K21
Kunstsammlung
Nordrhein-Westfalen

museum global

Ausgehend von einer kritischen Beschäftigung mit der eigenen Sammlung konzentriert sich die Ausstellung "museum global" im K20 auf ausgewählte Beispiele einer transkulturellen Moderne jenseits des "westlichen" Kanons. Mit Mikrogeschichten aus Japan, Georgien, Brasilien, Mexiko, Indien, dem Libanon oder Nigeria (1910 bis 1960) hinterfragt das Museum nicht nur eine eurozentrische Kunstgeschichte, sondern auch seine eigenen Perspektiven.

Den Prolog für das umfassende Ausstellungprojekt bildet die Präsentation "Paul Klee. Eine Sammlung auf Reisen". Ein Konvolut von 88 Werken Paul Klees, der von den Nationalsozialisten als "entartet" diffamiert wurde, bildet den Grundstock der Kunstsammlung. Im Zentrum der Schau steht die kulturpolitisch motivierte Reise, die die Klee-Sammlung zwischen 1966 und 1985 an nahezu 40 Orte auf der ganzen Welt führte.

Im letzten Raum des Rundgangs wird in einem Epilog gezeigt, wie um 1960 durch neue Ausstellungsformate wie die Documenta sowie durch rege Sammlungspolitik der Museen ein Kanon der "westlichen" Moderne definiert und um zeitgenössische Positionen erweitert wurde.

Begleitend zur Ausstellung wurde mit raumlaborberlin der OPEN SPACE eingerichtet. Hier laden eine Bühne, ein Café, eine Infostation sowie eine Siebdruckwerkstatt zu Diskussion und Austausch ein. Mit einem Eingang über den Grabbeplatz öffnet sich das Museum erstmals dem Stadtraum.

Das Forschungsprojekt wurde initiiert und wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes. Es steht unter der Schirmherrschaft des Bundesaußenministers Heiko Maas.

Mikrogeschichten einer ex-zentrischen Moderne: Installationsansicht "Beirut 1948", Foto: Achim Kukulies
Paul Klee. Eine Sammlung auf Reisen: Installationsansicht, Foto: Achim Kukulies
OPEN SPACE, Architektur und Gestaltung: raumlaborberlin, Foto: Achim Kukulies
OPEN SPACE, Architektur und Gestaltung: raumlaborberlin, Foto: Judith Winterhager

Die Ausstellungen

Paul Klee.
Eine Sammlung auf Reisen

13.10.2018 —
10.3.2019

Paul Klee. Eine Sammlung auf Reisen: Führung durch die Paul Klee Ausstellung im Museo Calouste Gulbenkian, Lissabon, 7. 11. 1972, Foto: Carlos Coelho da Silva
Paul Klee. Eine Sammlung auf Reisen: Installationsansicht Kunstsammlung NRW, Foto: Achim Kukulies
Paul Klee. Eine Sammlung auf Reisen: Installationsansicht Kunstsammlung NRW, Foto: Achim Kukulies
Paul Klee. Eine Sammlung auf Reisen: Installationsansicht Kunstsammlung NRW, Foto: Achim Kukulies
Paul Klee. Eine Sammlung auf Reisen: Weltkarte mit den Reisestationen der Düsseldorfer Klee-Sammlung (1966-1985), Grafik: Henning Krause
Paul Klee. Eine Sammlung auf Reisen: Ausstellungsansicht "Paul Klee. Obrazy, kresby, akvarely" im Sternberg Palais, Prag 1969, Foto: National Gallery in Prague 2018
Paul Klee. Eine Sammlung auf Reisen: Ausstellungsansicht "Paul Klee" im Centraal Museum Utrecht, 1971, Foto: Centraal Museum Utrecht / A.F.S.J. Hulskamp

1960 erwarb das Land Nordrhein-Westfalen 88 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen von Paul Klee. Der Ankauf galt als ein Akt der Wiedergutmachung für den Künstler, der als Professor der Düsseldorfer Kunstakademie 1933 von den Nationalsozialisten entlassen worden war. Das Konvolut, der Grundstock der 1961 gegründeten Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, ist nun Ausgangspunkt für die Befragung der Sammlung: Von 1966 bis 1985 nämlich reisten die Bilder um die Welt und waren u.a. 1966 in Jerusalem, 1969 in Prag, 1972 in Rio de Janeiro und 1979 in New Delhi zu sehen. Das „Universalgenie“ Klee und seine Werke waren dabei erklärtermaßen Botschaft und Botschafter der neuen Bundesrepublik Deutschland, was bislang unbekannte Materialien aus Archiven und aus den gastgebenden Institutionen eindrucksvoll bezeugen.

Ausgewählte Stationen der Ausstellungstournee (1966-1985)

Jerusalem
1966

Die Reisen der Klee-Sammlung begannen 1966 in Israel. Erst ein Jahr nach der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Staat Israel und der Bundesrepublik Deutschland, als noch kein offizielles Abkommen den kulturellen Austausch zwischen den beiden Ländern regelte, wurden 60 Arbeiten aus dem Düsseldorfer Konvolut in Jerusalem und danach in Tel Aviv präsentiert. Mit der Ausstellung war die Hoffnung verbunden, ein freundschaftliches Verhältnis zu Israel aufzubauen. Darüber hinaus sollte sich die Kunstsammlung international als Institution etablieren.

Prag
1969

Nach zwei Stationen in Israel wurde die Klee-Sammlung auf Reisen in die Ostblockstaaten geschickt. Werner Schmalenbach, der erste Direktor der Kunstsammlung Nordrhein Westfalen hoffte, dass man mit der Ausstellung die "liberalen Kräfte" vor Ort stärken könnte. Auch auf der Bundesebene wurden die Reisen begrüßt. Die Ausstellung in Prag, die ursprünglich für den Spätsommer 1968 vorgesehen war, musste um ein Jahr verschoben werden. Wegen der sowjetischen Invasion zur Niederschlagung des Prager Frühlings war die Sicherheit der Bilder zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben. Im historischen Sternberg Palais wurden vom 10. April bis zum 31. Mai 1969 insgesamt 62 Bilder der Klee-Sammlung gezeigt.

