Kunstsammlung
Nordrhein-Westfalen

Ausstellung

„Everything is art. Everything is politics“, so brachte der international bekannte Gegenwartskünstler Ai Weiwei das Grundprinzip seiner Arbeitsweise auf den Punkt. Dieses Motto „Alles ist Kunst, alles ist Politik“ ist auch Leitmotiv seiner bisher größten Ausstellung in Europa, die die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen gleichzeitig im K20 und im K21 zeigt.

Raumfüllende Arbeiten und großflächige Bildtapeten aus den vergangenen vier Jahrzehnten verwandeln die Museumsräume in dichte, begehbare Installationen, in denen die Widersprüche unserer Gegenwart plastisch werden.

Aktuell

Verlängerte Öffnungszeiten in der letzten Ausstellungswoche
(27.8. – 1.9.2019)

Während der letzten Ausstellungswoche verlängert das Museum in beiden Häusern K20 und K21 die Öffnungszeiten durchgängig bis 20.00 Uhr.

Die öffentlichen Führungen sind leider alle ausgebucht.

Kalender.


Straight, 2008-2012, Installationsansicht K20, Foto: Achim Kukulies
Straight (2015), Video, Image courtesy of Ai Weiwei Studio
Sunflower Seeds, 2010, Detail, Tate Modern, London, 2010. Image courtesy of Ai Weiwei Studio
Sunflower Seeds, 2010, Produktion, Image courtesy of Ai Weiwei Studio
Sunflower Seeds (2010), Zodiac (2018), I.O.U. Wallpaper (2011-2013), Installationsansicht, Klee Halle, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Foto: Achim Kukulies

Ausstellung im K20

In den großen Ausstellungshallen des K20 werden die beiden Schlüsselwerke „Straight“ (2008 – 2012) und „Sunflower Seeds“ (2010) zum ersten Mal in ihrer vollständigen Form gemeinsam in einer Ausstellung gezeigt.

Die beiden tonnenschweren Arbeiten fragen nach der Stellung des Einzelnen in der Gesellschaft. In einem totalitären Staat hat diese Frage besonderes Gewicht. Für Ai Weiwei, der in der Verbannung aufwuchs, war es seit frühester Jugend eine zentrale Lebensfrage. Die Ausstellung im K20 verdeutlicht, dass die im Ausstellungsraum sichtbaren künstlerischen Arbeiten  immer im Zusammenhang mit dem aktiven politischen Engagement des Künstlers zu sehen sind: „Straight“ erzählt von der Bürgerinitiative, die Ai Weiwei gründete, um die Namen der beim Erdbeben von Sichuan getöteten Kinder in Erfahrung zu bringen, die in den billig errichteten Schulgebäuden ums Leben kamen. Die mit „Sunflower Seeds“ gemeinsam gezeigte Wandtapete „I.O.U“ mit den zigtausend Schuldscheinen ist ein Dokument des persönlichen Risikos, das Ai Weiwei mit seiner Kritik an der chinesischen Regierung einging.

Straight, 2008-2012

Die noch nie zuvor in Europa vollständig gezeigte Installation „Straight“ besteht aus 164 Tonnen Armierungseisen, die Ai Weiwei nach dem verheerenden Erdbeben von Sichuan 2008 aus eingestürzten Schulgebäuden bergen ließ. Tausende Schulkinder verloren damals ihr Leben unter den Trümmern. In einem zeitaufwendigen Prozess wurden die verbogenen Stahlstäbe wieder geradegebogen – daher auch der englische Titel „Straight“, der so viel wie „zurechtgerückt“ oder „geradeheraus“ meinen kann. Die große Menge des Materials ist eine massive Mahnung an die Katastrophe und den Verdacht, dass Schlamperei, Verantwortungslosigkeit und Korruption Gründe für den Einsturz der Schulgebäude waren.

Im K20 in Düsseldorf präsentiert der Künstler das Werk in einer neuen Form. Das vollständige Material der ursprünglichen Installation zeigt er nun in geöffneten  Transportkisten, deren Anordnung dem Verlauf einer seismographischen Linie folgt. Mit diesem Raumbild sind sowohl die Zweifel angesichts des wieder zur Verfügung gestellten  Materials als auch Trauer im Hinblick aufgereihter Särge assoziierbar.

