Die Ausstellung

"Wolke & Kristall".
Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer

24.09.2016 – 08.01.2017
K20 Grabbeplatz

Mit der Ausstellung "Wolke & Kristall". Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer feiert die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen den Erwerb der Sammlung des berühmten Düsseldorfer Galeristenpaares Dorothee und Konrad Fischer. Ganz entscheidend ergänzt die Kunstsammlung damit ihren bisherigen Bestand an Gemälden der US-Nachkriegskunst um epochale Werke der Concept Art und der Minimal Art.

Die auf die Sinne und Emotionen zielende Malerei eines Jackson Pollock oder Robert Rauschenberg trifft in dieser Ausstellung – und künftig in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen – auf die "spröden" Werke konzeptueller Kunst. Damit wird deutlich, dass parallel zu den gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit um 1968 auch in den schöpferischen Formen ein radikaler Umbruch stattfand. Neben die avancierten Positionen der Malerei trat eine Kunst, die der subjektiven malerischen Geste das Konzeptuelle, die Idee entgegensetzte – als gültiges Kunstwerk, ohne in einem Objekt materialisiert zu sein.

Carl Andre, Daniel Buren, Dan Flavin, On Kawara, Sol LeWitt, Bruce Nauman und viele andere in der Sammlung Fischer verzichten auf die eigene künstlerische Handschrift und arbeiten mit Zeichnung, Schrift, Fotografie, Dokumenten oder industriell gefertigten Materialien. Arbeiten von Hanne Darboven, Jan Dibbets, Gilbert & George oder Lawrence Weiner führen vor Augen, wie ausschließlich Idee und Konzept ein Werk ausmachen können. Lothar Baumgarten sowie Bernd und Hilla Becher oder die italienischen Arte Povera-Künstler wie Jannis Kounellis, Mario Merz und Giuseppe Penone leisten außergewöhnliche Beiträge zur Kunst ihrer Zeit.

Gregor Schneider, Thomas Schütte oder Paloma Varga Weisz schreiben die Entwicklung der Installationskunst bis in die Gegenwart fort. Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer zeugt von den vielfältigen Aktivitäten der beiden Galeristen bis in die Gegenwart. Viele Werke im Konvolut sind aufgrund ihres freundschaftlichen Verhältnisses zu den Künstlerinnen und Künstlern entstanden.

Kuratorin: Dr. Anette Kruszynski

Installationsansicht "Wolke & Kristall". Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer

mit Werken von Carl Ande, Lawrence Weiner, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: Achim Kukulies

Installationsansicht "Wolke & Kristall". Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer

mit Werken von Thomas Schütte, Konrad Lueg, Alan Charlton, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: Achim Kukulies

Installationsansicht "Wolke & Kristall". Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer

mit Werken von Mario Merz, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: Achim Kukulies

Installationsansicht "Wolke & Kristall". Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer

mit Werken von Richard Long, Robert Rauschenberg und Robert Mangold, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: Achim Kukulies

Installationsansicht "Wolke & Kristall". Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer

mit Werken von Carl Andre, Sol LeWitt, John McCracken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: Achim Kukulies

Installationsansicht "Wolke & Kristall". Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer

mit Werken von Sol LeWitt, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: Achim Kukulies

Installationsansicht "Wolke & Kristall". Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer

mit Werken von Lawrence Weiner, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: Achim Kukulies

Installationsansicht "Wolke & Kristall". Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer

mit Werken von On Kawara, On Kawara © The Estate of On Kawara, Foto: Achim Kukulies

Installationsansicht "Wolke & Kristall". Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer

mit Werken von Thomas Schütte, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: Achim Kukulies

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Beteiligte Künstler

Carl
Andre

Konrad Fischer lädt Carl Andre 1967 nach Düsseldorf ein, obwohl er dessen Arbeiten zu diesem Zeitpunkt nur durch Abbildungen in internationalen Kunstzeitschriften und von Kaspar Königs begeisterten Berichten aus New York kennt. Mit Carl Andres "5 x 20 Altstadt Rectangle", einer raumfüllenden und betretbaren Bodeninstallation aus einhundert industriell gefertigten, gleich großen Stahlplatten, eröffnet Konrad Fischer im November 1967 seine Galerie in der Neubrückstraße 12. Diese Ausstellung mit dem Titel "Ontologische Plastik", bei der die Wände leer bleiben und die Besucher die Skulptur auf dem Boden erst auf den zweiten Blick wahrnehmen, ist zweifellos ein Erfolg. Schlagartig etabliert sich Fischers Unternehmen als progressive, wegweisende Galerie. Zwischen Andre und dem Ehepaar Fischer entwickelt sich schnell ein freundschaftliches Verhältnis. Davon zeugen die mehr als 30 Einzelausstellungen, welche die Galerie dem Künstler bis heute widmet.

Richard
Artschwager

Richard Artschwager entwickelt 1967/68 die neue Werkform seiner "blps", direkt auf den Untergrund aufgemalte oder flache, aus Holz, Kunstrasen oder Rosshaar hergestellte schwarze oder auch weiße Zeichen in der Form einer Kapsel. Als Ausgangspunkt hierfür dienen ihm Skizzen und punktuelle schwarze Übermalungen in Zeitschriften, die er isoliert, vergrößert und verräumlicht. Kurze Zeit später, im Juni 1968, erobern seine "blps", die sich im Raum beliebig auf Decke, Wänden, Fenstern und Interieur, aber auch im städtischen Umfeld ausbreiten können, den Galerieraum in der Neubrückstraße; es handelt sich zugleich um die erste europäische Soloschau des Künstlers. Der Kontakt zwischen Fischer und Artschwager kommt über Kasper König zustande. Es bleibt bei dieser einzigen Präsentation in der Galerie Fischer. Artschwager wird jedoch im März 1969 bei der durch Fischer maßgeblich mitgestalteten Skandalausstellung "When Attitudes Become Form" in der Berner Kunsthalle beteiligt sein.

Lothar
Baumgarten

1971 beendet Lothar Baumgarten (* 1944) sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er unter anderem bei Joseph Beuys studiert hatte. Schon ein Jahr später, im März 1972, debütiert er mit seiner ersten Einzelausstellung "Amazonas – Kosmos" (1969−1970) bei Konrad Fischer. Die künstlerische Auseinandersetzung mit Fragestellungen der Anthropologie, die Prüfung der Denkmuster der westlichen Welt und die Aufhebung der Dichotomie zwischen Kultur und Natur beschäftigen Baumgarten seit den späten 1960er-Jahren. So ist diese erste Einzelausstellung, die sowohl in den Räumen in der Andreasstraße wie in der Neubrückstraße stattfindet, programmatisch für Baumgartens spätere Arbeiten: Zu sehen sind die titelgebende konzeptuelle Fotoserie und eine Gewächshausinstallation mit kobaltblauen Pigmenten, Grünkohl und tropischen Faltern ("Tropenhäuser (Guayana)", 1969−1972). Die Galerie vertritt Lothar Baumgarten bis 1998.

Bernd und
Hilla Becher

Im Herbst 1969 findet in der Kunsthalle Düsseldorf zum zweiten Mal "Prospect" statt, eine durch Konrad Fischer und Hans Strelow unter dem Motto "Internationale Vorschau auf die Kunst in den Galerien der Avantgarde" organisierte Parallelveranstaltung zum Kölner Kunstmarkt. Die 17 teilnehmenden Galerien zeigen in Form einer offenen Gruppenausstellung Werke von 36 Künstlern; unter den 10 zusätzlich durch das internationale Auswahlkomitee ernannten Künstlern sind Hilla und Bernd Becher. Konrad Fischer hatte die beiden während der gemeinsamen Studienzeit an der Düsseldorfer Kunstakademie kennengelernt. Bei "Prospekt 69" erfolgt eine erstmalige Präsentation der Fotografien im Kontext der Konzeptkunst. Die erste von insgesamt fünf Ausstellungen des Fotografenpaars bei Konrad Fischer findet im Dezember 1970 statt. Als Fischer von Harald Szeemann aufgefordert wird, auf der Documenta 5 im Jahr 1972 eine eigene Abteilung zur Konzeptkunst einzurichten, bezieht jener wiederum Bernd und Hilla Becher mit ein, wodurch deren eigentlicher internationaler Durchbruch gelingt.

