Léger, Fernand
1881 – 1955

1881 geboren in Argentan, Normandie
1897−1899 Architekturstudium in Caen
1900 Übersiedlung nach Paris; Tätigkeit als Zeichner bei einem Architekten und als Retuscheur bei einem Fotografen
1903 Aufnahme in die École des Arts Décoratifs in Paris, Schüler im Atelier Gérôme und im Atelier Ferrier, arbeitet an der Académie Julian
1908−1909 Begegnung mit Robert Delaunay und Henri Rousseau
1910 lernt Pablo Picasso und Georges Braque kennen
1912 erste Ausstellung bei Daniel-Henry Kahnweiler, Paris, der ihn ab 1913 exklusiv vertritt
1914−1917 Militärdienst; nach Verwundung Rückkehr nach Paris
1920 Begegnung mit Le Corbusier und Gründung des „L‘Esprit Nouveau“
1924 entwirft und dreht den Film „Le Ballet mécanique“
1931 Lehrer an der Grande-Chaumière; erste Reise in die USA
1933 Griechenlandreise mit Le Corbusier
1935 Ausstellung im Museum of Modern Art, New York
1940−1945 Emigration in die USA; Lehrtätigkeit an der Yale-University, New Haven, Connecticut und am Mills College, Oakland
1945 Rückkehr nach Frankreich
1952 Übersiedlung nach Gif-sur-Yvette, Seine-et-Oise
1955 großer Preis der „3. Biennale“, São Paulo; Fernand Léger stirbt in Gif-sur-Yvette

Selection

Adam et Eve / Adam und Eva, 1935–1939

Öl auf Leinwand
228 x 324,5 cm


©Fernand Léger, VG Bild-Kunst, 2020, Foto: Walter Klein, Düsseldorf

Bei dem wandgroßen Gemälde „Adam et Eve“ ist der Bildraum in zwei Hälften geteilt. In der einen befinden sich zwei monumentale Menschenfiguren, in der anderen schweben abstrakte Objekte, umgeben von kleinen grauen Wolken. Mit ihrer nahezu spiegelbildlich verdrehten Armhaltung erinnert das biblische Paar an Akrobaten.

Adams gestreiftes Trikot unterstützt diese Assoziation. Die Geschichte vom verlorenen Paradies wird durch Attribute, wie die um den Stab gewundene Schlange, lediglich angedeutet. Eine apfelförmige Tätowierung auf Adams Oberarm verweist lakonisch auf das ehemals folgenschwere Ereignis. Eva hält ein Blumenbündel in der Hand – vielleicht Reste aus dem Garten Eden? Ab 1927 verzichtet Fernand Léger zunehmend auf geometrische Formen und deren Verspannungen, die Hintergründe tendieren zur Einfarbigkeit. Zur Zeit der Entstehung von „Adam et Eve“ beschäftigt sich Léger mit der Idee der „kollektiven Kunst“ und sieht in dem wandfüllenden Format und in der architektonisch eingebundenen Wandmalerei einen potenziellen Weg der Erneuerung. So entwickelt er 1935 für den französischen Pavillon auf der Internationalen Ausstellung in Brüssel einen großen Wandbildentwurf.

Contraste de formes / Kontrast der Formen, 1914

Öl auf Leinwand
80,7 x 65,2 cm


©Fernand Léger, VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Walter Klein, Düsseldorf

In den Jahren 1913/14 malte Fernand Léger nahezu ungegenständliche Werke, so wie die Bilderserie der „Contraste de formes“. Der dynamische Kontrast von Form, Linie und Farbe ließ keine gegenständliche Assoziation mehr zu und tendiert zur reinen Abstraktion. 

In den Bildern drängten sich gewaltige Konglomerate aus röhrenförmigen Elementen. Die Formen der gegeneinander verschobenen Zylinder sind zu Dreiecks- und Rechteckformen in Spannung gesetzt. Sie sind zum Teil perspektivisch verkürzt wiedergegeben, sodass eine Vorstellung von Räumlichkeit entsteht. Die Farbe ist von Léger zur Betonung der Formen eingesetzt und nicht um die Fläche gleichmäßig zu bedecken. Um die Wirkung dieser Kontraste zu betonen, hat der Künstler neben Blau, vor allem Rot und Gelb verwandt, Farben, die im Farbspektrum weit auseinander liegen.