Beckmann, Max
1884 – 1950

1884 geboren in Leipzig
1900−1903 Besuch der Kunstschule in Weimar
1903−1904 Aufenthalte in Paris, Amsterdam und Frankfurt
1904−1915 Wohnsitz in Berlin
1906 erste Teilnahme an der Ausstellung der Berliner Sezession
1906−1907 erhält den Villa Romana Preis in Florenz
1913 erste Ausstellung in den USA
1914 Mitbegründer der „Freien Sezession Berlin“
1914−1915 arbeitet als Transportbegleiter und Krankenpfleger im Ersten Weltkrieg; psychischer Zusammenbruch
1915−1933 Wohnsitz in Frankfurt
1925−1933 Professur an der Städelschen Kunstschule in Frankfurt am Main
1926 erste Einzelausstellung in den USA
1930 Teilnahme an der „17. Biennale“, Venedig
1931 erste Einzelausstellung in Paris
1933 Umzug nach Berlin, Entlassung aus dem Lehramt nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten
1937 Beschlagnahmeaktion „Entartete Kunst“; Emigration nach Amsterdam
1938 Teilnahme an der Gruppenausstellung „Exhibition of 20th Century German Art“ in London; Aufenthalt in Paris
1939 erster Preis der „Golden Gate International Exhibition“, San Francisco
1947 Lehrauftrag in Saint Louis, USA
1948 Umzug in die Vereinigten Staaten, Fortsetzung der Lehraufträge
1950 Ehrendoktorwürde der Washington University, Saint Louis
1950 stirbt Max Beckmann in New York

Die Nacht, 1918/1919

Öl auf Leinwand
133 x 154 cm


©Max Beckmann, VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Walter Klein, Düsseldorf

Das Werk „Die Nacht“ ist der Abschluss eines grundlegenden stilistischen Wandels im Schaffen von Max Beckmann und markiert seinen Eintritt in die künstlerische Avantgarde Europas. Die Schilderung des brutalen Mordes an einer Familie ist zu verstehen als Widerhall der ausweglosen gesellschaftlichen Bedingungen unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkriegs. 

Denn aufgrund der präzisen Datierung „August 18 - März 19“ am unteren Bildrand ist das Werk im Zusammenhang mit den militärischen und politischen Zeitereignissen zu sehen. Alle Personen scheinen auf beängstigende Weise im zwanghaften Ablauf des Geschehens gefangen. Der komplexe Aufbau aus spitzen Winkeln und gliedernden Diagonalen erschließt sich erst bei näherer Betrachtung. Beckmann nennt seinen künstlerischen Stil „Transzendente Sachlichkeit“. Darin finden sich Übernahmen aus der spätmittelalterlichen Tafelmalerei sowie Details, die auf die Auseinandersetzung mit dem Formenrepertoire der Kubisten zurückgehen. Mit seiner individuellen Bildsprache setzte sich Beckmann von seinen Künstlerkollegen ab, deren utopisches Potenzial aus seiner Sicht zu stark mit nostalgischen Momenten und romantischen Idealen durchsetzt war.