Georges Braque. Erfinder des Kubismus

25.9.2021 — 23.1.2022

  • Anonym, Porträt Georges Braque, ca. 1906–1907, Silbergelatine Abzug, Archives Quentin Laurens
  • Georges Braque, Arbres à l`Estaque, 1909, Öl auf Leinwand, 73 x 60 cm Statens Museum for Kunst, Kopenhagen, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Andreas Endermann
  • Georges Braque. Erfinder des Kubismus, 2021. Foto: Andreas Endermann
  • Georges Braque, Nature morte, harpe et violon, 1911, Öl auf Leinwand, 116,3 × 81,5 × 2,2 cm Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Andreas Endermann
  • Georges Braque, Nature morte à la pipe (Le Quotidien du Midi), 1914, Schwarze Kreide, Kohle und Öl auf Leinwand, 33 × 41 cm, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Museum Berggruen, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Andreas Endermann
  • Georges Braque, Klavier und Man-dola, Winter 1909-1910, Öl auf Leinwand, 91,7 x 42,8 cm, Solomon R. Guggenheim Museum, New York ©VG Bild-Kunst, Bonn 2021
  • Georges Braque, Landschaft bei La Ciotat, 1907, Öl auf Leinwand 38 × 46,2 × 2,4 cm, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf. VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf. Foto: Walter Klein, Düsseldorf
  • Georges Braque, Der Tisch der Bar Stout, 1912/13, Öl und Kohle auf Leinwand, 35,7 x 28,6 cm, Museum Ludwig, Köln ©VG Bild-Kunst, Bonn 2021
  • Georges Braque, Der Portugiese (Der Emigrant), 1911-1912, Öl auf Leinwand, 116,7 x 81,5 cm, Kunst-museum Basel – Schenkung Dr. h.c. Raoul La Roche ©VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen würdigt den in Deutschland bislang zu wenig beachteten Georges Braque als bahnbrechenden Künstler der französischen Avantgarde. Die Ausstellung konzentriert sich auf die wichtigsten Jahre seines Schaffens, auf das besonders spannende und ereignisreiche Frühwerk zwischen 1906 und 1914.

Vor dem Ersten Weltkrieg prägt der junge Georges Braque (1882–1963) mit seinem Freund Pablo Picasso acht Jahre lang die vielleicht revolutionärste Etappe in der Geschichte der modernen Malerei: den Kubismus. Landschaften und Stillleben sind seine Spezialmotive. Die Ausstellung zeigt, wie Braque in rasanter Abfolge und auf höchstem Niveau die stilistischen Mittel weiterentwickelt oder neu erfindet. Fauvismus, Vorkubismus, Analytischer Kubismus, Papier Collés und Synthetischer Kubismus folgen in einzigartiger Verdichtung aufeinander. Tempo und Intensität der Stilwechsel verblüffen bis heute. Unsere Ausstellung zeigt am Werk Braques den beispielhaften Weg der modernen Kunst von der gegenständlichen zur abstrahierten Wirklichkeitswiedergabe. Rund 60 Meisterwerke aus internationalen Museen, Privatsammlungen und den Beständen der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen werden zusammengetragen und in einer maßgeschneiderten Architektur im K20 präsentiert.

Die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg bringen in Westeuropa bahnbrechende Erfindungen, neue Denkweisen und Philosophien und die faszinierende Beschleunigung des Alltags hervor. Dort liegt der Ursprung unseres modernen, medialen Zeitalters, mit dem sich auch die räumlichen und zeitlichen Wahrnehmungsweisen völlig verändern. So eröffnen Automobile, Flugzeuge und Röntgenbilder neue Blickwinkel und dynamische Perspektiven auf die Welt. Das immer populärer werdende Kino mit seinen überraschenden bildtechnischen Möglichkeiten erweitert den Wahrnehmungshorizont und wird zur Inspiration der malenden Avantgarde. In der Werkgeschichte des jungen Braque, der ein begeisterter Kinogänger ist und sich von den neuen Techniken des Films anregen lässt, erscheinen die Ereignisse der Zeit wie in einem Brennglas fokussiert.