Joseph
Beuys

Am 5. Juni 1965 findet in Wuppertal das "24-Stunden-Happening" statt, es handelt sich zugleich um die letzte Veranstaltung, die der Architekt Rolf Jährling in seiner seit 1949 bestehenden, als Knotenpunkt der Avantgarde bekannten Galerie Parnass durchführt. Joseph Beuys beteiligt sich hieran mit seiner Aktion "Und in uns ... unter uns … landunter". Die Relikte des damaligen "Aktionssockels" – die Apfelsinenkiste, das Wachstuch und das Glas mit den in Wasser eingelegten Algen (ursprünglich Christrosen) – sind Gegenstand der ersten Beuys-Ausstellung bei Konrad Fischer im September 1976. Die beiden Fotografien dokumentieren die Situation vor Ort, ergänzt durch eine handschriftliche Installationsanweisung des Künstlers. Das Werk selbst verkauft Fischer 1983 an den FRAC Nord-Pas de Calais in Dunkerque; es wird dort an der Wand hängend präsentiert. 1983 und 1984 zeigt Fischer zwei weitere Beuys-Ausstellungen.

Marcel
Broodthaers

Der Dichter Marcel Broodthaers (1924−1976) wechselte 1964 programmatisch zur bildenden Kunst, doch blieben Sprache und Schrift sein zentrales Arbeitsmedium.

Broodthaers lebte von 1970 bis 1972 in Düsseldorf, wo er im Frühjahr 1972 mit "Section des Figures" in der Kunsthalle eine seiner bedeutendsten Ausstellungen des "Musée d’Art Moderne, Département des Aigles" verwirklichte. Mit Konrad Fischer traf Broodthaers im Rahmen der Prospect-Ausstellungen zusammen, an denen er seit 1968 über die Antwerpener Galerie Wide White Space beteiligt war. Und trotz seiner Vorbehalte gegenüber der Konzeptkunst nahm Broodthaers an der Schau "Konzeption/Conception" in Leverkusen teil.

Nicht zu Lebzeiten, sondern erst posthum fanden drei Ausstellungen seiner Arbeiten in der Galerie Konrad Fischer statt. Aus der letzten, im Jahr 1990 ausgerichteten stammt "Où est la Signature/Théorie de la Signature" (1971), bei der ein mit der Signatur des Künstlers bedeckter Karton als Projektionsfläche für 13 bemalte Diapositive dient. Wie in einem Zeichentrickfilm baut sich die Signatur "M.B." in 18 Bildern innerhalb von einer Sekunde auf. Ein Porträt des Mediums Film entsteht, und gleichzeitig ein Selbstporträt des Künstlers.

Stanley
Brouwn

Unter den 16 von Konrad Fischer und Hans Strelow anlässlich der Schau "Prospect 69" in die Kunsthalle Düsseldorf geladenen internationalen Avantgardegalerien ist auch die junge, auf Konzeptkunst spezialisierte Amsterdamer Galerie art & project, die den niederländischen Konzeptkünstler Stanley Brouwn (* 1935) vertritt. Brouwn, veranschaulicht in seiner Kunst sein eigenes Leben anhand der von ihm bereits gegangenen oder noch zu gehenden Schritte, fordert andererseits aber auch seine Rezipienten zum Gehen auf.. Nur wenige Wochen später, im Oktober 1969, nimmt Fischer den Niederländer in die gemeinsam mit Rolf Wedewer kuratierte Ausstellung "Konzeption/Conception. Dokumentation einer heutigen Kunstrichtung" im Städtischen Museum Leverkusen, Schloß Morsbroich, auf. Stanley Brouwns erste von insgesamt fünf Einzelausstellungen bei Fischer wird im Dezember 1970 eröffnet; er präsentiert hier Aufzeichnungen über die Anzahl der Schritte, die er – mit einem Schrittzähler ausgerüstet – im Vorfeld bei seinen Spaziergängen durch mehrere Düsseldorfer Stadtteile zurückgelegt hatte.

Daniel
Buren

Daniel Buren gehört zu den Künstlern, die seit den Anfängen von der Galerie vertreten werden und mittlerweile seit über 45 Jahren regelmäßig dort ausstellen. 1968 lädt Fischer Buren ein, im Rahmen von "Prospect 68" in der Kunsthalle Düsseldorf auszustellen – das Werk nimmt dort einen besonders prägnanten Ort ein. Burens uniforme, auf 8,7 Zentimeter standardisierten, in je einer Farbe und weiß gestreiften Stoffe werden ein Jahr später im Rahmen von "Position – Proposition", seiner ersten Einzelausstellung bei Fischer, an neun öffentlichen oder halböffentlichen Orten in Düsseldorf montiert: an Bauzäunen, in einem Hotelzimmer, in einer Arztpraxis oder am Schreibtisch in der Galerie. Im Städtischen Museum Leverkusen, im Schloss Morsbroich findet 1969 die Ausstellung "Konzeption/Conception" statt, wo auch Arbeiten von Daniel Buren gezeigt werden. Dessen Statement "Mise en garde", ein Schlüsseltext der Konzeptkunst, erscheint in dem als Begleitpublikation der Ausstellung konzipierten Künstlerbuch. In den Jahren 1972, 1977 und 1982 nimmt Buren jeweils an der Documenta teil.

Alan
Charlton

1971 erscheint in der Zeitschrift "Studio International" ein Interview von Georg Jappe mit Konrad Fischer. Alan Charlton, gerade in seinem letzten Studienjahr und in London vergeblich auf der Suche nach Ausstellungsmöglichkeiten in einer Galerie, liest es begeistert und fliegt kurzerhand nach Düsseldorf. Mit ein paar Dias geht er in Fischers Galerie. Fischer lässt sich wortlos die Bilder zeigen und kündigt seinen Besuch bei Charlton in London gleich für den nächsten Mittwoch an. Er ist der Erste, der dem Künstler eine Ausstellung zusagt – sie findet 1972 statt –, und wird ihm als einem der wenigen Maler im Programm der Galerie noch viele weitere ausrichten. Außerdem wird Konrad Fischer zum Ratgeber des noch sehr jungen Künstlers. Das Verhältnis der beiden ist vergleichbar mit dem von Lehrer und Schüler. 1975 reist Fischer mit Charlton nach New York, macht ihn mit seinen amerikanischen Künstlern bekannt und arrangiert eine Ausstellung bei Leo Castelli für ihn.

Hanne
Darboven

Hanne Darboven lebt nach ihrem Studium ab 1966 für zwei Jahre in New York. Sie taucht in die dortige Kunstwelt ein, lernt Künstler kennen, vor allem Sol LeWitt, der ihre "Konstruktionen", ihre neuesten Zeichnungen auf Inch-Papierbögen, sehr schätzt. Er stellt sie Galeristen und Kuratoren vor, so auch Kasper König, über den sich wiederum der Kontakt zu Konrad Fischer ergibt, der im Dezember 1967 eine Ausstellung – zugleich Darbovens erste Einzelausstellung − mit jenen Papierarbeiten organisieren möchte. Kurz vorher beschließt Fischer zur Verärgerung Darbovens und Königs, die Zeichnungen mit den seriellen Plastiken von Charlotte Posenenske zu kombinieren − angeblich um den schlauchförmigen Galerieraum zu gliedern. Bis 1975 folgen vier weitere Einzelausstellungen bei Konrad Fischer.

