Künstlerräume im K21

Wie können wir der Überfülle von Bildern in der modernen Gesellschaft begegnen? Es gibt kaum einen Ort in unserem Alltag, an dem wir nicht mit visuellen Reizen konfrontiert werden. Auch das Museum ist ein Bilderlieferant, der aber entgegen der überschäumenden Bilderwelt der Medien versucht, Struktur und Wertigkeit des einzelnen Bildes ins rechte Licht zu rücken.

Das K21 zeigt auf drei Etagen in jedem Raum eine andere künstlerische Position. Es ist eine Auswahl der wichtigsten, radikalsten und sinnlichsten Statements zur Gesellschaft unserer Zeit. Dazu zählen sowohl Arbeiten aus unserer Sammlung, die seit ihrem Bestehen konsequent Meisterwerke der Gegenwartskunst zusammenführt, als auch Werke und Installationen, die die Künstler eigens für das Ständehaus entwickelt haben.

Für uns ist es ein Anliegen, dass die Künstler ihre Räume selbst einrichten, dabei eine Haltung zu der Architektur des Ständehauses entwickeln und in die Verwirklichung ihrer Ideen einfließen lassen. Dies bewirkt eine einmalige Konstellation der Werke, verbunden mit größtmöglicher künstlerischer Konzentration und Intention. Wir laden unsere Besucher ein, diese Vielfältigkeit der Räume zu entdecken und dabei die verschiedenen sinnlichen Gestaltungsmöglichkeiten zu erleben.


Aktuelle Übersicht der Räume

1. Etage:

  • Bernd und Hilla Becher
  • Nam June Paik
  • Imi Knoebel
  • Marcel Broodthaers

2. Etage:

  • Matthias Bitzer
  • Katharina Fritsch
  • Thomas Hirschhorn
  • Juan Muñoz
  • Hans Peter Feldmann
  • Franz West
  • Gregor Schneider
  • Marina Abramovic


3. Etage:

  • Tomás Saraceno
  • Georg Herold
  • Janet Cardiff/George Bures Miller
  • Kris Martin
  • Anna Oppermann
  • Christian Boltanski


Videos und Beiträge auf #32

Einen Einblick in die Künstlerräume im K21 gibt Kuratorin Susanne Meyer-Büser in kurzen Videobeiträgen auf #32, dem Online-Magazin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. In einer Serie werden die neuen Künstlerräume dort als "making of" vorgestellt.

Making of: Antonia Low beim Aufbau von "A Room Recalls"
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Video zum Künstlerraum Matthias Bitzer
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Video zum Künstlerraum Tomás Saraceno und
der Installation "in orbit"
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Neu im Winter 2014

Antonia Low
A Room Recalls

Antonia Low ist eine sensible Perfektionistin, die die Räume in denen sie ausstellt, auf ihre inneren Zusammenhänge hin befragt. Häufig spürt sie Kabeln und Leitungen nach, die wie Lebensadern in den Wänden verborgen sind und die die Funktion des Raumes im Kern bestimmen. In ihrer Installation „A Room Recalls“ im K21 dringt die Künstlerin nicht in die Schichten des Putzes vor, sondern nähert sich mit Spiegelungen den visuellen Untiefen des gegebenen Raumes an. Im größten und zugleich architektonisch ausgewogensten Raum des K21 hat die Berliner Künstlerin den Boden mit einer Spiegelfläche ausgelegt. Über Planken und über die Stege eines schwarzen Gerüstes kann der Besucher den Raum betreten und den reflektierenden Untergrund mit all seinen Veränderungen wahrnehmen. Die leichten Unebenheiten der Spiegelflächen und die zahlreichen gebrochenen Scheiben transformieren die zunächst kühl und abweisend wirkende Inszenierung zu einem fragilen und brüchigen Vexierbild über Schönheit und Vergänglichkeit.

Was ist Real und was ist Fiktion? – das ist die Frage, die sich der Besucher stellt, der aus zweieinhalb Metern Höhe den Boden als Deckenspiegelung wahrnimmt und sich mit jedem Schritt seines eigenen Standortes aufs Neue versichern muss. Auf einen Teil der Raumarchitektur sind Ausschnitte des Films „The Picture of Dorian Gray“ von 1945, projiziert und steigern zusätzlich die illusionistische Wirkung der Inszenierung. Die radikal auf Tiefwirkung ausgerichtete Architektur der Filmszenen trifft auf die suggestiven Spiegelungen des Ausstellungsraumes. In dieser Konstruktion aus Ambivalenz droht dem einzelnen Betrachter Schwindel und Orientierungsverlust. 

Antonia Low, Gewicht des Sehens, 2011, Städtische Galerie Nordhorn, Foto: Antonia Low, VG Bild Kunst Antonia Low

Matthias Bitzer
Der Zerfall der Eigenschaften

Der Zerfall der Eigenschaften ist der Titel des Raumes, den Matthias Bitzer (geb. 1975) in der 2. Etage des Ständehauses gestaltet hat. Mit Gemälden, Wandzeichnungen und Objekten eröffnet Bitzer einen vielschichtigen Diskurs zwischen Figuration und Abstraktion, formalen und inhaltlichen Fragestellungen.

Die Geschichte, die der Künstler hier erzählt, hat ihren Ausgangspunkt in der Frühzeit der Abstraktion zu Beginn des 20. Jahrhunderts und verliert sich in den geometrischen Konstruktionen einer ganzen Epoche. Die Lesbarkeit seiner Inszenierung steuert und irritiert Bitzer durch das Hinzufügen von Porträts historischer Persönlichkeiten, in deren Biografien sich die Schräglage einer Gesellschaft oder eine historische Umbruchsituation spiegeln.

Leopoldo Fregoli (1867–1936) ist der Protagonist des Künstlerraums im K21. Der berühmte italienische Verwandlungskünstler konnte durch rasend schnellen Wechsel von Kleidung, Stimmlage und Mimik in 60 verschiedene Charaktere schlüpfen. Bis heute wird das Fregoli-Syndrom nach ihm benannt, eine bestimmte Form der Schizophrenie. Die Konstruktion von Realität, das Verhältnis von Unsichtbarem und Realem und die Auflösung ursprünglicher Zeit- und Raumzusammenhänge sind die Koordinaten dieser Rauminstallation

Matthias Bitzer, Der Zerfall der Eigenschaften (Detail), 2014, Courtesy Kadel Willborn, Düsseldorf, Foto: Simon Vogel / Köln.
 

Janet Cardiff / George Bures Miller
Dark Pool

Eine alte Holztür öffnet sich in eine Art Studierzimmer, unaufgeräumt und voller Bücher mit wissenschaftlichen Diagrammen, Essays zu übersinnlichen Phänomenen und handgeschriebenem Gekritzel. Beleuchtet wird diese Szene von schwachen Glühbirnen. Es scheint, als habe die Bewohnerin oder der Bewohner den Raum gerade erst verlassen. Dafür sind die Ausstellungsbesucher eingeladen, sich an einen Tisch zu setzen und in den Büchern zu blättern. Durch ihre Bewegungen im Raum lösen sie die Tonspuren der Installation aus, die beunruhigend und rätselhaft wirken. Verschiedene Stimmen kreisen um die Erzählung von einem geheimnisvollen Schlund, dem Dark Pool. Dessen Rätsel kann jedoch auch die Miniatur- darstellung des dunklen Teiches nicht lösen.

Janet Cardiff & George Bures Miller, Dark Pool, 1994, Mixed Media, Maße variabel, Courtesy the artists, Galerie Barbara Weiss, Berlin, Luhring Augustine, New York