Sunflower Seeds, 2010

Das weitläufige Meer aus Sonnenblumenkernen entstand in einem langjährigen Arbeitsprozess. Über 60 Millionen handgefertigte und individuell bemalte Sonnenblumenkerne aus chinesischem Porzellan wurden in Jingdezhen, einer traditionsreichen Produktionsstätte für Porzellan, hergestellt. Nun liegen sie ausgebreitet auf den fast 650 Quadratmetern in der Klee Halle im K20.

Ai Weiwei untersucht bei seiner Arbeit „Sunflower Seeds“ die Rolle des traditionellen Handwerks im Zeitalter von Massenproduktion und Globalisierung. Der Sonnenblumenkern spielt darüber hinaus auf eine politische Symbolik an: Mao Zedong (ehemaliger Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas), ließ sich auf Plakaten oftmals mit einer großen Sonne im Hintergrund darstellen. Die chinesische Bevölkerung sollte sich nach ihrem großen Vorsitzenden ausrichten, wie die Sonnenblume nach der Sonne.

I.O.U. Wallpaper, 2011-2013

Das Feld aus Sonnenblumenkernen ist umgeben von einer fortlaufenden Wandtapete, die über 13.000 Schuldscheine in chinesischer Sprache abbildet. „I.O.U.“ steht in diesem Zusammenhang für die umgangssprachliche Abkürzung von „I owe you“ („Ich schulde dir“).

Nachdem Ai Weiwei 81 Tage in Haft verbrachte, wurde nach der Freilassung von seiner Firma die umgehende Begleichung einer Steuerschuld von umgerechnet 1,7 Millionen Euro verlangt. Dank privater Spenden aus der ganzen Welt konnte diese Summe bezahlt werden. Im Gegenzug hat Ai Weiwei die künstlerisch gestalteten Schuldscheine entworfen, die hier als Wandtapete gezeigt werden. Darauf sind neben den Namen der Spender auch Sonnenblumenkerne und Alpaka-Briefmarken zu erkennen, die symbolisch für die Spendensumme stehen. Sämtliche Spenden wurden von Ai Weiwei zurückgezahlt.

Die vielen Spenderinnen und Spender, die sich für Ai Weiweis Bemühungen um Transparenz und Gerechtigkeit in China einsetzten, korrespondieren hier insofern mit den 60 Millionen Sonnenblumenkernen in der Klee Halle.


Zodiac, 2018

Auf der Tapete „I.O.U.“ im K20 präsentiert Ai Weiwei zwölf quadratische Bildobjekte aus Legosteinen, die sich wie digitale Pixel zu chinesischen Tierköpfen verbinden. Sie zeigen die chinesischen Tierkreiszeichen vor berühmten Bauwerken.

Es handelt sich dabei um eine Auseinandersetzung mit zwölf Brunnenfiguren aus dem „Alten Sommerpalast“ in Beijing, die 1747 von einem italienischen Geistlichen und einem französischen Bildhauer realisiert wurden. Im zweiten Opiumkrieg 1860 wurden die Figuren von britisch-französischen Truppen erbeutet. Einige sind bis heute verschollen, andere erzielten hohe Auktionspreise und wurden später restituiert. Obwohl es sich um Werke westlicher Künstler handelt, haben sie den Status nationaler chinesischer Kultursymbole, und zwar bis in die Populärkultur hinein, wie Jackie Chans Actionfilm „CZ12“ von 2012 beweist. Im Zusammenspiel mit den repräsentativen Bauwerken im Hintergrund fordert Ai Weiwei die Autorität von Regierungen und Institutionen heraus und regt zum Nachdenken über Herkunft und Schicksal nationaler Kulturgüter an.

