Sasnal, Wilhelm
*1972

1972 geboren in Tarnów, Polen
1992–1994 Studium der Architektur an der Technischen Universität Krakau
1994–1999 Studium der Malerei an der Krakauer Akademie der Schönen Künste
2003 erste Einzelausstellung in der Anton Kern Gallery, New York
2006 gewinnt den Vincent Award, Amsterdam
2009 Einzelausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf; Hauser & Wirth, Zürich; CAC – Centro de Arte Contemporàneo, Malaga
2012 große Einzelausstellung im Haus der Kunst, München

Wilhelm Sasnal lebt und arbeitet in Krakau

Auswahl

Untitled (Hiena), 2008

Öl auf Leinwand
200 × 200 cm


Erworben 2010

Erworben durch die Freunde der Kunstsammlung im Jahr 2010 © Wilhelm Sasnal. Courtesy the artist, Foksal Gallery Foundation, Warsaw and Hauser & Wirth

Die Spannbreite der Themen und der malerischen Ansätze im Werk von Wilhelm Sasnal ist verblüffend groß. Die vier für die Kunstsammlung erworbenen Gemälde zeigen die scheinbare Divergenz und die unmittelbar ansprechende Kraft seiner Arbeit sehr deutlich. Ein vermeintlich abstraktes Bild wie Ein Augenlid ist in Wirklichkeit eine radikale Innensicht, versucht es doch die vibrierenden Farbvisionen hinter den geschlossenen, aber auf eine Lichtquelle gerichteten Augen zu bannen. In denkbar großem stilistischem Kontrast hierzu steht Unbetitelt (Hiena), ein fotorealistisch präzise dargestelltes modernistisches Interieur, das einen aufgebahrten toten Katzenkörper zeigt: Der Versuch, einer familiären Tragödie ein Bild zu geben. Ein ähnlicher Kontrast entfaltet sich zwischen In der Kapuze und Kielce. Das eine zeigt den Blick aus einer zugezogenen Kapuze und pendelt so zwischen der Abkapselung einer Ich-Welt und ihrer Begegnung mit dem Außenraum. Das andere verweist auf Sasnals wiederkehrende Beschäftigung mit dem, was man die Fortdauer des Vergangenen nennen könnte. Es zeigt die inzwischen abgerissene Skischanze in der Stadt Kielce, die mit einem jüdischen Ghetto Teil des nationalsozialistischen Vernichtungssystems im zweiten Weltkrieg, aber ebenso ein Zentrum des polnische Widerstands und 1946 der Ort eines Pogroms gegen Holocaust-Überlebende war. Dieser Überfülle belastender Geschichte nähert sich Sasnal jedoch nicht direkt, sondern über den Umweg eines ebenso melancholischen wie lapidaren Landschaftsbildes. Die Bilder wurden von den Freunden 2010 aus einer Ausstellung des Künstlers im K21 erworben.

The range of themes and painterly approaches in Wilhelm Sasnal’s oeuvre is remarkably wide. The four paintings acquired for the Kunstsammlung clearly demonstrate the apparent divergence and immediately appealing power of his work. An ostensibly abstract painting such as An Eyelid is, in reality, a radical inner view, attempting to capture the vibrant visions of color behind closed eyes directed at a source of light. In stylistic contrast to this is Untitled (Hiena), a photo-realistically precise modernist interior depicting the body of a dead cat: the attempt to lend a visible form to a family tragedy. A similar contrast unfolds between In the Hood and Kielce. One depicts the view from a closed hood and thus oscillates between the encapsulation of the world of an ego and its encounter with the space outside. The other refers to Sasnal’s recurring preoccupation with what might be called the continuation of the past. It depicts the now demolished ski jump in the city of Kielce, which, with a Jewish ghetto, was part of the National Socialist extermination system during World War II, but also a center of Polish resistance and, in 1946, the site of a pogrom against Holocaust survivors. Sasnal does not approach this abundance of incriminating history directly, but rather through the detour of a landscape that is as melancholic as it is lapidary. The paintings were acquired by the Friends in 2010 from an exhibition of works by the artist in K21.