Jan
Dibbets

Konrad Fischer lernt Jan Dibbets kennen, als er sich noch Konrad Lueg nennt. Sechs Wochen vor Eröffnung seines eigenen Ausstellungsraums beteiligt sich Lueg an der von Paul Maenz organisierten Ausstellung "Dies alles Herzchen wird einmal Dir gehören" in der Galerie Dorothea Loehr in Frankfurt, zusammen mit sieben anderen Künstlern, darunter Dibbets. Dieser hat im Innenhof der Galerie den Inhalt von 15 Säcken Sägemehl ausgestreut und dabei in der Mitte ein Oval ausgespart, bei dem es sich aus dem Blickwinkel des Betrachters auch um einen perspektivisch verzerrten Kreis handeln könnte. Die Ausstellung dauert nur einen Abend; nach kurzer Zeit, nachdem alle Besucher über das Sägemehl gelaufen sind, ist von dem Oval nichts mehr zu sehen. Lueg / Fischer gefällt Dibbets‘ Arbeit. Vom 15. August bis zum 17. September 1968 richtet er die erste Einzelausstellung des Niederländers in Deutschland aus. Durch Fischer wird auch Paul Wember auf Dibbets aufmerksam und lädt ihn nach Krefeld ein. "Audio-visuelle Dokumentationen" im Museum Haus Lange ist Dibbets erste Museumsausstellung. Konrad Fischer wird ihn insgesamt zwölf Mal in seiner Galerie zeigen.

Dan
Flavin

Einen seiner frühen Auftritte in Europa hat Dan Flavin (1933−1996) in der Ausstellung "Serielle Formationen", die Paul Maenz und der Künstler Peter Roehr vom 22. Mai bis 30. Juni 1967 für die Studio Galerie der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt organisieren. Paul Maenz hat aus seiner Zeit als Artdirector bei einer amerikanischen Werbeagentur, für die er in Frankfurt und New York gearbeitet hatte, persönlichen Kontakt zu Künstlern in den USA. Konrad Lueg ist mit 19 Quadraten aus gemusterter, auf Keilrahmen gespannter Plastikfolie vertreten. Dan Flavin nimmt 1968 an der Documenta 4 in Kassel teil, die wegen der großen Zahl von Künstlern aus den USA als "documenta americana" in der Kunstgeschichte eingeht. 1969 lädt ihn sein ehemaliger Künstlerkollege Konrad Lueg, der jetzt wieder unter seinem Geburtsnamen Konrad Fischer auftritt, zu einer Einzelausstellung ein. Unter dem Titel "Fluorescent Light" zeigt Flavin in der Neubrückstraße sechs Arbeiten mit Leuchtstoffröhren. Eine weitere Einzelausstellung folgt 1981 in der Platanenstraße.

Gilbert &
George

Unter dem Motto "Art for All" (Kunst für alle) arbeiten Gilbert Proesch (* 1943) und George Passmore (*1942) seit Ende der 1960er-Jahre in London als Künstlerduo Gilbert & George. 1969 wird die Ausstellung "When Attitudes Become Form", nach der Kunsthalle Bern, auch am Institute of Contemporary Arts in London gezeigt. Gilbert & George nutzen die Gelegenheit der Ausstellungseröffnung – als Künstler ist das Duo nicht beteiligt –, die Aufmerksamkeit auf die eigene Performance zu lenken, indem sie mit metallfarbig bemalten Gesichtern und Händen als "Living Sculptures" erscheinen. Unmittelbar nach der Aktion lädt Konrad Fischer die Künstler nach Düsseldorf ein: 1970 wird in der Reihe "between" in der Düsseldorfer Kunsthalle "The Singing Sculpture" von Gilbert & George aufgeführt. Die erste Galerieausstellung bei Fischer folgt bald darauf, im Mai 1970 eröffnet die Ausstellung "The Pencil on Paper, Descriptive Works" in der Neubrückstraße. Im nächsten Jahrzehnt trägt Konrad Fischer maßgeblich zur internationalen Präsenz von Gilbert & George bei. 1980 kündigt das Duo die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Galerie Fischer aufgrund Fischers vermeintlicher Konzentration auf Amerika und die Minimal-Künstler auf.

Douglas
Huebler

Am 5. Januar 1969 eröffnet in einem leer stehenden Büro des New Yorker McLendon Building die Ausstellung "January 5–31, 1969", ein Meilenstein in der Geschichte der Konzeptkunst. Der junge Galerist Seth Siegelaub hatte vier Künstler − Robert Barry, Joseph Kosuth, Laurence Weiner und Douglas Huebler − aufgefordert, ihre Arbeiten in diesem ungewöhnlichen Rahmen zu präsentieren. Schon im Vorfeld wird klar, dass nur sehr wenige Werke gezeigt würden und der als Ringbuch angelegte Katalog die eigentliche Ausstellung ist. Einer der beteiligten Künstler, Douglas Huebler (1924–1997), fertigt vor Ort eine ephemere Arbeit aus Sägemehl, die innerhalb weniger Stunden verschwindet und nur dank einer Fotoserie nachvollziehbar bleibt. Als Konrad Fischer im Herbst 1969 Siegelaub zu "Prospect 69" einlädt, knüpft der New Yorker Galerist an die damalige Aktion an, indem er erneut die vier Künstler "ausstellt", dieses Mal aber gänzlich auf Werke verzichtet: Ihr Beitrag beläuft sich auf vier kurze Interviews in der begleitenden Katalogzeitung. Im Januar 1970 zeigt Huebler bei Fischer seine erste europäische Soloschau; bis 1974 folgen vier weitere.

Stephen
Kaltenbach

Das Schaffen von Stephen Kaltenbach (* 1940) ist streng konzeptuell ausgerichtet. Eine wichtige Serie stellen die "Time Capsules" dar – Metallcontainer, auf deren Oberfläche Kommentare oder Anweisungen eingeprägt sind. So steht auf der "Time Capsule" im New Yorker Museum of Modern Art, dass sie erst nach dem Tod des Urhebers zu öffnen sei. Obwohl Kaltenbach zur ersten Generation konzeptueller Künstler gehört und mit den Künstlerkollegen gut vernetzt ist, kommt es zunächst nicht zu einer Ausstellung bei Konrad Fischer. Dabei bestehen Kontakte seit 1969, als Kaltenbach an Harald Szeemanns Schau "When Attitudes Become Form" in der Kunsthalle Bern beteiligt ist und im Herbst 1969 Werke in der Ausstellung "Konzeption/Conception. Dokumentation einer heutigen Kunstrichtung" im Städtischen Museum Leverkusen im Schloß Morsbroich zeigt. 2005 widmet Dorothee Fischer Kaltenbach seine erste europäische Einzelausstellung.

On
Kawara

Vom 1. April bis Ende Juli 1969 unterrichtet On Kawara Konrad Fischer in Form von Postkarten jeden Tag über den exakten Zeitpunkt seines Aufstehens. Die Karten kommen aus New York und zeigen unterschiedliche touristische Ansichten. Die Nachricht, eine Zeitangabe auf der Rückseite, ist jedoch stets gestempelt und wirkt wie eine bürokratisch-korrekte Mitteilung. "I got up", so der Titel der Arbeit, führt On Kawara über Jahre hinweg fort. Trotz ihrer konzeptuellen, gleichförmigen Strenge verweist sie auf etwas Intimes, Persönliches. Die ersten dreißig an Fischer adressierten Postkarten sind 1970 in der Ausstellung "between 5" in der Kunsthalle Düsseldorf zu sehen – es ist On Kawaras erste Ausstellungsbeteiligung in Europa. Bereits wenig später folgt im Herbst mit "made in New York from 1970−1971" die erste Einzelausstellung bei Konrad Fischer. Bis 2006 stellt On Kawara regelmäßig in der Galerie aus.

