Bissier, Julius
1893 – 1965

1893 geboren in Freiburg im Breisgau
1913 Studium der Kunstgeschichte an der Universität Freiburg
1914 Studium der Malerei an der Kunstakademie Karlsruhe
1914−1918 Militärdienst
1918−1939 lebt in Freiburg
1928 Goldene Medaille Düsseldorf; Malerei-Preis bei der Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes, Hannover
1929 Beginn der Freundschaft mit Willi Baumeister
1929−1933 Lehrtätigkeit an der Universität in Freiburg
1930 Reise nach Paris, Begegnung mit Constantin Brâncuși
1933−1943 enge Freundschaft mit Oskar Schlemmer
1934 Vernichtung des Werkes beim Brand der Freiburger Universität
1939 Übersiedlung nach Hagnau am Bodensee
1959 Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf
1960 Kunstpreis der Stadt Berlin
1961 Ehrenmitglied der Kunstakademie Nürnberg und der Akademie der Künste Berlin; Übersiedlung nach Ascona
1962 Preis der belgischen Kunstkritik
1964 Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
1965 stirbt Julius Bissier in Ascona

Auswahl

37 Befruchtungssymbol I (Cista), 1937

Tusche auf Japanpapier
25 x 16,6 cm


Julius Bissier ©Archivio Bissier, Ascona/VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Walter Klein, Düsseldorf

Die Freundschaft mit dem Freiburger Sinologen Ernst Grosse, der Julius Bissier in die Philosophie und Kunst Ostasiens eingeführt hatte, war ein entscheidender Impuls zu seinen schwarzweißen Tuschen. 

Die in kleinem Format entstandenen Arbeiten wurden für lange Zeit sein ausschließliches Medium. Auch als Bissier 1937 „37 Befruchtungssymbol I (Cista)“ malte, lebte er in völliger Zurückgezogenheit und hatte weder Aussicht auf Erfolg noch eine Ausstellungsmöglichkeit. Der Künstler umfährt mit breitem, zweimal geknicktem Pinselzug die von den etruskischen, zylindrischen Urnen hergeleitete Hohlform, in die sich das voll ausgemalte Ei senkt. Der runde Körper und der kantige Hohlraum sind in ihrer Gegensätzlichkeit aufeinander bezogen. Bissiers in Tusche hingeschriebene Zeichen gehen auf seine Beschäftigung mit den Schriften des Basler Rechts- und Kulturhistorikers Johann Jacob Bachofen zurück. Vor allem Bachofens Schrift „Versuch über die Gräbersymbolik der Alten mit ihrem Reservoir an Fruchtbarkeitssymbolen“ wurde zur Inspirationsquelle. Darstellungen, die sich auf die von Bachofen gedeuteten Grabsymbole beziehen, sind überwiegend Zeugungs- und Fruchtbarkeitssymbole wie die „Cista“ (Kiste) als Symbol für das Empfangen und Bergen des Samens, das Ei als Sinnbild des Lebenskeimes oder Symbol des Kreislaufes.

8. Oct. 58 Ascona, 1958

Eitempera auf Leinen
17,5 x 26,8 cm


Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Foto: Walter Klein, Düsseldorf

13.Jan.65, 1965

Aquarell auf Papier
16 x 20 cm


Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Foto: Walter Klein, Düsseldorf