Laundromat, 2016, Installationsansicht K21, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen,Photo: Andreas Endermann
Life Cycle, 2018, Installationsansicht K21, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Photo: Achmi Kukulies
Calais, 2018, Video, Image courtesy of Ai Weiwei Studio
Odyssey (2016), Wandtapete, Image courtesy of Ai Weiwei Studio
Study of Perspective, 1995-2011/2014, Fotografien, Image courtesy of Ai Weiwei Studio
Circle of Animals, 2011, Installationsansicht K21, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Photo: Achim Kukulies

Ausstellung im K21 – Teil I

Der erste Teil der Ausstellung im K21 zeigt neue Arbeiten aus den letzten fünf Jahren, die nach Ai Weiweis Ausreise aus China und seiner Übersiedlung nach Berlin im Jahr 2015 entstanden sind. Das Schicksal Geflüchteter hat ihn seither in besonderer Weise beschäftigt. Mit den großen Installationen „Life Cycle“ und „Laundromat“ und den ausufernden Wandtapeten verwandelt Ai Weiwei den Ausstellungsraum in eine begehbare Installation, in der die menschliche Tragödie weltweiter Fluchtbewegungen als eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit greifbar wird.

Life Cycle, 2018

„Life Cycle“, ein monumentales Boot mit mehr als 100 überlebensgroßen Figuren aus Bambus, stellt eindringlich die lebensbedrohliche Passage vieler Geflüchteter über das Mittelmeer dar. Über 17 Meter misst die fragile, fast transparente Skulptur aus Bambus und Sisalgarn. Einige der Köpfe der Geflüchteten haben sich in Figuren der chinesischen Tierkreiszeichen verwandelt und verweisen metaphorisch sowohl auf das Ausmaß der menschlichen Krise als auch auf den Kreislauf menschlichen Lebens. Die Zitate auf dem Sockel der Skulptur berichten von gefährlichen Reisen und fordern Verständnis und Hilfe für die Geflüchteten ein.


Calais, 2018

Während der Recherchen zu seinem Film „Human Flow“ (2017) hat Ai Weiwei auch Aufnahmen in den Flüchtlingslagern nahe der französischen Hafenstadt Calais gemacht. Seit den 1990er Jahren haben sich hier Geflüchtete in wilden Lagern, die als „Dschungel“ bezeichnet wurden, zusammengefunden. Am Anfang des Jahres 2015 wurden 6.000 Menschen gezählt, die von hier aus versuchten, nach Großbritannien zu gelangen. Das Lager wurde am 25. Oktober 2016 geschlossen und abgerissen.

Laundromat, 2016

„Laundromat“ entstand vor dem Hintergrund der Geschehnisse im griechischen Flüchtlingslager Idomeni, deren Zeuge Ai Weiwei war, als er seinen Dokumentarfilm „Human Flow“  drehte: Die Installation besteht aus über 2000 Kleidungsstücken und Habseligkeiten, die die Bewohner zurückließen, als sie 2016 durch die Schließung des Lagers erneut vertrieben wurden. Die zurückgelassenen Kleidungsstücke ließ Ai Weiwei in sein Atelier nach Berlin bringen und sorgfältig aufarbeiten. Sie wurden gewaschen, geflickt, gebügelt und katalogisiert. Auf handelsübliche Kleiderständer gehängt wirken sie wie das Angebot eines Kaufhauses oder die persönlichen Stücke, die in einem Waschsalon auf Abholung warten. Im Ausstellungsraum konfrontieren sie die Besucher mit ihrer Realität und der Geschichte von Unterdrückung, Flucht, Verfolgung und Leid.

Odyssey, 2016

Die bekannte Geschichte von Homer über die abenteuerliche Reise des Odysseus erhält auf dieser Wandtapete ganz neue – jenseits von Zeit und Ort – existierende Dimensionen. In schlichten, schwarz-weiß gehaltenen Grafiken finden sich wie in einem antiken Bilderfries Motive von Flucht und Migration, die sowohl an die aktuellen Bilder von Flüchtlingslagern und Kriegen erinnern, als auch an mythologische Erzählungen aus dem alten Griechenland oder Rom denken lassen. Dadurch wird die Flucht als ein überzeitliches, weltumspannendes und existenzielles Thema bewusst. Auf der Wand lassen sich sechs wiederkehrende Motive ausmachen: der Krieg, die Ruinen, die Reise, die Überfahrt über das Meer, das Flüchtlingslager und die Demonstrationen.

