I’M NOT A NICE GIRL!

Eleanor Antin, Lee Lozano, Adrian Piper, Mierle Laderman Ukeles

18.1. — 28.6.2020

  • Mierle Laderman Ukeles, Touch Sanitation Performance, 1979-80, July 24, 1979-June 26, 1980. Citywide performance with 8,500 Sanitation workers, photo: Vincent Russo, © Mierle Laderman Ukeles, Courtesy the artist and Ronald Feldman Gallery, New York
  • Eleanor Antin, Representational Painting, 1971, 38 minutes, Video, B&W, Silent , Courtesy the artist and Ronald Feldman Gallery, New York
  • Adrian Piper, My Calling (Card) #1 (Reactive Guer-rilla Performance for Dinners and Cocktail Parties), 1986-present. Per-formance prop: brown business card with printed text on cardboard. 2" x 3.5", © Adrian Piper Research Archive Foundati
  • Lee Lozano (1930–1999), Private Notes
  • Lee Lozano (1930– 1999), No title, 1971, Pen on paper (facsimile), 22.6 x 21.5 cm / 8 7/8 x 8 1/2 inches, Courtesy Hauser & Wirth
  • Mierle Laderman Ukeles Touch Sanitation Performance, 1979-80 July 24, 1979-June 26, 1980. Citywide performance with 8,500 Sanitation workers, © Mierle Laderman Ukeles, Courtesy the artist and Ronald Feldman Gallery, New York

Die für die Räume der Bel Etage und das Archiv Dorothee und Konrad Fischer im K21 konzipierte Ausstellung zeigt Arbeiten von vier Konzeptkünstlerinnen der ersten Generation: Eleanor Antin, Lee Lozano, Adrian Piper und Mierle Laderman Ukeles. Sie beschäftigen sich in ihrem Werk bis heute mit relevanten sozialpolitischen und feministischen Themen wie Institutionskritik, Rassismus, Identitäts- und Genderpolitiken, aber ebenso ökologisch aktivistischen Anliegen.

Ausgangspunkt der Präsentation bildet eine Reihe selten oder nie gezeigter Dokumente bestehend aus Briefen, Konzepten und Fotografien aus dem Archiv Dorothee und Konrad Fischer. Dieses Archivmaterial belegt die Kontakte des international einflussreichen Galeristen Konrad Fischer zu Lucy R. Lippard und Konzeptkünstlerinnen der späten 1960er und frühen 1970er-Jahren wie Eleanor Antin, Hanne Darboven, Agnes Denes, Adrian Piper, Lee Lozano, Charlotte Posenenske oder Alina Szapocznikow.

Während Eleanor Antin, Adrian Piper und Mierle Laderman Ukeles jeweils ein Raum in der Bel Etage des K21 gewidmet ist, werden die Arbeiten von Lee Lozano (1930-1999) im Archiv Dorothee und Konrad Fischer vorgestellt. Lee Lozano im Kontext des Fischer Archivs zu zeigen, erweist sich auf der Grundlage der recherchierten Dokumente und Arbeiten in mehrfacher Hinsicht als naheliegende Entscheidung. Am 3. April 1969 entwirft sie in ihrem Private Book 1 und einem ihrer Write-ups die Idee eines „Konrad Fischer show piece“. Sie handelte darüber hinaus auch ganz im Sinne einer Aufhebung der Trennung von Leben und Kunst, wenn sie den radikalen Anspruch einer alle Bereiche des Lebens umfassenden Revolution formulierte und diese auch selbst mit aller Konsequenz in ihren performativ angelegten „Live-Art-Pieces” umzusetzen versuchte, die neben ihren Ausstieg aus dem Kunstsystem auch den Boycott von Frauen vorsah, mit dem Ziel die Kommunikation zu verbessern.

Mierle Laderman Ukeles (*1939) stellt wiederum in ihrem 1969 veröffentlichten „MANIFESTO FOR MAINTENANCE ART 1969! Proposal for an exhibition ‚Care’” die Frage nach dem Wert von alltäglichen Routinearbeiten in unserer Gesellschaft: „After the revolution, who’s going to pick up the garbage on Monday morning?”. Sie unterschied darin zwei Grundsysteme menschlicher Arbeit: Entwicklungs- und Instandhaltungsarbeiten. Die Entwicklungsarbeiten ordnete sie den tradierten Vorstellungen von Avantgarde, individueller Schöpfung und dem Fortschritt zu. Die unproduktiven Instandhaltungs- bzw. Routinearbeiten hingegen dienten der kontinuierlichen Ermöglichung, Aufrechterhaltung und dem Schutz der Entwicklungsarbeiten, ohne jedoch die entsprechende Aufmerksamkeit und Wertschätzung in der Gesellschaft zu erfahren. Sie beschloss daraufhin „Instandhaltungskünstlerin“ zu werden und ihre tägliche Hausarbeit als Instandhaltungsarbeit zu ‚performen’: „MEIN ARBEITEN WIRD DAS WERK SEIN“.

