Pressemeldung: Miró und Uecker, Agnes Martin und Imi Knoebel

Bedeutende künstlerische Positionen von Joan Miró und Günther Uecker bis zu der Amerikanerin Agnes Martin stehen im Mittelpunkt des Ausstellungsjahres 2015 in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. [...]

Bedeutende künstlerische Positionen von Joan Miró und Günther Uecker bis zu der Amerikanerin Agnes Martin stehen im Mittelpunkt des Ausstellungsjahres 2015 in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Imi Knoebel wird sich auf sehr überraschende Weise in einer Hommage mit dem Werk Kasimir Malewitschs beschäftigen. Mit Elementen christlicher Bildsprache in der zeitgenössischen Kunst setzt sich die große Themenausstellung „The Problem of God“ auseinander, die auf Einladung der Deutschen Bischofskonferenz entsteht.

„Eine überbordende Kreativität, verknüpft mit politischem Engagement auch bei aktuellen gesellschaftlichen Fragen, das ist das verbindende Thema unserer kommenden Ausstellungen“, erklärte die Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Marion Ackermann.

Das Ausstellungsjahr 2015 beginnt mit Uecker (07.02.-10.05.). Aus aktueller Perspektive richtet die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im K20 den Blick auf die verschiedenen Facetten im sehr umfangreichen Werk von Günther Uecker (*1930). Eine konzentrierte Auswahl auf einzelne Werkblöcke gibt Einblick in die Lebendigkeit, die Verwandlung von Sprache in Bilder, die globale Ausrichtung und die unerschöpfliche Energie Ueckers seit den Tagen der ZERO-Gruppe. „Es geht darum, von unserer mittleren Generation aus einen Blick auf die besonders spezifischen, avantgardistischen und bis heute gültigen Aspekte seines Werkes zu richten“, erklärt Marion Ackermann.

In der Grabbe Halle werden Auszüge aus zentralen Arbeiten wie das Terrororchester, der Brief an Peking, die Verletzungsworte, eine Sandmühle sowie geschriebene Bilder gezeigt. In der Klee Halle begegnet der Besucher Ueckers Nagelreliefs aus vielen Jahrzehnten, die eine Biografie in Bildern, Momentaufnahmen seiner künstlerischen und physischen Befindlichkeit darstellen. Dokumentiert ist der nagelnde „Bild-Hauer“, der Aktionskünstler, der politische Mensch, der Poet ebenso wie der Bühnenbildner und Klangkünstler. Seit Jahrzehnten begleitet der Satz „Wo die Sprache versagt, da beginnt das Bild“ Ueckers künstlerisches Schaffen. Immer wiederkehrende Motive wie Spiralen und Reihungen oder Materialien wie Stein, Sand, Erde und Asche verwandelt der Künstler als minimalistische Vokabeln in eine universal lesbare Sprache.

Eine Fortsetzung der 1968-83 erschienenen Uecker-Zeitung lässt junge Kunsthistoriker aus aller Welt (Polen, Russland, China, Israel, Ägypten, Iran, Kuba) zu Wort kommen. Sie gehen der Frage nach, wie das Werk Ueckers in den verschiedenen Kulturen rezipiert wird. Das Blatt wird kostenlos verteilt und ebenso im Internet für alle lesbar sein. Zudem erarbeitet Günther Uecker eigens für die Kunstsammlung eine Edition und ist mit einem Projekt im LABOR vertreten.

Die Ausstellung Miró – Malerei als Poesie (13.06.-27.09.) widmet sich im K20 dem lebenslangen Interesse des Spaniers für die Literatur. Miró pflegte nicht nur Freundschaften zu bedeutenden Dichtern des 20. Jahrhunderts. Er ließ seine künstlerische Fantasie durch die Lektüre beflügeln und verstand sich selbst als »Malerdichter«, der keinerlei Unterschied zwischen den verschiedenen Künsten machte. Erstmals beleuchtet eine Ausstellung dieses Thema umfassend und zeigt damit das Werk Mirós, der mit Literaten wie Paul Eluard, Ezra Pound, Andre Breton oder Tristan Tzara befreundet war, aus einem ganz neuen Blickwinkel. Ausgangspunkt  der  Präsentation ist das Gemälde Sterne im Geschlecht von Schnecken (1925) aus dem Besitz der Kunstsammlung. Wort und Bild gehen hier wie auf vielen seiner Leinwände vieldeutige Verbindungen ein. Miró, im Zusammenhang mit dem Spanischen Bürgerkrieg stark politisiert, schuf zusammen mit seinen Dichterfreunden auch zahlreiche aufwändig gestaltete Künstlerbücher, die ebenfalls ausgestellt werden. Die zunächst im Bucerius Kunst Forum/Hamburg als Kooperationspartner gezeigte Ausstellung ist für Düsseldorf umfangreich ergänzt: So wird hier die Privatbibliothek Mirós mit ihren 1 700 Bänden möglichst umfangreich rekonstruiert zu sehen sein.   

Der russische Suprematist Kasimir Malewitsch und dessen revolutionäres Schwarzes Quadrat hat den in Düsseldorf lebende Künstler Imi Knoebel schon seit langer Zeit stark beeinflusst.  Imi Knoebel – Malewitsch zu Ehren heißt folgerichtig die Schau, die der spätestens durch seine Kathedralenfenster für Reims weithin bekannte Künstler speziell für die Bel Etage im K21 einrichtet (09.05-30.08). Spannend wird nicht nur der Dialog zwischen den minimalistischen Arbeiten des Beuys-Schülers und den Werken Malewitschs. Schon jetzt können Besucher und Freunde der Kunstsammlung auf eine weitere Überraschung gespannt sein.