Study of Perspective, 1995 - 2011/2014

Auf die Tapete „Odyssey“ hat Ai Weiwei die vierzigteilige Fotoserie „Study of Perspective“ gehängt. Auf jedem Bild sieht man hier eine Landschaft oder ein berühmtes Bauwerk, oft ein Gebäude kultureller oder staatlicher Repräsentation: das Weiße Haus, den Reichstag, das Berner Bundeshaus, den Eiffelturm, die Tate Modern oder den Petersdom. Allen zeigt Ai Weiwei den ausgestreckten Mittelfinger. Im Zusammenspiel mit „Odyssey“ und „Life Cycle“ lässt sich die Serie wie eine Anklage oder Aufforderung an Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft verstehen, sich ihrer Verantwortung zu stellen.

Circle of Animals, 2011

Vor der geschwungenen Wand des letzten Ausstellungsbereichs erscheint noch einmal die Gruppe der chinesischen Tierkreiszeichen mit Ratte, Ochse, Tiger, Hase, Drachen, Schlange, Pferd, Ziege, Affe, Hahn, Hund und Schwein.

Bei den zwölf Tierfiguren aus vergoldeter Bronze handelt es sich wie bei „Zodiac“ um eine Auseinandersetzung mit zwölf Brunnenfiguren aus dem „Alten Sommerpalast“ in Beijing. Erneut drängt sich hier die Frage nach den Kriterien und Motivationen für die Vereinnahmung von Kunstwerken als nationale Symbole auf. Die Tierköpfe sind in dieser Diskussion ein interessantes Beispiel, da sie aus einer Kooperation westlicher Künstler und Intellektueller am chinesischen Kaiserhof entstanden.

Von links nach rechts: Untitled, 1986, Handcuffs, 2015, Untitled, 1980, Installationsansicht K21, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Photo: Achim Kukulies
Untitled (Fur Basketball), 1987, Image courtesy of Ai Weiwei Studio
Profile of Duchamp. Sunflower Seeds, 1983, New York Photographs, 1983-1993, Image courtesy of Ai Weiwei Studio
Beijing Photographs, 1993-2003, Image courtesy of Ai Weiwei Studio
S.A.C.R.E.D., 2011-2013, Installationsansicht K21, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Photo: Achim Kukulies

Ausstellung im K21 – Teil II

Der zweite Teil der Ausstellung im K21 spannt einen Bogen von Ai Weiweis frühesten künstlerischen Schritten über seine Zeit in New York (1983-1993) bis hin zu seiner Verhaftung 2011 und der darauf folgenden Überwachung (2011-2015).

Die Werke der 1980er Jahre und die dazugehörigen „New York Photographs“ zeigen einen Künstler, der die Kunst seiner Zeit für seine eigene Arbeit fruchtbar macht und zugleich einen schonungslosen Blick auf die Gesellschaft wirft, in der er lebt. Die Arbeiten aus den 1990er Jahren und die „Beijing Photographs“ sind exemplarisch dafür, wie Ai Weiwei die Erfahrungen der New Yorker Zeit in China weiterentwickelte. Seine 81 Tage dauernde Inhaftierung im Jahr 2011 an einem geheimen Ort markiert den Höhepunkt der offenen Konfrontation Ai Weiweis mit dem chinesischen Regime. Mit „S.A.C.R.E.D.“ (2011-2013) dokumentiert und verarbeitet Ai Weiwei die traumatischen Erfahrungen der Haft.

New York Photographs, 1983-1993

Von 1981 bis 1993 lebte Ai Weiwei in den USA. 1983 zog er nach New York City. Hier studierte er an der Parsons School of Design. Sein Leben im Stadtteil East Village hielt er in Tausenden von Fotografien fest.
So zeichnete er ein persönliches Porträt der Stadt. Er zeigt die Orte und Situationen, die ihn interessierten, und die Menschen, mit denen er sich umgab. Eine Auswahl der Fotos aus dieser Zeit präsentiert er unter dem Titel „New York Photographs“.

