Peter Kogler: Schaufenster- Projekt und K21 Künstlerraum

Erneut wird ein Schaufenster bei Breuninger in Düsseldorf zur Bühne für die zeitgenössische Kunst: Der Wiener Multimediakünstler Peter Kogler verwandelt das Schaufenster in ein illusionistisches Raumlabyrinth, das weit in den Straßenraum wirkt. Koglers künstlerisches Konzept bekommt durch eine besondere Form künstlerischer Zusammenarbeit eine ganz neue Dimension: Die beiden in München lebenden Künstlerinnen Linnéa Schwarz und Sara Chaparro beleben den ungewöhnlichen Kunst-Ort Schaufenster mit Live-Performances (21. April bis 6. Mai, online unter dem Hashtag #Youbiquitous). Parallel zum Projekt ist seit Mitte April im K21 ein Künstlerraum von Peter Kogler zu sehen. Die betretbare computeranimierte Installation "Untitled" (2016) aus Spiegeln und Monitoren erzeugt kaleidoskopartige abstrakte Bilder und zieht die herkömmliche Raumerfahrung in Zweifel. Unterstrichen wird das Erlebnis durch die Soundinstallation des österreichischen Klangkünstlers Franz Pomassl.

Schaufenster-Kooperation #Youbiquitous bei Breuninger, Foto: Wilfried Meyer

Für das Kunstwerk bei Breuninger ist der komplette Schaufensterraum mit einem labyrinthischen und hypnotisierenden Muster aus in sich verflochtenen "Rohren" ausgekleidet. Das vom 21. April bis 6. Mai 2017 zu sehende Projekt ist die dritte erfolgreiche Kooperation zwischen dem Fashion- und Lifestyle-Unternehmen und der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Zuvor hatten die Künstlerinnen Katharina Sieverding und Luka Fineisen mit ihren markanten Werken die Passanten am Düsseldorfer Kö-Bogen überrascht.

Kogler, 1959 in Innsbruck geboren, hat die Medien- und Computertechnologie zur Grundlage seiner installativen Werke gemacht. Ein zentraler Aspekt besteht darin, dass der Perfektionismus neuer Technologien mit körperlichen und organischen Motiven konfrontiert und verknüpft wird. Die Röhre als einfaches Grundmodul ist in ihrer seriellen Vervielfachung dabei zum prägnanten Erkennungsmerkmal der Arbeiten des Wiener Künstlers geworden. 

Das Kunstwerk ist für Peter Kogler seit langem nicht mehr nur Objekt an der Wand, sondern Architektur. Der öffentliche Raum wird somit zum Träger seiner eindrucksvollen, raumgreifenden Arbeiten: Der Künstler verwandelt Galerien und Museumsräume, aber auch Bahnhofshallen, U-Bahnstationen oder öffentliche Plätze in virtuelle Labyrinthe mit end- und bodenlosen Raumfluchten, die sich dynamisch zu verändern scheinen und den Betrachtern eine neue Raumwahrnehmung ermöglichen.

Sara Chaparro behandelt in ihrem künstlerischen Werk Fragen der Identität. Ihre visuelle Wahrnehmung von Gegenständen und Passanten wird durch die Technologie des Eye-Tracking aufgezeichnet werden. Ein Lesegerät verfolgt die Blicklenkung, die Linienführung der Augenbewegung ergibt eine Zeichnung, die auf einem weiteren Monitor im Fenster übertragen wird. Darüber hinaus wird sich Sara Chaparro im Breuninger-Atelier einen Herrenanzug maßschneidern lassen und diesen Vorgang filmisch dokumentieren.

Das prozesshaft angelegte Schaufensterprojekt von Kogler, Schwarz und Chaparro zielt auf eine  Verschmelzung von Innen und Außen, Aktion und Präsentation sowie Privatsphäre und Öffentlichkeit ab; nicht zuletzt mit der Einbeziehung weltweit operierender Kommunikationssysteme wird das Projekt eine eigene Dynamik entwickeln, die sich nicht voraussehen lässt.

Unter dem Hashtag #Youbiquitous ist der direkte Austausch mit den Künstlerinnen auf den sozialen Netzwerken Facebook, Twitter und Instagram möglich.