Harald
Klingelhöller

Harald Klingelhöller (* 1954) ist einer der jungen Absolventen der Düsseldorfer Akademie denen Konrad Fischer 1983 eine Gruppenausstellung in den Räumen der Platanenstraße ausrichtet. Zu dieser neuen Künstlergeneration der Galerie gehören außerdem Ludger Gerdes, Wolfgang Luy, Reinhard Mucha und Thomas Schütte. Anfang der 1980er-Jahre ist Minimal Art nicht mehr en vogue; große Erfolge feiern die Neuen Wilden und die Arte Chifra, denen Fischer nichts abgewinnen kann. Wie Klingelhöller berichtet, war die Ausstellung eine Reaktion auf die Kölner wilde Malerei. Thomas Schütte, der bereits 1981 eine Einzelausstellung bei Fischer hatte, habe die Ausstellung angeregt. Die beteiligten Bildhauer stellen später unter anderem im Krefelder Museum Haus Esters und in der Kunsthalle Bern zusammen aus und werden als Gruppe der "Modellbauer" bezeichnet, obwohl sie sich nicht als Gruppe verstehen. Klingelhöller erhält 1985 die erste Einzelausstellung bei Konrad Fischer, der bis zum Tod des Galeristen zwei und unter der Ägide Dorothee Fischers vier weitere folgen.

Jannis
Kounellis

Im Januar 1969 realisiert der junge Italiener Jannis Kounellis in der Galleria L’Attico in Rom seine Installation "Dodici cavalli vivi", für die er zwölf lebende Pferde in den Galerieraum stellt. Diese aufsehenerregende Aktion gilt als Meilenstein in der Geschichte der Arte Povera. Wenig später, im Herbst 1969, sind Werke von Kounellis dann in der Düsseldorfer Kunsthalle zu sehen. Sein Galerist, Fabio Sargentini, vertritt ihn dort im Rahmen der von Konrad Fischer und Hans Strelow organisierten Schau "Prospect 69" zusammen mit einem weiteren Repräsentanten der Arte Povera, Eliseo Mattiacci. Diese Ausstellung, bei der auch der Arte Povera-Galerist Gian Enzo Sperone aus Turin vier Künstler aus der Bewegung präsentiert, trägt in entscheidendem Maße zur internationalen Wahrnehmung, aber auch zu einer Internationalisierung der erst 1967 in Turin begründeten Arte Povera bei. Fischer kommt ab 1977 durch seine gemeinsam mit Sperone in New York begründete Galerieniederlassung in engere Berührung mit der Kunst der Arte Povera; im Januar 1979 hat Kounellis seine erste Einzelausstellung bei Fischer, vier weitere folgen bis 1988.

Jim
Lambie

Nach dem Tod ihres Mannes führt Dorothee Fischer »Ausstellungen bei Konrad Fischer« mit unvermindertem Engagement fort. Als Garantin für Stetigkeit in der Präsentation konzeptueller Kunst gibt sie nun die entscheidenden Impulse für die Ausrichtung des Programms. Zu den von ihr initiierten Neuerungen gehören in den Jahren 1998 und 1999 Gruppenausstellungen mit jungen Künstlerinnen und Künstlern unter dem griffigen Titel "Fischer’s Frische Fische".

Jim Lambie (*1964) erhält Ende des Jahres 2000 eine Einzelschau. Der aus Glasgow stammende Künstler ist Musiker und DJ und eng mit der subkulturellen Szene in Schottland verbunden. 1998 war Lambie mit einer polychromen Installation in der SPACEX Gallery im englischen Exeter aufgefallen. Er etabliert diese "Zobop" genannten Arbeiten, bei denen auf den Boden geklebte farbige Bänder in paralleler Anordnung den Raum erfüllen wie der Klang von Musik, als sein Markenzeichen. Auch die Installation "Turntable (My Boyfriend’s Back)" (2004) nimmt Bezug auf Musik.

Sol
LeWitt

Konrad Fischer kann auf Empfehlung von Carl Andre im November 1967 Sol LeWitt für eine Ausstellung in seiner Galerie gewinnen. Noch bevor er am 6. Januar 1968 diese erste Einzelschau LeWitts in Europa mit der Serie "Cubes with Hidden Cubes" sowie Werken aus "Serial Project No.1 (ABCD)" eröffnet, leistet er bereits Vermittlungsarbeit, indem er mehrere Galeristen in Europa auf den Künstler aufmerksam macht. Fischer, der LeWitts Werken vermutlich erstmals 1967 bei der Ausstellung "Serielle Formationen" in Frankfurt begegnet war, an der er selbst als Maler teilnahm, schätzt den Künstler sehr und widmet ihm zwischen 1968 und 1991 insgesamt elf Ausstellungen.

Richard
Long

Mit seinen konzeptuellen Wanderungen und seinen profunden Fragestellungen zur Natur gilt Long in den späteren 1960er-Jahren als ein absoluter Einzelgänger unter den Bildhauerstudenten der Saint Martin’s School of Art in London. Longs erste Einzelausstellung findet 1968 in Düsseldorf bei Konrad Fischer statt: "Sculpture at Konrad Fischer Düsseldorf". Diese Installation aus 1318 Holzstöcken, die der Künstler aus dem Fluss Avon im Südwesten Englands gesammelt hat, wird umgehend verkauft. Nicht nur die Sammler, sondern auch die Künstlerkollegen sind von Longs Arbeiten von früh an überzeugt. So kommt beispielsweise seine erste Ausstellung in den USA − 1969 bei John Gibson in New York − dank der Vermittlung von Carl Andre zustande.

Konrad
Lueg

Als Maler nennt sich Konrad Fischer nach dem Mädchennamen seiner Mutter Konrad Lueg. Luegs künstlerisches Werk entwickelt sich vom Tafelbild hin zu Aktionen mit Besucherbeteiligung. Beeindruckt von der Abbildung einer Arbeit von Roy Lichtenstein, wollen er und Gerhard Richter 1963 mit Sigmar Polke einen "kapitalistischen Realismus" als "deutsche Pop-Art" begründen. Früh knüpft Lueg Netzwerke und organisiert Ausstellungsmöglichkeiten. Legendär ist seine Ausstellungsaktion mit Richter im Düsseldorfer Möbelhaus Berges 1963: "Leben mit Pop – Eine Demonstration für den kapitalistischen Realismus". Im Dezember 1966 verwandelt er mit der Aktion "Kaffee und Kuchen" im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Hommage an Schmela" den Raum der Galerie Schmela in ein kleinbürgerliches Wohnzimmer mit eigenen Folienbildern und Richters Porträt von Schmela an der Wand. Trotz der Beachtung, die seine Kunst findet, gibt Lueg 1967 die Laufbahn als Künstler auf und macht unter bürgerlichen Namen mit seinem wegweisenden Ausstellungsraum die Minimal Art in Deutschland und Europa bekannt.

Robert
Mangold

Im März 1968 findet Robert Mangolds (* 1937) erste europäische Einzelausstellung in der Stuttgarter Galerie Müller statt, und etwa zeitgleich, im April des Jahres, präsentiert der Münchner Galerist Heiner Friedrich, mit dem Fischer ebenfalls zusammenarbeitet, im Rahmen einer Gruppenausstellung Zeichnungen des US-amerikanischen Künstlers.