Beijing Photographs, 1993-2003

1993 kehrte Ai Weiwei nach China zurück, da sein Vater, der Dichter Ai Qing (1910-1996), erkrankt war. Auch in Beijing, wo der Künstler mit seiner Familie lebte, dokumentierte er seine künstlerische Umgebung und das tägliche Leben in einer Vielzahl von Fotos. Dabei entstanden intime Fotos seines Familienlebens, Aufnahmen vom Krankheitsverlauf seines Vaters, Bilder vom Bau seines Atelierhauses in Caochangdi, Aufnahmen seiner künstlerischen Praxis, von Ausstellungen und Künstlerkollegen und -kolleginnen. Neben seinem privaten Umfeld zeigt Ai Weiwei die experimentelle Kunstszene Beijings und die rasante Veränderung des Stadtbilds.

S.A.C.R.E.D., 2011-2013

Durch kleine Öffnungen blicken die Besucher auf die unterschiedlichen Szenen während Ai Weiweis Zeit im Gefängnis.

Die sechs Buchstaben des Titels sind den einzelnen Szenen in sechs Eisenkisten zugeordnet: „S“ steht für „Supper“ und bezeichnet das Abendessen. „A“ meint „Accusers“ und benennt die „Anklagenden“ in Verhören, denen Ai Weiwei mehrmals täglich ausgesetzt war. Mit „C“ beginnt das Wort „Cleansing“ und bezeichnet hier die Körperreinigung in Anwesenheit der Wächter. „R“ deutet auf das „Ritual“ des Auf- und Abgehens in der Zelle. „E“ ist die Abkürzung für „Entropy“ und zeigt den bewachten Häftling im Zustand der Entropie des Schlafs. „D“ steht für „Doubt“ („Zweifel“) und zeigt den Häftling, der auf der Toilette sitzt und von Beamten beobachtet wird.  Abgesehen von der englischen Bedeutung des „Heiligen”, verweist „S.A.C.R.E.D.“ auf die Vorstellung von einem „Homo sacer“, der außerhalb aller Gesetze als vogelfrei galt und nur auf die Gunst seines Gottes hoffen konnte. Der Begriff wird oft zur Beschreibung einer Situation der Schutz- und Rechtlosigkeit in totalitären Systemen verwendet.

Ai Weiwei im K21, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, 2019, Photo: Andreas Endermann
Ai Weiwei im K21, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, 2019, Photo: Andreas Endermann
New York Photographs, 1983-1993, Image courtesy of Ai Weiwei Studio

Ai Weiwei

Ai Weiwei, 1957 in Beijing geboren, wird weltweit als Künstler, Architekt, Kurator, Filmregisseur und Fotograf gefeiert. Als Sohn des berühmten Dichters Ai Qing wuchs er während dessen Verbannung in Nordchina auf und kehrte 1976 mit der Familie nach Beijing zurück. 1983 zieht Ai Weiwei nach New York. Die während dieser Zeit gewonnenen Eindrücke von Konzeptkunst und Pop Art hat er für seine Arbeitsweise fruchtbar gemacht, die auf eine kritische Betrachtung von Kulturgeschichte sowie von chinesischen und globalen gesellschaftlichen Entwicklungen zielt.

1993 kehrt er nach Beijing zurück und verarbeitet dort seine Erfahrungen mit Pop-Art und Konzeptkunst. Es entstehen Objekte, die sich mit antiken Kunstgegenständen und mit der Kulturrevolution auseinandersetzten. 2005 veröffentlicht Ai Weiwei einen Blog zu gesellschaftlichen Fragen, Kritik an der Regierung sowie Gedanken über Kunst und Architektur (der Blog wird 2009 gesperrt). Am 3. April 2011 wird Ai Weiwei in Beijing verhaftet und 81 Tage an einem unbekannten Ort festgehalten. Nach seiner Freilassung folgte eine lange Zeit der Überwachung seitens der chinesischen Behörden.

Seit 2015 lebt Ai Weiwei in Berlin.

Ausstellungskatalog "Ai Weiwei", Herausgegeben von Susanne Gaensheimer, Doris Krystof und Falk Wolf, Prestel Verlag, 2019
Ausstellungskatalog "Ai Weiwei", Herausgegeben von Susanne Gaensheimer, Doris Krystof und Falk Wolf, Prestel Verlag, 2019
Ausstellungskatalog "Ai Weiwei", Herausgegeben von Susanne Gaensheimer, Doris Krystof und Falk Wolf, Prestel Verlag, 2019
Ausstellungskatalog "Ai Weiwei", Herausgegeben von Susanne Gaensheimer, Doris Krystof und Falk Wolf, Prestel Verlag, 2019
Ausstellungskatalog "Ai Weiwei", Herausgegeben von Susanne Gaensheimer, Doris Krystof und Falk Wolf, Prestel Verlag, 2019

Katalog

Begleitend zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog entstanden, der in fünf Kapiteln Einblicke in die künstlerische Produktion und Entstehung der Werke Ai Weiweis aus den letzten vier Jahrzehnten gibt.

