Pressemeldung: Kunstsammlung und Breuninger bringen Multimedia- Künstler Peter Kogler ins Schaufenster

Erneut wird ein Schaufenster bei Breuninger in Düsseldorf zur Bühne für die zeitgenössische Kunst: Der Wiener Multimediakünstler Peter Kogler verwandelt das Schaufenster in ein illusionistisches Raumlabyrinth, das weit in den Straßenraum wirkt. Für das Kunstwerk ist der komplette Schaufensterraum mit [...]

Erneut wird ein Schaufenster bei Breuninger in Düsseldorf zur Bühne für die zeitgenössische Kunst: Der Wiener Multimediakünstler Peter Kogler verwandelt das Schaufenster in ein illusionistisches Raumlabyrinth, das weit in den Straßenraum wirkt. Für das Kunstwerk ist der komplette Schaufensterraum mit einem labyrinthischen und hypnotisierenden Muster aus in sich verflochtenen "Rohren" ausgekleidet. Koglers künstlerisches Konzept bekommt durch eine besondere Form künstlerischer Zusammenarbeit  eine ganz neue Dimension: Die beiden in München lebenden Künstlerinnen Linnéa Schwarz und Sara Chaparro beleben den ungewöhnlichen Kunst-Ort Schaufenster mit  Live-Performances.

Das vom 21. April bis 6. Mai 2017 zu sehende Schaufenster-Projekt ist die dritte erfolgreiche Kooperation zwischen dem Fashion- und Lifestyle-Unternehmen Breuninger und der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Zuvor hatten die Künstlerinnen Katharina Sieverding und Luka Fineisen mit ihren markanten Werken die Passanten am Düsseldorfer Kö-Bogen überrascht. Oft als "heimliche Nationalgalerie" gefeiert, besitzt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf einen internationalen Ruf vor allem wegen ihrer Meisterwerke der Klassischen Moderne und der US-Nachkriegskunst von Picasso oder Matisse bis Warhol. Gemeinsam mit bedeutenden Werken der Gegenwartskunst ist der Kunstbesitz des Landes NRW an den beiden Standorten K20 Grabbeplatz und K21 Ständehaus zu sehen.   

Gleichzeitig zum Breuninger-Fenster ist im Ständehaus ein K21-Künstlerraum von Peter Kogler mit einem schwarzen Kubus zu erleben (Untitled, 2016). Die betretbare computeranimierte Installation aus Spiegeln und Monitoren erzeugt  kaleidoskopartige abstrakte Bilder und zieht die herkömmliche Raumerfahrung in Zweifel. Unterstrichen wird das Erlebnis durch die Soundinstallation des österreichischen Klangkünstlers Franz Pomassl.   

Kogler, 1959 in Innsbruck geboren, hat die Medien- und Computertechnologie zur Grundlage seiner installativen Werke gemacht. Ein zentraler Aspekt besteht darin, dass der Perfektionismus neuer Technologien mit körperlichen und organischen Motiven konfrontiert und verknüpft wird. Die Röhre als einfaches Grundmodul ist in ihrer seriellen Vervielfachung dabei zum prägnanten Erkennungsmerkmal der Arbeiten des Wiener Künstlers geworden. Die anfangs nur flächigen Arbeiten mit einfachen Zeichen wie Ameisen, Gehirnstrukturen oder Rohrleitungen erweiterte Kogler ab 1999 durch am Computer manipulierte Bilder, Videos und Projektionen. "Wie kaum ein anderer Künstler der Gegenwart findet Kogler damit prägende Bildcodes für unsere zunehmend von Datenströmen und elektronischen Wegen bestimmte Welt und verbindet diese Visualisierung mit einer körperlichen Erfahrung von Desorientierung", hieß es 2010 treffend in einem Katalogtext zur Ausstellung Koglers in der Frankfurter Schirn Kunsthalle.   

Das Kunstwerk ist für Peter Kogler seit langem nicht mehr nur Objekt an der Wand, sondern Architektur. Der öffentliche Raum wird somit zum Träger seiner eindrucksvollen, raumgreifenden Arbeiten: Der Künstler verwandelt Galerien und Museumsräume, aber auch Bahnhofshallen, U-Bahnstationen oder öffentliche Plätze in virtuelle Labyrinthe mit end- und bodenlosen Raumfluchten, die sich dynamisch zu verändern scheinen und den Betrachtern eine neue Raumwahrnehmung ermöglichen.  

