2016

 
Arpad Dobriban, WARTESYSTEM 7, 2016, Handstempeldruck auf Papier, Courtesy der Künstler, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Arpad Dobriban – WARTESYSTEM 7

11.09.2016 – 22.01.2017
K21 Ständehaus

Der Künstler Arpad Dobriban (*1957 Komlo, Ungarn) richtet in den Räumen der früheren Pardo Bar für vier Monate seine Werkstatt ein und wird für die Besucher des Museums besondere Speisen herstellen. Das Kochen ist für Arpad Dobriban, der Meisterschüler von Nam June Paik an der Düsseldorfer Kunstakademie war, sein künstlerisches Medium. Er arbeitet mit Nahrungsmitteln von ganz eigener Qualität und stellt Grundzutaten teils selbst her.

Dobriban lässt bei der Herstellung jedem Nahrungsmittel seine eigene, jeweils angemessene Zeit. Die Rezepte stammen aus unterschiedlichen Kulturen, und der Geschmack erzählt von der Aufmerksamkeit und Sorgfalt, die auf die Zubereitung verwendet wird. Es geht dem Künstler darum, die Transformation von Lebewesen in genießbare Speisen sichtbar werden zu lassen und im Kochen die Spuren jedweder Handlungen erfahrbar und zugänglich zu machen.

Im täglichen Betrieb wird eine kleine Auswahl an wechselnden einfachen Gerichten angeboten. Arpad Dobriban zeigt Objekte und Videos über seine Arbeit und lädt Vortragsgäste ein. In der viermal stattfindenden Kochaktion »Kommentierte Speisefolge« wird der Künstler an verschiedenen Abenden Einblicke in sein Konzept geben.

 
Katalog "eye watching" zur Ausstellung

"My Phantasies"
Neue Bilder, Zeichnungen, Skulpturen, Videos und Installationen in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen 2009 – 2016

11.09.2016 – 15.01.2017
K21 Ständehaus

In den vergangenen acht Jahren hat die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zahlreiche wichtige Arbeiten national wie international bedeutender Künstlerinnen und Künstler erworben: Die Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Videoarbeiten, Installationen und Künstlerräume stärken einerseits  bestehende Sammlungsschwerpunkte, andererseits ergänzen sie die Sammlung um bisher nicht vertretene Künstler, um Medien, Inhalte und Aspekte.

Unter dem Titel My Phantasies, angelehnt an die Namen zweier 2012 angekaufter Werke von Rosemarie Trockel, ist im K21 Ständehaus eine Auswahl von Erwerbungen aus der Amtszeit (2009 – 2016) von Marion Ackermann, der scheidenen Direktorin der Kunstsammlung, zu sehen.

In der Zusammenschau wird deutlich, wie sich das Land Nordrhein-Westfalen, die Freunde des Museums, seine Förderer, Sponsoren und nicht zuletzt Künstlerinnen und Künstler in den vergangenen Jahren mit enormem Engagement für die Erweiterung und Bereicherung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen eingesetzt haben.

Mit Werken von:
Gerhard Altenbourg, Katharina Fritsch, Julian Göthe, Sabine Groß, Nan Hoover, Axel Hütte, Jürgen Klauke, Alicia Kwade, Kris Martin, Pauline M'Barek, Gerhard Merz, Dieter Roth, Wilhelm Sasnal, Wael Shawky, Nancy Spero, Thomas Struth, Rosemarie Trockel und Gillian Wearing.

 

Wolfgang Tillmans,
Leben Ist Astronomisch (Installation 2001 - 2012)

Bel Etage

Im Zusammenhang mit der Präsentation im Untergeschoss von K21 werden auch die Räume der Bel Etage neu bespielt: Hier richtet der international renommierte Fotograf Wolfgang Tillmans unter dem Titel "Leben Ist Astronomisch (Installation 2001-2012)" die im Jahr 2013 erworbenen Arbeiten für die Kunstsammlung persönlich ein. Die großformatige Installation besteht aus insgesamt 27 einzelnen Elementen, hierunter 10 Tintenstrahldrucke, 13 C-prints und 4 Tischvitrinen. Ergänzt wird sie um Leihgaben des Künstlers.

