Pressemeldung: Umfangreiche Malewitsch-Schenkung

Eine umfangreiche Schenkung mit mehr als 40 Werken des russischen Avantgarde-Künstlers Kasimir Malewitsch (1878-1935) erhält die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. [...]

Eine umfangreiche Schenkung mit mehr als 40 Werken des russischen Avantgarde-Künstlers Kasimir Malewitsch (1878-1935) erhält die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Das bedeutende Gemälde Schwarzes Rechteck, rotes Quadrat (um 1915) sowie die 43 Zeichnungen aus allen wichtigen Schaffensphasen des Kunstpioniers waren von dem Sammler Wilhelm Hack erworben worden.  Nun hat die Dr.-Harald-Hack-Stiftung die Malewitsch-Werke der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen überlassen. „Diese überaus großzügige Geste schließt eine empfindliche Lücke in unserem Bestand von Meisterwerken der Klassischen Moderne, unter denen Kasimir Malewitsch bislang gefehlt hat“, sagte Kunstsammlungs-Direktorin Marion Ackermann zu der bisher wertvollsten Schenkung in der über 50jährigen Geschichte des Museums.

Das etwa 83 Zentimeter mal 58 Zentimeter große Ölbild kann zu den Meisterwerken der suprematistischen Phase im Schaffen des Russen gezählt werden und ist im zeitlichen Umfeld seines  legendären Schwarzen Quadrats (1915) entstanden. Das Bild zeigt ein auf weißem Grund schwebendes Rechteck und Quadrat: Es steht damit exemplarisch für den von Malewitsch entwickelten Suprematismus, bei dem – so der russische Künstler - „Kunst nur sich selbst zum Inhalt haben kann….Die ureigenste Idee von der Kunst ist die Gegenstandlosigkeit.“ 

Über die dynamische Organisation von Körpern, Fläche und Farben suchte der Künstler in dieser Zeit die dritte und sogar die vierte Dimension mit den Möglichkeiten der Bildsprache sichtbar zu machen. Ein stilistisch sehr ähnliches Werk Malewitschs („Malerischer Realismus. Junge mit Tornister“/1915)  befindet sich seit 1935 im Museum of Modern Art in New York.

Gleichzeitig überlässt die Hack-Stiftung der NRW-Landesgalerie als Dauerleihgabe Wassily Kandinskys 1913 entstandenes Gemälde Bild mit weißen Linien, das den bisherigen Museums-Besitz an Kandinsky-Werken um einen weiteren wichtigen stilistischen Aspekt bereichert. Ackermann: „Die Übergabe der beiden Bilder und der Zeichnungen bedeutet für uns eine große Auszeichnung, für die wir sehr dankbar sind.“ Besonders die Ausstellung Kandinsky, Malewitsch, Mondrian – Der weiße Abgrund Unendlichkeit im Frühjahr 2014 im K20 „hat mehr als deutlich gemacht, welch große Lücke durch das Fehlen eines Malewitsch-Werkes bisher in unserer Sammlung geklafft hat “, sagte Ackermann. 

Die Gemälde von Kandinsky und Malewitsch waren bisher als Dauerleihgabe im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen ausgestellt.  Aufgrund einer erst kürzlich bekannt gewordenen testamentarischen Verfügung des vor drei Jahren gestorbenen Sohnes von Wilhelm Hack sind die beiden Bilder nun von dort abgezogen worden. Die Dr.-Harald-Hack-Stiftung hatte sich daraufhin entschlossen, die zwei Gemälde ebenso nach Düsseldorf zu geben wie zusätzlich die Malewitsch-Zeichnungen.

Die mit Bleistift auf Papier oder Karton gezeichneten Motive sind etwa zwischen 1911 und 1930 entstanden. Sie zeigen kubofuturistische Menschen-Studien, abstrakt-suprematistische Kompositionen sowie figurative Motive mit suprematistischen Elementen aus den späten Schaffensjahren des russischen Künstlers. Das Konvolut der Zeichnungen deckt nahezu alle wesentlichen Schaffensphasen Malewitschs ab.

Die frühen Arbeiten um 1911/1912 zeigen deutlich, wie Malewitsch Einflüsse des Futurismus mit denen des analytischen Kubismus kombiniert hat. Abgelöst wird diese kubofuturistische Phase bereits 1914 durch eine zunehmend klarere Raumaufteilung und die Reduzierung  kompositorischer Elemente.

Ab 1915 setzt bei Malewitsch die suprematistische Phase ein, zunächst mit einzelnen reinen Formen wie Kreisen und Quadraten. Später verzerren sich die Formen und überlagern sich schließlich. Ab 1916 spricht man vom dynamischen Suprematismus, oder auch vom „Magnetismus“. Die Formen und Linien bündeln sich wie von einem Magneten angezogen. Diese bis 1917 andauernde Phase ist in der Schenkung sehr gut vertreten und gibt einen hervorragenden Einblick in die Denk- und Arbeitsweise des Künstlers.

Ab 1930 kehrte Malewitsch zurück zum Figurativen: Wie sich an den Werken der Schenkung sehr gut ablesen lässt, sind es schematisierte Menschendarstellungen mit  einfachen Formen und ohne Gesichter.

Ihren neuen Malewitsch-Besitz feiert die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen mit der Ausstellung Imi Knoebel – Malewitsch zu Ehren:  Knoebel, der seit vielen Jahren künstlerisch vom Werk Malewitschs inspiriert und fasziniert ist, hat sich einmal mehr von den Abstraktionen des Russen zu einer Reihe von aktuellen, minimalistischen Wand- und Raumarbeiten anregen lassen. Die „Zwiesprache“ der beiden Künstler ist vom 10.5. 2015 bis zum 30.8. 2015 im K21 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zu sehen. 

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und das Wilhelm-Hack-Museum haben miteinander vereinbart, dass die beiden Bilder für künftige Ausstellungen befristet nach Ludwigshafen ausgeliehen werden können.