Die Ausstellung folgt dieser Faszination und verortet Braques künstlerische Phasen in den historischen Kontext. Filme und dokumentarische Materialien werden in die Ausstellung mit einbezogen, um den Zusammenhang zwischen der Dynamisierung des Alltags und der ästhetischen Formentwicklung in der bildenden Kunst erfahrbar werden zu lassen, aber auch um die Diskrepanz zwischen den visuellen Neuerungen der Vorkriegszeit und der medialen Bilderflut, in der wir heute leben, zu begreifen.

Von Braque gibt es keine theoretischen Abhandlungen, kaum Schriftverkehr mit gleichgesinnten Künstlern. Wer war Georges Braque? Was macht ihn einzigartig innerhalb der Avantgarde am Pariser Montmartre? Braque war radikal im malerischen Ausdruck, stets im Zentrum der Ereignisse. Doch anders als seinen Freund Picasso, den virtuosen, temperamentvollen und sprunghaften Spanier, schildern seine Zeitgenossen den jungen Braque als bedächtig, verlässlich und von großer Intensität. Dem äußerst innovativen, aber „ruhigen, langsam arbeitenden Normannen“ wird in Kunst- und Sammlerkreisen Vertrauen geschenkt. Für Guillaume Apollinaire war Braque sogar der „Patron“ der modernen Kunst! Der Freund und Dichter wies ihm diese sicherlich zwiespältige Rolle bereits 1912 zu. Für ihn war Braque der „Schutzheilige“, der „Prüfstein“ des Kubismus, und er sollte es bis zum Lebensende bleiben. Selbst viele Jahrzehnte später bekräftigt der renommierte deutsche Kunsthistoriker Gottfried Sello nach dem Tod Braques im Jahr 1963 diese Sichtweise: „Für Frankreich bedeutet Braque den Garanten künstlerischer Kontinuität. Er hat es fertiggebracht, seine Nation `en bloc´ von der modernen Malerei zu überzeugen.“ Ausstellung und Katalog versuchen die Liste der Zuschreibungen kritisch zu hinterfragen und damit näher an den wahren Georges Braque heranzukommen.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Sammlung und deren wissenschaftliche Erforschung sind Bestandteil unseres gesellschaftlichen Auftrags als Museum. Die Ausstellungsidee wurde aus dem Sammlungsbestand der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen heraus entwickelt, die über vier herausragende Werke von Georges Braque verfügt.

 

Kuratorin der Ausstellung: Dr. Susanne Meyer-Büser
Kuratorische Assistenz: Florentine Muhry

Das Architekturbüro Thomas Stadler hat die auf Wabenelementen fußende Ausstellungsarchitektur hier entwickelt. Eine Inspirationsquelle war die New Yorker Armory Show von 1913.

  • Die Ausstellung wird unterstützt durch

  • Medienpartner

  • Gefördert durch

Programm
  • Workshop: Kleine Welt ganz groß (7 – 9 Jahre)

    Di. – Mi., 28.12. – 29.12., 10.15 – 13.15 Uhr

    Workshop

    K20

  • Workshop: Von der Wand in den Raum und zurück (5 – 6 Jahre)

    Di. – Mi., 28.12. – 29.12., 10.15 – 13.15 Uhr

    Workshop

    K20

  • Workshop: Papier geklebt – „papiers collés“ (7 – 9 Jahre)

    Di. – Do., 19.10. – 21.10., 10.15 – 13.15 Uhr

    Workshop

    K20

  • Workshop: Georges Braque – Die „papiers collés“ und die Folgen

    Fr. – Sa., 26.11. – 27.11., Fr. 14.45 – 17.45 Uhr, Sa. 11.15 – 14.15 Uhr

    Workshop

    K20

  • Workshop: Georges Braque und die Erfindung des Kubismus

    Fr. – Sa., 5.11. – 6.11., Fr. 14.45 – 17.45 Uhr, Sa. 11.15 – 14.15 Uhr

    Workshop

    K20

  • Vortrag: Kubismus als Medienrevolution

    Mittwoch, 27.10., 19 Uhr

    Vortrag

    K20

  • Musikalische Interventionen

    3 × sonntags, 31.10., 28.11., 16.1. 16 – 17.30 Uhr

    Performance

    K20