Pablo Picasso, Taube

Kunst im Krieg

Pablo Picasso ist wohl der berühmteste Künstler des 20. Jahrhunderts. Der Inbegriff des unabhängigen Genies, das immer wieder neue Wege in der Kunst beschritt. Ein Verfechter der Freiheit. Ein Pazifist, der 1949 die berühmte Friedenstaube entwarf.

Ein Blick zurück: Von 1939 bis 1945 verwüstet der Zweite Weltkrieg Europa. Frankreich steht seit Juni 1940 unter deutscher Besatzung, zunächst nur der Norden und der Westen, ab November 1942 auch der Süden, wo in Vichy Marschall Philippe Pétain regiert. Die jüdische Bevölkerung wird in beiden Zonen unnachgiebig verfolgt. Die kommunistische Partei arbeitet im Untergrund. Es herrschen Versorgungsengpässe und Nahrungsmittelknappheit. Wie lebt Picasso in diesen Kriegsjahren? Womit setzt er sich in seiner Kunst auseinander? Wie sieht der Alltag des spanischen Künstlers aus, der bei Kriegsausbruch bereits seit über drei Jahrzehnten in Frankreich, hauptsächlich in Paris, wohnt? Hinterlassen die Schrecken jener Jahre Spuren in seinem Leben und seinem Werk?

Warum datiere ich alles, was ich mache? Weil es nicht genügt, die Arbeiten eines Künstlers zu kennen, man muss auch wissen, wie und unter welchen Bedingungen er sie schuf.

Zwischen Paris und Royan

Am 1. September 1939 überfällt die deutsche Wehrmacht Polen. Als Garantiemächte für die Unabhängigkeit des Landes erklären Frankreich und Großbritannien dem Deutschen Reich am 3. September den Krieg. Doch während Polen von den deutschen Truppen überrannt wird, passiert im Westen bis auf einige kleinere Gefechte zunächst nichts. Eine lange, ungewisse Periode des Sitzkriegs beginnt, in Frankreich „Drôle de guerre“ genannt.

Pablo Picasso hat Wohnung und Atelier in Paris. Diese lässt er zurück, als er sich bereits am 29. August 1939 aus Furcht vor den deutschen Luftangriffen mit seiner Lebensgefährtin Dora Maar, seinem Sekretär und seinem Chauffeur in den kleinen südwestfranzösischen Badeort Royan an der Atlantikküste begibt.

Pablo Picasso, Sitzende Frau

Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Paris

Leben und Arbeiten unter
deutscher Besatzung

Im Juni 1940 fällt die deutsche Wehrmacht schließlich überraschend in Frankreich ein und besetzt am 14. Juni Paris. Am 25. August 1940 kehrt Picasso aus dem ebenfalls besetzten Royan in die französische Hauptstadt zurück. Seine Wohnung und sein Atelier sind unbeschädigt. Beide hat die Botschaft des faschistischen Spanien erstaunlicherweise unter ihren besonderen Schutz gestellt. Von September 1940 bis Januar 1941 malt Picasso nicht. Es entstehen allein Illustrationen – und sein erstes Drama, „Le Désir attrapé par la queue“ („Wie man Wünsche beim Schwanz packt“).

Die Leute, die seine Bilder von den Museumswänden entfernt hatten, hatten ihm zwar verboten, in Paris auszustellen, aber am Malen konnten sie ihn nicht hindern.

Pablo Picasso, Junge mit Languste

Will Picasso mit dem Bild der nationalsozialistischen Kunstpolitik spotten? Sicher ist, dass im Zweiten Weltkrieg tausende Werke entstehen, obwohl Picasso von den deutschen Besatzern als „entarteter“ Künstler gebrandmarkt wird. Er arbeitet bis auf wenige Monate unablässig.

Gemälde aus dieser Zeit wie „Junge mit Languste“ werfen viele Fragen auf. Grinst der Junge oder lächelt er? Ist die Languste Trophäe oder Waffe? Ein Zeichen des Widerstandes gegen die Besatzer oder eine sexuelle Anspielung? Der deformierte Körper ein Spiegel der Schrecken des Krieges oder einfach überbordender Vitalität? Womöglich können alle Deutungen nebeneinander bestehen.