Als Fischer von Harald Szeemann aufgefordert wird, auf der Documenta 5 (1972) gemeinsam mit Klaus Honnef eine eigene Abteilung "Idee + Idee/Licht" zur Konzeptkunst einzurichten, bezieht er Arbeiten Mangolds ein und übernimmt diese im Anschluss in seine Galerie. Ab 1974 wird Mangold von der New Yorker John Weber Gallery vertreten, sodass der Künstler bei der von Konrad Fischer im Herbst 1973 mitorganisierten Schau "Prospect 73" sowohl durch Fischer als auch die John Weber Gallery repräsentiert wird. Fischer, der mit John W. Weber, dem ehemaligen Direktor der Dwan Gallery in Los Angeles, seit 1968 in engem Austausch steht, vertritt Mangold fortan offiziell in Deutschland. Im April 1974 organisiert er in seiner Galerie eine erste Einzelschau, der bis 1987 vier weitere folgen.

Piero
Manzoni

Piero Manzoni, der als Wegbereiter der Konzeptkunst gilt, präsentiert ab 1958 seine ersten "Achromes". Die aus unterschiedlichsten, teilweise sich mit der Zeit stark verändernden Substanzen geschaffenen Materialbilder verkörpern für ihn, ähnlich wie seine auf weiße Papierrollen gezogenen "Linien" und seine pneumatischen Skulpturen, die "Corpi d’aria", die Idee der Unendlichkeit.

Konrad Fischer erwirbt das aus "Engelshaar" gefertigte "Achrome" (1962) aus dem Besitz der Galeristen Mia und Martin Visser, die er über Kasper König kennengelernt hatte. Er widmet Manzoni keine eigene Ausstellung, bietet aber in den Jahren 1973/74 mehrere seiner Werke zum Verkauf an.

John
McCracken

McCrackens (1934−2011) Werke waren auf der Biennale von Paris das erste Mal außerhalb der USA zu sehen gewesen; im März 1969 organisiert die Pariser Galeristin Ileana Sonnabend eine erste Einzelausstellung in Europa. Wenig später, im November 1969, wird im niederländischen Eindhoven die Ausstellung "Kompas IV Westkust USA" eröffnet, die im Anschluss nach Dortmund und Bern weiterwandert. Vermutlich begegnet Fischer den Skulpturen des Amerikaners bei dieser Gelegenheit erstmals im Original.

Gute zehn Jahre später, am 15. Januar 1980, nimmt Fischer den Faden wieder auf und wendet sich schriftlich an die Meghan Williams Gallery in Los Angeles, die McCracken zu jenem Zeitpunkt vertritt, um sein Interesse an dessen Werk zu bekunden. Weitere neun Jahre vergehen, bis Fischer schließlich im November 1989 Arbeiten von McCracken in seiner Galerie präsentiert – es handelt sich zugleich um die erste Einzelausstellung des Künstlers in Deutschland. Unter den gezeigten Werken ist auch die heute in der Sammlung Fischer befindliche schwarze Stele "Pilot" aus dem Jahr 1989.

Mario
Merz

Zur Ausstellung "Prospect 68", der von Konrad Fischer und Hans Strelow im September 1968 als Gegenreaktion auf den ersten Kölner Kunstmarkt in der Kunsthalle Düsseldorf organisierten Schau, sind insgesamt 16 internationale Avantgardegalerien eingeladen, die in ihren Kojen jüngste Tendenzen der Kunst präsentieren. Die renommierte Pariser Galeristin Ileana Sonnabendstellt dabei u.a. Werke von Vertretern der Arte Povera wie Mario Merz aus. Letzterer präsentiert mit der Installation "cache-toi" (1968) erstmals seinen neuen Werktypus, ein Iglu. Zu jenem Zeitpunkt steht Fischer bereits in Verbindung zu dem jungen Kunstkritiker und Spiritus Rector der Arte Povera, Germano Celant, der die Entwicklung dieser Kunstbewegung maßgeblich lenkt. "Prospect 68" und die im Frühjahr stattfindende, ebenfalls durch Fischer mitorganisierte Berner Schau "When Attitudes Become Form", bei der Merz wiederum mit Leihgaben von Ileana Sonnabend vertreten ist, tragen entscheidend zur Internationalisierung der Arte Povera bei. Im März 1970 zeigt Fischer in einer ersten von insgesamt sieben Ausstellungen Werke von Mario Merz – es ist zugleich dessen erste Soloschau in Deutschland.

Juan
Muñoz

Konrad Fischer sucht immer wieder nach innovativen gestalterischen Ansätzen und bezieht jüngere Künstler wie Thomas Schütte, Gregor Schneider oder Juan Muñoz (1953–2001) in sein Programm ein, ohne seinen in den 1960er-Jahren gewählten konzeptuellen Ansatz aufzugeben. Aus diesem Grund interessiert sich Fischer auch für das figurative Werk von Muñoz. Ab 1988 gehört der Künstler ins Programm von "Ausstellungen bei Konrad Fischer" und zeigt bis 1993 drei Einzelpräsentationen. Arbeiten von Muñoz sind ebenfalls in mehreren Gruppenausstellungen der Galerie zu sehen. 1991 erhält er außerdem eine Einzelschau in den Museen Haus Esters/Haus Lange in Krefeld. Bei dieser Gelegenheit entsteht "Krefeld Banister (My favourite Banister)", ein hölzerner Handlauf, den der Künstler aus dem historischen Gebäude des Krefelder Kaiser Wilhelm Museum entfernt hatte, um ihn in neuer Ausrichtung am Ausstellungsort zu montieren.

Nach Konrad Fischers Tod trennt sich Muñoz zum Bedauern von Dorothee Fischer von der Galerie und gibt damit auch eine ständige Vertretung für seine Werke in Deutschland auf.

Bruce
Nauman

Den Kontakt zu Bruce Nauman stellt Kasper König her, nachdem er den Künstler 1966 im Atelier in San Francisco besucht hat. Auf Einladung von Fischer reist Nauman 1968 das erste Mal überhaupt nach Europa, um vor Ort eine neue Arbeit zu realisieren. Seine erste Einzelausstellung in Fischers Galerie, "Six Sound Problems for Konrad Fischer", wird im Januar 1968 eröffnet und ist der Auftakt einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit. Um die Kosten – vor allem für die Flüge − zu minimieren, verweilen die eingeladenen Künstler aus Übersee mindestens drei Wochen in Düsseldorf und werden bei Dorothee und Konrad Fischer einquartiert. Vorbereitet durch Skizzen und Zeichnungen, werden später viele von Naumans Ausstellungen in Abwesenheit des Künstlers installiert.

Unmittelbar nach der Schau in Düsseldorf 1968 folgen für Nauman wichtige Präsentationen in Europa: Noch im selben Jahr nimmt er an der Documenta in Kassel teil.1969 lädt Harald Szeemann Nauman zu der legendären Schau "When Attitudes Become Form" in der Kunsthalle Basel ein. Solche Ausstellungsbeteiligungen kommen stets durch Fischers Kontakte zustande. In seinem Heimatland wird Nauman erst anschließend institutionell wahrgenommen: Das Los Angeles County Museum of Art und das Whitney Museum of American Art richten 1972 "Bruce Nauman: Work From 1965 to 1972. An Exhibition" aus, eine umfassende Ausstellung, die nach Düsseldorf, Eindhoven und Mailand weiterreist.

