Pressemappe zur Quadriennale: Joseph Beuys

Mit der untrennbaren Einheit von künstlerischem Denken und Handeln ist Joseph Beuys (1921-1986) zu einer der charismatischsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts geworden. [...]

K20 Grabbeplatz und Schmela Haus

JOSEPH BEUYS. PARALLELPROZESSE

11.09.2010 - 16.01.2011

Kuratoren: Marion Ackermann, Isabelle Malz

Mit der untrennbaren Einheit von künstlerischem Denken und Handeln ist Joseph Beuys (1921-1986) zu einer der charismatischsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts geworden. Sein facettenreiches Werk, das bis heute Einfluss auf die aktuelle Kunstproduktion hat, wird immer wieder unter den verschiedensten Aspekten präsentiert und diskutiert.

Die Ausstellung Joseph Beuys. Parallelprozesse (11.09.2010 - 16.09.2011) in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen am Grabbeplatz in Düsseldorf verdeutlicht unter anderem mit zehn bedeutenden Rauminstallationen beziehungsweise großen skulpturalen Arbeiten den „Erweiterten Kunstbegriff" von Beuys. Politische und künstlerische Utopien verschmelzen hier zur Sicht auf die Gesellschaft als „Sozialer Plastik". Im Schmela Haus werden namhafte Künstlerinnen und Künstler während der Ausstellung zu Beuys sprechen.

Joseph Beuys erweiterte in seinen Arbeiten den künstlerischen Werkbegriff: Er glaubte an die Kraft der Kunst, den Menschen zu verändern und entwarf soziale und künstlerische Utopien. Erst nach und nach zeigt sich sein weltweiter Einfluss, der bis in die jüngste Kunstproduktion hinein spürbar ist. Zu den insgesamt rund 300 Arbeiten, die in der Kunstsammlung am Grabbeplatz und im Schmela Haus gezeigt werden, gehören Hauptwerke wie "zeige deine Wunde" (1974/75), "The pack (das Rudel)" (1969) oder "Fond IV/4" (1970/71).

Einige dieser von wichtigen Museen oder Privatsammlern entliehenen Installationen verlassen erstmals seit dem Tod des Künstlers für die Düsseldorfer Ausstellung ihren festen Platz. Zum ersten Mal wird in Europa die Rauminstallation "Stripes from the house of the shaman 1964-72“ (1980) gezeigt. Auch eine umfangreiche Auswahl von Zeichnungen, Objekten, plastischen Bildern und Relikten seiner Aktionen, die auf besondere Weise Kunst und Leben in Beziehung setzen sollten, ist zu sehen.

Skulpturale und bildnerische Aspekte, theoretische Reflexion und aktionistisches Handeln sowie die eigenwillige Umwandlung von Werkstoffen und Gegenständen verbinden sich

damit in „Parallelprozessen" zum unverwechselbaren und außergewöhnlichen Lebenswerk von Joseph Beuys. Nicht nur die bildhauerischen Qualitäten, sondern auch die performativen Potentiale seiner Kunst werden auf diese Weise gegenwärtig. Diese komplexen Vernetzungsstrukturen innerhalb des Beuys-Werkes sind in der Ausstellung auf fast 3000 Quadratmetern nachvollziehbar und sinnlich erfahrbar.

In drei großen Sälen in der Kunstsammlung am Grabbeplatz entwickeln sich verschiedene Ausstellungslandschaften, die der Besucher durchschreiten kann;

hinzu kommt das Schmela Haus als Außenstation. Alle vier Räume haben ihren

eigenen Charakter: unterschiedliche Raumdimensionen, Bodenbeläge und Lichtverhältnisse. Der Ausstellungsarchitektur, die mit Wilfried Kuehn des Berliner Büros Kuehn Malvezzi entwickelt worden ist, liegen Analysen zugrunde, wie sich der Betrachter physisch zu den Installationen verhält, wie seine Bewegungen vom Werk »choreographiert« werden. Entsprechend der Werkchronologie und ihrer Parallelisierungsprozesse entwickelt sich die Ausstellung in der rhythmischen Abfolge großzügiger, offener Raumpläne und konzentrierter, geschlossener räumlicher Einheiten über die beiden Ausstellungshallen des Erweiterungsbaus der Kunstsammlung am Grabbeplatz.

Die Ausstellung ist Teil des Programms der Quadriennale 2010, die von der Landeshauptstadt Düsseldorf getragen wird. Die wissenschaftliche Kooperation von Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und Friedrich-Schiller Universität Jena hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit erheblichen Forschungsmitteln unterstützt. In den vom Land Nordrhein-Westfalen erworbenen Räumen der ehemaligen Galerie Schmela – einem Ort, an dem Joseph Beuys in den 1970er und 1980er Jahren mit seinen Ausstellungen und Aktionen Kunstgeschichte geschrieben hat – bereitet ein junges Forschungsteam seit 2009 ein Beuys-Symposion für den kommenden Januar vor. Grundlage sind ihre Katalogtexte zu Einzelwerken und Themenfeldern bei Joseph Beuys. Die erfolgreiche Veranstaltungsreihe der Kunstsammlung, BEUYS AUSSTELLEN? (12.11.2009 – 24.06.2010), die in Kooperation mit Prof. Wilfried Kuehn und der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe entwickelt worden ist, hat die Möglichkeit von Beuys-Präsentationen im Vorfeld ausgelotet.

Als Exklusivsponsor unterstützt HSBC Trinkaus die Beuys-Ausstellung „Parallelprozesse“. Damit setzt die vor 225 Jahren gegründete Bank in ihrem Jubiläumsjahr die lange Tradition des Mäzenatentums im Sozialen, in Kunst und Kultur fort. Medienpartner der Ausstellung ist das Handelsblatt.

Katalog zur Ausstellung

Hg. von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, erschienen im Verlag Schirmer/Mosel, München, 432 Seiten, gebunden, 230 Abbildungen in Farbe, mit Texten von Marion Ackermann, Gottfried Boehm, Isabelle Malz, Maja Naef, Johannes Stüttgen und einem Interview von Marina Abramovic, Preis im Museum 49,90 EUR.