Rom
1970

In der italienischen Hauptstadt wurden insgesamt 200 Werke der Düsseldorfer Klee-Sammlung in der Galleria Nationale d'Arte Moderna (Nationalgalerie für Moderne Kunst) gezeigt. Mit 5000 Besuchern bei der Eröffnung, einem ausverkauftem Katalog nach 6 Tagen Laufzeit sowie zahlreichen Presse- und Fernsehberichten, wurde sie zu einem bedeutenden kulturellen Ereignis.

Tokio
1970/1980

Wie in kaum einem anderen Land wurden Paul Klees Werke in Japan schon in den 1910er Jahren wahrgenommen. Die Anerkennung mündete in gleich zwei Reisen der Düsseldorfer Klee-Sammlung nach Tokio. Im Rahmen der weltweiten Wanderausstellung „50 Jahre Bauhaus“ wurde die Klee-Sammlung im National Museum of Modern Art in Tokio gezeigt, zehn Jahre später reisten die Werke noch einmal in die japanische Hauptstadt, wo sie im Rahmen einer umfassenden Paul Klee Ausstellung im Seibu Museum of Art präsentiert wurden.

São Paulo
1972

Bereits bei der zweiten Biennale 1953 in São Paulo konnte man die Werke von Paul Klee in einer Sonderausstellung sehen. Im Museu de Arte São Paulo erhielten die Bilder 1972 eine besondere Bedeutung und Aufmerksamkeit: die Ausstellung fand am 50. Jahrestag der „Semana de Arte Moderna“ – einem Schlüsselereignis der brasilianischen Moderne – statt.

Kairo
1979

Unter dem Titel "Paul Klee. 60 Works from the Modern Art Museum Düsseldorf" wurden die Werke von Paul Klee in Ägypten gezeigt. Kairo blieb die einzige Ausstellungstation in Afrika. Die von dem damaligen Direktor der Kunstsammlung Werner Schmalenbach in Erwägung gezogene Reise nach Johannisburg hat nicht stattgefunden.

Manila
1982

Dokumente und Korrespondenzen aus den 80er Jahren verdeutlichen die zu dieser Zeit noch verbreitete Perspektive eines europäischen Museums, dass Länder wie die Philippinen, Afrika oder Australien als eher ungewöhnliche Orte zur Ausstellung westlicher Kunst wahrgenommen wurden. Jenseits der etablierten Kunst- und Kulturzentren entwickelte sich im Dialog zwischen der Botschaft der BRD in Manila und dem Auswärtigen Amt in Bonn ein bedeutsames Ausstellungsprojekt. Die Besucher konnten einen ganz neuen Einblick in die westliche Kunstproduktion erhalten, als zum ersten Mal die Werke von Paul Klee in ihrem eigenen Land ausgestellt wurden. In Anbetracht der Tatsache, dass Klee in den Philippinen wenig bekannt war, wurden die insgesamt 7000 Besucher als ein großer Erfolg angesehen.

Wellington
1983

Um hohe Transport- und Versicherungskosten zu verringern, wurden gleich drei Ausstellungstationen in Neuseeland geplant: in Auckland, Wellington und Christchurch. Besonders in Wellington hat man ein vielseitiges Vermittlungsprogramm angeboten, um Paul Klees Werk dem Publikum näher zu bringen. Es gab einen Wettbewerb für Plakatgestaltung für Schulkinder, eine Vortragsreihe zu Paul Klee und ein Kinoprogramm mit deutschen Filmen der 1930er Jahre. Von Neuseeland wanderte die Schau weiter nach Kanada, Holland und Luxemburg. 1985, nach der Fertigstellung des Museumsgebäudes am Grabbeplatz in Düsseldorf, endete die weltweite Tournee der Düsseldorfer Klee- Sammlung.

Mikrogeschichten einer
ex-zentrischen Moderne

10.11.2018 —
10.3.2019

Mikrogeschichten einer ex-zentrischen Moderne: Installationsansicht "Tokyo 1910", Foto: Achim Kulies
Mikrogeschichten einer ex-zentrischen Moderne: Installationsansicht "Moscow, 1913", Foto: Achim Kulies
Mikrogeschichten einer ex-zentrischen Moderne: Installationsansicht "Beirut, 1948", Foto: Achim Kulies
Mikrogeschichten einer ex-zentrischen Moderne: Installationsansicht "Epilog", Foto: Achim Kulies

Eingefasst von Prolog und Epilog führt die Ausstellung in sieben Kapiteln chronologisch rund um den Globus: Tokyo, 1910; Moscow, 1913; São Paulo, 1922; Mexico City, 1923; Shimla, 1934; Beirut, 1948; und Zaria, 1960. Die „Mikrogeschichten einer ex-zentrischen Moderne“ erzählen von transkulturellen Umbruchmomenten, in denen Künstlerinnen und Künstler durch die Veröffentlichung eines Manifests, die Eröffnung einer Ausstellung, die Gründung einer Vereinigung, Reisen oder Begegnungen ihre Vorstellung einer Moderne formuliert haben.

In den Räumen der Sammlung werden bisher wenig beachtete künstlerische Positionen vorgestellt und punktuell in den Dialog mit ausgewählten Werken der Kunstsammlung gesetzt. Sie stellen andere Perspektiven und Konstellationen vor, woraus sich bis heute aktuelle Fragen ergeben: Wie entstehen nationale und kulturelle Identitäten? Wie spiegeln sich Flucht und Exil in den Werken? Welchen künstlerischen und kulturpolitischen Einfluss haben Reisen, Begegnungen und Austausch?

Die Ausstellung ist Resultat eines mehrjährigen Forschungsprojekts und der erste Schritt im vielschichtigen Projekt der Erforschung einer transkulturellen Moderne.

Tokio 1910
Yorozu Tetsugoro, Nude Beauty (1912)
Öl auf Leinwand, 162 × 97 cm
Important Cultural Property, The National Museum of Modern Art, Tokyo

Tokyo, 1910

Der Ausstellungsrundgang beginnt in Tokio um 1910 mit Gemälden von Yorozu Tetsugorō und Kishida Ryusei. Wie viele Künstler und Literaten ihrer Zeit setzen sie sich mit der japanischen Tradition, aber auch mit der europäischen Kunst um 1900 auseinander. Vor allem ihre Selbstporträts zeugen von einer intensiven Suche nach der eigenen Identität. Yorozus Werk steht stellvertretend für den Umgang der japanischen Künstler seiner Generation mit vielfältigen Quellen der Inspiration und ihrer Suche nach einer modernen, individuellen Bildsprache. Dabei ist zu beobachten, dass sowohl die traditionelle japanische als auch die europäisch beeinflusste Malerei  nebeneinander Gültigkeit behielten.

