Die Installation

Tomás Saraceno – in orbit
ab 25. März 2017
K21 Ständehaus

Über der Piazza des K21 schwebt in über 25 Metern Höhe die riesige Rauminstallation in orbit des  Künstlers Tomás Saraceno. Das begehbare Kunstwerk ist eine Konstruktion aus beinahe transparenten Stahlnetzen, die in drei Ebenen unter der gewaltigen Glaskuppel aufgespannt sind. In der 2.500 Quadratmeter umfassenden Netzstruktur sind fünf luftgefüllte "Sphären", gewaltige Ballons, platziert.

Die Installation wirkt wie eine surreale Landschaft, ein Wolkenmeer oder wie der Kosmos mit seinen  scheinbar schwerelos schwebenden Planeten. Besucher sind eingeladen, die Installation zu betreten und kletternd für sich zu entdecken. Die Wagemutigen nehmen die Museumsbesucher in der Tiefe aus luftiger Höhe wie winzige Figuren in einer Modellwelt wahr. Umgekehrt erscheinen die Menschen im Netz von unten wie Schwebende oder Schwimmer am Himmel.

Wenn mehrere Personen gleichzeitig die Installation betreten, geraten die Netze in Bewegung – die Spannung der Stahlseile und der Abstand der drei schwankenden Netzebenen verändert sich  unwillkürlich. Der Raum in der Schwebe wird so zu einem schwingenden Netz von Beziehungen, Resonanzen und einander bedingender Kommunikation.

© Studio Tomás Saraceno, 2013

Was ist das? Wo sind die? Wie kann das sein? Ist das real? Verdrängung, Furcht ... sind die real? ... Wenn Sie sich trauen, bekommen Sie wirklich Angst ... fürchten sich ... vielleicht mögen Sie es nicht, fühlen sich unbehaglich, obwohl Sie es doch wissen wollen ... Ihre Grenzen. Sie fallen in eine unbekannte Landschaft, unmerklich, aber heute so nötig ... Sie erleben ein Durcheinander von Gefühlen ... dann weckt Sie das leichte Vibrieren aus dieser träumerischen Halluzination auf, halb Dystopie, halb Utopie ... Sie schweben in dieser Landschaft ... transzendent und umfassender als das, was menschliche Sinne aufnehmen ... die Spinnen bleiben nie stehen ... und Sie werden klein ... reiten auf diesem kosmischen Netz ... ich bin nur an den Gefühlen interessiert, die Sie mit anderen gemeinsam haben ... und Sie vibrieren noch immer ... Das ist das Kunstwerk, das Sie erleben, nachdem Sie es 'durchquert' haben ...

Tomás Saraceno

 

 

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*aber nur mit festem Boden unter den Füßen.
In der Installation sind Kameras und Smartphones nicht erlaubt.





© Photography Andrea Rossetti 2015

Die Besucher nehmen, ähnlich wie eine Spinne im Netz, die anderen Menschen durch Vibrationen wahr. Dies verdeutlicht das Interesse des Künstlers an neuen hybriden, über die herkömmlichen Möglichkeiten des Menschen hinausgehenden Formen von Kommunikation und Kooperation, die er in seinem Berliner Atelier untersucht.

Die Installation in orbit ist sowohl in Ausmaß wie Bedeutung wegweisend für das Werk Saracenos. Auch wer das Netz über dem Abgrund nicht betreten möchte und die kühne Konstruktion lediglich anschaut, wird mit den Themen Fliegen, Fallen und Schweben konfrontiert und von den damit  verbundenen archetypischen Ängsten und Emotionen erfasst.

"Das Werk zu beschreiben, bedeutet die Menschen zu beschreiben, die es benutzen – und deren Gefühle", erklärt Saraceno. Selten zielt ein Kunstwerk so unmittelbar auf die Angst und die Lust des Betrachters; es greift direkt in die Gefühle desjenigen ein, der den entscheidenden Schritt in die luftige Höhe wagt.

Tomás Saraceno hat in orbit von 2011 bis 2013 gemeinsam mit Ingenieuren, Architekten und Biologen geplant. Damit ist dies eine der aufwändigsten Installationen des Künstlers. Auch wenn die Konstruktion allein drei Tonnen und die größte der "Sphären" 300 Kilo wiegt, wirkt das präzise in die räumlichen Bedingungen unter der Glaskuppel des Ständehauses eingepasste Werk ausgesprochen leicht. So bezieht es sich in seiner Feinheit und gleichzeitigen Stabilität auf die Struktur von Spinnennetzen.

