Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen blickt auf ein lebhaftes und erfolgreiches Jahr zurück. Wir danken allen Besucherinnen und Besuchern für ihr großes Interesse und freuen uns darauf, Sie auch im neuen Jahr als Gast bei uns willkommen zu heißen.

Prof. Dr. Susanne Gaensheimer, Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Foto: Andreas Endermann (Ausschnitt)

Unsere Ziele, die wir mit museum global und dem Open Space bereits 2018 begonnen haben, nämlich die Kunstsammlung zu einem Ort für Begegnungen zu machen und in unserer Ausstellungs- und Sammlungstätigkeit die Perspektive hin zu nicht-westlichen Positionen in der historischen Avantgarde und der Gegenwartskunst zu öffnen, haben wir erfolgreich weitergeführt. Dies spiegelt auch der hohe Zuspruch der Besucherinnen und Besucher wider: Wir konnten die Besucherzahlen zu den Vorjahren verdoppeln. Ganz besonders freut mich, dass es nach der konzeptuellen Neuausrichtung gelungen ist, das K21 als einen engagierten Ort für zeitgenössische Kunst in Düsseldorf zu etablieren.    

Die große Ausstellung von Ai Weiwei feierte den Künstler mit raumfüllenden Installationen in beiden Häusern der Kunstsammlung. Das Eintreten für die Freiheit der Kunst und die Freiheit der Menschen löste ein ungemein großes Echo beim Publikum, der Presse und in den Sozialen Medien aus. Der Erfolg der Ausstellung zeigt, wie relevant und bedeutend Ai Weiweis Kunst mit ihren direkten politischen Botschaften für viele Menschen ist. Nicht weniger bedeutend war im K21 die Ausstellung der in Istanbul lebenden Künstlerin Banu Cenneto?lu, die sich ebenfalls mit politischen Repressionen unserer Zeit befasst. In ihren künstlerischen Arbeiten setzt sie sich mit den politischen, sozialen und medialen Bedingungen heutiger Informationsgesellschaften auseinander und betont die brüchige Vieldeutigkeit medialer Berichterstattung.    

Noch bis zum 1. März 2020 können Sie die Ausstellung "Edvard Munch – gesehen von Karl Ove Knausgård" im K20 besuchen. Sie eröffnet einen ganz neuen Einblick in das künstlerische Schaffen von Edvard Munch, einem der bedeutendsten skandinavischen Vertreter der frühen europäischen Moderne. Die Auswahl mit rund 140 selten oder noch nie in Deutschland gezeigten Werken entstand in enger Zusammenarbeit mit Karl Ove Knausgård, dem international gefeierten norwegischen Autor.    

Diese Ausstellung in der Klee Halle sowie unsere neue Sammlungspräsentation im K20, die wir im Sommer 2019 eingerichtet haben, folgen dem Leitgedanken der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen: unter neuen Blickwinkeln Erkenntnisse für die klassischen Avantgarden, dem Herzstück unserer Sammlung, zu gewinnen. Die Meisterwerke von Paul Klee, Henri Matisse, Pablo Picasso und Georges Braque, der Expressionisten, der Surrealisten und des Nouveau Réalisme treten in Dialog mit Arbeiten aus einem anderen geografischen und zeitlichen Hintergrund. So treffen Bilder von Pablo Picasso auf Skulpturen des französisch-algerischen Künstlers Kader Attia; Gemälde von René Magritte, Max Ernst oder Salvador Dalí begegnen surrealistischen Werken aus dem arabischen Raum.    

Auch andere Erwerbungen bieten neue Perspektiven: Dazu gehören im K20 Farbabstraktionen der libanesischen Dichterin und Malerin Etel Adnan, radikal abstrakte Werke der kubanisch-amerikanischen Künstlerin Carmen Herrera und textile Kompositionen der aus der Türkei stammenden Nevin Alada?. Die Düsseldorfer Kunstszene mit Arbeiten von Katharina Fritsch, Imi Knoebel und Blinky Palermo konnten wir durch eine wichtige frühe Arbeit von Isa Genzken ergänzen. Die Künstlerin begann ihre Laufbahn als internationale Künstlerin ebenfalls in Düsseldorf. Durch eine außergewöhnliche Schenkung an die Freunde der Kunstsammlung zu deren 50-jährigem Jubiläum erreichte uns ein großes Gemälde von Gerhard Richter. "Mauer" aus dem Jahr 1994 erweitert die Werkgruppe des Künstlers um eine bedeutende abstrakte Komposition. Mit Räumen des japanisch-US-amerikanischen Performance-, Installations- und Aktionskünstlers Ei Arakawa und Wolfgang Tillmans haben wir auch im K21 mit einer Neuhängung begonnen, die im nächsten Jahr noch viele weitere Veränderungen und Überraschungen für Sie bereithält.    

Und nun noch ein kurzer Ausblick ins kommende Jahr: Dieses verspricht mit Ausstellungen von Pablo Picasso, Charlotte Posenenske, Thomas Ruff und Hito Steyerl – um nur ein paar Highlights zu nennen – nicht weniger abwechslungsreich zu werden. Und so viel sei schon verraten: Anfang des Jahres werden wir Ihnen unsere neue Webseite vorstellen, die Ihnen vielseitige Möglichkeiten geben wird, unsere Sammlung online zu entdecken.  

Ich wünsche Ihnen und Ihren Freunden noch erholsame Feiertage und freue mich sehr darauf, Sie auch im nächsten Jahr wieder in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen begrüßen zu dürfen!    

Ihre Susanne Gaensheimer