Moscow, 1913

Zusammen mit den Werken der russischen Avantgardisten Kasimir Malewitsch, Michail Larionow und Marc Chagall wurde 1913 in Moskau der georgische Maler Niko Pirosmani ausgestellt. Der Autodidakt aus Tiflis,
dessen Malerei sowohl von orthodoxen Ikonen als auch von orientalischen Miniaturen geprägt war, wurde als "Naturtalent" zum Kronzeugen der neoprimitivistischen Phase der russischen Avantgarde. 

Niko Pirosmani, Das Fest der Molokanen (1905)
Öl auf Wachstuch, 112 × 177 cm
The Collection of Niko Pirosmanashvili, State Museum of National Agency for Cultural Heritage Preservation of Georgia
São Paulo, 1922
Tarsila do Amaral, Antropofagia (1929)
Öl auf Leinwand, 131 x 146 cm
Collection of the Fundação José e Paulina Nemirovsky,
on long-term loan to the Pinacoteca do Estado de São Paulo
© Tarsila do Amaral Licenciamentos, Foto: Isabella Matheus

São Paulo, 1922

In einer weiteren der Mikrogeschichten, die sich chronologisch fortsetzen, sind Werke von brasilianischen Avantgardekünstlerinnen und -künstlern wie Tarsila do Amaral zu sehen. Die Malerin zählte in den 1920er Jahren zusammen mit dem Schriftsteller Oswald de Andrade zur "anthropophagischen" Bewegung ihres Landes. Der von ihnen propagierte "kulturelle Kannibalismus" mit der Einverleibung des "Anderen" durch Aneignung seiner Stärken wurde als Strategie ästhetischer Dekolonisierung zur Leitmetapher für die Kunst der Moderne in Brasilien. Werke des in Wilna geborenen jüdischen Malers Lasar Segall, der seit den 1920er Jahren in Brasilien lebte, verweisen auf Themen wie Migration, Identität und Kulturtransfer. 

Mexico City, 1923

Das von Amedeo Modigliani 1914 geschaffene Porträt des in Mexiko geborenen Malers Diego Rivera aus dem Besitz der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ist Ausgangspunkt eines weiteren Ausstellungskapitels. Er zählte – wie etwa auch David Alfaro Siqueiros oder Frida Kahlo – zu den Persönlichkeiten, die sich nach dem Ende eines zehnjährigen Bürgerkrieges künstlerisch wie politisch aktiv an der Umbruchsituation ihres Landes beteiligten. Hierfür ist das 1923 formulierte "Manifest des Syndikats der Arbeiter, Techniker, Maler und Bildhauer" eines der Zeugnisse.

Frida Kahlo, Autorretrato en la frontera entre México y Estados Unidos (1932)
Öl auf Metall, 31,8 × 34,9 cm
Collection: Modern Art International Foundation Courtesy of María and Manuel Reyero, New York, USA © 2018 Banco de México Diego Rivera Frida Kahlo Museums Trust, Mexico, D.F. / VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Colección Maria y Manuel Reyero, New York
Shimla, 1934
Amrita Sher-Gil, Self-Portrait as a Tahitian (1934)
Öl auf Leinwand, 90 × 56 cm
Collection of Navina and Vivan Sundaram

Shimla, 1934

Eine kosmopolitische Identität in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen markiert Leben und Werk der indisch-ungarischen Malerin Amrita Sher-Gil. Nach einem Studium in der französischen Hauptstadt während der 1930er Jahre war sie vertraut mit den Malkonventionen der École de Paris ebenso wie mit den Bildtraditionen Indiens. In ihrem Werk gelang ihr eine Synthese beider Welten. Dies zeigt sich in einer zunehmenden Flächigkeit, Vereinfachung der Formen und intensivem Kolorit.

Beirut, 1948

Ihr dreijähriges Studium in Paris bei Fernand Léger ab 1948 hatte auch Einfluss auf die libanesische Künstlerin Saloua Raouda Choucair. In dieser Zeit entwickelte sie, auch in kritischer Auseinandersetzung mit der Malweise ihres Lehrers, einen eigenen ungegenständlichen Stil aus arabischer Kalligrafie, islamischer Geometrie und westlicher Abstraktion. Mit einer Streitschrift, die von mehreren Zeitschriften im Libanon publiziert worden ist, kritisierte Choucair die „rückwärtsgewandten Orientalisten“ und entwarf die Vision einer universellen Kunst als Mittel für eine fortschrittliche arabische Gesellschaft. 

Beirut, 1948
Saloua Raouda Choucair, Paris-Beirut (1948)
Gouache, 32 × 23,5 cm
Foto: Saloua Raouda Choucair Foundation
Zaria, 1960
Uche Okeke, Ana Mmuo (Land of the Dead, 1961)
Öl auf Holztafel, 92 × 121,9 cm
National Museum of African Art, Smithsonian Institution, gift of Joanne B. Eicher and Cynthia, Carolyn Ngozi, and Diane Eicher, 97-3-1
© Estate of Uche Okeke, Courtesy Asele Institute Nimo
Foto: Franko Khoury

Zaria, 1960

Im Oktober 1960 erlangte Nigeria seine Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft. Im gleichen Monat verfasste die revolutionäre nigerianische Künstlergruppe Zaria Art Society ein Manifest, das eine radikale Erneuerung der Kunst für eine neue Gesellschaft forderte. Zwei ihrer Mitglieder, Demas Nwoko und Uche Okeke, gründeten 1961 zusammen mit Autoren wie Chinua Achebe und Wole Soyinka sowie dem deutschen Emigranten Ulli Beier den transdisziplinären Mbari Artists and Writers Club in Ibadan. In Verbindung mit der Zeitschrift „Black Orpheus“ etablierte sich für einige Jahre bis zum Ausbruch des Biafrakriegs 1967 ein einzigartiges, panafrikanisches Netzwerk in Nigeria, das in Verbindung zu Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Länder Afrikas, Süd- und Nordamerikas sowie zur afrikanischen Diaspora in Paris stand. Darunter war auch der spätere erste Präsident des Senegal, Léopold Sédar Senghor, der im Mai 1977 die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen besucht hat.