 
Ausstellungsplakat

"Wolke & Kristall".
Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer

24.09.2016 – 08.01.2017
K20 Grabbeplatz

Mit der Ausstellung "Wolke & Kristall". Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer feiert die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen den Erwerb der Sammlung des berühmten Düsseldorfer Galeristenpaares Dorothee und Konrad Fischer. Ganz entscheidend ergänzt die Kunstsammlung damit ihren bisherigen Bestand an Gemälden der US-Nachkriegskunst um epochale Werke der Concept Art und der Minimal Art.

Die auf die Sinne und Emotionen zielende Malerei eines Jackson Pollock oder Robert Rauschenberg trifft in dieser Ausstellung – und künftig in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen – auf die "spröden" Werke konzeptueller Kunst. Damit wird deutlich, dass parallel zu den gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit um 1968 auch in den schöpferischen Formen ein radikaler Umbruch stattfand. Neben die avancierten Positionen der Malerei trat eine Kunst, die der subjektiven malerischen Geste das Konzeptuelle, die Idee entgegensetzte – als gültiges Kunstwerk, ohne in einem Objekt materialisiert zu sein.

Carl Andre, Daniel Buren, Dan Flavin, On Kawara, Sol LeWitt, Bruce Nauman und viele andere in der Sammlung Fischer verzichten auf die eigene künstlerische Handschrift und arbeiten mit Zeichnung, Schrift, Fotografie, Dokumenten oder industriell gefertigten Materialien. Arbeiten von Hanne Darboven, Jan Dibbets, Gilbert & George oder Lawrence Weiner führen vor Augen, wie ausschließlich Idee und Konzept ein Werk ausmachen können. Lothar Baumgarten sowie Bernd und Hilla Becher oder die italienischen Arte Povera-Künstler wie Jannis Kounellis, Mario Merz und Giuseppe Penone leisten außergewöhnliche Beiträge zur Kunst ihrer Zeit.

Gregor Schneider, Thomas Schütte oder Paloma Varga Weisz schreiben die Entwicklung der Installationskunst bis in die Gegenwart fort. Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer zeugt von den vielfältigen Aktivitäten der beiden Galeristen bis in die Gegenwart. Viele Werke im Konvolut sind aufgrund ihres freundschaftlichen Verhältnisses zu den Künstlerinnen und Künstlern entstanden.

Kuratorin: Dr. Anette Kruszynski

Die aus Anlass der Erwerbung präsentierte Ausstellung „Wolke & Kristall“. Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer wurde großzügig von der Terra Foundation for American Art, das begleitende Programm der Abteilung Bildung durch die Provinzial Rheinland Versicherungen unterstützt. Unternehmenspartner ist das Fashion- und Lifestyle-Unternehmen Breuninger, Medienpartner ist das Handelsblatt. Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport.

 
Ausstellungsplakat

Andreas Gursky
nicht abstrakt

02.07. 06.11.2016
K20 Grabbeplatz

Die Ausstellung Andreas Gursky – nicht abstrakt gewährt erstmals einen Blick auf neue Arbeiten des renommierten Düsseldorfer Fotokünstlers, die er für dieses Projekt extra konzipiert hat und erstmalig, neben ausgesuchten älteren Werken, präsentiert.

Erstmals überhaupt bezieht Andreas Gursky Musik als ein wichtiges Element in eine Ausstellung mit ein: Begleitend zu den fotografischen Arbeiten ist eine minimalistische Soundinstallation des kanadischen Produzenten und DJs Richie Hawtin zu hören. In den rhythmisierenden Klangmustern der elektronischen Musik findet der Künstler Analogien zu Rastern und Wiederholungen als prägendes Stilmittel seiner  bildnerischen Abstraktion.

