Nauman, Bruce
*1941

1941 geboren in Fort Wayne
1960–64 Studium der Mathematik, später der Bildenden Kunst an der University of Wisconsin, Madison
1965–66 Studium an der University of California, Davis
1966 erste Einzelausstellung in der Nicholas Wilder Gallery, Los Angeles
1968 Teilnahme an der „documenta 4“, Kassel
1972 Einzelausstellung im Los Angeles County Museum of Art
1972 Teilnahme an der „documenta 5“, Kassel
1980 Teilnahme an der „39. Biennale“, Venedig
1982 Teilnahme an der „documenta7“, Kassel
1992 Teilnahme an der „documenta 9“, Kassel
1999 Teilnahme an der „48. Biennale“, Venedig
2003 Einzelausstellung in der Deutschen Guggenheim, Berlin
2005 Teilnahme an der „51. Biennale“, Venedig
2006 Ausstellungen in Tate Liverpool; NRW-Forum, Düsseldorf
2007 erstmals in Europa, Skulptur „one hundred fish fountain“ wird gezeigt von kestnergesellschaft, Hannover; Teilnahme „Skulptur.Projekte“, Münster
2008 Einzelausstellung im Museu Serralves, Porto
2010 Retrospektive im Hamburger Bahnhof
2012 Ausstellung im Institute of Contemporary Arts, London
2018 Einzelausstellung im Schaulager Münchenstein, Basel und Museum of Modern Art, New York

Bruce Nauman lebt und arbeitet in Galisteo, New Mexico

Auswahl

Art Make Up 1 – 4 (Nr. 1 White 1967; Nr. 2 Pink 1967/68; Nr. 3 Green 1967/68; Nr. 4 Black 1967/68), 1967/68

Einkanal-Video, 4-teilig, Farbe, ohne Ton, 16mm-Film auf DVD übertragen
4x 10 Min.


©Bruce Nauman, VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Die Arbeit „Art Make Up“ des US-Amerikaners Bruce Nauman besteht aus vier zehnminütigen Filmsequenzen, die den Künstler bei einer sich langsam vollziehenden Handlung zeigen. Aus einer gleichbleibenden Kameraperspektive sieht man Nauman, wie er mit bloßen Händen seinen unbekleideten Oberkörper und sein Gesicht nacheinander mit weißer, rosa, grüner sowie schwarzer Farbe einreibt.

Indem Nauman seinen Körper zum Bildträger macht und auf diesem die Farben wie ein „Make-up“ aufträgt, vollzieht er eine Gratwanderung zwischen Ent- und Verhüllung. Einerseits unterstreicht er durch den performativen Akt des Bemalens das fundamentale Wesen des Künstlers als Schöpfer, andererseits greift er durch seine Maskierung mit „Make-up“ auf ein Mittel der Verschleierung zurück. Dementsprechend erklärte Nauman in einem Interview: „Die Arbeit setzt sich zusammen aus dem, was gegeben, und dem, was vorenthalten wird.“ Durch die sich über das Schminken vollziehende Verwandlung verweist Nauman nicht zuletzt auf die Schwierigkeit, Identität zu definieren. Damit berührt er eine zentrale Intention seines Schaffens: die Erkundung der Bedingungen des menschlichen Daseins.

Six Sound Problems for Konrad Fischer (# 122), 1968

Tonbandgerät mit sechs Tapes, Stuhl mit Stift/Text. Bleistift/Tusche auf Papier
Maße variabel/48,5 x 63 cm


©Bruce Nauman, VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf

In seinem umfangreichen Werk aus Zeichnungen, Texten, Plastiken und Neonlichtskulpturen, Videos, Installationen, Soundpieces ergründet Bruce Nauman die Bedingungen der menschlichen Existenz. In Deutschland ist Bruce Nauman vor allem durch seine fünffache documenta-Teilnahme (1968, 1972, 1977, 1982, 1992) und durch seine langjährige Verbundenheit mit der Galerie Fischer bekannt geworden.

Die in 1968 verwirklichte Soundinstallation ist für Naumans Ausstellung „6 Day Week. 6 Sound Problems“ in der Galerie Fischer entstanden und thematisiert durch das Abspielen von unterschiedlichen, vom Künstler ausgeführten akustischen Übungen den Raum der Galerie selbst. An sechs Öffnungstagen der Ausstellung werden sechs verschiedene Handlungen akustisch wiedergegeben, wie in der Galerie spazieren, an der Wand der Galerie Bälle prellen lassen oder Violine spielen, usw. Zu dem Raumkonzept gehört auch eine Textarbeit von Nauman, in der der Künstler die Audio-Aktionen erläutert.

Sketch for Untitled (Model for tunnel made up of leftover parts of other projects), 1979–1980

Filzstift auf Papier, Entwurfszeichnung
36,7 x 54,5 cm


Erworben 2017

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf

Diese Arbeit gehört zu dem Konvolut der insgesamt sechs Arbeiten aus der Sammlung Dorothee und Konrad Fischer, die durch die finanzielle Hilfe vieler Förderer für die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen gesichert wurden.

Mit dem Erwerb der Sammlung Dorothee und Konrad Fischer sowie des Archivs der Galerie in den Jahren 2013 bis 2017 ergänzte die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ihre Kollektion an US-amerikanischen Gemälden um Arbeiten der Concept Art und Minimal Art. Für den internationalen Durchbruch dieser Kunstströmungen steht wie wenige andere Konrad Fischer. Ab den 1960er Jahren machte er seine Galerie in Düsseldorf zum Treffpunkt von Künstlern, Kuratoren und Sammlern. Mit ihrem Wirken leisteten Dorothee und Konrad Fischer einen Beitrag zum Verständnis der Kunstentwicklung in einer Zeit gesellschaftlicher Neuorientierung nach 1945. Die Beziehungen und die fruchtbaren Dialoge zwischen Künstlern und Galerist sind in den Materialien des Archivs der Galerie nachvollziehbar und geben wertvolle Einblicke in den Prozess des Entstehens und der Umsetzung künstlerischer Ideen.

Den Erwerb ermöglichten zahlreiche öffentliche und private Förderer. Unterstützung leisteten das Land NRW, die Kulturstiftung der Länder, die Kunststiftung NRW, Jann Beyen, die Freunde der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Ernst von Siemens Kunststiftung sowie die Familie Fischer.


Zu den Künstlerinnen und Künstlern der Sammlung gehören unter anderen Carl André, Lothar Baumgarten, Bernd und Hilla Becher, Daniel Buren, Dan Flavin, Hanne Darboven, Jan Dibbets, Gilbert & George, On Kawara, Jannis Kounellis, Sol LeWitt, Mario Merz, Bruce Nauman, Giuseppe Penone, Gregor Schneider, Thomas Schütte, Paloma Varga Weisz, Lawrence Weiner.