Epilog

Das letzte Ausstellungskapitel fragt nach den Gründen für die deutliche Fokussierung der Landesgalerie auf die europäische und nordamerikanische Kunst. Zu sehen ist, wie um 1960 durch neue Ausstellungsformate wie die Documenta und durch rege Sammlungspolitik der Museen ein Kanon der westlichen Moderne definiert worden ist. Auch der Gründungsdirektor der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Werner Schmalenbach, orientierte sich beim Aufbau eines „Museums der Moderne“ an den ersten Ausgaben der Documenta. Etliche in Kassel ausgestellte Gemälde – wie etwa Jackson Pollocks „Number 32“ (1950) – erwarb er für die Landesgalerie.  

Beteiligte Künstlerinnen und Künstler

Tarsila
do Amaral

Die 1886 in Capivari im brasilianischen Bundesstaat São Paulo geborene Künstlerin stammt aus einer wohlhabenden, Kaffeeplantagen besitzenden Familie. Amaral setzt ihr in São Paulo begonnenes Studium der Malerei ab 1920 in Paris fort, zunächst an der Académie Julian, drei Jahre später dann in den Ateliers von André Lhote, Albert Gleizes und Fernand Léger. Aus Paris bringt sie eine Sammlung von ihr erworbener Kunstwerke mit und macht dadurch in Brasilien Werke der europäischen Avantgarde zugänglich. 1926 findet Amarals erste Einzelausstellung in der Galerie Percier in Paris statt. Zwei Jahre später ist ihr Gemälde "Abaporu" Auslöser für die Entstehung der anthropophagischen Bewegung um ihren Ehemann Oswald de Andrade. 1973 stirbt sie in São Paulo.

Mário
de Andrade

Der brasilianische Schriftsteller und Musikwissenschaftler Mário de Andrade wird 1893 in São Paulo geboren. Nach seinem Musikstudium am Konservatorium ist er 1922 maßgeblich an der "Woche der modernen Kunst" in São Paulo beteiligt. 1928 erscheint sein Roman "Macunaíma o herói sem nenhum caráter" (Macunaíma. Der Held ohne jeden Charakter), ein literarisches Hauptwerk der brasilianischen Moderne. Sowohl durch seine Studien als auch durch seine kulturpolitische Tätigkeit ab 1935 als Direktor der Kulturabteilung São Paulos trägt er entscheidend zur Entdeckung und Bewahrung des Kulturerbes Brasiliens bei. Er stirbt 1945 in São Paulo.

Oswald
de Andrade

Der 1890 in São Paulo geborene Schriftsteller Oswald de Andrade stammt aus reicher, aristokratischer Familie. Bereits während seines Jurastudiums ist er als Journalist tätig. Während zahlreicher Aufenthalte in Europa knüpft er Kontakte zur dortigen Avantgarde. 1924 wird sein "Manifesto Pau-Brasil" (Brasilholz-Manifest) publiziert, 1928 folgt die Veröffentlichung seines kulturrevolutionären "Anthropophagischen Manifests". 1926 heiratet er die Malerin Tarsila do Amaral, bereits drei Jahre später trennt sich das Paar jedoch wieder. 1954 stirbt Andrade in São Paulo.

Dr. Atl

1887 in Guadalajara geboren, studiert Gerardo Murillo 1890 bis 1896 an der Academia de San Carlos in Mexiko-Stadt. 1899 reist er mit einem staatlichen Stipendium nach Europa.

Um seine mexikanische Identität zu unterstreichen, benutzt er ab 1902 den Künstlernamen Dr. Atl ("Doktor Wasser" in Náhuatl). Vor dem Ausbruch der Revolution 1910 malt er das erste moderne Mural in Mexiko. In Paris gründet er 1913 die Zeitschrift "Action d'Art". 1916 ist er in Mexiko-Stadt Herausgeber von "acción mundiale" mit Beitragen der Muralismus-Bewegung. 1922 erscheint sein Buch "Las artes populares en México", ab 1923 leitet er das Amt für archäologische Baudenkmäler, 1930 ist er kurzzeitig Direktor der Kunstakademie. Danach widmet er sich ausschließlich der Landschaftsmalerei und dem Studium von Vulkanen. Er stirbt 1964.

Anita Brenner

Anita Brenner, 1905 in Aguascalientes geboren, zieht mit ihrer jüdischen Familie 1916 nach San Antonio, Texas. Ihr dort begonnenes Studium setzt sie in Mexiko-Stadt fort, wo sie ab 1923 wohnt. Sie beginnt als Journalistin für zahlreiche Zeitungen und Magazine zu arbeiten. Mit Künstlern wie Diego Rivera oder Jean Charlot ist sie eng befreundet und engagiert sich für die Vermittlung von deren Werken in die USA. Zwischen 1927 und 1944 lebt sie in New York. Dort veröffentlicht sie 1929 das Buch "Idols behind Altars", welches Sergei Eisenstein bei seinen Dreharbeiten zu "Que viva México!" inspiriert. Im selben Jahr promoviert sie in Anthropologie an der Columbia University, New York. Unter anderem gibt sie ab 1955 das Kunstmagazin "Mexico this month" heraus. 1974 stirbt sie in Mexiko bei einem Autounfall.

Jean Charlot

1921 lässt sich der 1898 in Frankreich geborene Jean Charlot nach dem Studium an der École des Beaux-Arts in Paris in Mexiko-Stadt nieder. Er arbeitet an den ersten Murals mit, ist aktives Mitglied des Syndikats der Arbeiter, Maler und Bildhauer und befreundet sich mit Edward Weston und Anita Brenner. In seiner künstlerischen Arbeit konzentriert er sich neben der Malerei auf Illustrationen. So ist er 1925 an den ersten Ausgaben der Zeitschrift "Mexican Folkways" als verantwortlicher Gestalter und Illustrator beteiligt. Nach 20 Jahren in New York (1928 – 1947) kehrt er nach Mexiko zurück, um für sein detailreiches Buch Mexican Mural Renaissaince" 1920 – 25 (erschienen 1963) zu recherchieren. Ein Stipendium führt ihn 1949 nach Hawaii, wo er bis zu seinem Tod 1979 lebt.

