Shawky, Wael
*1971

1971 geboren in Alexandria
1994 Bachelor of Fine Arts an der Universität Alexandria
2001 Master of Fine Arts an der Graduate School of Fine Arts, an der Universität Pennsylvania
2003 Teilnahme an der „50. Biennale“, Venedig
2010 gründet das Bildungszentrum MASS Alexandria
2011 erhält Kunstpreis der Schering Stiftung, Berlin; Teilnehmer der Istanbul Biennale; Einzelausstellung im Nottingham Contemporary
2012 Teilnahme an der „documenta 13“; Kassel
2014 Einzelausstellung und der Film „The Secrets of Karbalaa“ entsteht in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
2015 Einzelausstellung im MoMA PS1, New York; Arab Museum of Modern Art, Ar-Rayyan, Katar
2016 Einzelausstellung im Kunsthaus Bregenz

Wael Shawky lebt und arbeitet in Alexandria

Auswahl

Cabaret Crusades: The Secrets of Karbalaa, 2015

Ein-Kanal-HD-Video, Farbe, 5.1 Dolby Surround Sound-System, Edition 2/7, 2 AP (Arabisch mit englischen Untertiteln)
120 Minuten


Erworben 2016 von der Stiftung Junge Kunst e.V.

Erworben von der Stiftung Junge Kunst im Jahr 2016 © Courtesy the artist and Sfeir-Semler Gallery Beirut/Hamburg

Die Wechselwirkungen zwischen Religion und Politik sowie die gesellschaftliche Rezeption von Ereignissen sind Themen, die der ägyptische Künstler Wael Shawky in seinen Video- und Installationsarbeiten untersucht. Zwischen 2010 und 2014 widmete er die drei Filme der Cabaret Crusades (The Horror Show File; The Path to Cairo; The Secrets of Karbala) der Geschichte der Kreuzzüge, einem Thema, das durch die fortbestehenden Konflikte und Kriege um die Stadt Jerusalem auch heute noch, über 1000 Jahre später, höchst aktuell ist. Ausgehend von der Schlacht von Karbala (680 n. Chr.) erzählt Shawky aus arabischer Sicht: Aus dieser anderen Perspektive wird die im Westen vertraute Geschichte von der „Befreiung“ Jerusalems zu einer Chronik von Massenmord, Plünderung und Machtstreben. An Schnüren geführte Marionetten aus Glas agieren buchstäblich wie ferngesteuert und verkörpern gewissermaßen Fragen nach der Möglichkeit politischen Handelns, nach Macht und Manipulation. Die Stiftung Junge Kunst hat die Dreharbeiten in K20 finanziell unterstützt und dafür eine Edition des Films erhalten.

The interdependencies between religion and politics, as well as the social reception of events, are themes that the Egyptian artist Wael Shawky explores in his videos and installations. Between 2010 and 2014, he dedicated the three Cabaret Crusades films (The Horror Show File, The Path to Cairo, and The Secrets of Karbala) to the history of the Crusades, a theme that is still highly topical today, more than 1000 years later, due to the ongoing conflicts and wars over the city of Jerusalem. Based on the Battle of Karbala (680 C.E.), Shawky tells the story from an Arab point of view: From this other perspective, the story of the “liberation” of Jerusalem, which is familiar in the West, becomes a chronicle of mass murder, looting, and the lust for power. Glass marionettes on strings act literally as though by remote control, embodying questions about the possibility of political action, power, and manipulation. The Stiftung Junge Kunst financially supported the shooting of the films in K20 and received one edition of the film in return.

Cabaret Crusades: The Horror Show File, 2010

HD Video, (35mm auf DVD übertragen), Farbe, Ton (arabisch mit englischen Untertiteln)
Dauer: 31:49 Minuten, Edition 2/7


Erworben 2018

Der ägyptische Künstler Wael Shawky (*1971) greift in seiner „Cabaret Crusades“ – Filmtrilogie (2010-2015) mit den mittelalterlichen Kreuzzügen ein Thema auf, das durch die andauernden Konflikte im Nahen Osten auch nach beinahe tausend Jahren aktuell ist. Jerusalem, Damaskus oder Aleppo heißen heute wie damals die Schauplätze blutiger Konflikte, die im Namen von Religion, Ideologie und Wirtschaftsinteressen im Nahen Osten geführt werden. Bei Shawky spielen Marionetten kindlich und grausam zugleich die historischen Ereignisse nach. Vom späten 11. bis ins 13. Jahrhundert zogen auf Geheiß des Papstes Scharen von Kreuzrittern aus Mitteleuropa in Richtung Jerusalem. In erbitterten Kämpfen gegen die Muslime versuchten sie, das Heilige Land unter christliche Herrschaft zu bringen.

Bei der theatralischen Umsetzung der Ereignisse folgt Shawky dem 1983 erschienenen Buch des französisch-libanesischen Romanciers Amin Maalouf, „Der Heilige Krieg der Barbaren. Die Kreuzzüge aus der Sicht der Araber“. Konsequent lässt Shawky alle Beteiligte, auch den Papst und die Kreuzritter, klassisches Hocharabisch (mit englischen Untertiteln) sprechen. Die Geschichte des ersten großen Zusammenpralls zwischen Abend- und Morgenland gerät bei Shawky zu einer düsteren kabarettistischen Nummernrevue. Begleitet von einem Musik-Mix aus eigenen Kompositionen, Gesängen arabischer Perlenfischer und ägyptischer Elektromusik reihen sich die Szenen an den unterschiedlichen Schauplätzen aneinander. Intrigen, Verrat, Mord und Totschlag bestimmen die Lage. Doch wer zieht die Fäden der Geschichte? Die an Schnüren geführten, wie ferngesteuert wirkenden Marionetten verkörpern Fragen nach der Möglichkeit politischen Handelns, nach Macht und Manipulation.

Nach dem 2012 erfolgten Ankauf des zweiten Teils der „Cabaret Crusades“ und der im Rahmen von Wael Shawkys K20-Ausstellung (6.9.2014 bis 04.01.2015) realisierten Produktion des anschließend in die Sammlung übernommenen dritten Teils, gelangte im Jahr 2018 mit dem Ankauf des Films „The Horror Show File“ die komplette Cabaret Crusades-Filmtrilogie in den Bestand der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, die damit als einziges Museum alle drei Teile von Wael Shawkys Cabaret Crusades in seiner Sammlung bewahrt.

Zugleich erweitert sich mit diesem Erwerb der Bestand an Werken in der Kunstsammlung aus dem nicht-europäischen Kulturraum, um den Horizont der lange Zeit auf den westlichen Kanon ausgerichteten Ankaufspolitik zu weiten.