An Eyelid, 2004

Öl auf Leinwand
55 × 75 cm


Erworben 2010

Erworben durch die Freunde der Kunstsammlung im Jahr 2010 © Wilhelm Sasnal. Courtesy the artist, Foksal Gallery Foundation, Warsaw and Hauser & Wirth

Die Spannbreite der Themen und der malerischen Ansätze im Werk von Wilhelm Sasnal ist verblüffend groß. Die vier für die Kunstsammlung erworbenen Gemälde zeigen die scheinbare Divergenz und die unmittelbar ansprechende Kraft seiner Arbeit sehr deutlich. Ein vermeintlich abstraktes Bild wie Ein Augenlid ist in Wirklichkeit eine radikale Innensicht, versucht es doch die vibrierenden Farbvisionen hinter den geschlossenen, aber auf eine Lichtquelle gerichteten Augen zu bannen. In denkbar großem stilistischem Kontrast hierzu steht Unbetitelt (Hiena), ein fotorealistisch präzise dargestelltes modernistisches Interieur, das einen aufgebahrten toten Katzenkörper zeigt: Der Versuch, einer familiären Tragödie ein Bild zu geben. Ein ähnlicher Kontrast entfaltet sich zwischen In der Kapuze und Kielce. Das eine zeigt den Blick aus einer zugezogenen Kapuze und pendelt so zwischen der Abkapselung einer Ich-Welt und ihrer Begegnung mit dem Außenraum. Das andere verweist auf Sasnals wiederkehrende Beschäftigung mit dem, was man die Fortdauer des Vergangenen nennen könnte. Es zeigt die inzwischen abgerissene Skischanze in der Stadt Kielce, die mit einem jüdischen Ghetto Teil des nationalsozialistischen Vernichtungssystems im zweiten Weltkrieg, aber ebenso ein Zentrum des polnische Widerstands und 1946 der Ort eines Pogroms gegen Holocaust-Überlebende war. Dieser Überfülle belastender Geschichte nähert sich Sasnal jedoch nicht direkt, sondern über den Umweg eines ebenso melancholischen wie lapidaren Landschaftsbildes. Die Bilder wurden von den Freunden 2010 aus einer Ausstellung des Künstlers im K21 erworben.

The range of themes and painterly approaches in Wilhelm Sasnal’s oeuvre is remarkably wide. The four paintings acquired for the Kunstsammlung clearly demonstrate the apparent divergence and immediately appealing power of his work. An ostensibly abstract painting such as An Eyelid is, in reality, a radical inner view, attempting to capture the vibrant visions of color behind closed eyes directed at a source of light. In stylistic contrast to this is Untitled (Hiena), a photo-realistically precise modernist interior depicting the body of a dead cat: the attempt to lend a visible form to a family tragedy. A similar contrast unfolds between In the Hood and Kielce. One depicts the view from a closed hood and thus oscillates between the encapsulation of the world of an ego and its encounter with the space outside. The other refers to Sasnal’s recurring preoccupation with what might be called the continuation of the past. It depicts the now demolished ski jump in the city of Kielce, which, with a Jewish ghetto, was part of the National Socialist extermination system during World War II, but also a center of Polish resistance and, in 1946, the site of a pogrom against Holocaust survivors. Sasnal does not approach this abundance of incriminating history directly, but rather through the detour of a landscape that is as melancholic as it is lapidary. The paintings were acquired by the Friends in 2010 from an exhibition of works by the artist in K21.

In the Hood, 2003

Öl auf Leinwand
50 × 50 cm


Erworben 2010

Erworben durch die Freunde der Kunstsammlung im Jahr 2010 © Wilhelm Sasnal. Courtesy the artist, Foksal Gallery Foundation, Warsaw and Hauser & Wirth

Die Spannbreite der Themen und der malerischen Ansätze im Werk von Wilhelm Sasnal ist verblüffend groß. Die vier für die Kunstsammlung erworbenen Gemälde zeigen die scheinbare Divergenz und die unmittelbar ansprechende Kraft seiner Arbeit sehr deutlich. Ein vermeintlich abstraktes Bild wie Ein Augenlid ist in Wirklichkeit eine radikale Innensicht, versucht es doch die vibrierenden Farbvisionen hinter den geschlossenen, aber auf eine Lichtquelle gerichteten Augen zu bannen. In denkbar großem stilistischem Kontrast hierzu steht Unbetitelt (Hiena), ein fotorealistisch präzise dargestelltes modernistisches Interieur, das einen aufgebahrten toten Katzenkörper zeigt: Der Versuch, einer familiären Tragödie ein Bild zu geben. Ein ähnlicher Kontrast entfaltet sich zwischen In der Kapuze und Kielce. Das eine zeigt den Blick aus einer zugezogenen Kapuze und pendelt so zwischen der Abkapselung einer Ich-Welt und ihrer Begegnung mit dem Außenraum. Das andere verweist auf Sasnals wiederkehrende Beschäftigung mit dem, was man die Fortdauer des Vergangenen nennen könnte. Es zeigt die inzwischen abgerissene Skischanze in der Stadt Kielce, die mit einem jüdischen Ghetto Teil des nationalsozialistischen Vernichtungssystems im zweiten Weltkrieg, aber ebenso ein Zentrum des polnische Widerstands und 1946 der Ort eines Pogroms gegen Holocaust-Überlebende war. Dieser Überfülle belastender Geschichte nähert sich Sasnal jedoch nicht direkt, sondern über den Umweg eines ebenso melancholischen wie lapidaren Landschaftsbildes. Die Bilder wurden von den Freunden 2010 aus einer Ausstellung des Künstlers im K21 erworben.