Emiliano di Cavalcanti

Der 1897 in Rio de Janeiro geborene Maler Emiliano di Cavalcanti verdient sich bereits früh seinen Lebensunterhalt als Karikaturist und Illustrator. 1916 zieht er nach São Paulo und ist dort 1922 aktiv an der Realisierung der "Woche der modernen Kunst" beteiligt. In den 1920er-Jahren folgen mehrere längere Aufenthalte in Paris. 1931 nimmt er an dem sogenannten Revolutionären Salon in Rio de Janeiro teil und gründet im folgenden Jahr zusammen mit Flavio de Carvalho den Club Moderner Künstler in São Paulo. 1976 stirbt er in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro.

Saloua Raouda Choucair

1916 in Beirut geboren, studiert Choucair bei den libanesischen Malern Omar Onsi und Moustafa Farrouk, entwickelt aber im Laufe der 1940er-Jahre einen nichtgegenständlichen Stil aus arabischer Kalligrafie, islamischer Geometrie und westlicher Abstraktion. 1948 geht sie nach Paris, wo sie sich mit Fernand Léger und anderen Vertretern der École de Paris auseinandersetzt. Sie verfasst Schriften zur arabischen Moderne und zieht 1951 zurück nach Beirut. Nach einer Studienreise durch die USA wechselt sie 1957 von der Malerei zur Skulptur. Während Choucair im Libanon früh zu Ansehen gelangt, wird sie international erst im hohen Alter als "Pionierin der Abstraktion im arabischen Raum" entdeckt. 2017 stirbt sie in Beirut.

Sergei Eisenstein

1889 in Riga (damals Russisches Kaiserreich) geboren, studiert der spätere Filmregisseur und Theoretiker Sergei Eisenstein zunächst Bildende Kunst in St. Petersburg.

Mit dem Ausbruch der Russischen Revolution tritt er 1917 in die Rote Armee ein. Ab 1920 ist er Bühnenbildgestalter, später Regisseur des Proletkult-Theaters in Moskau. Ab 1923 verwendet er Filmsequenzen auf der Bühne, mit dem Film "Panzerkreuzer Potemkin" gelingt ihm 1925 der internationale Durchbruch, 1928 folgt "Oktober". 1927 lernt er in Moskau Diego Rivera kennen. Zwischen 1930 und 1933 arbeitet er in Hollywood, 1930 – 32 dreht er in Mexiko. Den geplanten Film "Que viva México!" kann er allerdings nicht vollenden. Eisenstein stirbt 1948 in Moskau.

Ben Enwonwu

Der Bildhauer und Maler Ben Enwonwu ist 1917 in Onitsha in Nigeria geboren. Der Pionier der nigerianischen Moderne studiert zwischen 1934 und 1939 an den Government Colleges in Ibadan und Umuahia. Ein Auslandstudium führt ihn nach London, wo er in den Jahren zwischen 1944 und 1948 u a. sein Kunstdiplom an der Slade School of Fine Art und seinen Master-Abschluss in Anthropologie am University College macht. Als Kunstbeauftragter der nigerianischen Kolonialregierung versuchte er ab 1948 eine von Léopold Sédar Senghors Négritude-Konzept inspirierte, moderne nigerianische Kunst zu etablieren. Die 1956 entstandene Bronzeskulptur der Queen Elizabeth II trägt ebenso zu seiner internationalen Reputation bei wie zahlreiche Ausstellungen, Auszeichnungen und Lehraufträge im In- und Ausland. Ben Enwonwu stirbt 1994 in Lagos.

María Izquierdo

Aufgewachsen in der Provinzstadt San Juan de los Lagos, wo sie 1902 geboren wird, beginnt María Izquierdo erst nach der Umzug ihrer Familie nach Mexiko-Stadt 1923 zu malen. Ab 1928 studiert sie an der Academia de San Carlos, deren damaliger Direktor, Diego Rivera, ihre Malerei sehr schätzt. Ihre erste Einzelausstellung findet 1930 im Art Center, New York, statt, kurz darauf nimmt sie auch an einer Gruppenschau des Metropolitan Museum of Art teil. 1931 verlässt sie die Akademie und teilt sich ein Studio mit dem Maler Rufino Tamayo. Ihr Werk wird 1936 von dem französischen Surrealisten Antonin Artaud bewundert und später auch in Paris ausgestellt. Sie stirbt 1955 in Mexiko-Stadt.

Frida
Kahlo

1910 in Coyoacán geboren, studiert Frida Kahlo zwischen 1922 und 1925 Zeichnung und Modellieren in Mexiko-Stadt. 1928 wird sie Mitglied der Kommunistischen Partei Mexikos und lernt über Tina Modotti Diego Rivera kennen, den sie 1929 heiratet. Zwischen 1930 und 1934 lebt das Paar in den USA. Kahlo konzentriert sich auf die Malerei und adaptiert für ihre erzählerischen Werke mexikanische Votiv-Malerei. 1937 bis 1939 lebt Leon Trotzki im Exil auf ihrem Anwesen in Coyoacán.

Die Julian Levy Gallery in New York richtet 1938 ihre erste Einzelausstellung aus. Im Katalog bewertet André Breton sie als Surrealistin und prägt damit ihre Rezeption. 1954 stirbt sie in Coyoacán.

Kishida Ryusei

Der 1891 bei Tokio geborene Kishida Ryusei wird 1908 Schüler von Kuroda Seiki und malt an dessen Kunstschule Hakubakai. Hier erlernt er den westlich orientierten, akademischen Malstil seines Lehrers, der einige Jahre in Paris gelebt hatte. 1911 ändert Kishida seinen Stil und setzt sich mit Malern wie van Gogh, Matisse und Renoir auseinander. Wie Yorozu beteiligt er sich 1912/13 an den Aktivitäten der kurzlebigen Künstlergruppe Fusainkai. Sein großes Thema wird das Porträt. Allein 1913 entstehen – sicherlich provoziert durch die in Künstlerkreisen diskutierte wachsende Bedeutung des Individuums – 13 Selbstporträts. Bereits 1914 wendet sich Kishida einer an den Meistern der Renaissance orientierten Feinmalerei zu und sieht sich nicht länger als Künstler der Moderne. Er stirbt 1929 in Tokuyama.

Michail Larionow

Geboren 1881 in Tiraspol, studiert Michail Fjodorowitsch Larionow ab 1898 an der Moskauer Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur. 1900 trifft er dort seine Partnerin, die Malerin Natalija Gontscharowa. 1906 nimmt er in Paris an der russischen Ausstellung im Salon d’Automne teil. Er ist Initiator von radikalen Gruppenausstellungen der Moskauer Avantgarde: 1910 "Karobube", 1912 "Eselschwanz", 1913 "Zielscheibe", bei denen er eine neoprimitivistische, später rayonistische Malerei vorstellt. Nach einer Verletzung im Ersten Weltkrieg lässt er sich 1917 in Paris nieder, wo Sergej Djagilew, Intendant der Ballets Russes Larionow und Gontscharowa als Kostüm- und Bühnenbildner engagiert. Dort stirbt er 1964.

