Pressemeldung: Big Picture III (Szenen/Figuren)

Von der Performancekunst bis zum dokumentarischen Interview oder bis zur Anleihe beim Kino reicht die Auswahl an Video-Arbeiten, die nun im dritten Teil der Übersicht "Big Picture III (Szenen/Figuren)" in K21 Ständehaus zu sehen ist. [...]

Big Picture III (Szenen/Figuren)
Bis 27.01.2013
K21 STÄNDEHAUS

Kuratorin: Doris Krystof
Kuratorische Assistenz: Maria Anna Bierwirth

Von der Performancekunst bis zum dokumentarischen Interview oder bis zur Anleihe beim Kino reicht die Auswahl an Video-Arbeiten, die nun im dritten Teil der Übersicht Big Picture III (Szenen/Figuren) in K21 Ständehaus zu sehen ist. Im Mittelpunkt dieser Präsentation raumgreifender Video-Installationen steht die Frage: Was ist Darstellen? In der eigenwilligen Architektur des eigens umgestalteten Untergeschosses von K21 fragt eine konzentrierte Auswahl von Arbeiten danach, wie sich Ideen von Rolle, Identität und Selbst in der Gegenwartskunst artikulieren. Ausgewählte Leihgaben ergänzen den thematischen Parcours mit Video-Arbeiten aus dem umfangreichen Besitz der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Das Kino in der Apsis im Untergeschoss bietet ein wechselndes Programm, das jeweils für zwei Monate eine neue Filmarbeit internationaler Künstlerinnen und Künstler vorstellt.

Zu sehen sind Werke von Vito Acconci, Eija-Liisa Ahtila, Peggy Buth, Keren Cytter, Hanne Darboven, Jeanne Faust, Christoph Girardet und Matthias Müller, Stefan Hablützel, Nan Hoover, Paul McCarthy, Imi Knoebel, Tony Oursler und Pia Stadtbäumer. Die beiden ersten Teile der Reihe Big Picture sind jeweils von weit mehr als 30 000 Besuchern gesehen worden.

Die Berlinerin Peggy Buth setzt sich bei Big Picture III in ihrer mehrteiligen Installation am Beispiel eines belgischen Museum kritisch mit der Geschichte der Kolonisierung Afrikas auseinander. Christoph Girardet und Matthias Müller montieren Ausschnitte aus 40 Spielfilmen Alfred Hitchcocks zu neuen Szenenfolgen zusammen (Phoenix Tapes #1-#6/1999). Die Beschäftigung mit gesellschaftlichen Tabus kennzeichnet das Werk des US-amerikanischen Künstlers Paul McCarthy. 1975 führt er in einem verlassenen Hotel zwei Performances durch. Die daraus hervorgegangenen Videos zeigen den Künstler in einem Akt der Selbsterforschung, Selbstbefriedigung und Selbstbeschmutzung durch Ketchup, Mayonnaise und rohes Fleisch. Zwischen infantilem Spiel und libidinösem Exzess verschränkt McCarthy lustvoll Themen wie sexuelle Obsession und Voyeurismus mit Seitenhieben gegen die Prüderie und Fastfood-Kultur der USA.

Als Auftragsarbeit für Gerry Schums legendäre Düsseldorfer Videogalerie dokumentiert Imi Knoebel in Projektion X eine nächtliche Autofahrt, wobei ein auf dem Dach montierter Projektor ein großes Lichtkreuz auf die vorbeiziehenden Häuserwände wirft. Eine ebenfalls auf dem Auto befestigte Videokamera zeichnet die Projektion auf. Er filmt das flackernde Motiv 40 Minuten ununterbrochen und nutzt den charakteristischen Nachzieheffekt bei schwachem Licht im Video. Der Film wird in diesem Moment zu einem annähernd abstrakten, zeitlich definierten Bild. Knoebel entwickelt damit eine für sein Werk einzigartige Videoarbeit, die er an der Grenze zu Aktionskunst und filmischer Dokumentation verortet.

In den Videos Intercept the rays und Light Composition ist die Künstlerin Nan Hoover zu sehen, deren Körper von projizierten Strahlen oder von Licht- und Schattenzonen erfasst wird, während sie sich in Zeitlupentempo durch den Raum bewegt. Die Beziehung von Linie, Fläche und Raum wird hier auf elementare Weise erforscht. Eye Watching hingegen thematisiert das Wahrnehmen selbst: In extremer Nahsicht beobachtet der Betrachter ein Auge, das wiederum etwas außerhalb Liegendes beobachtet.  Für seine frühen Videoarbeiten und Performances nutzt der New Yorker Vito Acconci den eigenen Körper als Akteur und Objekt. In Three Relationship Studies erkundet der Künstler am Beispiel des Schatten- und Spiegelbildes das Verhältnis vom Ich zu seiner Umwelt: Während er in Shadow Play einen Kampf mit sich selbst ausficht, gerät Imitations zur Frage nach Weltaneignung durch Nachahmung. Manipulation hingegen inszeniert voyeuristisch das Wechselspiel von Macht und Ohnmacht zwischenmenschlicher Beziehungen.

Im Kino in der Apsis präsentiert ein Filmprogramm im zweimonatigen Wechsel jeweils eine neue Filmarbeit ausgewählter internationaler Künstlerinnen und Künstler: Phil Collins, Sarah Morris, Astrid Nippoldt, Marcel Odenbach, João Penalva.


Öffentliche Führungen finden sonn- und feiertags von 15.00 bis 16.00 Uhr und zusätzlich dienstags (nur am 17.04., 08.05., 29.05., 24.06.) statt.
Es erscheint ein kostenloses Faltblatt mit deutschen und englischen Texten zu den gezeigten Arbeiten.