Während dieser ungewöhnlichen Ausstellung bieten der Amerikanersaal und die Sammlungsräume im K20 den Rahmen sowohl für ausgesuchte ältere als auch für die neuesten Arbeiten des Künstlers. Diese aktuellen Werke hat Gursky speziell für das Projekt konzipiert und präsentiert nun zum ersten Mal Aufnahmen von Tulpenfeldern (o.T. XVIII, 2015), eine von Solarfeldern verfremdete Landschaft (Les Mées, 2016) und aktuelle Konsumschauplätze (Mediamarkt, 2016 oder Amazon, 2016).

In seinen neuen fotografischen Arbeiten widmet sich Gursky auch den Fragen nach der Wiedergabe von Licht, Texturen und Farben. Der Besucher kann nachvollziehen, was Abstraktion im Werk dieses Künstlers bedeutet und wie sich seine spezifische Bildsprache im Laufe seines Schaffens über Jahrzehnte hin entwickelt hat.

Kuratorin: Marion Ackermann
Kuratorische Assistenz: Noura Dirani

Die Ausstellung wird gefördert von: Emirates, Stadtwerke Düsseldorf AG, Pinsent Masons Germany LLP
Unternehmenspartner: das Fashion- und Lifestyle-Unternehmen Breuninger
Medienpartner: Handelsblatt
Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

 
Ausstellungsplakat

Henkel – Die Kunstsammlung

08.04. 14.08.2016
K20 Grabbeplatz

Erstmals gibt die Ausstellung Henkel – Die Kunstsammlung einen Einblick in die von der Düsseldorfer Mäzenin und Sammlerin Gabriele Henkel über Jahrzehnte kenntnisreich zusammengetragene Kunstsammlung. Im Fokus der im K20 zu sehenden Präsentation steht eine abstrakte Malerei, die sich beispielhaft in Werken der klassischen europäischen Moderne sowie der amerikanischen Kunst finden lässt. Ausgewählt hat Gabriele Henkel hierfür Gemälde von Robert Delaunay, Amédée Ozenfant, Ellsworth Kelly, Mary Heilmann oder Frank Stella ebenso wie Werke von Gerhard Richter, Konrad Klapheck oder Imi Knoebel. Diese Kunstwerke stehen im spannungsvollen Dialog mit der faszinierenden, oft abstrakten Ornamentik außereuropäischer Textilien. Sie sind Belege für den offenen, grenzüberschreitenden Blick der Sammlerin.

Bisher war die Kunstsammlung, die hochkarätige Werke internationaler Künstlerinnen und Künstler sowie ethnografische Exponate aus der ganzen Welt umfasst, nahezu ausschließlich für Mitarbeiter und Besucher der Düsseldorfer Konzernzentrale sichtbar. Der  international agierenden Sammlerin, Kunstkritikerin, Professorin, Künstlerin und Mäzenin junger Kunst, die mit vielen der Künstler befreundet ist, war es immer wichtig, diese Kunstwerke allen Mitarbeitern zugänglich zu machen und damit wie selbstverständlich in die Arbeitswelt zu integrieren. Die für die Ausstellung im K20 ausgewählten Werke hängen bis heute in wechselnden Konstellationen in den Büros, Fluren, Treppenhäusern oder Konferenzräumen im Düsseldorfer Hauptsitz des weltweit tätigen Unternehmens, ermöglichen so auf ganz besondere Weise einen Zugang zur Kunst aus der ganzen Welt.

Die von Gabriele Henkel selbst kuratierte Ausstellung stellt im K20 in einer großzügigen räumlichen Offenheit mit rund 40 Werken die Höhepunkte der Sammlung vor. Das alles verbindende Leitmotiv ist dabei die Abstraktion in Verbindung mit dem Ornamentalen.