Giuseppe
Penone

Zu einer ersten Begegnung zwischen Giuseppe Penone und Konrad Fischer kommt es vermutlich während der Ausstellung "Prospect 69" im September 1969 in der Kunsthalle Düsseldorf. Unter den von Fischer geladenen 16 Avantgardegalerien ist auch die Galleria Gian Enzo Sperone aus Turin.Sperone präsentiert Werke von Alighiero Boetti, Emilio Prini, Pier Paolo Calzolari und Giuseppe Penone. Der noch sehr junge Penone, ist mit seiner Fotoserie "Alpi marittime" (1968) vertreten. Nur wenige Wochen später nimmt Fischer den Italiener in seine gemeinsam mit Rolf Wedewer kuratierte Ausstellung "Konzeption/Conception. Dokumentation einer heutigen Kunstrichtung" im Städtischen Museum Leverkusen, Schloß Morsbroich, auf, die als erste museale Schau der Konzeptkunst in Deutschland gilt. 1977 gründet Fischer dann gemeinsam mit Gian Enzo Sperone eine Galerieniederlassung in New York; Sperone, der Penone weiterhin vertritt, vermittelt dessen Werke an Fischer für den Verkauf in Deutschland. Im September 1981 stellt Fischer schließlich Penone erstmals in seiner eigenen Galerie aus; zu sehen sind hier die Steininstallation "Essere Fiume" und eine Kohlewandzeichnung. Bis 1990 werden drei weitere Einzelausstellungen folgen.

Manfred
Pernice

Nach Konrad Fischers Tod 1996 übernimmt Dorothee Fischer allein die Leitung der Galerie. Sie führt das Programm fort und entwickelt es zugleich konsequent weiter. So werden auch jüngere Künstler aufgenommen wie der 1963 geborene Manfred Pernice. 1998 ist er in der Galerie mit einer Einzelausstellung zu Gast, der weitere folgen sollen. Die Skulpturen des Bildhauers aus beiläufigen, handwerklich bewusst unvollkommen verarbeiteten Materialien wirken wie Modelle. Pernice integriert seine Arbeiten in den jeweiligen Ausstellungsort, indem er sich auf dessen Architektur und Beschaffenheit bezieht. Genau hier setzte auch Konrad Fischer 1967 mit seiner innovativen Idee an, Künstler dazu einzuladen, ein Konzept eigens für seinen Ausstellungsraum zu entwickeln. Und schließlich gibt es sogar Gemeinsamkeiten mit den Arbeiten Konrad Luegs. Wie dieser beschäftigt sich Manfred Pernice mit dem Ausstellen und der Ausstellung als solcher. Er bezieht Werke anderer Künstler, vorgefundene Objekte und Gebrauchsgegenstände in seine Installationen ein und verweist in vielen seiner Titel explizit auf das Thema "Ausstellung". Auch bei ihm nimmt der Betrachter eine aktive Rolle ein. Dieser wird zugleich selbst betrachtet – wie einst in Konrad Luegs Aktion "Schattenwände".

Ulrich
Rückriem

Im Frühjahr 1968 folgt Ulrich Rückriem (* 1938) gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen Blinky Palermo kurz entschlossen einer Einladung des Minimal-Künstlers Bill Bollinger, den er unmittelbar zuvor in der Galerie Ricke kennengelernt hatte, nach New York. Über den dort lebenden Kasper König, der mit Blinky Palermo befreundet ist, lernen die beiden jungen Künstler Carl Andre lernen. Die Begegnung mit Andres Werk beeindruckt Rückriem nachhaltig und provoziert einen künstlerischen Richtungswechsel. Über König und Andre kommt Rückriem wiederum in Kontakt zu Konrad Fischer, in dessen Galerie er im Dezember 1969 erstmals seine im Anschluss an die Amerikareise entstandenen neuen Steinskulpturen präsentiert. Bei der wiederum von Konrad Fischer mitorganisierten Schau "Prospect 71: Projection" im Jahr 1971 ist Rückriem durch den Düsseldorfer Videogaleristen Gerry Schum vertreten, mit dem Fischer in jener Zeit eng kooperiert. Bis 1989 widmet Fischer dem Bildhauer acht Einzelausstellungen und vermittelt ihn an weitere Galerien und Museen.

Robert
Ryman

Kasper König, der zu dieser Zeit in New York lebt, macht Konrad Fischer im Juli 1968 auf Robert Ryman aufmerksam. Aus New York hatte dieser ihm eine Ausgabe der "Newsweek" mit einer Farbreproduktion eines Werkes von Ryman geschickt. Konrad Fischer und der Münchner Galerist Heiner Friedrich, die in jener Zeit die Eröffnung einer gemeinsamen Galerie in Köln ins Auge fassten, "teilten" sich damals einige Künstler. Friedrich, der Konrad Fischer 1967 noch als Maler in seiner Galerie vertrat, hatte Fischers New-York-Reise im Frühjahr 1968 mitfinanziert und sollte im Gegenzug von den dort geknüpften Kontakten profitieren. Als Ryman schließlich im Herbst nach Deutschland fliegt, kommen beide Galeristen gemeinsam für die Reisekosten auf. Am 21. November 1968 wird in der Neubrückstraße Rymans erste Soloausstellung in Europa eröffnet, mit Arbeiten aus seiner Serie "Classico", die im März 1969 auch in der von Fischer mitverantworteten Konzeptkunstschau "When Attitudes Become Form" in der Berner Kunsthalle zu sehen sein wird. Fischer wird Ryman bis 1992 insgesamt sechs Ausstellungen widmen.

Gregor
Schneider

Dokumentiert das Galerieprogramm Konrad Fischers in der späten 1960er- und 1970er-Jahren dessen Vorliebe für den amerikanischen Minimalismus, konzentriert sich der Galerist in den kommenden Jahrzehnten verstärkt auf das junge Kunstschaffen in Europa und später konkret in Westdeutschland respektive Nordrhein-Westfalen. Gregor Schneider gehört zu dieser jüngeren Generation von Künstlern, die ab den 1990er-Jahren skulpturale und installative Arbeiten bei Konrad Fischer zeigen. Als junger Absolvent der Düsseldorfer Kunstakademie verwirklicht Schneider 1993 im Rahmen seiner ersten Einzelausstellung die temporäre raumbezogene Installation "u52/3 Wandstücke vor Wand" in der Platanenstraße. Schneiders "Räume", wie zum Beispiel "ur 1 u 14, Rheydt 1988", die er im Frühsommer 1997 in der Galerie zeigt, sind begehbare Skulpturen, die die Architektur der Ausstellungsräume zum Verschwinden bringen. 2001 gewinnt Gregor Schneider mit dem im Deutschen Pavillon installierten Werk "Totes Haus u r Venedig 2001" den Goldenen Löwen der 49. Biennale in Venedig; im folgenden Jahr sind Fotos und Videos dieser Arbeit bei Fischer zu sehen.

Thomas
Schütte

Als Student hilft Thomas Schütte (* 1954) Mitte der 1970er-Jahre in Konrad Fischers Galerie aus. Wahrscheinlich kommt der Kontakt über Gerhard Richter zustande, der neben Fritz Schwegler sein Lehrer an der Düsseldorfer Kunstakademie ist. 1979 malt Schütte bei Fischer in der Neubrückstraße ein Wandbild und realisiert zeitgleich ein Kunstprojekt in der Platanenstraße. 1981 folgt die erste einer langen Reihe von Einzelausstellungen in der Galerie. Die Gruppenausstellung der "Modellbauer" zusammen mit Ludger Gerdes, Wolfgang Luy und Reinhard Mucha bei Fischer 1983 geht auf Schüttes Anregung zurück. Thomas Schütte und Konrad Fischer verbindet eine enge freundschaftliche Beziehung. Im Interview erzählt der Künstler, er sei Mitte der 1980er-Jahre regelmäßig jede Woche bei Dorothee und Konrad Fischer zu Hause zu Gast gewesen. Er zeichnet Fischer an seinem Totenbett und modelliert seinen Kopf mit Totenbinde. Außerdem widmet er ihm als Andenken zwölf Blumenaquarelle.

