Aladağ, Nevin
*1972

1972 geboren in Van, Türkei
1993–1999 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München
2000 Diplom der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München
2003 erste Einzelausstellung, Freeze-spin, Künstlerhaus Bethanien, Berlin
2004 George Maciunas Förderpreis, Wiesbaden
2005 Arbeitsstipendium des Kunstfonds Bonn
Atelierstipendium der Künstlerstätte Schloss Bleckede, Lüneburg
2007 Förderpreis GASAG Berliner Gaswerke AG
Aufenthaltsstipendium DIVA, Kopenhagen, Dänemark
Einzelausstellung, All Over Rythm, Kunsthalle Palazzo, Liestal, Schweiz
2008 Einzelausstellung, Nevin Aladag, Outlet, Istanbul, Türkei
2011 Stipendium der ZF Kunststiftung, Friedrichshafen

Nevin Aladağ lebt und arbeitet in Berlin

Auswahl

Social Fabric, pink bow, 2018

Verschiedene Teppichstücke auf Holz
250 x 150 cm


Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Galerie Wentrup, Berlin

Im Werk der Künstlerin Nevin Aladağ spielt der Teppich eine zentrale Rolle. Die Künstlerin lässt ihn als meterlange „Teppichläufer“ vom hochgelegenen Fenster eines Hauses hinab weit auf die Straße „laufen“, umkleidet Säulen mit Teppichen oder zeigt Performances und Spiele mit von Teppichen umkleideten Bällen. 

Wenn Nevin Aladağ ihre Collagen aus Teppichen unterschiedlichster Herkunft als „Social Fabric“ bezeichnet, spannt sie ein weites Feld der Assoziationen und Bezüge auf. Die vielfältig geformten, farblich differenzierten und gemusterten Teile – von geknoteten Kelims, geknüpften oder gewebten Woll- und Seidenteppichen, maschinell produziertem Sisal oder Tretford bis hin zur einfachen Auslegeware – nutzt sie wie Splitter, die sich zu einem neuen Ganzen fügen. Die Grenzen, oder Nähte, zwischen den Teilen sind durch eine einheitliche Farbe markiert und betonen die Konturen der Teppichstücke. Es ist eine faszinierende Ordnung, die sich aus der verwirrenden Buntheit herauskristallisiert: das Geviert des Bildformats, die große Formen umschreibenden Linien, die diesen zugeordneten kleineren Formen und schließlich die einzelnen Farb- und Musterformen selbst. Grenzen werden gesetzt und überschritten. Die Untertitel heben ein spezielles Zusammenspiel der Farben, eine Bewegungsrichtung oder eine prägnante Form hervor. „Social Fabric, pink bow“ gehört mit „Social Fabric, pink arrow“ zu den größten Bildern der Werkgruppe. Pfeil und Bogen treten als Formen deutlich hervor: Ihre Konturen sind in leuchtendem Pink eingefasst, die Binnenfarbe (oben grau, unten rot) verbindet sie über den Bildrand hinaus. Der Pfeil von „Social Fabric, pink arrow“ und „pink bow“ zielt also weit über die materielle Collage hinaus. Insofern sind sie ein zeitgenössischer Kommentar, der anknüpft an die facettenreiche Geschichte der (Material-)Collage (Kurt Schwitters, Max Ernst, Picasso etc.) und eine aktuelle künstlerische Position an der Schnittstelle verschiedener Kulturen.

Social Fabric, pink arrow, 2018

Verschiedene Teppichstücke auf Holz
250 x 150 cm


Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Galerie Wentrup, Berlin