The range of themes and painterly approaches in Wilhelm Sasnal’s oeuvre is remarkably wide. The four paintings acquired for the Kunstsammlung clearly demonstrate the apparent divergence and immediately appealing power of his work. An ostensibly abstract painting such as An Eyelid is, in reality, a radical inner view, attempting to capture the vibrant visions of color behind closed eyes directed at a source of light. In stylistic contrast to this is Untitled (Hiena), a photo-realistically precise modernist interior depicting the body of a dead cat: the attempt to lend a visible form to a family tragedy. A similar contrast unfolds between In the Hood and Kielce. One depicts the view from a closed hood and thus oscillates between the encapsulation of the world of an ego and its encounter with the space outside. The other refers to Sasnal’s recurring preoccupation with what might be called the continuation of the past. It depicts the now demolished ski jump in the city of Kielce, which, with a Jewish ghetto, was part of the National Socialist extermination system during World War II, but also a center of Polish resistance and, in 1946, the site of a pogrom against Holocaust survivors. Sasnal does not approach this abundance of incriminating history directly, but rather through the detour of a landscape that is as melancholic as it is lapidary. The paintings were acquired by the Friends in 2010 from an exhibition of works by the artist in K21.

Kielce, 2003

Öl auf Leinwand
145 × 145 cm


Erworben 2010

Erworben durch die Freunde der Kunstsammlung im Jahr 2010 © Wilhelm Sasnal. Courtesy the artist, Foksal Gallery Foundation, Warsaw and Hauser & Wirth

Die Spannbreite der Themen und der malerischen Ansätze im Werk von Wilhelm Sasnal ist verblüffend groß. Die vier für die Kunstsammlung erworbenen Gemälde zeigen die scheinbare Divergenz und die unmittelbar ansprechende Kraft seiner Arbeit sehr deutlich. Ein vermeintlich abstraktes Bild wie Ein Augenlid ist in Wirklichkeit eine radikale Innensicht, versucht es doch die vibrierenden Farbvisionen hinter den geschlossenen, aber auf eine Lichtquelle gerichteten Augen zu bannen. In denkbar großem stilistischem Kontrast hierzu steht Unbetitelt (Hiena), ein fotorealistisch präzise dargestelltes modernistisches Interieur, das einen aufgebahrten toten Katzenkörper zeigt: Der Versuch, einer familiären Tragödie ein Bild zu geben. Ein ähnlicher Kontrast entfaltet sich zwischen In der Kapuze und Kielce. Das eine zeigt den Blick aus einer zugezogenen Kapuze und pendelt so zwischen der Abkapselung einer Ich-Welt und ihrer Begegnung mit dem Außenraum. Das andere verweist auf Sasnals wiederkehrende Beschäftigung mit dem, was man die Fortdauer des Vergangenen nennen könnte. Es zeigt die inzwischen abgerissene Skischanze in der Stadt Kielce, die mit einem jüdischen Ghetto Teil des nationalsozialistischen Vernichtungssystems im zweiten Weltkrieg, aber ebenso ein Zentrum des polnische Widerstands und 1946 der Ort eines Pogroms gegen Holocaust-Überlebende war. Dieser Überfülle belastender Geschichte nähert sich Sasnal jedoch nicht direkt, sondern über den Umweg eines ebenso melancholischen wie lapidaren Landschaftsbildes. Die Bilder wurden von den Freunden 2010 aus einer Ausstellung des Künstlers im K21 erworben.

The range of themes and painterly approaches in Wilhelm Sasnal’s oeuvre is remarkably wide. The four paintings acquired for the Kunstsammlung clearly demonstrate the apparent divergence and immediately appealing power of his work. An ostensibly abstract painting such as An Eyelid is, in reality, a radical inner view, attempting to capture the vibrant visions of color behind closed eyes directed at a source of light. In stylistic contrast to this is Untitled (Hiena), a photo-realistically precise modernist interior depicting the body of a dead cat: the attempt to lend a visible form to a family tragedy. A similar contrast unfolds between In the Hood and Kielce. One depicts the view from a closed hood and thus oscillates between the encapsulation of the world of an ego and its encounter with the space outside. The other refers to Sasnal’s recurring preoccupation with what might be called the continuation of the past. It depicts the now demolished ski jump in the city of Kielce, which, with a Jewish ghetto, was part of the National Socialist extermination system during World War II, but also a center of Polish resistance and, in 1946, the site of a pogrom against Holocaust survivors. Sasnal does not approach this abundance of incriminating history directly, but rather through the detour of a landscape that is as melancholic as it is lapidary. The paintings were acquired by the Friends in 2010 from an exhibition of works by the artist in K21.