Liebe Leserinnen, liebe Leser,

zu Beginn des Jahres 2019 möchte ich Ihnen berichten, wie sich die beiden Häuser der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen während der vergangenen Monate entwickelt haben – viele von Ihnen haben es beim Besuch unserer Ausstellungen sicher schon bemerkt.

Prof. Dr. Susanne Gaensheimer, Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Foto: Andreas Endermann (Ausschnitt)

Das K21 haben mein Team und ich neu ausgerichtet und strukturell verändert:
Es brauchte mehrere, gut abgestimmte Schritte, um das Ständehaus wieder zu beleben, wobei jetzt vor allem die seit den 1980er Jahren entstandene Sammlung der internationalen Gegenwartskunst dort ihren Platz erhalten hat. Anfang September haben wir nach Umbauten und Neueinrichtung der Räume das "Re-Opening" gefeiert. Für Wechselausstellungen stehen jetzt das weitläufige Untergeschoss und die Bel Etage über dem Haupteingang mit drei Sälen zur Verfügung. Seit Oktober war die chinesische Künstlerin Cao Fei zu Gast, die mit ihren multimedialen Arbeiten aktuelle Themen des globalen Kapitalismus' sowie das Leben in den Metropolen vorgestellt und damit "contemporary China" zu uns nach Düsseldorf gebracht hat.  

Gleich zur Wiedereröffnung des K21 startete in der Bel Etage die amerikanische Künstlerin mit dem Pseudonym Lutz Bacher ihre Ausstellung. Nicht nur ein jüngeres Publikum konnten wir mit diesem Programm begeistern. Den Feuilletons von FAZ und Süddeutscher Zeitung war Lutz Bacher in Düsseldorf einen Aufmacher wert. Die regionale Westdeutsche Zeitung feierte die unkonventionelle Künstlerin, die für ihre Werke gern Fragmente der Populärkultur verwendet, als New Yorker "Punk-Lady", die mit ihren politisch-kritischen Werken das K21 belebt hat.  

Kostenfrei zugängliche Räume der ersten Etage des K21 beherbergen jetzt den "Salon21" sowie das von uns – zusammen mit der Sammlung der Galerie Fischer – erworbene Archiv dieser bedeutenden Düsseldorfer Galerie. Mit Original-Dokumenten von den 1960er Jahren bis heute können sich unsere Besucher in die Aktivitäten der Galerie vertiefen, die besonders während der 1970er Jahre zur internationalen Durchsetzung von Konzept- und Minimalart wesentlich beigetragen hat! Ganz wichtig ist mir auch, dass jetzt wieder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Teams ihre Büros im Ständehaus haben. Nicht zuletzt zählen wir seit dem Herbst im K21 steigende Besucherzahlen. Mit all dem wird deutlich: Das K21 lebt!  

Im K20 zeigen wir noch bis 10. März als Ergebnis des rund dreijährigen Forschungsprojektes "museum global" ausgewählte Mikrogeschichten einer in Europa weithin unbekannten Moderne. Die bisher westlich orientierte Sammlung unseres Hauses provozierte geradezu die Frage, was in der Moderne auf anderen Kontinenten geschehen ist, während die wohlbekannten Werke unserer Sammlung von Matisse über Picasso bis Beuys entstanden sind. So nehmen wir Sie mit auf eine Reise durch Zeit und Raum von Tokio 1910 über Moskau, Mexiko und Brasilien bis ins Nigeria der 1960er Jahre. Besonders spannend entwickelt sich der Dialog zwischen unseren Werken und den vielen kostbaren Leihgaben internationaler Sammlungen. Diese Ausstellung ist für die Kunstsammlung ein wichtiger Schritt und soll bei uns und bei den Besuchern eine deutliche Änderung gegenüber der Kunst und Kultur der Moderne, eben einen neuen, einen globalen Blick auf dieses Thema bewirken. Nicht zuletzt in der neuen Sammlungs-Präsentation im K20 wird dies ab Juni an der neuen Hängung ablesbar sein. Hier werden Sie dann auch erstmals einige der neuen Kunstankäufe des vergangenen Jahres sehen, bei denen wir mit Erwerbungen von Carmen Herrera, Etel Adnan oder Kader Attia einen der Schwerpunkte auf nicht-europäische Künstlerinnen und Künstler gelegt haben.    

Begleitet wird die "museum global"-Präsentation von einem kostenfrei zugänglichen "OPEN SPACE": Über einen zusätzlichen Eingang haben wie die Grabbe Halle zur Stadt geöffnet. Hier bieten wir ein breites Programm mit Vorträgen, mit Film, mit Konzerten oder Gesprächen, damit sich unsere Besucherinnen und Besucher auf diese vielschichtige Ausstellung einstimmen können.  

Natürlich haben wir den genius loci der Kunststadt Düsseldorf nicht übersehen: Das ist an einem Ort wie Düsseldorf überhaupt kein Widerspruch zu unserem internationalen Anspruch, schließlich genießt die hiesige Kunstszene seit langer Zeit internationales Ansehen. Neben der eben erwähnten Galerie Fischer zählt der legendäre Düsseldorfer Galerist Alfred Schmela (1918–1980) zu den bedeutenden Persönlichkeiten, zu den ganz wichtigen Kunstvermittlern am Rhein von europäischem Rang. In seiner damaligen Galerie, die als Schmela Haus heute dritter Standort der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ist, zeigen wir noch bis 20. Januar 2019 eine Ausstellung mit Kunstwerken und Dokumenten, die das ganze Spektrum seiner Aktivitäten von ZERO und Pop Art bis Beuys belegt. Bedeutende Künstler wie Gerhard Richter oder Günther Uecker sind bei ihm schon früh gezeigt worden. Sein 1971 eröffnetes Galeriegebäude steht als Bauwerk des wichtigen niederländischen Architekten Aldo van Eyck übrigens heute unter Denkmalschutz.    

Schließlich haben wir mit der Staatlichen Kunstakademie, der direkten Nachbarin unseres K20, etwas sehr Spannendes vereinbart: Künftig wollen wir jährlich die Werke der Absolventinnen und Absolventen der Akademie im Ständehaus vorstellen. Erstmals hebt sich am 8. Februar 2019 der Premieren-Vorhang im K21 für rund 60 junge Künstlerinnen und Künstler, die uns mit der Qualität ihrer Gemälde, Videos, Skulpturen, Performances oder Fotografien überzeugt haben.  

Lassen Sie mich mit einem kleinen Blick nach vorn auf eines unserer Ausstellungs-Highlights 2019 schon jetzt Ihre Neugierde wecken: Der weltweit agierende Künstler Ai Weiwei plant gerade mit uns seine bisher größte Ausstellung in Europa, die wir gleichzeitig im K20 und K21 zeigen werden. Zentrales Thema der ab 18. Mai 2019 geöffneten Präsentation ist die enge Verklammerung von Politik und Ästhetik im Werk dieses bedeutenden chinesischen Künstlers und Dissidenten, verdeutlicht mit einem neuen Werkkomplex zum Thema Migration als humanitäre Krise. Wir sind sehr gespannt auf diese ungewöhnliche Ausstellung eines Weltstars der zeitgenössischen Kunst in unserem Museum und freuen uns auf Ihr Interesse!  

Susanne Gaensheimer