Picassos Alltag in Paris

Pablo Picassos Leben spielt sich nach seiner endgültigen Rückkehr aus Royan im August 1940 vor allem im Pariser Stadtviertel Saint-Germain-des-Prés ab. Im Januar 1941 gibt er sein Appartement in der Rue La Boétie auf. Es liegt zu weit entfernt von seinem Atelier in der Rue des Grands-Augustins. Dort wohnt er nun auch. Dora Maar lebt ebenfalls in dem Viertel nahe der Seine im Stadtgebiet Rive Gauche, ebenso wie Marie-Thérèse Walter mit der gemeinsamen Tochter Maya. Diese beiden besucht der Künstler jeden Donnerstag und jeden Sonntag. In unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem Atelier befindet sich das Restaurant Le Catalan, wo er oft zu Mittag isst. Fast jeden Abend ist er im Café de Flore anzutreffen, gut zehn Minuten Fußweg von seinem Atelier entfernt. Er findet dort einen „warmen, freundlichen Zufluchtsort“, wie sein Freund, der Fotograf Brassaï, berichtet, und trifft Künstler- und Literatenfreunde. Picasso harrt während der gesamten Zeit der Besetzung von Paris in seinem Atelier aus.

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    Picassos Atelier

    7 Rue des Grands-Augustins

    Henri Cartier-Bresson, Pablo Picassos Atelier

    Das Atelier in der Rue des Grands-Augustins 7 hält Picasso von Ende 1936 bis 1955. Dort malt er 1937 auch das Gemälde „Guernica“. Nach dem Krieg lebt der Künstler vorwiegend in Südfrankreich und nutzt das Atelier nur während seiner Aufenthalte in Paris. Hier links im Bild der Gips von „Mann mit Schaf“.

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    Restaurant Le Catalan

    16 Rue des Grands-Augustins

    Pablo Picasso, Das Buffet des Catalan Paris

    Regelmäßig isst Picasso im Restaurant Le Catalan mit Dora Maar. Dort treffen die beiden Freunde wie Nusch und Paul Éluard und andere Schriftsteller. Der Wirt besorgt die Lebensmittel auf dem Schwarzmarkt. So sind die Kirschen, die hier in der Obstschale liegen, während der Besatzungszeit eine Delikatesse. Fleisch ist wegen der Lebensmittelknappheit nur an bestimmten Tagen erlaubt. Angeblich werden Picasso und seine Freunde im November 1943 dabei erwischt, wie sie im Le Catalan an einem offiziell fleischlosen Tag Châteaubriand speisen. Eine Geldstrafe wird fällig und das Restaurant einen Monat lang geschlossen. 1943 lernt der Künstler dort die Malerin Françoise Gilot kennen, seine neue Lebensgefährtin.

  • 3

    Wohnung von Dora Maar

    6 Rue de Savoie

    Brassaï, Dora Maar in ihrem Atelier

    Picasso lernt Dora Maar 1935 über den Dichter Paul Éluard kennen, der wie sie zum Kreis der Pariser Surrealisten gehört. Der Fotografin und Malerin hat zunächst für Mode und Werbung gearbeitet und sich, politisch links engagiert, gleichzeitig der sozialen Straßenfotografie gewidmet. Dann wendet sie sich der surrealistischen Fotografie zu und schafft einige der eindrücklichsten fotografischen Arbeiten des Surrealismus. 1937 dokumentiert Dora Maar die Entstehung von Picassos „Guernica“. Die Beziehung mit ihm besteht bis 1943. In dieser Zeit gibt sie die Fotografie zugunsten der Malerei auf.

  • 4

    Wohnung von Marie-Thérèse Walter und der gemeinsamen Tochter Maya, ab Frühjahr 1941

    1, Boulevard Henri IV

    1927 begegnet Picasso der siebzehnjährigen Marie-Thérèse Walter in den Galeries Lafayettes. Sie wird sein Modell und seine heimliche Lebensgefährtin. Picasso lebt noch mit seiner Ehefrau Olga Koklowa zusammen. 1935 wird die gemeinsame Tochter Maya geboren.