Eleanor Antin (*1935), deren Werk zwischen Konzeptkunst, Performance, Fotografie, Film und Theater changiert, bezeichnet sich als passionierte Feministin. Immer wieder ist der eigene Körper und seine Repräsentation in der Gesellschaft, sind Fragen der weiblichen Identität und damit verbundene Politiken des Begehrens und der Sexualität Ausgangspunkt ihrer  künstlerischen Auseinandersetzung. Damit weitet sie die Konzeptkunst um eine subjektive, feministische Perspektive aus. 1972 präsentierte Eleanor Antin Konrad Fischer in einem Brief Konzepte und Zeichnungen ihrer aktuellen Arbeiten, die sie unter der Überschrift „Traditional Art“ zusammengefasst hatte. Mit ihnen unterzog sie die traditionellen, kunsthistorischen Gattungen Malerei, Zeichnung und Skulptur einer erneuten Überprüfung und setzte dem weiblichen Körper als Objekt männlichen Begehrens im performativen Akt der Rückeroberung ein feministisch reflektiertes Bildkonzept entgegen.

Seit 1967 können die Arbeiten von Adrian Piper (*1948) als dem Prinzip der Konzeptkunst verschrieben angesehen werden, da sie ungeachtet der von ihr verwendeten Medien, alles als Ausdrucksformen einer jeweils spezifischen Idee versteht. Auch wenn ihre frühen konzeptuellen Arbeiten in erster Linie abstrakten und systematischen  rinzipien folgen, ist ihnen bereits ein Subjekt-Objekt-Verhältnis implizit, das den jeweils persönlichen (intuitiven) Zugang der Künstlerin beziehungsweise der Betrachterinnen und Betrachter mit einbezieht. Als Künstlerin und Philosophin führt sie politische Anliegen und Themen wie Geschlechter- und Rassendiskriminierung, Xenophobie und komplexe Identitätsfragen in das Vokabular  er Konzeptkunst ein. Adrian Piper versteht Kunst nicht allein als Untersuchungsfeld, sondern in erster Linie als Kommunikationsmedium, das zwischen ihr und den Betrachterinnen und Betrachtern, dem (konstruierten) Selbst und dem Anderen vermittelt und in dessen Zentrum ihr Konzept der „indexikalischen Gegenwart“ (Adrian Piper) steht.

Die in Berlin und Düsseldorf lebende Künstlerin Katrin Mayer (*1974) hat im Dialog mit der Kuratorin Isabelle Malz ein Display für die Archivalien, Räume und Publikation der Ausstellung entwickelt. Ihre ortsbezogenen, installativen Arbeiten, fokussieren zumeist die Bereiche zwischen Werk und Ausstellung und reflektieren immer  ieder auch feministische Themen, Leerstellen in der Geschichtsschreibung, sowie Methodiken der Darstellung. Für die Präsentation der Materialien entwickelte sie  in Papierdisplay mit dem Titel „Dotting the Voids – A liminal Pieceness“, in dem sie das Prinzip des ‚boxing’ aufgreift. Dieses verweist auf die Archivschachteln des Fischer Archivs, und ist zudem als formales Element der Rahmung in Lee Lozanos Write-Ups und ihren perforierten Gemälden mitangelegt.

Unter der Devise I’M NOT A NICE GIRL! stellt die Ausstellung im K21 vier ebenso kämpferische wie wegweisende Konzeptkünstlerinnen vor.

 

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Ausstellungsansichten

  • Foto: Achim Kukulies
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Karten-Katalog zur Ausstellung

I’M NOT A NICE GIRL!
Eleanor Antin, Lee Lozano, Adrian Piper, Mierle Laderman Ukeles

Zur Ausstellung ist ein Karten-Katalog erschienen, den wir Ihnen an dieser Stelle auch als pdf zum Download zur Verfügung stellen.

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