Dalí, Salvador
1904 – 1989

1904 geboren in Figueres, Spanien
1921–1926 Studium der Malerei, Bildhauerei und Zeichenkunst an der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando in Madrid
1923 einjähriger Ausschluss aus San Fernando wegen Aufwiegelung der Studenten
1925 erste Einzelausstellung in der Galerie Dalmau, Barcelona
1926 endgültiger Ausschluss aus der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando; erste Reise nach Paris, wo er Pablo Picasso trifft
1928 arbeitet mit Luis Buñuel am Drehbuch des Films „Un chien andalou“
1929 zweiter Aufenthalt in Paris, Joan Miró stellt ihm André Breton und andere Surrealisten vor; erste Ausstellung in Paris in der Galerie Goemans
1933 erste Einzelausstellungen in der Julien Levy Gallery in New York
1934 Verurteilung durch die surrealistische Bewegung; erste Reise nach New York
1939 in London Zusammentreffen mit Sigmund Freud; Übersiedlung nach Arcachon
1940 emigriert nach New York
1941 Retrospektive im Museum of Modern Art, New York und acht weiteren Stationen in den USA
1948 Rückkehr nach Spanien, Port Lligat
1964 erhält das Gran Cruz de Isabel la Católica
1965 Retrospektive in der Gallery of Modern Art, New York
1970 Beginn der Arbeiten am Dalí-Museum in Figueres; Retrospektive im Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam mit anschließender Station in der Staatlichen Kunsthalle in Baden-Baden
1974 Eröffnung des Teatro-Museo Dalí in Figueres
1979 Retrospektive im Centre Pompidou, Paris
1980 Retrospektive in der Tate Gallery, London
1982 wird durch König Juan Carlos I. zum Grafen von Púbol ernannt
1989 stirbt Salvador Dalí in Figueres

Le cabinet anthropomorphique / Der anthropomorphe Kabinettschrank, 1936

Öl auf Holz
25,4x44,2 cm


Salvador Dalí ©Fundació Gala Salvador Dalí/ VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Walter Klein, Düsseldorf

Das Bild der liegenden weiblichen Figur malte Salvador Dalí in London als Gast des Sammlers Edward James. In flackerndes Licht getaucht, blickt die Frau versunken in Schubladen, die aus ihrem Körper herausgezogen sind. Rechts oben öffnet sich der Blick in eine hell beleuchtete Straßenszene, die effektvoll mit dem Dunkel des Innenraums kontrastiert. 

Die irritierende Darstellung des aufgebrochenen Frauenkörpers steht in krassem Gegensatz zu der altmeisterlichen Manier, in der Dalí die kleine Holztafel bemalte. Er, der dezidierte Antimodernist, griff bewusst auf Stilmittel der Alten Meister zurück. „Le cabinet anthropomorphique“ war für Dalí ein „Sinnbild der Psychoanalyse“. In bewusster Abwendung von ihrer Umwelt konzentriert sich die Frau auf die Betrachtung ihres „Innenlebens“, auf die Geheimnisse, die in den Schubladen verborgen sind und die, so der von Dalí bewunderte Sigmund Freud, nur die Psychoanalyse zu enträtseln vermag. Das Bild des von Schubladen zersetzten Frauenkörpers zieht sich seit 1934 wie ein roter Faden durch die Bildwelten des Spaniers, der dieses Bild auch in sein plastisches Werk übertrug: Mit der „Venus von Milo mit Schubladen“ schuf Dalí, ebenfalls 1936, seine surrealistische Interpretation der antiken Göttin.