Struth, Thomas
*1954

1954 geboren in Geldern am Niederrhein
1973−1980 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf
1978 New York-Stipendium der Kunstakademie Düsseldorf; erste Einzelausstellung P.S.1, New York
1980 erste Ausstellung in der Galerie Rüdiger Schöttle, München
1987 Einzelausstellung in der Kunsthalle Bern
1990 Teilnahme an der „44. Biennale“, Venedig
1992 Teilnahme an der „documenta 9“, Kassel
1993−1996 Professur an der Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe
1997 Spectrum. Internationaler Preis für Photographie, Stiftung Niedersachsen
2002−2003 Retrospektive im Metropolitan Museum of Art, New York, mit weiteren Stationen in Dallas, Los Angeles und Chicago
2010−2011 Retrospektive in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, mit weiteren Stationen im Kunsthaus Zürich und der Whitechapel Gallery, London
2014 Einzelausstellung im  Metropolitan Museum of Art, New York
2016 Einzelausstellung im Museum Folkwang, Essen; im Martin-Gropius-Bau, Berlin; im High Museum of Art, Atlanta
2017 Einzelausstellung im Haus der Kunst, München
2019 Einzelausstellung im Guggenheim Museum, Bilbao

Thomas Struth lebt und arbeitet in Berlin

Auswahl

Paradise 09 Xi Shuang Banna, Yunnan Province, China, 1999

Edition 3/6, C-Print
269,5 x 339,5 cm


Thomas Struth ©Thomas Struth, Foto: Walter Klein, Düsseldorf

Seit Ende der 1970er-Jahre arbeitet Thomas Struth in Reihen, in denen er verschiedene Bildgenres untersucht. Neben urbaner Architektur, Porträts und Museumsbildern steht die Landschaftsserie „Paradise“, die Fotografien aus scheinbar unberührten Wäldern in China, Japan, Australien und Europa umfasst.

Sie zeigt den Urwald als unberührte und undurchdringliche Natur, deren Tiefe sich dem Betrachter verschließt. Indem Struth auf raumbildende Elemente verzichtet, werden die Unzugänglichkeit und die chaotischen, sich gegenseitig durchdringenden Strukturen der Natur noch gesteigert. Der Bildausschnitt wurde so gewählt, dass der Blick am Dickicht der Vegetation hängen bleibt und nicht in die Tiefen des Raumes dringen kann. Wie in seinen anderen Themengruppen interessiert sich Struth für die Erkundung und ästhetisch-visuelle Umsetzung des kulturellen oder natürlichen Umraumes, dessen komplexes Erscheinungsbild er herausstreichen möchte. Bei „Paradise“ steht dem Betrachter die Landschaft fremd und unzugänglich gegenüber und lockt gleichzeitig mit dem Versprechen eines ursprünglichen Paradieses, das in unserer bis fast in den letzten Winkel erforschten Welt allerdings trügerisch ist.

Semi Submersible Rig, DSME Shipyard, Geoje Island, 2007

C-Print, Edition, 5/6
270 × 340 cm, gerahmt 280 x 349 cm


Erworben 2011

Erworben durch die Freunde der Kunstsammlung im Jahr 2011 © Thomas Struth, 2020

Technologische Sujets und Industrieanlagen sind Motive einer Werkgruppe, an der Thomas Struth seit 2007 arbeitet. Semi Submersible Rig zeigt eine im Hafen der südkoreanischen Insel Geoje vertäute Halbtaucher-Bohrinsel. Wie dünne Fäden wirken die stabilen Stahlseile, die den Koloss – einen schlummernden Riesen – sichern und zugleich den Blick in die Tiefe des Bildraums ziehen. Unabhängig von ihrer souveränen Gestaltung leisten die Arbeiten von Struth immer auch einen Beitrag zu der Frage nach der moralischen Verantwortung des Einzelnen in unserer von der Globalisierung bestimmten Lebenswelt. Hier beispielsweise klingt an, wie stark unser tägliches Leben von Rohstoffen abhängig ist, die unter extremen Belastungen für Mensch und Umwelt gefördert werden. 2011 von den Freunden erworben, war die Arbeit zuvor in einer umfassenden Ausstellung des Künstlers im K20 zu sehen.

Technological subjects and industrial plants are the motifs of a group of works on which Thomas Struth has been working since 2007. Semi Submersible Rig depicts a drilling platform moored in the port of the South Korean island of Geoje. The strong steel cables that secure the colossus—a sleeping giant—and at the same time draw the viewer’s gaze into the depths of the pictorial space appear at first glance like thin threads. Irrespective of their astute design, Struth’s works always make a contribution to the question of the moral responsibility of the individual in our globalized world. Here, for example, there is a hint of the extent to which our daily lives depend on raw materials that are extracted under extreme conditions for mankind and the environment. Acquired by the Friends in 2011, the work was previously shown in a comprehensive exhibition dedicated to the artist at K20.