El-Telmisani, Hassan

Untitled, 1946

Öl auf Leinwand (doppelseitig)
50 x 39 cm


© Hassan El-Telmisani, 2020 Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf

Auf seiner unbetitelten, 1946 doppelseitig bemalten Leinwand zeigt Hassan El-Telmisani zwei eindrückliche Szenarien mit fragmentierten Körpern. Es sind wuchtige, grob umrissene Körperteile, die wie Skulpturen erscheinen, zurückgelassen in menschenleeren Landschaften. 

Während die kopf- und armlose Figur von Felsen und Bäumen eng gerahmt ist, sitzt die andere, den Oberkörper von einer dunklen Decke komplett überfangen, in einer weiten, kargen Landschaft, in der allein Holzmasten, Leitungen und Ackerfurchen von menschlicher Existenz zeugen. Gesichter, und damit Individualität fehlen, in einem Bild ersetzt der Maler sie durch eine kaum lesbare Uhr. Solche fragmentierten, aber auch ausgemergelte Körper vor menschenleeren Landschaften, Szenen von Kampf und Zerstörung oder die prekäre Lebenssituation vieler Frauen in der Metropole Kairo sind zentrale Bildmotive, mit denen die Maler und Malerinnen von Armut und wirtschaftlicher Ungerechtigkeit erzählen. Während sich die surrealistischen Maler im Paris der 1920er Jahre in der Welt der Träume, der Verschiebungen und unerwarteten Begegnungen bewegten, spiegelt sich in den Bildern der ägyptischen Maler unmittelbar die Destabilisierung der Welt während des Zweiten Weltkriegs.