Niele
Toroni

Im Herbst 1969 findet in der Kunsthalle Düsseldorf zum zweiten Mal Prospect statt, eine Parallelveranstaltung zum Kölner Kunstmarkt, die von Konrad Fischer und Hans Strelow organisiert wird. 16 internationale Avantgardegalerien sind dazu eingeladen, ihre Künstler, insgesamt 36 an der Zahl, im Rahmen einer offenen Gruppenausstellung zu vertreten. Das internationale Auswahlkomitee, dem unter anderen Harald Szeemann und Paul Wember angehören, ernennt zusätzlich 10 Künstler, die – wie auf dem Cover der parallel editierten Katalogzeitung zu lesen ist – ihre Arbeiten unabhängig präsentieren. Hierunter ist auch der in der Schweiz geborene, ab 1959 in Paris lebende Niele Toroni (*1937) mit seinen für ihn typischen, mit immer dem gleichen Pinselmodell (n° 50) in regelmäßigen Abständen mit Ölfarbe auf ein langes, von der Wand herabhängendes Wachstuch aufgetragenen "empreintes". Es handelt sich um die erste Ausstellung Toronis in Deutschland. Fischer wird Toroni niemals in seiner Galerie ausstellen, kooperiert jedoch mit Yvon Lambert, Paris, und Francoise Lambert, Mailand, die diesen engagiert vertreten.

Paloma
Varga Weisz

Paloma Varga Weisz (* 1966) zählt national wie international zu den anerkannten Künstlerinnen der Gegenwart. Eine große Einzelausstellung im Castello di Rivoli bei Turin unterstreicht dies im Jahr 2015. Nach ihrem Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie ergeben sich während der "Rundgänge", den jährlichen Ausstellungen der Akademie, bei denen auch Varga Weisz ihre jüngsten künstlerischen Ergebnisse zeigt, erste Kontakte zu Dorothee Fischer. Die Galeristin lädt die Künstlerin für die Gruppenausstellung "Aroma" ein, ein neu konzipiertes Ausstellungsformat, in dem sie im Sommer 2000 innovative Positionen mit Arbeiten von etablierten Künstlerinnen und Künstlern vereint. Neben Gregor Schneider, Manfred Pernice und anderen zeigt Paloma Varga Weisz dort zwei Skulpturen und eine Reihe von Zeichnungen. Zu Beginn des Jahres 2002 widmet Dorothee Fischer ihr dann eine Einzelausstellung und stärkt auf diese Weise den Anteil der von der Galerie vertretenen Künstlerinnen. Seitdem sind Arbeiten von Varga Weisz regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten.

Lawrence
Weiner

Im April 1969 zeigt Lawrence Weiner (* 1942) seine erste Einzelausstellung in der Galerie Fischer. Im selben Jahr veröffentlicht er in einem programmatischen Statement seine Idee von Kunst: "1. Der Künstler kann das Werk herstellen. 2. Das Werk kann angefertigt werden. 3. Das Werk braucht nicht ausgeführt zu werden. Jede Möglichkeit ist gleichwertig und entspricht der Absicht des Künstlers, die Entscheidung über die Ausführung liegt beim Empfänger zum Zeitpunkt des Empfangs." Weiners Haltung fasziniert Fischer in hohem Maße, sodass Künstler und Galerie jahrzehntelang zusammenarbeiten. Die Kraft und die Popularität von Weiners Arbeiten sind bis heute ungebrochen.

Rundgang durch die Räume

Klee Halle

Die Klee Halle im Erdgeschoss der Kunstsammlung am Grabbeplatz bildet den Auftakt des Ausstellungsrundgangs. Hier werden Werke und Installationen in den Raummaßen der ehemaligen Galerie Fischer präsentiert. Gezeigt wird zudem eine Auswahl des Archivs Dorothee und Konrad Fischer.

Konrad und Gabriele Henkel Galerie

Die Ausstellung setzt sich im 2. Obergeschoss fort. Hier treffen in musealer Präsentation raumgreifende  Installationen von Paloma Varga Weisz, Richard Long oder Carl Andre aus der Sammlung Fischer auf Werke aus dem bisherigen Sammlungsbestand der Kunstsammlung, etwa von Frank Stella, Robert Rauschenberg oder Andy Warhol. Auch Jackson Pollocks "No. 32" (1950) ist hier zu sehen. 

Übergang in die Sammlung

Im Übergang in die Sammlungsräume des 2. Obergeschosses endet der Ausstellungsrundgang. Im Vorraum der Installation "Palazzo Regale" (1985) von Joseph Beuys sind Werke von zeitgenössischen Künstlern zu sehen: Thomas Schütte und Gregor Schneider weisen den Weg in die Präsentation von Werken neueren Datums.

Die für die Ausstellung titelgebende Installation "Wolke und Kristall / Blei Leib Leid Lied" (1986) von Carl Andre ist im Eingangsraum der Sammlung erstmals im K20 zu sehen.

Die Erwerbung

Die Erwerbung der "Sammlung Dorothee und Konrad Fischer" ist ein außergewöhnliches Ereignis für die Kunstszene im Westen, das mit dieser Ausstellung gewürdigt wird.

Die mehr als 200 Gemälde, Zeichnungen, Installationen, Skulpturen, Schriftstücke und Entwürfe der Sammlung Fischer führen die Bedeutung dieses Erwerbs in aller Klarheit vor Augen.

Die Sammlung umfasst viele Werke von Künstlern, die in den Räumlichkeiten der damaligen Galerie ihre Arbeiten zeigten. Dazu kommen einzelne Werke von Künstlern, die Dorothee und Konrad Fischer schätzten, die sie aber nicht innerhalb ihres Programms ausgestellt haben.

Das Archiv als Schenkung

Zusätzlich zur Erwerbung der Sammlung Fischer wurde dem Museum das Archiv Dorothee und Konrad Fischer als Schenkung übergeben. Das Material des Archivs bildet eine unverzichtbare Quelle an Informationen.

Partner und Förderer

Für die großzügige finanzielle Hilfe beim Erwerb der Sammlung Dorothee und Konrad Fischer dankt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ausdrücklich der Familie Fischer, Jann Beyen sowie weiteren privaten Förderern und folgenden Institutionen:

Landesregierung Nordrhein-Westfalen

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport

Kulturstiftung der Länder

Kunststiftung NRW

Ernst von Siemens Kunststiftung

Gesellschaft der Freunde der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen e.V.

Katalog zur Ausstellung

Der Katalog zur Ausstellung "Wolke & Kristall. Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer" stellt die für die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen neu gewonnenen Werke vor. Die Textbeiträge konzentrieren sich auf Konrad Fischers Tätigkeiten als Vermittler, Händler und Kurator.

Mit Beiträgen von Dietmar Elger, Valerie Hortolani, Philipp Kaiser, Anette Kruszynski, Doris Krystof, Isabelle Malz, Lynda Morris, Maria Müller-Schareck sowie Kurztexten zu den Künstlern von  Nóra Lukács, Ulrike Schmitt und Angela Wenzel.

Ca. 308 Seiten, über 350 farbige Abbildungen, Museumsausgabe zum Preis von 48,00 Euro.

Der Katalog kann im Webshop bestellt werden.

