbruchsituation spiegeln.

Leopoldo Fregoli (1867–1936) ist der Protagonist des Künstlerraums im K21. Der berühmte italienische Verwandlungskünstler konnte durch rasend schnellen Wechsel von Kleidung, Stimmlage und Mimik in 60 verschiedene Charaktere schlüpfen. Bis heute wird das Fregoli-Syndrom nach ihm benannt, eine bestimmte Form der Schizophrenie. Die Konstruktion von Realität, das Verhältnis von Unsichtbarem und Realem und die Auflösung ursprünglicher Zeit- und Raumzusammenhänge sind die Koordinaten dieser Rauminstallation.


Anna Oppermann,
Anders sein ("Irgendwie ist sie so anders…"), 1970 – 1986

Seit November 2013 ist die raumfüllende Arbeit von Anna Oppermann im K21 zu sehen. Die Ensembles der früh verstorbenen Künstlerin (1940 – 1993) bestehen aus hunderten von kleinen und großen Einzelteilen: Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und Objekte. Anna Oppermann, die als Vertreterin der Konzeptkunst gelten kann, arrangierte ihre Environments als fortlaufende, sich in den Raum ausbreitende Arbeits- und Denkprozesse.