Geys, Jef
1934 – 2018

1934 geboren in Leopoldsburg, Belgien
1947 beginnt mit 13 Jahren ein Verzeichnis seiner Arbeiten zu führen
1960–1989 arbeitet nach seinem Studium an der Koninklijke Academie voor Schone Kunsten van Antwerpen als Kunstlehrer für Positive Ästhetik an der staatlichen Schule in Balen
1971–2018 übernimmt und produziert das lokale Reklameblatt „Kempens Informatieblad“
1987 Einzelausstellung im De Vleeshal, Middelburg
1991 Teilnahme an der „21. Biennale“, São Paulo
1997 Teilnahme am „Skulptur.Projekte“, Münster
2001 Einzelausstellung im Kunstverein München
2002 Teilnahme an der „documenta 11“, Kassel
2004 Retrospektive im Van Abbemuseum, Eindhoven
2009 vertritt Belgien mit seinem Projekt „Quadra Medicinale“ auf der „53. Biennale“, Venedig
2015 Einzelausstellung im Stedelijk Museum voor Actuele Kunst, Gent
2018 stirbt in Genk, Belgien

Gleichheit, Fraternité, Vrijheid, 1986

Holztür und -rahmen, Lack, Bleistift
210 x 99 x 11,5 cm (ohne Handgriffe)


Die Arbeit „Gleichheit, Fraternité, Vrijheid“ des belgischen Künstlers Jef Geys ist im Jahr 1986 im Kontext der vielbeachteten Ausstellung „Chambres d’amis“ entstanden. Der damalige Leiter des Museums van Hedendaagse Kunst Gent, Jan Hoet, hatte für die Ausstellung internationale Künstlerinnen und Künstler eingeladen, ihre Arbeiten in Genter Privatwohnungen zu präsentieren – darunter waren auch einige, die mit Werken in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen vertreten sind, wie zum Beispiel Christian Boltanski, Mario Merz und Bruce Nauman.

Jef Geys erarbeitete Türen mit Variationen des französischen Wahlspruchs „Liberté, Égalité, Fraternité“ (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) in den drei Amtssprachen Belgiens Deutsch, Französisch und Niederländisch. Diese installierte er in sechs Wohnungen, deren Bewohner in prekären finanziellen Verhältnissen lebten, direkt vor Wänden, sodass man die Türen zwar öffnen, aber nicht durchschreiten konnte. Die Türen mit den für alle Belgier lesbaren drei Grundsätzen, die für jedermann Gültigkeit haben sollten, bieten somit keinen Durchgang. Bei dem Versuch, sie in Richtung Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu durchschreiten, läuft man ganz buchstäblich vor die Wand. Diese Arbeit Jef Geys‘ macht neben der sozialkritischen Perspektive zentrale künstlerische Strategien des Konzeptkünstlers sichtbar: Mit der Wiederholung und Variierung der Objekte stellen sich Fragen nach dem Verhältnis von Zeichen und Inhalt sowie von Original und Kopie.