Kasimir Malewitsch

1879 in Kiew geboren, zieht Kasimir Malewitsch 1904 nach Moskau und besucht neben der Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur auch das Atelier von Fjodor Rerberg. Während seiner neoprimitivistischen und kubofuturistischen Periode zwischen 1910 und 1913 nimmt er an den Ausstellungen "Karo-Bube", "Eselschwanz", "Zielscheibe" und "Union der Jugend" teil. Er begründet 1915 mit dem Bild "Schwarzes Quadrat auf weissem Grund" die suprematistische Malerei. 1922 sind seine Arbeiten auf der ersten russischen Kunstausstellung in Berlin zu sehen. Zwischen 1923 und 1926 leitet er in Petrograd das Staatliche Institut für künstlerische Kultur (GINChUK), 1927 stellt er in Warschau und Berlin, 1929 in der Tretjakow-Galerie in Moskau aus. Malewitsch stirbt 1935 in Leningrad.

Anita Malfatti

Die 1889 in São Paulo geborene Künstlerin Anita Malfatti studiert von 1910 bis 1913 in Berlin Malerei bei Fritz Burger (1867 – 1927) und Lovis Corinth (1885 – 1925). Zwei Jahre später setzt sie ihr Studium in New York an der Independent School of Art fort. 1917 findet in São Paulo ihre skandalträchtige erste Einzelausstellung statt. 1922 ist sie an der "Woche der modernen Kunst" beteiligt. Ab 1924 residiert sie für vier Jahre in Paris. Nach ihrer Rückkehr ist die Malerin bei zahlreichen Ausstellungen der brasilianischen Avantgarde vertreten. Sie stirbt 1964 in São Paulo.

C. Marker und A. Resnais

Der Schriftsteller, Fotograf und Filmregisseur Chris Marker wird 1921 in Neuilly-sur-Seine geboren und stirbt 2012 in Paris. Er studiert Philosophie bei Jean-Paul Sartre und kämpft während des Krieges in der Résistance. Der Filmregisseur Alain Resnais ist 1922 in Vannes geboren und stirbt 2014 in Paris. Am Institut des Hautes Études Cinématographiques in Paris wird er als Cutter ausgebildet und gilt als einer bedeutendsten Vertreter der Nouvelle Vague und Erneuerer des Kinos. Der antikolonialistische und rassismuskritische Film "Les statues meurent aussi" (1953), den sie gemeinsam im Auftrag von "Présence Africaine" drehen, thematisiert den Kunstraub der Europäer in Afrika. Er steht bis1968 auf dem Index der zensierten Filme in Frankreich.

Tina Modotti

1896 im italienischen Udine geboren, zieht Tina Modotti 1913 nach Los Angeles, um dort als Schauspielerin zu arbeiten. 1923 geht sie gemeinsam mit Edward Weston nach Mexiko-Stadt. Für ihre ersten Aufträge als Fotografin dokumentiert sie Murals von Diego Rivera oder David Alfaro Siqueiros. Als offizielle Fotografin der Zeitung "El Machete", die der Kommunistischen Partei Mexikos nahesteht, konzentriert sie sich auf Porträts und Stillleben. 1926 erhalten Edward Weston und sie von Anita Brenner den Auftrag, in Mexiko Fotografien für das Buch "Idols behind Altars" zu machen. Nach Aufenthalten in Deutschland, Russland und Spanien kehrt sie 1939 nach Mexiko zurück. Dort stirbt sie 1942.

Demas Nwoko

Der Künstler, Architekt, Dramaturg, Industrie- und Theaterdesigner sowie Herausgeber von "New Culture Publications", Demas Nwoko, wird 1935 in Idumuje-Ugboko im Delta State in Nigeria geboren, wo er heute lebt und arbeitet. 1957 bis 1961 studiert er Malerei am Nigerian College of Arts, Science and Technology in Zaria. Als ein Gründungsmitglied der wegweisenden Künstlergruppe Zaria Art Society (1958 – 61) und Mitbegründer des Mbari Artitsts and Writers Club (1961 – 67) in Ibadan ist er einer der zentralen Protagonisten der postkolonialen Moderne in Nigeria. 1961 bis 1963 studiert der interdisziplinär arbeitende Künstler Theaterdekoration und -design in Paris und Japan, lehrt 1963 bis 1978 Theaterkunst an der University of Ibadan und ist in Ausstellungen in Nigeria, Senegal und Europa vertreten.

Pablo O’Higgins

1904 in Salt Lake City geboren, studiert Pablo O’Higgins 1922 / 23 an der Kunstakademie in San Diego. 1924 tritt er in Kontakt mit Diego Rivera und wird von ihm nach Mexiko-Stadt eingeladen. O’Higgins wird Riveras Assistant für die langjährige Arbeit an den Murals des Secretaría de Educación Pública. Er ist aktives Mitglied der Kunstszene, teilt sich mit Jean Charlot eine Wohnung. 1927 wird er Mitglied der Kommunistischen Partei Mexikos und hält sich 1931 zeitgleich mit Tina Modotti in Moskau auf. Neben der Arbeit an vielen eigenen Murals ab 1933 ist er 1937 Mitbegründer der Künstlervereinigung Taller de Gráfica Popular. 1961 erhält er die mexikanische Staatsbürgerschaft. Er verstirbt 1983.

Uche
Okeke

Uche Okeke wird 1933 in Nimo in Nigeria geboren. 1957 bis 1961 studiert er Malerei am Nigerian College of Arts, Science and Technology in Zaria. Als Gründungsmitglied der Künstlergruppe Zaria Art Society (1958 – 61) verfasst er 1960 das Manifest "Natural Synthesis". Er ist Mitbegründer des Mbari Artists und Writers Club (1961 – 67) in Ibadan und gründet 1958 das Asele Institute and Documentation Center in Nimo. 1962/63 verbringt er ein knappes Jahr in München. 1969 führt ihn eine durch Deutschland tourendeAusstellung, die für die Unterstützung seiner Heimatregion Biafra wirbt, nach Düsseldorf. Nach dem Biafra-Krieg (1967 – 70) wird er Leiter des Fachbereichs Kunst an der University of Nigeria in Nsukka und etabliert dort das nachfolgende Künstlergenerationen prägende Konzept der "Natural Synthesis" in Verbindungen mit Techniken der Uli-Malerei. Zahlreiche internationale Ausstellungen und Lehraufträge unterstreichen seine Bedeutung als eine der zentralen Figuren der postkolonialen Moderne in Nigeria. Er stirbt 2016 in Nimo.

