In eigener Sache: Ankäufe des Jahres 2018

Rund 20 Werke von elf Künstlerinnen und Künstlern hat die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr 2018 erworben. "Unser Blickwinkel bei den Ankäufen war ebenso global wie regional, aber immer auf die internationale Bedeutung der Künstlerinnen und Künstler gerichtet", erklärte die Direktorin der NRW-Landesgalerie, Susanne Gaensheimer. Vor dem Hintergrund des aktuellen Forschungs- und Ausstellungsprojektes "museum global", bei dem es um eine radikale Erweiterung der bisher vor allem westlich geprägten Museums-Sammlung geht, hätten einige der nun neu aufgenommenen Kunstwerke einen nicht-europäischen Hintergrund.

Etel Adnan, Persian, 1963-64, Öl auf Leinwand, 38,5 x 50,5 cm,


Hierzu zählt bei der Klassischen Moderne der Ankauf eines doppelseitig ausgeführten Gemäldes verzerrter menschlicher Körper von Hassan El-Telmisani (1923-1987), der zu den wichtigsten Vertretern des 2017 in der Kunstsammlung NRW erstmals gezeigten Surrealismus in Ägypten gehört hat. Zur mittleren Generation der Moderne zählen die Abstraktionen der heute 94-jährigen libanesischen Malerin Etel Adnan. Auf Sonderausstellungen des Museums im K21 und K20 geht der Erwerb der Installation "Escapement" (2009) aus Uhren, Lampen und Bildschirmen der indischen Künstlergruppe Raqs Media Collective ebenso zurück wie der Ankauf des Videos "The Horror Show File" (2010) von Wael Shawky. Als einziges Museum in Europa besitzt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen jetzt damit alle drei Kapitel von Shawkys Video-Werk "Cabaret Crusades", in dem der Künstler aus Ägypten Glasmarionetten die mittelalterlichen Kreuzzüge aus arabischer Sicht darstellen lässt.

Foto-Porträts verwundeter Soldaten des Ersten Weltkrieges haben die großformatigen, roh in Holz geschnitzten Köpfe als Vorlage, die der in Paris und Algier lebende Installationskünstler und Documenta-Teilnehmer Kader Attia auf hohe Metallsockel stellt. Die 1972 in der Ost-Türkei geborene Nevin Aladag fügte für ihre beiden von der Landesgalerie angekauften großen Wandbilder west-östliche Teppichstücke zu einem kubistisch anmutenden Puzzle.

In der Nachfolge von Marcel Broodthaers steht der 2018 gestorbene belgische Konzeptkünstler Jef Geys, dessen Holztür mit Rahmen und der Aufschrift "Gleichheit, Fraternité, Vrijheid" (1986) in die NRW-Sammlung kommt. Künstler regionaler Herkunft und von internationaler Anerkennung, die beide bisher im Bestand der Landesgalerie gefehlt haben, sind Blinky Palermo und Ulrich Erben: Palermos plastische Wandarbeit aus einem schwarzen und einem verspiegelten Dreieck von 1973 ist dem Jazz-Pionier Thelonious Monk gewidmet. Die beiden abstrakten Gemälde Erbens "Festlegung des Unbegrenzten" (2015/2018) erscheinen mit ihrem Hell-Dunkel-Verlauf der fein nuancierten Farbflächen wie Ausblicke in die Unendlichkeit.