Die Ausstellung wird gefördert durch die Henkel AG & Co. KGaA.
Unternehmenspartner: das Fashion- und Lifestyle-Unternehmen Breuninger
Medienpartner: Handelsblatt

Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

 
Ausstellungsplakat

Dominique Gonzalez-Foerster
1887 – 2058

23.04. 07.08.2016
K20 Grabbeplatz

In der Kunst von Dominique Gonzalez-Foerster (geboren 1965 in Straßburg, lebt in Paris und Rio de Janeiro) dreht sich alles um die Erfahrung und Reflexion von Räumen und Zeiten. Mit teilweise minimalen Mitteln evoziert sie Orte, Personen und Themen, die auf die eine oder andere Weise in unserer kollektiven Erinnerung existieren. Dabei kann es um so unterschiedliche Themen wie die vom Hippietum geprägten 1970er Jahre, den Filmregisseur Rainer Werner Fassbinder, die Stadtutopie Brasilia, König Ludwig II, die Psychoanalyse, einen tropischen Regenschauer oder einen Ausblick in das Jahr 2066 gehen.

Die Künstlerin richtet mit wenigen Elementen Räume ein, benutzt eigens geschaffene Sounds, macht  Filme oder tritt selbst als historische Figur in Erscheinung. Bei all dem ist die Literatur ein wiederkehrender Bezugspunkt. Es geht ihr nicht um die perfekte Illusion eines bestimmten Momentes oder einer Person, sondern um einen Schwebezustand zwischen Wiedererkennen und Verwunderung, Erinnerung und Spekulation. Der Titel der Ausstellung 1887– 2058 benennt zwei konkrete Arbeiten und deutet  gleichzeitig an, dass Zeit bei Gonzalez-Foerster ein fließendes Kontinuum ist.

Die Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen wird gemeinsam mit dem Centre Georges Pompidou in Paris veranstaltet. Sie ist mit etwa 15 labyrinthartig angelegten Räumen in zwei Ausstellungshallen von K20 die bislang größte Ausstellung der Künstlerin und gibt insgesamt einen retrospektiven Überblick über ihr Schaffen in den letzten 25 Jahren.

Spektakuläre Ergänzung gegenüber der Pariser Ausstellungsstation ist die Installation K.2066 in der Grabbe Halle von K20. Angeregt von den außerordentlichen Dimensionen dieses Raumes entstand die Idee, die neue Version einer Arbeit zu schaffen, die die Künstlerin 2008 für die gigantische Turbine Hall von Tate Modern in London realisiert hatte. Der Raum wird zu einem Zufluchtsort für Kunstwerke und Menschen, nachdem jahrelanger Regen das Leben nachhaltig verändert hat. Neben zahlreichen Etagenbetten, auf denen Bücher mit dystopischen Themen als Lektüre ausgelegt sind, wurden Skulpturen aus der Umgebung in der Kunstsammlung NRW in Sicherheit gebracht: Arbeiten von Henry Moore und Alexander Calder, von Claes Oldenburg und Joel Shapiro, von Johannes Brus und Katharina Fritsch sind hier zu finden, alle um ein Drittel vergrößert.

Die zweite Ergänzung betrifft den Auftakt und den Abschluss der Ausstellung: Es beginnt mit einer Passage, die ganz in das Rosa getaucht ist, das man von der Fassade von Schloss Benrath in Düsseldorf her kennt. Dominique Gonzalez-Foerster hat Mitte der 1980er Jahre kurz an der hiesigen Kunstakademie studiert. Ganz am Ende der Ausstellung trifft man erneut auf eine Wand in dieser Farbe. Darauf hängt das Bild schwarzer Fürst (1927) von Paul Klee aus dem Besitz der Kunstsammlung, das zugleich eine zentrale Rolle in einer Geschichte des spanischen Autors Enrique Vila-Matas spielt.

