Tomás Saraceno

Labor Tómas Saraceno, Foto: Achim Kukulies, © Tomás Saraceno
 

16. September 2011 bis Dezember 2012
K20 GRABBEPLATZ

Die "realisierbaren Utopien" von Tomás Saraceno (*1973 in San Miguel de Tucumán, Argentinien) trotzen herkömmlichen Vorstellungen von Raum, Zeit und Schwerkraft. Ab Februar 2012 zeigt er seine neueste Arbeit im K21 Ständehaus. In unserem Labor, dem Ausstellungsraum der Abteilung Bildung, gibt der Künstler im Vorfeld der Ausstellung Einblicke in seinen Gedankenkosmos und den komplexen Entstehungsprozess seiner neuen Düsseldorfer Arbeit.

Seit Jahren kreist das künstlerische Schaffen von Tomás Saraceno um die Verwirklichung so genannter Cloud Cities – schwebender Zellen, die sich wie Wolken zu immer neuen Strukturen formieren und ein alternatives, nachhaltiges Lebensumfeld jenseits territorialer Beschränkungen bieten sollen. Mit multidisziplinären Methoden möchte Saraceno neue Möglichkeiten aufzeigen, unser Leben zu gestalten. Seine Arbeiten laden ein, in Interaktion mit ihnen zu treten und andere Wege der Kommunikation, des sozialen Verhaltens und der Wahrnehmung zu erkunden.

Als Vorbild für seine fliegenden Zellstädte dienen Tomás Saraceno meist natürliche Phänomene wie die Struktur von Seifenblasen. Sie sind leicht, existieren als Einzelne, können sich jedoch auch mit beliebig vielen anderen verbinden. Eine Seifenblase schließt bei minimaler Oberfläche ein Maximum an Luftvolumen ein. Treffen zwei gleichgroße Seifenblasen aufeinander, nehmen sie wiederum die Form mit der geringsten Oberfläche an. Geometrisch lässt sich dieses Gebilde am besten durch die Verbindung zweier Polyeder (ein Tetrakaidecahedron und ein unregelmäßiges Dodecahedron) darstellen – der so genannten Weaire-Phelan-Struktur.

Tomás Saracenos Installation in orbit ist als begehbares Netz geplant, das den Lichthof von K21 überspannt. Fasziniert von der enormen Belastbarkeit von Spinnennetzen erforschte der Künstler am Architekturmodell des Ständehauses, zu welch innovativen Lösungen verschiedene Spinnenarten gelangen. Besonders inspirierend für Saraceno sind die architektonischen Meisterleistungen, die Opuntien-, Haubennetz- und Baldachinspinnen mit ihren dreidimensionalen Netzen vollbringen.

Tomás Saraceno, der ursprünglich Architektur studierte, arbeitet vorzugsweise im Team. Im Austausch mit Experten etwa aus der Spinnenforschung, der Astrophysik, der Sozialwissenschaft und des Ingenieurwesens findet er neue Lösungsansätze für die Verwirklichung seiner Arbeiten. Sein Labor-Projekt knüpft an dieses Prinzip von Interaktion und Teamarbeit an: Hier sind die Besucher eingeladen, eigene Wolkenmodule zu bauen und diese an die bereits vorhandenen Strukturen anzusetzen. So wird im Laufe der Ausstellung eine Wolkenstadt entstehen, deren Form die Beteiligten maßgeblich mitbestimmen.