MEHR

Katalogabbildung
...ich habe große Dinge vor. Konrad Fischer, 1967

Historische Fotografien

Dorothee und Konrad Fischer, 1969, Foto: Gerhard Richter

Historische Fotografien

Alfred Schmela (Mitte) mit Konrad Fischer (rechts) und Unbekannte, ca. 1965, Foto: Konrad Fischer Galerie

Historische Fotografien

Konrad Fischer und Besucher auf Carl Andres 5x20 Altstadt Rectangle während der Galerieeröffnung am 21. Oktober 1967, Foto: Fred Kliché

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Konrad Lueg, Sigmar Polke, Blinky Palermo und Gerhard Richter vor der Galerie Heiner Friedrich, Köln, 1967, Foto: Konrad Fischer Galerie

Historische Fotografien

Dorothee und Konrad Fischer mit Bruce Nauman, 1989, Foto: Josef W. Froehlich

Historische Fotografien

Konrad Fischer beim Aufbau eines Werks von Carl Andre, Kölner Kunstmarkt, um 1970, Foto: Angelika Platen

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Dorothee und Konrad Fischer

Konrad Fischer, zunächst als Künstler tätig, eröffnete 1967 gemeinsam mit seiner Frau Dorothee eine Galerie in der Düsseldorfer Altstadt. Als einer der ersten Galeristen in Europa interessierte er sich für die aktuelle Kunst seiner Zeit. Zu Recht gilt er als Wegbereiter der Konzeptkunst, machte er doch seinen Ausstellungsraum zum Treffpunkt von Künstlern und Sammlern aus aller Welt. Damit katapultierte er Düsseldorf an die Spitze der Avantgarde jener Jahre.

Biografie

Am 27. März 1937 wird Dorothee Franke in Wuppertal geboren, Konrad Fischer am 11. April 1939 in Düsseldorf.

Von 1956 bis 1962 studiert Dorothee Franke Kunst für das Lehramt an der Kunstakademie Düsseldorf, Konrad Fischer ebenfalls dort von 1958 bis 1962 Malerei. 1961 lernen sie sich an der Akademie kennen, 1964 heiraten sie.

1967 wird "Ausstellungen bei Konrad Fischer" in der Neubrückstraße 12 in Düsseldorf eröffnet.

1970 wird Sohn Kasper David geboren und im selben Jahr ein zweiter Ausstellungsraum in der Andreasstraße 25 eröffnet, mit einer Ausstellung von Gerhard Richter. 1973 wird Tochter Berta Ada geboren, der Ausstellungsraum in der Andreasstraße aufgegeben. 1974 zieht die Galerie in die Platanenstraße 7. Der Galerieraum in der Neubrückstraße wird noch bis 1980 betrieben.

Am 24. November 1996 stirbt Konrad Fischer in Düsseldorf. Dorothee Fischer führt die Galerie fortan alleine weiter.

2007 eröffnet sie die Konrad Fischer Galerie, Berlin. Am 9. Mai 2015 stirbt Dorothee Fischer in Düsseldorf. Berta Fischer übernimmt die Leitung der Galerien in Düsseldorf und Berlin.

He made things possible. Bruce Nauman über Konrad Fischer, 2002
Ohne den Künstler zu kennen und ohne ihn sympathisch zu finden, stelle ich ihn erst gar nicht aus. Konrad Fischer, zit. nach Brigitte Kölle, "Die Kunst des Ausstellens", Inauguraldissertation Universität Hildesheim, 2005, S. 124

Das Archiv Dorothee und Konrad Fischer

Die im "Archiv Dorothee und Konrad Fischer" bewahrten Materialien sind von unschätzbarem Wert für die Beschäftigung mit der außergewöhnlichen Rolle, die Konrad und Dorothee Fischer in Düsseldorf und weit über die Grenzen der Stadt hinaus gespielt haben. Sie geben Auskunft über die zeitspezifischen Besonderheiten ihrer Projekte, über die Genese von Werken, über die Bedeutung der Kunsthändler für die Vermittlung einer künstlerischen Bewegung, über ihre Fähigkeiten als Promoter und Kommunikator, und schließlich auch über die Sammler. Das Archiv Dorothee und Konrad Fischer enthält vom Kunstwerk bis zum Transportschein, von der Installationsansicht bis zum Künstlerbuch, von den Zeugnissen des Dialogs mit Künstlern bis zur Korrespondenz mit den Händlerkollegen und Sammlern all die Materialien, die ein vertieftes Verständnis von der Bedeutung dieser Sammlung ebenso wie der Galerietätigkeit überhaupt erst ermöglichen.

Hier wie da werden Unikate verwahrt, im Archiv aber vor allem viele, teils in hohen Auflagen gedruckte Medien: Das sind Druckerzeugnisse  ̶  Bücher, Einladungskarten, Zeitschriften, Pressematerial   ̶ , darüber hinaus Fotokopien, Durchschläge, Abschriften, gelegentlich auch Zertifikate über die Authentizität solcher Werke, die immer wieder neu materialisiert werden müssen, wie beispielsweise die Wall Drawings von Sol LeWitt. Im Archiv Dorothee und Konrad Fischer finden sich darüber hinaus als »Works of art« gelistete Dokumente, etwa die Zeichnungen, die Künstler als Entwurf für die Einladungskarten ihrer Ausstellungen in der Galerie Fischer anfertigten. Dazu gehören überarbeitete Fotografien als Druckvorlagen für Kataloge, Fotografien als Kunstwerke, Siebdrucke und Lithografien vor allem von Sol LeWitt, aber auch Weihnachtskarten und mit Zeichnungen und Skizzen ergänzte Briefe der Künstler.

In den komplexen Fragen der Erschließung, Ordnung, Konservierung und Digitalisierung eines Archivs bot sich das Zentralarchiv des Internationalen Kunsthandels, das seit 1992 vergleichbare Konvolute von Kunsthändlern, Galeristen, Kuratoren erschließt, als kompetenter Partner an. Zukünftig wird das Archiv Dorothee und Konrad Fischer über dessen Datenbank einzusehen sein.

Digitalisierung

In Kooperation mit dem Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels (ZADIK, Köln) digitalisiert, kann das Archiv ab 2017 als bedeutende Quelle zur jüngeren Kunstgeschichte in der Bibliothek der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen eingesehen werden. Zusätzlich wird den Exponaten des Archivs ein eigener Raum im K21 gewidmet werden.

Installationsansicht im K20, Archiv Dorothee und Konrad Fischer, Foto: Achim Kukulies
okey dokey Häufig verwendete Briefformel von Konrad Fischer, ohne Jahr

Im Fokus

Foto-Wochenende mit Workshops für Kinder und Jugendliche
K20 Grabbeplatz
29./30.10.2016

Die Idee ist alles! So dachten viele Künstler, deren Werke in der Ausstellung zu sehen sind. Eine gute Idee braucht auch ihr, wenn ihr mit der Fotokamera die Kunst aus eurem ganz persönlichen Blickwinkel in den Fokus nehmt. Was können eure Fotos erzählen?

Die entstandenen Fotos werden in einer Ausstellung im Studio 1 präsentiert.

Die Teilnahme ist kostenfrei!
Anmeldeschluss: 14.10.2016

Weitere Informationen und Termine

MEHR

Postkarte Im Fokus
Foto: Wilfried Meyer

Begleitprogramm

Mittwoch, 02.11., 20.00 Uhr
K20 Grabbeplatz
»Galeristen, Sammler, Förderer, Freunde«
Dorothee und Konrad Fischer stehen im Zentrum eines Gesprächs mit der Künstlerin Paloma Varga Weisz und anderen.

Donnerstag, 03.11., 19.00 Uhr
K20 Grabbeplatz
»Live in your head« – Aspekte der Konzeptkunst der 1960er und 1970er Jahre
mit Hubertus Butin, Kunsthistoriker, Berlin

Mittwoch, 07.12., 20.00 Uhr
K20 Grabbeplatz
»a fine fellow, an artist, not a stuffy dealer«
Kasper König und Philipp Kaiser sprechen über Konrad Fischer.