Mit der Ausstellung soll die Aufmerksamkeit auf eine hierzulande bislang vernachlässigte Künstlerin gelenkt werden, die zusammen mit anderen  französischen Künstlern wie Pierre Huyghe oder Phillipe Parreno, aber auch mit internationalen  Künstlern wie Douglas Gordon, Liam Gillick oder Rikrit Tiravanija seit den 1990er Jahren entscheidend  die globale Gegenwartskunst geprägt hat.

Eine Ausstellung, organisiert vom Centre Pompidou, Musée National d’Art Moderne, Paris, in Zusammenarbeit mit der Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf.

Die Ausstellung wird gefördert durch Schwarzkopf (Henkel Beauty Care). Mit freundlicher Unterstützung durch das Institut français.

Unternehmenspartner: das Fashion- und Lifestyle-Unternehmen Breuninger
Medienpartner: Handelsblatt. Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

Kurator: Julian Heynen

 
Ausstellungsplakat

Alberto Burri. Das Trauma der Malerei

05.03. - 03.07.2016
K21 Ständehaus

Der italienische Künstler Alberto Burri (1915 1995) zählt mit seinen Arbeiten aus industriellen Materialien wie Eisen, Jute oder Plastik zu den einflussreichsten, in Deutschland jedoch weniger bekannten Positionen der Nachkriegszeit. Die Retrospektive Alberto Burri. Das Trauma der Malerei entstand in Kooperation mit der Solomon R. Guggenheim Foundation in New York anlässlich des 100. Geburtstags des Künstlers.

1966 erwarb die Kunstsammlung Nordrhein- Westfalen bereits ein Sacco von Burri. Sie zählt damit zu den wenigen Sammlungen in Deutschland im Besitz seiner Werke ein Grund mehr, Alberto Burri nun umfassend zu würdigen. Als erste Museumsausstellung in Deutschland nach fast 20 Jahren, lädt die Präsentation zur Neuentdeckung seines Werks ein. Geboren im umbrischen Città di Castello, studiert Alberto Burri Medizin und praktiziert anschließend als Militärarzt im Zweiten Weltkrieg. 1943 wird seine Einheit in Tunesien gefangen genommen und Burri kommt in ein Gefangenenlager in Hereford, Texas, wo er mit der Malerei beginnt. Nach seiner Rückkehr nach Italien 1946 gibt Alberto Burri die Medizin auf, um ausschließlich als Künstler tätig zu sein  eine Entscheidung, die maßgeblich von seinen unmittelbaren Eindrücken im Krieg und der Niederlage Italiens beeinflusst ist.

Burri übersetzt seine Erfahrungen in eine kraftvolle Bildsprache, die die Substanz des traditionellen Tafelbildes zerstört und grundlegend neu definiert. Er tauscht Ölfarbe und Leinwand gegen unorthodoxe Materialien und künstlerische Techniken, mit denen er die Bildoberfläche in den Raum hinein erweitert. In Serien, die er nach den jeweiligen Materialien oder Verfahren benennt, untersucht Alberto Burri die Möglichkeiten dieser neuen Malerei. Er montiert seine Gemälde aus altem Sackleinen zusammen (Sacchi), schafft Reliefs aus angebranntem Holzfurnier (Legni) und geschweißten Stahlplatten (Ferri) oder lässt Plastikfolie durch Einsatz des Bunsenbrenners schmelzen (Combustioni plastiche). Zu erleben ist das Werk eines hochgradig individualistischen Künstlers, der bereits früh große Erfolge im internationalen Kunstgeschehen feierte, aber seine eigene Stiftung bewusst abseits der Kunstzentren in seiner Heimatstadt Città di Castello gründete. Während man sonst regelrecht zu Burris Arbeiten pilgern muss, bietet sich nun in Düsseldorf die Gelegenheit, Alberto Burris Œuvre in seiner ganzen Breite zu erfahren.

