Pressemeldung:
Werner Schmalenbach gestorben

Als einen „Kunst- und Museums-Experten von internationalem Ruf und Rang“ hat die Künstlerische Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Dr. Marion Ackermann, den verstorbenen ersten Leiter [...]

Als einen „Kunst- und Museums-Experten von internationalem Ruf und Rang“ hat die Künstlerische Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Dr. Marion Ackermann, den verstorbenen ersten Leiter der Kunstsammlung, Prof. Werner Schmalenbach, gewürdigt. „Unser Haus verdankt seinem Können und seiner Kennerschaft Gemälde von Weltgeltung, mit deren Erwerb er die Kunstsammlung zu einem der führenden Museen Europas und zur „Nationalgalerie" unseres Bundeslandesgemacht hat“, sagte Marion Ackermann am 06. Juli 2010. „Wir zeigen uns tief betroffen vom Tod unseres Gründungsdirektors nur wenige Tage vor Wiedereröffnung derKunstsammlung am Grabbeplatz am Samstag.

“Zu den rund 200 Erwerbungen der „Ära Schmalenbach“ gehören ganze Werkgruppenvon Picasso, Max Ernst oder Kurt Schwitters sowie bedeutende Schlüsselwerke von Emil Schumacher, Piet Mondrian, Jackson Pollock oder Robert Rauschenberg. Schmalenbach, der die Kunstsammlung von 1962 bis 1990 geleitet hatte, war am 06. Juli2010 in Meerbusch bei Düsseldorf im Alter von 89 Jahren einer langen Krankheit erlegen.

Ein untrüglicher Blick für die Qualität von Kunst, seine innere Unabhängigkeit vonwechselnden künstlerischen „Moden“ und seine völlige Souveränität bei den oft nichteinfachen Ankaufsentscheidungen hätten die Amtszeit des Gründungsdirektors über fast drei Jahrzehnte geprägt, betonte die Direktorin. „Auf diesem soliden Fundament ruhtnoch heute das international hohe Ansehen unserer Sammlung“, sagte Marion Ackermann. Richtungsweisend sei auch Schmalenbachs Konzept gewesen, im Haus keine Gesamtübersicht über die Kunst des 20. Jahrhunderts anzustreben, „sondern ganzauf die Wirkung und ästhetische Kraft einzelner herausragender Werke zu setzen“.

Selbstverständlich habe sich das zunächst auf die Malerei der Klassischen Moderne ausgerichtete Haus unter dem Direktorat von Armin Zweite (1990-2008) neuen Tendenzen geöffnet. Er hat Werke der Gegenwartskunst und erstmals plastische Arbeiten etwa von Joseph Beuys, Gerhard Richter und Imi Knoebel in die Sammlungaufgenommen.

„Aber die hohen Qualitäts-Maßstäbe, die Werner Schmalenbach gesetzt unddurchgesetzt hat, werden auch in unserer Arbeit weiterhin Gültigkeit besitzen“, unterstrich Marion Ackermann, die seit September 2009 Künstlerische Direktorin der Kunstsammlung ist. Wenn Schmalenbach mit treffsicherer und präziser Sprache seiner zahlreichen Vorträge und Veröffentlichungen ein großes Publikum für die Kunst habe begeistern können, so solle diese Arbeit in der „neuen offenen“ Kunstsammlung miteinem noch größeren Bildungs- und Vermittlungsangebot wie etwa den von namhaften Künstlern betreuten „Werkstätten“ fortgesetzt werden.

Der am 13. September 1920 in Göttingen geborene und in Basel aufgewachsene Schmalenbach trat 1947 nach dem Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Ethnologie zunächst mit einem Werk über den Film hervor. Wenig später erschien seine Untersuchung „Die Kunst Afrikas“, die ihn ein Leben lang begeistert hat. Seit 1955 Direktor der Kestner-Gesellschaft Hannover, übernahm Schmalenbach schließlich 1962die Leitung der neu gegründeten Kunstsammlung in Düsseldorf. Deren Kern war eine umfangreiche Paul-Klee-Kollektion, die das Land NRW kurz zuvor erworben hatte. Ausder Feder Schmalenbachs stammen fast 150 Bücher hauptsächlich zur Kunst der vonihm immer wieder auch in Ausstellungen präsentierten Klassischen Moderne, zu Klee, Schwitters, Schumacher oder Leger.