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    Le Vert-Galant

    15 Place du Pont Neuf

    Pablo Picasso, Le Vert-Galant

    Le Vert-Galant ist ein kleiner Park auf der Seine-Insel Île de la Cité zu Füßen eines Reiterdenkmals Henris IV, das hier im Bild zu sehen ist. Picasso geht oft dort und am Ufer der Seine mit seinem Hund Kazbek spazieren. Es entstehen viele landschaftliche Szenen – Ölgemälde, Zeichnungen und Aquarelle.

Ausschnitt: Pablo Picasso, Le Vert-Galant

Le Vert-Galant: Im Detail

In der kleinen Grünanlage Le Vert-Galant an der nordwestlichen Spitze der Pariser Île de la Cité beobachtet Picasso Szenen des Alltags. Er hält diese in Skizzen und Bildern fest. Darin findet sich nichts vom grauen Paris unter der deutschen Besatzung, das Zeitzeugen schildern, nichts von Nahrungsmittelknappheit, Kälte, Bedrohung und Schrecken. Auch der Künstler berichtet in seiner Korrespondenz über den Mangel und die alltäglichen Beschwernisse. Hier jedoch scheint das Leben in heiterer Atmosphäre ganz normal weiterzugehen.

Pablo Picasso, Le Vert-Galant

Pablo Picasso, Le Vert-Galant

Eine Frau stillt ihr Kind – ein Bild der Ruhe und des Friedens. Picasso hat das Motiv häufig gezeichnet, sicher angeregt durch die Geburt seiner Tochter Maya. Darüber hinaus hat die Darstellung der stillenden Mutter eine jahrhundertealte Geschichte. Berühmteste Ausprägung des Bildtypus ist die das Christuskind stillende Madonna. Picasso sieht sich in der Tradition der großen Maler und entwickelt die klassischen Sujets weiter.

Wegbegleiter

Pablo Picasso lebt in Paris nicht isoliert. Er trifft sich mit Freundinnen und Freunden, Galeristinnen und Galeristen. Mit vielen – auch mit denjenigen, die ins Exil gegangen sind – steht er in Briefkontakt. So erhält er Informationen über ihre Lebensumstände oder erfährt vom großen Erfolg seiner Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art.

Alfred
Barr (1902–1981)

Alfred Barr, der Direktor des Museums of Modern Art in New York, richtet Picasso im November

Telegramm an Pablo Picasso
15. Dezember 1939

Daniel-Henry
Kahnweiler (1884–1979)

Daniel-Henry Kahnweiler ist seit 1911 Picassos Galerist. Als Jude muss er sich unter der deutschen

Brief an Pablo Picasso
13. Juni 1940

Christian
Zervos (1889–1970)

Christian Zervos ist der Verleger Picassos und erstellt dessen Werkverzeichnis in 33 Bänden.

Brief an Pablo Picasso
8. August 1940

Berthe
Weill (1865–1951)

Die Galeristin Berthe Weill handelt mit Werken Picassos. Bereits 1901 hat sie in Paris ihre

Telegramm an Pablo Picasso
15. Dezember 1939

Jeanne
Freundlich (1892 – 1966)

Die bildende Künstlerin und Sängerin Jeanne Freundlich wird als Johanna Kloss in Glogau

Zwei Briefe an Pablo Picasso
2. März 1943

Alfred
Réty (1889–1970)

Picassos Verwalter Alfred Réty betreut das Anwesen Schloss Boisgeloup in der Normandie

Brief an Pablo Picasso
27. Juli 1944

Roland
Penrose (1900–1984)

Der Künstler, Schriftsteller und Galerist Roland Penrose stammt aus London und zieht 1922 nach