Neben der retrospektiven Einzelausstellung mit etwa 70 Leihgaben aus europäischen und amerikanischen Museen und Privatsammlungen werden in einer ergänzenden Präsentation innerhalb des Museums Werke der Materialkunst aus den Beständen der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen gezeigt. Im Dialog mit Arbeiten von Lucio Fontana, Robert Rauschenberg oder Jannis Kounellis manifestiert sich Alberto Burris zentrale Position für die abstrakte Kunst der Nachkriegszeit und sein nachhaltiger Einfluss auf folgende Kunstströmungen. Auch vor dem Hintergrund des verstärkten Interesses an Materialfragen in der zeitgenössischen Kunst erfährt Burris Werk eine erstaunliche Aktualität. Dieser lässt sich in einigen Künstlerräumen im K21 nachspüren.

Kuratorinnen für die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen:
Valerie Hortolani und Nóra Lukács

Die Ausstellung ist organisiert von der Solomon R. Guggenheim Foundation, New York.

Die Kunstsammlung NRW dankt der Fondazione Palazzo Albizzini Collezione Burri, Città di Castello, für die Unterstützung. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Botschaft der Italienischen Republik Berlin, unterstützt vom Istituto Italiano di Cultura in Köln.

 
Ausstellungskarte

Wiebke Siem – Der Traum der Dinge

04.02. 19.06.2016
K20 Grabbeplatz, Labor

Wiebke Siem, Trägerin des Goslarer Kaiserrings 2014, setzt sich in ironischen Brechungen mit der künstlerischen Moderne auseinander. In der Vergangenheit lag der Fokus ihres Werks auf Formen des Sammelns und Präsentierens. Objekte wurden in Reihungen und auf Regalen ausgestellt wie im Museumsarchiv oder in Warenauslagen.

In den letzten zehn Jahren inszenierte die Künstlerin ihre Skulpturen in Interieurs mit altem Mobiliar wie in Bühnenbildern. Neuerdings baut Siem Figurinen aus Gebrauchsgegenständen, die sie in großer Zahl sammelt, bearbeitet und formal verändert. Sie nimmt den Objekten so ihre ursprüngliche Funktion und verwendet sie als Protagonisten eines skurrilen Figurentheaters. Wieder ist die Sammlung Inspiration für Siems Schaffen - jedoch nicht, wie seinerzeit, als Motiv, sondern als Reservoir für ihre skulpturalen Arbeiten.

Für das "Labor" stellt Wiebke Siem den Besuchern Elemente für eine Skulpturengruppe als Bausatz zur Verfügung. Sie können sie nach eigenem Ermessen in immer neuen Konstellationen zusammensetzen. Der Besucher wird zum Komplizen der Künstlerin im kreativen Prozess, der bekanntermaßen Freude und Qual zugleich ist, denn am Ende muss immer eine formale Entscheidung getroffen werden.

Das Labor wird gefördert durch die Stadtsparkasse Düsseldorf und die Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland.

 
Ausstellungskarte

Cyprien Gaillard: Nightlife

30.01. – 03.04.2016 (verlängert)
K20 Grabbeplatz

Rodins berühmte Bronzeskulptur Der Denker vor dem Cleveland Museum, exotische, vom Wind bewegte Hollywood Juniper-Bäume im Stadtraum von Los Angeles, ein Feuerwerk über dem Berliner  Olympiastadion, eine kahle Eiche im Suchscheinwerfer eines Helikopters – die nächtlichen  Außenaufnahmen des Films Nightlife (2015) führen an Orte, die menschenleer und doch voller Leben sind.

Die von einem suggestiven Soundmix (»I was born a loser«) unterlegte filmische Komposition, die als wandfüllende 3D-Projektion im K20 als kontinuierlicher Loop präsentiert wird, ist Fortsetzung und krönender Abschluss der Einzel-Ausstellung des französischen Künstlers Cyprien Gaillard (* 1980, lebt in Berlin und New York) in der Julia Stoschek Collection, Düsseldorf (verlängert bis 31.07.2016).