Neben einem aktuellen Interview von Hans Ulrich Obrist widmen sich die Beiträge etwa der Frage nach einer „Ästhetik der Quantität“ (Falk Wolf), dem „eingepackten Teil der ausgepackten Ausstellung“ der Installation „Straight“ (Rembert Hüser) oder der Identität und Selbstinszenierung bei Ai Weiwei (Doris Krystof).

Herausgeber: Susanne Gaensheimer, Doris Krystof, Falk Wolf
Prestel Verlag, Klappenbroschur, 256 Seiten, 20 x 28 cm, 230 farbige Abbildungen

Mit Beiträgen von Rembert Hüser, Doris Krystof, Friederike Sigler, Linda Walther, Falk Wolf und einem Interview von Hans Ulrich Obrist.

Deutsche Ausgabe: 32 €
Englische Ausgabe: 32 €

Idomeni (2016), Video, Image courtesy of Ai Weiwei Studio

Programm

In beiden Häusern wird ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen, Gesprächen, Führungen und Workshops angeboten.


Salon21: Uli Sigg und Chris Dercon

Uli Sigg
In diesem Gespräch ist Uli Sigg (Unternehmer und Kunstsammler) zu Gast im Salon 21. Bei dem Gespräch wird es neben den ersten künstlerischen Anfängen von Ai Weiwei auch um die aktuellen Entwicklungen der chinesischen Gegenwartskunst gehen. Als ehemaliger Schweizer Botschafter in Peking und Sammler chinesischer Gegenwartskunst, hat Uli Sigg eine besondere Beziehung zu der chinesischen Kunstszene. 1997 gründete er die „Chinese Contemporary Art Awards“, bei denen Ai Weiwei gleich ein Jahr später als erster Preisträger ausgezeichnet wurde. Bei dem Gespräch wird es deshalb auch um die Frage gehen, inwieweit Ai Weiwei „ein Schweizer Gewächs“ ist.

Chris Dercon
Der belgische Kurator Chris Dercon war von 2003 bis 2011 Direktor am Haus der Kunst in München. Im Herbst 2009 zeigte er dort die Ausstellung „Ai Weiwei. So Sorry“, die  mit einer Reihe monumentaler Installationen die Regimekritik Ai Weiweis in das Zentrum rückte. 2009 ist ein turbulentes Jahr für den Künstler: Sein Blog wurde verboten und nach einer Auseinandersetzung mit der Polizei erlitt er schwere Kopfverletzungen. Im Gespräch mit Christ Dercon geht es über die für Ai Weiwei so zentrale Münchener Ausstellung und die Verflechtungen von Kunst und Politik.

Beide Gespräche finden im Veranstaltungsraum „Salon21“ im K21 statt.

K21
Mittwoch, 24.7., 19.00 Uhr: Uli Sigg
Freitag, 30.8., 19.00 Uhr: Chris Dercon

Besuch

Die Ausstellung „Ai Weiwei“ findet in beiden Häusern (K20 und K21) der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen statt.

Im K20 sind die zwei großen Installationen „Straight“ und „Sunflower Seeds“ zu sehen. Das K21 zeigt neben den Werken „S.A.C.R.E.D.“, „Laundromat“ und „Life Cycle“ auch Objekte und Fotografien von Ai Weiweis frühesten künstlerischen Schritten.

Zwischen beiden Häusern gibt es einen Museums-Shuttle, der die Ausstellungen miteinander verbindet. Dieser ist vor allem für Einzelpersonen geeignet. Die beiden Ausstellungshäuser liegen ungefähr 20 Minuten (zu Fuß) auseinander. Neben dem Museums-Shuttle kann man natürlich auch den öffentlichen Nahverkehr nutzen.