Colette Omogbai

Colette Omogbai wird 1942 in Uzebba in Nigeria geboren. Sie studiert 1960 bis 1963 an der Ahmadu Bello University in Zaria und von 1964/65 an der Slade School of Fine Art in London. In ihrer ersten Ausstellung 1963 im Mbari Artists und Writers Club in Ibadan macht sie mit ihren surrealistisch anmutenden Bildern auf sich aufmerksam. Als Avantgardekünstlerin gefeiert, veröffentlicht sie 1965 im "Nigeria Magazine" ihr Manifest "Man Loves What is 'Sweet' and Obvious" und verteidigt darin ihre künstlerische Freiheit gegen Kritiker, die ihr Werk als zu radikal und unweiblich empfinden. Mit ihrer Auswanderung in die USA, wo sie an der New York University im Fach Kunsterziehung promoviert, verlieren sich zunächst ihre Spuren. Ihr einzig erhaltenes Werk befindet sich heute in der ehemaligen Sammlung von Ulli Beier im Iwalewahaus in Bayreuth. Colette Omogbai lebt heute in Nigeria.

Niko Pirosmani

Niko Pirosmani, auch Pirosmanashvili genannt, ist 1862 in der Gemeinde Mirzaani in Georgien (damals Teil des Russischen Reichs) geboren. Der Autodidakt arbeitet als Kunst- und Auftragsmaler in Tiflis. 1913 werden seine Bilder von den Avantgardekünstlern Ilja und Kirill Sdanewitsch und Le Dantu wahrgenommen und in Zeitschriften publiziert. 1913 sind seine Gemälde in der Ausstellung "Zielscheibe" in Moskau zu sehen. 1916 organisiert Ilja Sdanewitsch in einem Privatsalon in Tiflis die erste Einzelausstellung Pirosmanis. Wenig später wird der Maler in die Gesellschaft der Künstler Georgiens aufgenommen. Er stirbt 1918 in Tiflis.

Vicente
do Rego Monteiro

Das Leben des 1899 in Recife im Nordosten Brasiliens geborenen Rego Monteiro spielt sich zwischen Brasilien und Paris ab. Bereits während seines Malereistudiums in Paris stellt er im Alter von 14 Jahren im Salon des Indépendants aus. Ab 1919 studiert der Künstler die präkolumbianische Marajoara-Kultur. Im folgenden Jahr tourt eine Wanderausstellung seiner Werke durch mehrere brasilianische Städte. 1930 ist Rego Monteiro Mitorganisator der Ausstellung "Die Schule von Paris" mit Stationen in Recife, Rio de Janeiro und São Paulo. Ab den 1940er-Jahren verlagert sich seine künstlerische Tätigkeit auf die Schrift- stellerei. Rego Monteiro stirbt 1970 in Recife.

Diego
Rivera

Diego Rivera, 1886 in der zentralmexikanischen Großstadt Guanajuato geboren, studiert ab 1989 Malerei an der Academia de San Carlos, Mexiko-Stadt. 1907 reist er mit einem Stipendium nach Spanien, danach lässt er sich in Paris nieder. 1922, wieder in Mexiko, arbeitet Rivera vor allem an Murals, die er etwa in der Secretaría de Educación Pública (1923 – 28), im Palacio de Bellas Artes (1934) und ab 1930 auch an verschiedenen Orten in den Vereinigten Staaten ausführt. 1927 / 28 hält er sich in Moskau auf und hält Vorträge über Monumentalmalerei. 1929 heiratet er die Malerin Frida Kahlo. 1931 zeigt Rivera im erst 1929 eröffneten Museum of Modern Art in New York eine Retrospektive. Er stirbt 1957 in Mexiko-Stadt.

Lasar Segall

1889 wird Segall als Sohn eines jüdischen Thoraschreibers in dem zu dieser Zeit von Russland annektierten Vilnius, der heutigen Hauptstadt Litauens, geboren. 1906 setzt er sein Malereistudium zunächst in Berlin, ab 1910 in Dresden fort. Dort gründet er mit Otto Dix und anderen die Dresdner Sezession Gruppe 1919. Segall emigriert 1923 nach São Paulo, residiert jedoch von 1928 bis 1932 in Paris. Im Jahr seiner Rückkehr nach Brasilien agiert er als er Mitbegründer der Gesellschaft für Moderne Kunst (SPAM) in São Paulo, wo er bis zu seinem Tod 1957 lebt.

Ousmane Sembène

Der Literat und Filmpionier Ousmane Sembène wird 1923 in Ziguinchor im Senegal geboren. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter und politisch engagierten Stimmen des afrikanischen Kinos. Im Zweiten Weltkrieg kämpft er als "Tirailleur Sénégalais" für Frankreich und arbeitet bis zur Unabhängigkeit Senegals mehrere Jahre als Hafenarbeiter in Marseille. Er studiert am Gorky Film Institute in Moskau. Mit "La noire de…" (1966) realisiert er seinen ersten Langfilm, der die neokolonialen Strukturen und Abhängigkeiten von Frankreich kritisiert. Als erster nichtfranzösischer Film wird er mit dem Prix Jean Vigo und 1966 auf dem 1er Premier Festival mondial des arts nègres in Dakar ausgezeichnet. Ousmane Sembène stirbt 2007 in Dakar.

Amrita Sher-Gil

Die 1913 in Budapest geborene Amrita Sher-Gil lebt abwechselnd in Shimla, Nordindien, und in Ungarn, bevor sie 1930 in Paris das Studium an der Académie de la Grande Chaumière, später (1931 – 34) an der École des Beaux-Arts aufnimmt. 1932 gewinnt sie die Goldmedaille des Salon de Paris und wird als jüngstes Mitglied des Salons aufgenommen. 1934 kehrt sie nach Shimla zurück und studiert die vorkoloniale Kunst Indiens. 1938 heiratet sie den Ungarn Dr. Viktor Egan und zieht in das ländliche Saraya in Uttar Pradesh, wo sie eine fruchtbare Schaffensphase erlebt. Ihre Kunst wird von indischen Intellektuellen geschätzt. 1941 zieht sie nach Lahore, wo sie während der Vorbereitung einer umfassenden Einzelausstellung im selben Jahr stirbt.