Unter dem Titel THE PROBLEM OF GOD zeigt die Kunstsammlung im K21 (26.09.-24.01.2016) eine Ausstellung, die sich mit der christlichen Bildsprache in den Werken international bedeutender zeitgenössischer Künstler beschäftigt. Anlass der Präsentation auf Einladung der Deutschen Bischofskonferenz ist das 50jährige Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die etwa 120 Werke stammen von Künstlerinnen und Künstlern wie Eija-Liisa Ahtila, Francis Alÿs, Berlinde de Bruyckere, Francis Bacon, Janett Cardiff, Tacita Dean, Marlene Dumas, Harun Farocki, Katharina Fritsch, Kris Martin, Hermann Nitsch, Robert Rauschenberg, James Turrell und Bill Viola. Sichtbar wird, wie sich Elemente der christlichen Ikonografie als Bestandteil des kollektiven Bild- und Textgedächtnisses vielschichtig und ambivalent in den Kunstwerken wiederfinden. Auffällig viele Arbeiten widersetzen sich dabei einer einfachen Lesart und entfalten komplexe Geschichten und Bilder, die sich ebenso differenziert wie hintergründig mit christlichen Themen oder Fragestellungen auseinandersetzen. Die Ausstellung handelt daher weder von sakraler Kunst noch von Religiosität im Allgemeinen. Der Fokus richtet sich vielmehr auf Arbeiten, die zwar auf christliche Themenfelder Bezug nehmen, diese jedoch kritisch reflektieren, transformieren und in neue inhaltliche wie bildästhetische Zusammenhänge überführen. Auseinandersetzungen mit der kunsthistorischen Bildtradition spielen ebenso eine Rolle wie aktuelle gesellschaftspolitische Probleme.

Die Auswahl konzentriert sich hauptsächlich auf die Kunst der vergangenen 25 Jahre und umfasst Gemälde, Zeichnungen, Collagen, Holzschnitte, Skulpturen, Fotografien und Objekte, Video- und Filmarbeiten sowie komplexe Rauminstallationen. Gut ein Drittel der gezeigten Arbeiten markiert zentrale Positionen der Kunstgeschichte zwischen 1950 und 1980. Sie sind zugleich wichtige Bezugspunkte für die zeitgenössische Kunst insgesamt.

Es ist ein Werk der leisen Töne, das die amerikanische Künstlerin Agnes Martin (1912-2004) seit den 1950er Jahren im Umfeld des Abstrakten Expressionismus und minimalistischer Strömungen entwickelt hat. Der von zwei europäischen und zwei amerikanischen Museen eingerichtete Rückblick, den Kunstsammlung und Tate London gemeinsam eingerichtet haben, würdigt mit rund 150 Gemälden und Zeichnungen das künstlerische Schaffen einer der bemerkenswertesten Malerinnen des 20. Jahrhunderts. Agnes Martin. Eine Retrospektive wird nach der Station in der Tate vom 07.11. bis zum 06.03. 2016 im K20 am Grabbeplatz zu sehen sein und anschließend nach Los Angeles und ins New Yorker Guggenheim Museum weitergehen.

Garantiert sind außergewöhnliche Seherlebnisse auf ein Lebenswerk, das Künstlerinnen und Künstler dieser Generation zwar nachhaltig beeindruckt hat, aber selbst Kunstkennern noch häufig unbekannt ist. Erst 2011 konnte die Kunstsammlung dank eines erfolgreichen Fundraising-Dinners das Gemälde Untitled #5 (1998) von Agnes Martin erwerben, das seitdem die männlich dominierte Kollektion der US-Nachkriegskunst bereichert. Die 1997 in Venedig mit dem Goldenen Löwen geehrte Künstlerin, die schon früh der New Yorker Kunstszene den Rücken gekehrt hat, steht für eine besondere Kreativität, die gerade aus dem Rückzug ihre Kraft bezogen hat, erläutert Kunstsammlungs-Direktorin Ackermann. 

Ebenso wie Günther Uecker wird im kommenden Jahr auch die Trägerin des Goslarer Kaiserrings 2014, Wiebke Siem, ab September (bis Januar 2016) im LABOR vertreten sein. Die Bildhauerin entwickelt hierfür eine interaktive Installation, die im Zusammenhang mit der Sammlung im K20 steht. Siems Werk setzt sich in ironischen Brechungen und aus weiblicher Perspektive mit der künstlerischen Moderne auseinander, vor deren Hintergrund sie eine ganz eigene Position findet.

Selbstverständlich wird auch 2015 das Diskussionsprogramm im künstlerisch gestalteten F3 Schmela Haus ebenso fortgesetzt wie die Reihe der regelmäßig von ausgewählten Künstlerinnen und Künstlern gestalteten Künstlerräume im K21, die sicherlich eine Einmaligkeit in der internationalen Kunstwelt darstellen. Mindestens noch bis zum Frühjahr 2015 ist im K21 Tomás Saracenos riesige Netz-Installation “in orbit“ nicht nur zu sehen, sondern für besonders mutige Kunstfreunde auch zu besteigen.