Brief an Pablo Picasso
27. Juli 1944

Picasso als Ikone
der Befreiung

Während der heftigen Kämpfe des französischen Widerstands und alliierter Kräften mit den deutschen Besatzern vom 19. bis zum 25. August hält sich Picasso bei Marie-Thérèse Walter und Tochter Maya auf, um bei ihnen zu sein. Am 25. August, dem Tag der endgültigen Befreiung, geht er zurück in sein Atelier. Unmittelbar danach porträtieren ihn dort die befreundete Kriegsfotografin Lee Miller und viele andere. Die Fotos werden in der nationalen wie der internationalen Presse veröffentlicht, die Picasso zur künstlerischen Ikone der Befreiung erhebt. Pablo Picasso wird zu dem weltbekannten Künstler, der er heute ist. Er selbst hat selbst großen Anteil an der Inszenierung seiner Person als Inbegriff des Künstlers, der für die Freiheit gekämpft hat. Nur wenige Tage nach der Befreiung präsentiert er seine im Krieg entstandenen Werke im Atelier, in das die Kunstwelt, alliierte Soldaten und sogar Touristen pilgern. Im Oktober 1944 wird er Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs. Im Salon d’Automne – dem „Salon de la Libération“ – bekommt Picasso einen eigenen Raum und zeigt dort 74 Gemälde und fünf Skulpturen.

Lee Miller, Picasso und Lee Miller im Atelier des Künstlers

Ich habe nicht den Krieg gemalt, weil ich nicht zu der Sorte von Malern gehöre, die wie ein Fotograf etwas darzustellen suchen. Aber ich bin sicher, dass der Krieg Eingang genommen hat in die Bilder, die ich geschaffen habe.

Peter D. Whitney, „Picasso is safe“, in: San Franciso Chronicle, 3.9.1944

Robert Capa, Pablo Picasso mit seinem Werk Totenschädel

Im Detail:
Was malte Picasso im Krieg?

Picasso widmet sich in seinen Bildern nicht vordergründig dem Terror und dem Schrecken. Das Gemälde „Guernica“ von 1937, mit dem er den Luftangriff deutscher Bomber auf das gleichnamige baskische Städtchen im Spanischen Bürgerkrieg anklagt, bleibt singulär. Der Künstler arbeitet an den klassischen Gattungen weiter, die ihn immer schon beschäftigen, wie Akt, Frauenporträt und Stillleben. Aber beeinflusst der Krieg die Form- und Farbgebung dieser Bilder? Spiegeln die Gegenstände der „Natures mortes“ den Mangel? Sind manche gar symbolisch zu verstehen? Die eindrucksvollen Stillleben, Akte oder Variationen von Frauenbildnissen bieten verschiedene Deutungen an.

Frauen, Frauen, Frauen

Pablo Picasso, Sitzende Frau

Pablo Picasso, Frau in Grau und Weiß

Pablo Picasso, Madame Paul Éluard

Ein klassischer Frauenakt?

Pablo Picasso, Großer liegender Akt

Picasso greift in dieser Aktdarstellung auf die Bildsprache seiner kubistischen Phase zurück – wie so oft seit Ende der 1930er Jahre. Einer der Gründe liegt sicher darin, dass sein Verleger Christian Zervos, Verfasser von Picassos Werkverzeichnis, gerade den Band der Jahre 1906 bis 1912 abschließt, in denen der Künstler den analytischen Kubismus entwickelte. Die spitzen, zersplitterten Formen und der enge Bildraum lassen das Gemälde aber auch als Anklage gegen die Schrecken von Krieg und Besatzung, gegen die existentielle Angst angesichts des Terrors erscheinen.

Der persönliche Blick

Picassos Bilder sind komplex - sie regen zur Auseinandersetzung aus ganz unterschiedlichen Perspektiven an. Wir haben Menschen eingeladen, ihren eigenen Blick auf seine Werke zu werfen. Verknüpft mit persönlichen oder historischen Bezügen zum Zweiten Weltkrieg stehen diese Erzählungen beispielhaft für die Vielzahl der Deutungen.