Für das Schaufenster bei Breuninger hat Peter Kogler dieses Prinzip nun aufgegriffen und zugleich weiter entwickelt: Die Künstlerinnen Linnéa Schwarz und Sara Chaparro  werden sich bei ihren eigenständigen Aktionen für die Dauer der Laufzeit der Schaufenstergestaltung tagsüber sowie teils auch nach den Öffnungszeiten in dem Schaufenster aufhalten. Der ungewöhnliche, halböffentliche Raum wird zum Wohnraum/Atelier.  

Linnéa Schwarz wird während ihrer Performance in erster Linie mit den Passanten über diverse Social Media-Kanäle kommunizieren. Diesen Akt nutzt sie als künstlerische Reflexion  über private und öffentliche Bilder sowie über das Persönlichkeitsrecht. Das Geschehen im Schaufenster sowie die Reaktion der Passanten draußen vor dem Fenster werden auf Kanälen wie Instagram, Facebook oder Twitter protokolliert und gleichzeitig auf einem Monitor im Fenster übertragen. Eine dritte Ebene der Visualisierung wird von der Künstlerin ins Spiel gebracht, indem sie  die Kommunikation ausdruckt und damit die Wände nach und nach tapeziert. Der statische Raum befindet sich dadurch in ständiger Bewegung und Veränderung. Jeden Morgen wird sich Linnéa Schwarzs zudem auf einen Streifzug durch den Departement Store begeben und neu einkleiden. Ihre Aktion begleitet sie  filmisch, so dass die Passanten dies auf dem Bildschirm im Fenster beobachten können.  

Sara Chaparro behandelt  in ihrem künstlerischen Werk  Fragen der Identität. Ihre visuelle Wahrnehmung von Gegenständen und Passanten wird durch die Technologie des Eye-Tracking aufgezeichnet werden. Ein Lesegerät verfolgt die Blicklenkung, die Linienführung der Augenbewegung ergibt eine Zeichnung, die auf einem weiteren Monitor im Fenster übertragen wird. Darüber hinaus wird sich Sara Chaparro im Breuninger-Atelier einen Herrenanzug maßschneidern lassen und diesen Vorgang filmisch dokumentieren.  

Das prozesshaft angelegte Schaufensterprojekt von Chaparro / Kogler / Schwarz zielt auf eine  Verschmelzung von Innen und Außen, Aktion und Präsentation sowie Privatsphäre und Öffentlichkeit ab; nicht zuletzt mit der Einbeziehung weltweit operierender Kommunikationssysteme wird das Projekt eine eigene Dynamik entwickeln, die sich nicht voraussehen lässt.  

Unter dem Hashtag #Youbiquitous ist der direkte Austausch mit den Künstlerinnen auf den sozialen Netzwerken Facebook, Twitter und Instagram möglich.    


Biografien:
 
Peter Kogler (*1959 in Innsbruck), Professuren an der Akademie der Bildenden Künste Wien (1997-2008) und an der Akademie der Bildenden Künste München (seit 2008). Ausstellungsbeteiligungen und Einzelausstellungen u.a.: Biennale di Venezia, documenta IX, documenta X, MOMA, MUMOK,  Centre Pompidou, Schirn Kunsthalle Frankfurt. Für sein Werk erhielt Peter Kogler zahlreiche Auszeichnungen. Der Künstler lebt und arbeitet in Wien. 
Weiterführende Informationen: http://www.kogler.net  

Sara Chaparro (*1989 in Ávila, Spanien), Absolventin der Freien Kunst an der Universität Complutense Madrid (2007-2012) und Studium an der Akademie der bildenden Künste München. Ausstellungsbeteiligungen u. a.: Verein für Original–Radierung e.V., Instituto Cervantes München, Kaffistofa Nemendagallerí Reykjavík, HBK Saar Galerie Saarbrücken.
Weitere Informationen: www.chaparrosara.com  

Linnéa Schwarz (*1990 Rosenheim), Studium an der Akademie der Bildenden Künste München. Ausstellungsbeteiligungen und Projekte u.a.: ’Komplizen‘ Klasse Kogler - Kuratorenklasse der HbK Saar,  ’Notel Prinzregent' Hotel Prinzregent München, ’München - am Rand’ (Ausstellung der Junge-Leute-Seite der Süddeutschen Zeitung), ’20 x 40 x 55’ Kaffistofa Nemendagallerí Reykjavík, Fabrica Braço de Prata, Lissabon, ’belgrademunich’ Weltraum, München, Videoinstallation, Performance im Rahmen einer performativen Installation von Gabi Blum und Anna McCarthy, Schaustelle Pinakothek der Moderne München.