Kentridge, William
*1955

1955 geboren in Johannesburg, Südafrika
1973−1976 Studium von Politikwissenschaft und African Studies in Johannesburg
1975−1991 Mitglied der Junction Avenue Theatre Company in Johannesburg
1976−1980 Kunststudium und Lehrauftrag an der Johannesburg Art Foundation
1979 erste Einzelausstellung The Market Gallery, Johannesburg
1981−1982 Studium an der Pantomimen- und Theaterschule Jacques Lecoq in Paris
1987 Einzelausstellung in der Durban Art Gallery, Durban
1993 Teilnahme an der „45. Biennale“
1997 Teilnahme der der „documenta 10“, Kassel
1998 Retrospektive Palais des Beaux Arts, Brüssel
1999 Teilnahme an der „48. Biennale“, Venedig
2002 Teilnahme an der „documenta 11“, Kassel
2003 Verleihung des Kaiserrings in Goslar
2003−2005 Einzelausstellungen im Castello di Rivoli, Turin; K20 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
2005 Teilnahme an der „51. Biennale“, Venedig
2013−2014 Einzelausstellung im Metropolitan Museum of Art, New York; Johannesburg Art Gallery; Institute of Contemporary Art, Boston, Massachusetts
2018 Einzelausstellung im Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt
2019 Einzelausstellung im Kunstmuseum Basel

William Kentridge lebt und arbeitet in Johannesburg

Tide Table / Gezeitenkalender, 2003

Video, 9 Min.


©Wiliam Kentridge, 2020

Das ruhige und gleichmäßige Rauschen des Meeres begleitet die ersten Sequenzen von William Kentridges Animationsfilm „Tide Table“, der auf stetig überarbeiteten und dabei gefilmten Kohlezeichnungen basiert. 

An einem Strand ruht in einem Liegestuhl der Unternehmer Soho Eckstein, um den sich verschiedene kleinere Geschichten abspielen, die wie Gedanken oder Erinnerungen eingeblendet werden. Badende, eine Gruppe Gläubiger, spielende Kinder u. a. treten in Erscheinung, um in der nächsten Szene von Kranken, Offizieren oder schwankenden Börsenkursen abgelöst zu werden. Die Gegenüberstellung der Auf- und Abwärtsbewegungen des Lebens scheint das Bewusstsein des Protagonisten Eckstein nicht zu berühren. Eckstein sitzt dösend oder Zeitung lesend in seinem Liegestuhl. Es entsteht der Eindruck, dass die menschlichen und politischen Schicksale in Südafrika, der Heimat von William Kentridge, dicht miteinander verwoben sind. Die sich permanent bewegenden Bilder werden untermalt von verschiedenen Musikstücken, die als melodische Erläuterungen der Szenerien fungieren und dem Film eine stimmungsvolle Atmosphäre verleihen. Mit den zentralen Mitteln des klassischen Filmtheaters und vielseitigen kunsthistorischen Bezügen beschreibt Kentridge in „Tide Table“ somit die fundamentalen Veränderungen der südafrikanischen Gesellschaft, entwirft dabei aber zugleich auch ein allgemeingültiges Bild vom unaufhörlichen Fluss des Lebens.