Dubuffet, Jean
1901 – 1985

1901 geboren in Le Havre
1916 Eintritt in die École des Beaux-Arts, Le Havre
1918–1922 Besuch der Malkurse an der Académie Julian, Paris, die er nach sechs Monaten wieder verlässt; Beschäftigung mit Literatur, Sprachwissenschaft und Musik
1924–1933 gibt die Malerei vorläufig auf
1924–1929 Tätigkeit als Kaufmann in Le Havre
1929 Rückkehr nach Paris, eröffnet eine Weinhandlung
1933 vorübergehende Rückkehr zur Malerei; fertigt Masken und Marionetten
1937 erneute Aufgabe der Malerei und ausschließliche Beschäftigung mit dem Weinhandel
1942 endgültige Rückkehr zur künstlerischen Tätigkeit
1944 erste Einzelausstellung in der Galerie René Drouin, Paris
1947 Ausstellung in der Galerie Pierre Matisse, New York
1947–1949 drei längere Aufenthalte in der Sahara
1951–1952 mehrmonatiger Aufenthalt in New York
1954 erste Retrospektive in der Galerie Cercle Volney, Paris
1955 lässt sich in Vence nieder, wo er bis 1961 mehrere Monate des Jahres arbeitet
1959 Teilnahme an der „documenta 2“, Kassel ebenso an der „documenta 3“ sowie der „documenta 4“
1960–1962 Retrospektiven in Hannover, Zürich, Paris und New York
1967 Veröffentlichung der gesammelten Schriften „Prospectus et tous écrits suivants“; Arbeit an architektonischen Projekten
1972–1973 das begehbare Labyrinth „Jardin d’Email“ im Kröller-Müller Museum, Otterlo, entsteht
1973 Retrospektive im Guggenheim Museum, New York und im Grand Palais, Paris
1984 verfasst seine Autobiografie
1985 stirbt Jean Dubuffet in Paris

Selection

René Drouin: mains ouvertes / René Drouin mit offenen Händen, 1946

Mischtechnik mit Leinwand
100 x 88 cm


©Jean Dubuffet, VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Walter Klein, Düsseldorf

Von August 1946 bis September 1947 arbeitete Jean Dubuffet an einer Serie von Bildnissen bekannter Pariser Intellektueller, vor allem von Schriftstellern und Malern. Bei dem Porträt des Kunsthändlers René Drouin wählte er wie bei fast allen seinen Bildnissen die Dreiviertelansicht.

Ein großer runder Kopf sitzt auf einem schmalen Rumpf, von dem sich in erstarrter Pose die Hände abspreizen. Dubuffet stellt hier den malerischen Prozess in den Vordergrund. Beigemischtes Material wie Kalk, Gips, Zement und Sand lassen die Oberflächenstruktur an verwitterten Putz erinnern. Das in den reliefartigen Malgrund gezeichnete und geritzte fratzenhafte Porträt ist nicht karikierend gemeint, vielmehr reduzierte Dubuffet seine Modelle auf eine elementare, menschliche Gestalt, um die Phantasie und Vorstellungskraft des Betrachters anzuregen. Indem Dubuffet sich auf das Wesentliche konzentriert, gelingt ihm die Balance zwischen dem Allgemeinen und Besonderen und seine Porträts lassen sich eindeutig bestimmten Personen zuordnen.