Meine Großmutter verbrachte die Kriegsjahre auf Java in Indonesien. Sie war dort als Tochter von Missionarinnen und Missionaren aufgewachsen, also eingebunden in ein System, das von sich selbst vielleicht dachte, etwas Gutes zu tun, tatsächlich aber dazu beitrug, koloniale Ausbeutung zu legitimieren. Während des Krieges haben die japanischen Besatzerinnen und Besatzer auf Java an einem Bergsee eine deutsche Schule eingerichtet, zu der dann auch meine Oma ging. Schließlich war Japan in einem faschistischen Bündnis mit Deutschland.

Anonym

Pablo Picasso, Frauenkopf

Bei dem Bild dachte ich zuerst an die Janusfigur, eine zweiköpfige Gottheit. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch Grautöne. Viele, ich auch, tendieren dazu, andere Menschen in ein Bild einzuordnen. Ich habe mich intensiv mit Kurt Blanke beschäftigt. Er war Bürgermeister von Celle, Träger des Bundesverdienstkreuzes und 1940 – 44 als Beamter in Frankreich. Seit 1942 war er mitverantwortlich für die Enteignungen dort, insbesondere von jüdischen Menschen. Das liest sich als eindeutige Täterbiografie – zu Recht. 1938 hatte dieser Mensch noch Beschwerde gegen die Pogrome in Berlin eingelegt. Sein durchaus rassistisches Argument: Deutsche verhalten sich nicht so unmenschlich.

Erik Gohlisch

Pablo Picasso, Frauenkopf mit zwei Profilen

Meine Eltern kamen als Vertriebene aus Schlesien in den Westen. Bei Kriegsende waren sie zehn und elf Jahre alt und lernten sich später hier kennen. In den letzten Jahren habe ich einige Bücher gelesen, die mir halfen, meine persönliche Entwicklung besser zu verstehen – auch, dass es da 100.000 ähnliche Geschichten gibt. Da ist die Rede von „Kriegsenkeln“, also von Menschen, deren Eltern bei Kriegsende Kinder waren. Die Kölner Journalistin Sabine Bode beschreibt, dass etwa ein Drittel der Kriegskinder es nie geschafft haben, die traumatischen Schrecken des Krieges zu verarbeiten.

Anonym

Pablo Picasso, Männerkopf

Ich verbinde das Bild mit einem Teil meiner Familiengeschichte, der mich schon lange umtreibt. Die Tante meiner Oma hatte während des Krieges eine Liebesbeziehungen mit einem SS-Offizier und wurde auch von ihm schwanger. Ihre Familie war damals nicht einverstanden damit, insbesondere, weil auf dem Hof illegal geschlachtet wurde und sie Angst hatten, dass der Offizier sie verraten könnte. Darum hat sie das Kind allein großgezogen, bis es im Alter von neun Jahren an Leukämie starb.

Anonym

Pablo Picasso, Kind mit Tauben

Für mich drückt das Bild die Ambivalenz aus, die mit der Kriegszeit einhergehen kann. Es zeigt eine völlig normale Szene, wie sie wahrscheinlich in sehr vielen Häusern zu finden war. Ein Tisch, auf dem Dinge stehen, die wahrscheinlich immer da stehen. Gleichzeitig fällt auf, dass es wenig ist, zum Beispiel nichts zu essen. Das spiegelt für mich die Kriegsjahre 1939 – 1945 ganz gut wider: Es war etwas da, aber nicht alles, was man brauchte. Die Wege, an die Dinge des täglichen Bedarfs zu kommen, waren nicht einfach, oft geheim. Was man hatte, wurde gut gehütet.

Daniela Zimmer

Pablo Picasso, Krug, Kerze und Kasserolle

Ich komme aus Kongo-Brazzaville in Zentralafrika, und bei Kriegen denke ich an den Ersten Weltkrieg. Mein Großvater hat damals in Deutschland als Soldat gekämpft. Deswegen bin ich heute hier. Unter den Tirailleurs Sénégalais wurden über viele Jahre afrikanische Menschen verschiedener französischer Kolonien zusammengefasst, um für Frankreich in den Krieg zu ziehen. Durch die Geschichte des Kolonialismus sind Europa und Afrika eng verbunden, was viele Menschen hier nicht wissen oder wissen wollen.

Clarisse Akouala

Pablo Picasso, Stehender Akt