© Photography Andrea Rossetti 2013

Seit einigen Jahren ist der Künstler inspiriert von den komplexen Konstruktionen dieser kleinen Gliederfüßer und hat in seinem Studio die erste Sammlung dreidimensionaler, hybrider  Spinnennetze weltweit aufgebaut. Fasziniert von dieser Welt jenseits unserer Wahrnehmungsmöglichkeiten erforscht Saraceno seitdem die Netzbautechnik sowie das Sozialverhalten unterschiedlicher Spinnenarten und überträgt die Erkenntnisse zu Funktionalität, Schönheit und Stärke der Netze auf seine eigene künstlerische Praxis.

Bildet die genaue Beobachtung der Natur und vieler ihrer Erscheinungsformen die Basis von  Saracenos Werk, so lassen sich aber auch kunstgeschichtliche Bezüge erkennen, wie solche zu  den Architektur-Visionären Frei Otto oder Richard Buckminster Fuller. Saracenos künstlerische Praxis kann als dauernde Suche nach der Entwicklung und Realisierung utopischer Architektur gesehen werden, die beeinflusst ist von ökologischen oder sozialen Fragestellungen. Jede einzelne Installation – auch in orbit – bedeutet für den Künstler einen weiteren Schritt in Richtung seines visionären Ziels: der schwebenden Stadt der Zukunft.

In den als Aerocene Projects bezeichneten Aktionen sucht Saraceno nach Lösungen für die weltweite ökologische Krise. Dabei handelt es sich um Experimente im Bereich der Wissenschaft, der Ausformung von Gemeinschaft und des sozialen Engagements sowie um Performances und interdisziplinären Austausch.

Praktische Informationen zum Besuch

Wenn Sie die Rauminstallation in orbit besteigen möchten, gelten folgende Voraussetzungen:

Mindestalter 12 Jahre
Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren müssen von einem Erziehungsberechtigten begleitet werden oder eine schriftliche Erlaubnis der Erziehungsberechtigten mit sich führen.

Fitness, Schuhwerk, Kleidung
Körperliche Fitness, festes, profiliertes Schuhwerk (Trekkingschuhe!) und geeignete Kleidung sind unerlässlich zur aktiven Benutzung der Installation.

10 Personen gleichzeitig
Bis zu 10 Personen  (inkl. Aufsicht) können gleichzeitig auf das Netz.

Aufenthaltsdauer: 10 Minuten
Bei hohem Besucheraufkommen möchten wir Sie bitten, Ihren Aufenthalt auf 10 Minuten zu beschränken.

Kein Fotografieren im Netz
Fotoaufnahmen sind nur von außen möglich.
Kameras und Smartphones dürfen nicht mit auf das Netz genommen werden.


Sicherheitshinweise zum Download

Folgende Sicherheitshinweise müssen Sie mit dem Betreten der Installation unterschreiben:

Download (pdf)


Vor Ort

Am Eingang zur Installation befinden sich Schließfächer.
Trekkingschuhe, Overalls und Brillenbänder werden zur Verfügung gestellt.

Presse/Medienvertreter
Bitte nehmen Sie wegen gesonderter Bedingungen Kontakt zur Pressestelle auf.

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Aktuelle Informationen

Bitte beachten Sie, dass in unregelmäßigen Abständen technische Wartungsarbeiten
an der komplexen Konstruktion des Kunstwerkes notwendig sind. Während dieser Zeit
kann es möglich sein, dass die Installation vorübergehend nicht zu betreten ist.

Bei einigen Sonderveranstaltungen im K21 bleibt die Installation außerdem geschlossen.

K21 bleibt am 11.05.2017 ganztags wegen einer externen Veranstaltung geschlossen.

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Öffentliche Führungen

Foto: Katja Illner

Ausstellungsführung:
Tomás Saraceno und K21 Künstlerräume

sonn- und feiertags
16.00 – 17.00 Uhr

Die Künstlerräume im Ständehaus präsentieren ausgewählte Positionen zeitgenössischer Kunst. Dazu zählen Werke aus der Sammlung sowie eigens für das Ständehaus entwickelte Rauminstallationen. Der Rundgang führt durch die neueingerichteten Räume von Alexandra Bircken, Ulla von Brandenburg, Eva Kot’átková, Pamela Rosenkranz, Inge Mahn und Leunora Salihu bis zu Tomás Saracenos spektakulärer
Netzinstallation in orbit, die nach einer mehrmonatigen Renovierungsphase nun wieder geöffnet ist. Das Betreten des Netzes ist (außer für Kinder unter 12 Jahren) im Anschluss an die Führung möglich.

Zur Teilnahme an öffentlichen Führungen ist eine Anmeldung erforderlich.