Becher, Bernd und Hilla
1931 bzw. 1934 – 2007 bzw. 2015

Hilla Becher geb. Wobeser
1934 geboren in Potsdam
1951−1954 Ausbildung als Fotografin in Potsdam; anschließend Arbeit als kommerzielle Fotografin in Hamburg und Düsseldorf
1957 Übersiedlung nach Düsseldorf
1958−1961 Studium und Einrichtung einer Fotoabteilung an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf

Bernhard Becher
1931 geboren in Siegen
1947−1950 Dekorationsmalerlehre in Siegen
1951 Italienaufenthalt
1953−1956 Studium an der Staatlichen Kunstakademie in Stuttgart bei Karl Rössing
1957−1961 Studium der Typografie an der Staatlichen Kunstakademie, Düsseldorf

1959 Beginn der künstlerischen Zusammenarbeit 
1961 Heirat von Bernd Becher und Hilla Wobeser
1963 Ausstellung in der Galerie R. Nohl, Siegen
1968 Ausstellung im Stedelijk Van Abbe Museum, Eindhoven, und im Städtischen Museum Abteiberg, Mönchengladbach
1972 Teilnahme an der „documenta 5“, Kassel; Ausstellung in der Sonnabend Gallery, New York
1972−1973 Hilla Becher, Gastdozentur an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg
1976−1996 Bernd Becher, Professor für Fotografie an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf
1977 Teilnahme an der „documenta 6“, Kassel, und der „14. Biennale“, São Paulo
1982 Teilnahme an der „documenta 7“, Kassel
1990 Goldener Löwe der „44. Biennale“, Venedig
1994 Verleihung des Kaiserrings in Goslar
1996−1998 Lehrauftrag an der Kunstakademie in Düsseldorf
2001 Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen
2002 Erasmuspreis; Teilnahme an der „documenta 11“, Kassel
2003−2006 Einzelausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf mit anschließenden Stationen in München, Paris und Berlin
2007 stirbt Bernd Becher in Rostock
2008 Ausstellung im Museum of Modern Art, New York
2014 Großer Kulturpreis der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland
2015 stirbt Hilla Becher in Düsseldorf

Selection

Förderturmköpfe, 1989

15 Schwarz-Weiß-Fotografien
je 40 x 30 cm, Gesamtmaß 173,4 x 239,4 cm


©Bernd und Hilla Becher, Foto: Walter Klein, Düsseldorf

Bernd und Hilla Becher arbeiten seit den späten 1950er-Jahren an einer der Objektivität verpflichteten Fotografie, die der Tradition der sachlichen Fotografie der 1920er-Jahre folgt. Dabei waren sie vor allem an industriellen Architekturen interessiert, die sich durch prägnante technische Strukturen auszeichnen, wie Kohlebunker, Förder-, Wasser- oder Kühltürme. 

Systematisch haben Bernd und Hilla Becher im Laufe der Jahre Gebäude oder Gebäudeteile in aller Welt nach den von ihnen festgelegten Vorgaben in Schwarz-Weiß-Aufnahmen festgehalten: Sie fotografierten immer bei bedecktem Himmel und diffusem Licht sowie von einem erhöhten Standpunkt aus, um alle Details gleichberechtigt hervortreten zu lassen. Extreme Helligkeiten oder Schlagschatten, die zu einer Dramatisierung der Aufnahme führen, werden vermieden, damit nichts von dem Motiv ablenkt. Diese strenge Systematisierung der Darstellung wurde zum Grundprinzip des gesamten künstlerischen Konzeptes. Gezeigt werden die Aufnahmen der Architekturen, die Bechers als „anonyme Skulpturen“ verstehen, in „Typologien“, als vergleichende Tableaus von Fotografien von Bauwerken gleicher Funktion in Gruppen von neun, zwölf oder fünfzehn Bildern.

Typologie Hochofenköpfe in den USA, 1978–1986

15 Schwarzweißfotografien, A.P.
je 40,4 x 30,9 cm


Schenkung 2004

Erworben durch die Freunde der Kunstsammlung im Jahr 2004 © Estate Bernd & Hilla Becher

Hochöfen, die Herzstücke eines jeden Stahlwerks, nehmen in den Fotografien industrieller Bauten des Künstlerpaars Bernd und Hilla Becher eine besondere Rolle ein. Ohne schützende Hülle tritt hier ein Geäst von Rohren und Leitungen zutage, welches die Funktionalität der Anlagen eher verrätselt als nachvollziehbar erscheinen lässt. Mithilfe eines standardisierten Aufnahmeverfahrens und eines speziellen Blicks isolieren die Künstler die Objekte aus ihrem verwirrenden Umfeld und machen sie dadurch lesbar und vergleichbar. Zusammengestellt in so genannten Typologien, lassen sich nicht nur funktionale Gemeinsamkeiten dieser Industriegiganten erfassen, sondern ebenso formale Differenzen und bautechnische oder landestypische Besonderheiten. Die Typologie der in Deutschland und Belgien aufgenommenen Hochofenköpfe haben die Freunde erworben, diejenige der aus den Stahlregionen Nordamerikas hat das Künstlerpaar den Freunden geschenkt.

Blast furnaces, the heart of every steel mill, play a special role in the photographs of industrial structures shot by the artist couple Bernd and Hilla Becher. Without a protective covering, a branching of pipes and lines emerges" which makes the functionality of the constructions seem more enigmatic than understandable. With the help of a standardized photographic procedure and a particular viewpoint, the artists isolate the objects from their confusing surroundings and thus make them readable and comparable. Compiled in so-called “typologies,” not only functional commonalities of these industrial giants can be grasped, but also formal differences and structural or country-specific features. The Friends acquired the typology of the blast furnace heads shot in Germany and Belgium, while those from the steel regions of North America were gifted by the artists to the Friends.