David Alfaro
Siqueiros

Der 1986 in Chihuahua, Mexiko, geborene David Alfaro Siqueiros beginnt 1912 seine künstlerische Ausbildung an der Academia de San Carlos in Mexiko-Stadt. 1914 trat er im Bürgerkrieg der Mexikanischen Revolution der Armee der Konstitutionalisten bei, danach verbringt er zwei Jahre in Europa. 1922 ist er in Mexiko-Stadt Mitbegründer des Syndikats der Arbeiter, Maler und Bildhauer und verfasst Manifeste im Sinne einer neuen, post-revolutionären Kunst Mexikos. Seine ersten Wandambilder entstehen 1923 in der Escuela Nacional Preparatoria. Während seines US amerikanischen Exils fertigt er ab 1932 auch in Los Angeles Wandmalereien, 1936 gründet er in New York den Siqueiros Experimental Workshop. Vor seinem Tod 1974 errichtet er die Sala de Arte Público Siqueiros und vermacht sein persönliches Bildarchiv dem mexikanischen Volk.

Clara Ugbodaga-Ngu

Die Malerin, Bildhauerin und Pionierin der Nigerianischen Moderne Clara Ugbodaga-Ngu ist 1921 in Kano in Nigeria geboren. Als eine der wenigen professionell ausgebildeten Künstlerinnen studiert sie von 1950 bis 1955 in London an der Chelsea School of Art und am London Institute of Education. Sie ist 1955 das einzige nigerianische Fakultätsmitglied an dem noch von kolonialen Strukturen geprägten Nigerian College of Arts, Science and Technology in Zaria, wo sie viele der bedeutenden Künstlerinnen und Künstler wie die Art-Society-Mitglieder unterrichtet. Trotz der großen Anerkennung sowie Ausstellungen in Nigeria, Senegal, den USA und England ist sie in der Kunstgeschichtsschreibung so gut wie nicht mehr präsent. Sie stirbt 1999 und ist in Kamerun beerdigt.

Edward Weston

1886 in Highland Park, USA, geboren, studiert Edward Weston 1908 am Illinois College of Photography und eröffnet 1911 in Kalifornien sein erstes Fotostudio. 1923 zieht er gemeinsam mit Tina Modotti nach Mexiko-Stadt, wo die Aztec Land Gallery im Oktober des Jahres seine erste Ausstellung in Mexiko zeigt. Er und Modotti sind Gastgeber von Partys, auf der sich Künstler wie Diego Rivera oder sein enger Freund Jean Charlot sowie Politiker und Generäle treffen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Kalifornien, 1924/25, zeigen die in Mexiko entstandenen Fotografien sein gesteigertes Interesse an Mustern und Texturen. Nach dem Auftrag für Anita Brenners Buch "Idols Behind Altars" kehrt er 1926 endgültig in die USA zurück, wo er mit großem Erfolg bis zu seinem Tod 1958 arbeitet.

Yorozu Tetsugorō

Der 1885 in Hanamaki in der Provinz Iwate geborene Yorozu erlernt schon als junger Mann die japanische Malerei. Sein 1907 begonnenes Studium der westlichen Malerei an der Hochschule der Schönen Künste in Tokio bei Kuroda Seiki schließt er 1912 mit dem vielbeachteten Gemälde "Nude Beauty"ab. Im selben Jahr gründet sich in Tokio die kurzlebige Fusainkai-Gruppe, an deren Aktivitäten Yorozu teilnimmt. 1914 kehrt der Maler zunächst in seine Heimatregion zurück, 1919 folgt der Umzug nach Chigasaki, Provinz Kanagawa, wo er 1927 an Tuberkulose stirbt.

OPEN SPACE

10.11.2018 —
10.3.2019

OPEN SPACE, Architektur von raumlaborberlin, Foto: Judith Winterhager

Mit dem OPEN SPACE richtet die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zusammen mit raumlaborberlin im K20 einen kostenfrei zugänglichen Treffpunkt und Verhandlungsort ein. Über einen direkten Zugang vom Grabbeplatz aus öffnet sich das Museum damit erstmalig in Richtung Stadt und Stadtgesellschaft. Vier Monate lädt das Museum mit einer flexiblen Bühne, einem Café, einer Siebdruckwerkstatt sowie einer Infostation rund um das Forschungs- und Ausstellungprojekt „museum global“ zu öffentlicher Diskussion und informeller Begegnung ein. Hier können Besucherinnen und Besucher in Kontakt mit dem Team der Kunstsammlung sowie Gästen aus unterschiedlichen Disziplinen treten, mit künstlerischen Techniken experimentieren oder sich einfach mit Freunden treffen.

Täglich findet ein abwechslungsreiches, in weiten Teilen kostenloses Programm statt, das gemeinsam mit diversen Partnern initiiert wurde. In Gesprächen, Lesungen, Workshops und verschiedenen Führungsformaten werden dort neben künstlerischen und kunstwissenschaftlichen Aspekten Fragen nach der gesellschaftlichen Rolle des Museums in einer Zeit zunehmender Diversität und politischer Kontroversen diskutiert.



Programm

Diskurs

Die aktuellen Gespräche, Lesungen oder Vorträge, die im OPEN SPACE stattfinden, werden alle aufgezeichnet und können in einer sich erweiterten Mediathek auf dieser Seite nachgeschaut werden.

Seit 2015 als Forschungs- und Ausstellungsprojekt angefangen, finden sich auf unserer Museums-Website weitere Informationen und Dokumente.

Die hier gezeigten Filme ermöglichen bereits einen Einblick in die im Vorfeld stattgefundenen Veranstaltungen:
Die Konferenzen "museum global? Multiple Perspektiven auf die Kunst 1905−1950" und "Wem gehört das Museum? Fragen und Bedingungen musealer Vermittlung im globalen Kontext" sowie die Vortragsreihe nichteuropäischer Künstlerinnen und Künstler/Kuratorinnen und Kuratoren im Schmela Haus.




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