Braque, Georges
1882 – 1963

1882 geboren in Argenteuil-sur-Seine
1897–1899 Besuch der Abendklassen an der Kunstschule und Lehre bei einem Dekorationsmaler in Le Havre
1900 Übersiedlung nach Paris
1902–1903 Ausbildung an der Académie Humbert; Freundschaft mit Raoul Dufy, Othon Friesz, Marie Laurencin und Francis Picabia
1905 Anschluss an die Gruppe der Fauves
1907 Exklusivvertrag mit der Galerie Kahnweiler; erste Begegnung mit Pablo Picasso in dessen Atelier, wo Braque die „Demoiselles d‘Avignon“ sieht
1908 erste Einzelausstellung bei Kahnweiler; Beginn der Freundschaft und des engen Dialogs mit Pablo Picasso
1913 Teilnahme an der „Armory Show” in New York
1933 erste Retrospektive in der Kunsthalle Basel
1937 Carnegie-Preis in Pittsburgh
1948 Großer Preis für Malerei bei der „24. Biennale“, Venedig
1948–1949 große Retrospektive im Museum von Cleveland und im Museum of Modern Art, New York
1949–1956 Serie der acht großen Atelier-Bilder
1958 Feltrinelli-Preis, Rom
1961 Retrospektive „L‘Atelier de Braque“ im Louvre, Paris
1963 stirbt Georges Braque in Paris

L’atelier II / Atelier II, 1949

Öl auf Leinwand
131 x 162,5 cm


©Georges Braque, VG Bild-Kunst, 2020, Foto: Walter Klein, Düsseldorf

Das Bild ist eines von insgesamt acht Atelier-Bildern, die einen Höhepunkt im Spätwerk Georges Braques bilden. An den meisten Atelier-Bildern arbeitete der Künstler länger als ein Jahr, „L’atelier II“ entstand in einer konzentrierten Phase innerhalb weniger Monate. Der Maler führt den Betrachter in die Produktionsstätte und damit ins Innerste und Allerheiligste seiner Kunst und seiner Ideenwelt.

In allen Darstellungen der Atelier-Serie zeigt er sein Studio als fensterlosen Raum, sozusagen als Metapher eines geschlossenen eigenen Systems, wie es auch seine Kunst darstellt. Thematisch greift Braque mit dem Stillleben das sicherlich wichtigste Thema seiner Kunst auf. Versammelt sind Utensilien des Malers wie Palette und Staffelei sowie aus seinen Stillleben bekannte Gegenstände wie Tisch, Vase, Obstschale, der Kopf einer griechischen Plastik und schließlich ein großer Vogel. Auffällig ist die komplexe räumliche Struktur von „L’atelier II“. Obgleich das Dunkel des Bildgrundes einen einheitlichen großen Raum suggeriert, bewirken die zahlreichen vertikalen Linien und Streifen eine Aufsplitterung des Raumes, die an die kubistische Bildsprache erinnert. Die vertikale Gliederung im oberen rechten Bereich des Bildes lässt an einen Vorhang denken, der von einem durch das Atelier streifenden Windhauch bewegt wird und damit luftigen, freien Raum andeutet, durch den der Vogel schwebt. Über die Vermittlung des Raumgefühls hinaus steht der Vogel in den Atelier-Bildern Braques für die Freiheit eines geistigen, metaphysischen Raumes, den nur die Kunst erschließen kann.

Nature morte, harpe et violon / Stillleben mit Harfe und Violine, 1911

Öl auf Leinwand
116,3 x 81,5 x 2,2 cm


©Georges Braque, VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Walter Klein, Düsseldorf

Das Stillleben entstand im Herbst 1911 im französischen Céret, wo sich auch Picasso aufhielt.  Als neues Element des künstlerischen Austauschs integrieren beide Künstler erstmals „reale“ Typografie in ihre Bilder. 

Deutlich lesbar sind die Buchstaben EMPS – ein Verweis sowohl auf die Tageszeitung „Temps“ als auch auf die Zeit an sich. Das fehlende „T“ signalisiert das Prinzip Fragmentierung, das alle Bildmotive prägt. „Stillleben mit Harfe und Violine“ markiert die Hochphase des sogenannten analytischen Kubismus. Die intensive Analyse des Gegenstands führte zur Zerlegung gegenständlicher Formen in kleinteilige, rhythmisierte, in Linie und Flächen gebrochene Strukturen.