Nolde, Emil
1867 – 1956

1867 geboren unter dem Namen Emil Hansen in Nolde, Nordschleswig
1888−1891 in München, Karlsruhe und Berlin; Tätigkeit in einer Möbelfabrik als Ornamententwerfer und Schnitzer; Besuch der Kunstgewerbeschule in Berlin
1892−1898 Zeichenlehrer am Industrie- und Gewerbemuseum St. Gallen
1898−1899 Studien bei Friedrich Fehr und Adolf Hölzel in München
1899−1900 Studium an der Académie Julien, Paris
1905 erste Ausstellung in der Galerie Arnold, Dresden
1906 Mitglied der Künstlervereinigung „Die Brücke“
1910 Mitbegründer der „Neuen Sezession“ in Berlin
1912 Teilnahme an der zweiten Ausstellung „Der Blaue Reiter“ in München und an der „Sonderbund-Ausstellung“ in Köln
1913−1914 Teilnahme an einer Südsee-Expedition
1916 Übersiedlung von Alsen nach Utenwarf bei Tondern; verbringt die Winter bis 1940 in Berlin
1926 Ehrendoktor der Universität Kiel
1928 große Ausstellung in der Kunsthalle Basel
1931 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste
1933 das Ehepaar Nolde reagiert begeistert auf die Regierungsübernahme der Nationalsozialisten und erhofft sich von Adolf Hitler die Ernennung Noldes zum Staatskünstler.
1937 in der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München werden Werke Noldes diffamiert, Bilder aus Deutschen Museen werden beschlagnahmt; Ausstellung in der Curt Valentin Gallery, New York
1941 Ausstellungs-, Verkaufs- und Malverbot
1949 Stefan-Lochner-Medaille der Stadt Köln
1952 Großer internationaler Preis für Grafik der „26. Biennale“, Venedig; Orden Pour le Mérite; Kulturpreis der Stadt Kiel
1956 stirbt Emil Nolde in Seebüll, der große Preis für Malerei der „28. Biennale“ von Venedig kann ihm nicht mehr verliehen werden

Frauen und Pierrot, 1917

Öl auf Leinwand
100,5 x 86,5 cm


Emil Nolde ©Nolde Stiftung Seebüll 2020, Foto: Walter Klein, Düsseldorf

Emil Nolde sympathisierte mit den Vorstellungen der expressionistischen Künstlergemeinschaft „Brücke“ um Ernst Ludwig Kirchner, war aber kein festes Mitglied der Gruppe. Hinter einer naturverbundenen und scheinbar naiven Haltung verbarg der Künstler den kunsthistorisch, literarisch und philosophisch geschulten Beobachter. 

„Frauen und Pierrot“ aus dem Kriegsjahr 1917 wirkt wie ein sarkastischer Kommentar zu den Schrecken der Zeit, in der Ausgelassenheit und Sorglosigkeit keinen Platz im Alltag hatten. Die Einzigartigkeit des farbintensiven Werkes resultiert aus dem ungewöhnlichen Bildausschnitt, der den Betrachter mit dem Geschehen unmittelbar konfrontiert. Vor einem kleinwüchsigen Mann agieren zwei stark geschminkte Frauen, deren nackte Oberkörper im krassen Gegensatz zum hochgeschlossenen Kostüm des Pierrots stehen. Die Frauen sollen den Betrachter durch ihre laszive Ausgelassenheit faszinieren. Für Nolde repräsentieren sie das Ursprüngliche, in dem er wie andere Künstler eine Antwort auf die Entfremdung der Zeit zu finden suchte. Die zu Fratzen entstellten Gesichter sind aber auch als Sinnbilder zerstörter Persönlichkeiten und als Indiz für die Krise des Individuums zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu verstehen.